Louis | Mordsmäßig angetrunken | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 8

Reihe: Louisa Manu-Reihe

Louis Mordsmäßig angetrunken

Louisa Manus achter Fall
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98637-635-2
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Louisa Manus achter Fall

E-Book, Deutsch, Band 8

Reihe: Louisa Manu-Reihe

ISBN: 978-3-98637-635-2
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Ein totes Funkenmariechen bleibt selten allein
Louisa Manu ermittelt wieder … als Käse verkleidet

Louisa Manus Lieblingsjahreszeit hält Einzug in Köln: Karneval. Sie will trinken, feiern und die anstrengenden letzten Monate vergessen … und kein totes Funkenmariechen unter einem Umzugswagen finden. Doch Lou bekommt selten, was sie will. Das Gute ist, dass die Katastrophen-Rentnerin Trudi nicht mitmischen kann, weil sie ihre Spontan-Hochzeit planen muss. Das Schlechte, dass Lous schwangere Chaoten-Schwester lieber auf Mörderjagd geht, als dem Vater von der frohen Kunde zu erzählen. Aber alles ist besser, als sich mit ihrer Beziehungs-Baustelle namens Rispo zu beschäftigen – also kämpft Lou sich durch eine Menge Pailletten, persönliche Krisen und eine Horde Jecken, um dem Täter auf die Spur zu kommen. Und schon sehr bald werden zwei Dinge klar: Betrunkene Zeugen sind keine guten Zeugen – und die Tote ist nicht das einzige Funkenmariechen, auf das es der Mörder abgesehen hat!

Alle Bände der Louisa-Manu-Reihe können unabhängig voneinander gelesen werden.

Erste Leser:innenstimmen
„Endlich geht meine liebste Cosy Crime-Reihe weiter, ich habe wieder so viel gelacht!“
„Mit Louisa Manu wird es einfach nie langweilig.“
„Diesmal ermittelt Lou an Karneval – herrlich witzig, spannend und an die Seiten fesselnd!“
„Ich liebe Saskia Louis‘ humorvollen Schreibstil und ihre chaotisch, aber charmanten Charaktere sehr.“

Über die Autorin

Saskia Louis lernte durch ihre älteren Brüder bereits früh, dass es sich gegen körperlich Stärkere meistens nur lohnt, mit Worten zu kämpfen. Auch wenn eine gut gesetzte Faust hier und da nicht zu unterschätzen ist … Seit der vierten Klasse nutzt sie jedoch ihre Bücher, um sich Freiräume zu schaffen, Tagträumen nachzuhängen und den Alltag einfach mal zu vergessen.



Saskia Louis lernte durch ihre älteren Brüder bereits früh, dass es sich gegen körperlich Stärkere meistens nur lohnt, mit Worten zu kämpfen. Auch wenn eine gut gesetzte Faust hier und da nicht zu unterschätzen ist ... Seit der vierten Klasse nutzt sie jedoch ihre Bücher, um sich Freiräume zu schaffen, Tagträumen nachzuhängen und den Alltag einfach mal zu vergessen.
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Kapitel 1


„Willst du … mich heiraten?“

Ich lächelte und seufzte schwer. „Ja.“

„Bist du sicher?“ Mein Gegenüber kratzte sich nachdenklich das Kinn. Seine Gesichtsfarbe wirkte neben all den Pflanzen in meinem Verkaufsraum gleich noch ein wenig grünlicher.

„Bin ich.“

„Ich weiß nicht so recht, Louisa. Vielleicht ja eher: Willst du meine Frau werden?“

„Nein, nein. Wirklich.“ Ich schüttelte den Kopf und drehte den Ritterhelm in meinen Händen. „Mir gefällt die Heiraten-Version deutlich besser. Gerade die dramatische Pause in der Mitte. Sehr schön.“

Manfred rieb sich noch immer unschlüssig über das Gesicht, sodass seine Falten Wellen schlugen. Als hätte man einen Stein in einen See geworfen. Mit der freien Hand klammerte er sich sichtlich nervös an meinem Verkaufstresen fest, sodass ich Angst um das weiche Kiefernholz bekam.

„Du hast keinen Grund, so nervös zu sein“, versicherte ich ihm aufmunternd. „Trudi wird mit Sicherheit Ja sagen!“

Manfred war seit fast einem Jahr mit meiner ehemaligen Mitarbeiterin und jetzt nur noch verrückten Freundin Trudi zusammen. In Seniorenzeit also schon eine halbe Ewigkeit. Zumindest hatte er mir versichert, dass ein Mann von seiner Klasse eine elegante Frau wie Trudi einfach nicht länger warten ließ. Sie waren schließlich keine sechzig mehr!

„Wird sie“, stimmte jetzt auch meine Schwester Emily zu, die neben mir auf einem Hocker saß und in einem Handspiegel prüfte, ob ihre blaue Gesichtsfarbe noch saß. „Weil sie Partys toll findet und eine schmeißen darf, wenn sie dich heiratet – das lässt sie sich nicht entgehen.“

„Und natürlich, weil sie dich liebt“, setzte ich pflichtbewusst hinzu.

Emmi winkte ab. „Jaja, das auch.“

„Meint ihr?“, fragte er unsicher und strich sich nervös den Frack glatt, bevor er sich mit den Fingern die Haare über die Glatze kämmte.

„Ja“, sagte ich fest. „Sie ist begeistert von dir!“

Er war schließlich ein reicher ehemaliger Steuerberater in seinen späten Siebzigern, der noch alle Zähne hatte, das Rockinstrument Akkordeon beherrschte und einen nicht allzu haarigen Rücken besaß. Der menschliche Jackpot, wenn man Trudi fragte. „Und ich muss sagen, Manni, deine Verkleidung als Bräutigam ist auch sehr cool.“
„Bräutigam?“ Verdutzt blickte er an sich hinunter. „Ich bin ein Pinguin.“

Oh. Das erklärte die orangene Nase. Ich war davon ausgegangen, dass er zu viele Karotten gegessen hatte. „Meine ich doch!“, sagte ich hastig, stellte den Ritterhelm auf dem Tresen ab und klopfte ihm lächelnd auf die Schulter.

Einige Sekunden lang sah er mich skeptisch an, dann nickte er jedoch. „Danke. Okay, ich geh noch mal kurz in dein Büro und übe den Antrag. Es ist schon fast elf, Trudel wird bald hier sein!“

Mit roten Flecken auf Wangen und Hals wuselte er durch die Tür neben dem Tresen, die in mein Arbeitszimmer führte, das aus siebzig Prozent Schreibtisch und dreißig Prozent Kekskrümeln bestand.

„Wow, mit Ende siebzig heiraten“, meinte Emily, sobald die Tür ins Schloss fiel, und zog meinen Ritterhelm vom Tisch. „Eigentlich keine schlechte Idee, oder? Vielleicht sollte ich auch so lange warten – dann ist eine Scheidung zumindest sehr viel unwahrscheinlicher. Ich meine, es klingt irgendwie besser, wenn man sagt: und nicht etwa: .“ Nachdenklich knibbelte sie an der Alufolie meines Helms herum. „Meinst du nicht?“

„Ich finde, beides hört sich nicht sonderlich erquickend an“, stellte ich trocken fest. „Und hey, pass auf.“ Ich schnalzte mit der Zunge und zog ihr ungeduldig das Prunkstück meiner Verkleidung aus den Händen. „Nachher geht der Helm kaputt, bevor ich ihn überhaupt benutzt habe. Er ist etwas fragil. Ich hab ihn selbst gebastelt!“

Es war das erste Mal seit zehn Jahren, dass ich wieder Alufolie benutzt hatte. Zum Kochen verwendete ich sie nämlich nie – Herde und Öfen mochten mich einfach nicht, weil ich sie jahrelang schlecht behandelt hatte. Es war nur fair, ihre Wünsche zu respektieren und mich ihnen nicht auf mehr als drei Metern zu nähern. Seit ich einen Freund hatte, der mit einem Kochlöffel genauso gut hantieren konnte wie mit einer Handfeuerwaffe, musste ich es Gott sei Dank auch nicht mehr.

Meine jüngere Schwester seufzte und verdrehte ausdrucksstark die Augen. „Du bist so ein Nerd, Lou.“

Vermutlich hatte sie recht. Aber ich bezeichnete mich gern als leidenschaftlich. Wenn mich jemand fragen würde, welche drei Dinge ich im Leben am meisten liebte – Menschen ausgeschlossen –, dann wäre die Liste sehr einfach.

Erstens: Blumen und Pflanzen.

Zweitens: Schokolade und ihre Anwendungsbereiche (größtenteils jedoch die in meinem Magen).

Drittens: Karneval.

Und da heute Weiberfastnacht, der Startschuss des Kölner Straßenkarnevals war, hatte ich die letzten Wochen damit verbracht, drei Kostüme zu basteln. Denn nur der jämmerlich einfallslose Karnevalsenthusiast trug sechs Tage lang dasselbe. Ich mochte ein fauler Mensch sein – aber ich war kein fauler Jeck.

Das war nicht weiter verwunderlich, als gebürtige Kölnerin – mit einer Mutter, die die witzigsten roten Pusteln bekam, wenn Konfetti ihren Teppich verunreinigte – floss mir Karneval praktisch durchs Blut. Aber ich hatte bereits mit fünf erkannt, dass Karneval nicht einfach ein Event war. Es war eine Lebenseinstellung. Die Chance, für eine Woche im Jahr jemand anderes zu sein.

Damals hatte meine Mutter mich als Prinzessin verkleidet in den Kindergarten geschickt.

Ich war äußerst unzufrieden mit der Kostümwahl gewesen. Denn eigentlich hatte ich als Kartoffel gehen wollen. Mein Bruder Jannis hatte mir erzählt, dass diese innerhalb von neunzig Tagen ausgewachsen waren – was mir zu dem Zeitpunkt wie ein gutes Ziel erschienen war.

Aber nein, meine Mutter hatte mich in ein pinkes Kleid gesteckt, mir die Haare geflochten und meinen Kopf mit einer Krone verziert.

Der Kragen des Kleides hatte furchtbar gekratzt, der Saum meine Knöchel gekitzelt und die Krone unangenehm gedrückt. Also hatte ich, sobald meine Mutter mich an der Garderobe abgesetzt hatte, den Kragen zerrissen, die Krone zerbrochen und den Saum fachmännisch mit einer Schere zerfetzt.

Den Erzieherinnen hatte ich erzählt, dass ich als Prinzessin gehen würde, die soeben siegreich aus einem Kampf mit einem Drachen hervorgegangen war.

Die anderen Kinder waren so beeindruckt von meinem Aufzug gewesen, dass ich an diesem Tag das bunteste Glitter, die schönsten Wachsmalstifte und drei Schokopuddings mein Eigen hatte nennen dürfen.

Das war es definitiv wert gewesen, am selben Abend von meiner Mutter ohne Nachtisch ins Bett geschickt zu werden. Ich hatte ohnehin Bauchschmerzen gehabt.

Was mir dieser Tag also bewiesen hatte: Karneval war magisch und machte Träume wahr. Wenn man wollte, konnte man ein völlig anderer Mensch sein!

Als Jugendliche, die den Großteil ihrer Schulzeit damit verbracht hatte, lateinische Pflanzennamen auswendig zu lernen und den Spitznamen Loser-Lou nicht allzu ernst zu nehmen, war das wundervoll gewesen. Mittlerweile war ich jedoch kein unsicherer Teenager mehr und nutzte Karneval so wie jeder andere vernünftige Erwachsene auch: um sich zu betrinken, albern anzuziehen, kölsche Lieder zu grölen, zu viele Berliner zu essen und generell zu ignorieren, dass man keine achtzehn mehr war. Und Emmi konnte mir erzählen, was sie wollte, ich war nicht die Einzige, die Karneval liebte.
„Um elf Uhr elf machen wir aber schon zu, oder?“, fragte sie und betrachtete ihre blauen Fingernägel. „Ich meine … wir können nicht zu machen! Das wäre Ketzerei.“

Ich grinste. „Natürlich. Wir haben eine Tradition aufrechtzuerhalten. Also schließen wir den Laden und gucken den Reiterzug Jan von Werth an. Wie jedes Jahr.“

Erleichtert ließ sie die Schultern sinken. „Gut, ich hab Finn nämlich schon gesagt, dass wir uns dort treffen. Es ist übrigens gemein, dass Leonie heute freibekommen hat.“

Leonie war die zweite Azubine meines Blumenladens und zu Emilys Verdruss eine weitaus bessere und fleißigere Mitarbeiterin als sie.

„Leonie läuft gleich als Tanzmariechen im Eröffnungszug mit“, erinnerte ich sie. „Natürlich hat sie freibekommen.“

„Mhm“, machte Emily unzufrieden, bevor sie eine äußerst lädiert aussehende PET-Flasche aus ihrer Handtasche zog, die mit einer dunkelroten Flüssigkeit gefüllt war, die verdächtig nach Wein aussah aus.

Ungläubig schnappte ich sie ihr aus den Fingern. „Emmi!“, zischte ich. „Du bist schwanger. Du darfst nicht trinken.“

Meine Schwester hatte vor wenigen Wochen erfahren, dass sie überraschenderweise ein Kind erwartete. Vater war Finn, ihr bester Freund, Bruder meiner besseren Hälfte Josh und ahnungsloser Schlucker – denn Emily hatte ihn noch nicht von seinem Glück unterrichtet.

„Danke, Mama, das weiß ich selbst“, erwiderte Emily verärgert. „Es ist Traubensaft. Ich muss doch wenigstens so tun, als würde ich saufen. Sonst wird Finn misstrauisch.“

Ich seufzte schwer. „Wäre es nicht simpler, es ihm einfach zu sagen?“

Emily presste die Lippen zusammen. „Nein, wäre es nicht. Ich weiß ja selbst noch nicht, ob ich es behalten will oder nicht. Abgesehen davon will ich, dass Finn mit mir zusammen sein möchte, weil ich der beste Mensch auf der ganzen Welt bin – nicht, weil sein Samen in mir gesprossen ist.“

Ich zog eine Grimasse. „Nette, bildliche Beschreibung – und das verstehe ich, Emmi. Aber du verpasst hier...



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