Louis | Mordsmäßig versaut | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 6

Reihe: Louisa Manu-Reihe

Louis Mordsmäßig versaut

Louisa Manus sechster Fall
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96817-216-3
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Louisa Manus sechster Fall

E-Book, Deutsch, Band 6

Reihe: Louisa Manu-Reihe

ISBN: 978-3-96817-216-3
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Undercover im Altersheim – da kann nichts schief gehen, oder?
Die beliebte Cosy-Krimi-Reihe von Bestsellerautorin Saskia Louis geht weiter!

Louisa Manu ist merkwürdige Ereignisse gewohnt – doch als Trudi, ihre ehemalige Angestellte, behauptet, sie habe sich auf eine Leiche gesetzt, wirft das die ein oder andere Frage auf. Wieso ist sie in die Dampfsauna eines Altenheims eingebrochen, weshalb liegt dort eine blutige Leiche und warum überrascht Lou das kein bisschen? Die Senioren des Heims scheinen etwas zu verbergen. Grund genug für Trudi, undercover zu gehen und Louisa mit in ihre Ermittlungen zu zerren. Doch die hat ganz andere Probleme. Jemand hat unanständige Inhalte auf die Website von Louisas Blumengeschäft gestellt und Kommissar Rispo scheint ein paar Geheimnisse zu haben, die er nicht mit Lou teilen möchte. Noch nicht. Denn Louisa Manu wäre nicht Louisa Manu, wenn sie nicht jeder einzelnen nackten Tatsache auf den Grund gehen würde …

Erste Leserstimmen
„Der Schreibstil von Saskia Louis ist einfach unverkennbar, ich habe so viel gelacht!“
„Großartige Dialoge und ein spannender Fall zum Miträtseln haben diesen Cosy Crime zu einem absoluten Lesegenuss gemacht.“
„Gewohnt humorvoll, unterhaltsam und herrlich chaotisch.“
„Die Mordsmäßig-Reihe rund um Louisa Manu muss man einfach lieben!“



Saskia Louis lernte durch ihre älteren Brüder bereits früh, dass es sich gegen körperlich Stärkere meistens nur lohnt, mit Worten zu kämpfen. Auch wenn eine gut gesetzte Faust hier und da nicht zu unterschätzen ist ... Seit der vierten Klasse nutzt sie jedoch ihre Bücher, um sich Freiräume zu schaffen, Tagträumen nachzuhängen und den Alltag einfach mal zu vergessen.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Kapitel 1


„Du hast ihn umgebracht!“, sagte ich schockiert und legte eine Hand auf meine Brust.

Erschrocken sah Jonas auf. „Es war ein Versehen. Ich hab ihn nicht gesehen.“

„Das hilft ihm jetzt auch nicht mehr“, stellte ich fest und fiel eilig auf die Knie, um zu sehen, ob ich noch etwas tun konnte. Die Gliedmaßen lagen merkwürdig von seinem Körper abgewinkelt und waren an mehreren Stellen gebrochen. Mein Mund wurde trocken, mein Herz schlug schneller und meine Augen brannten. „Er … er war noch so jung“, flüsterte ich und schüttelte den Kopf. „Er hatte noch sein ganzes Leben vor sich.“

„Lou, gib dir keine Mühe“, meinte Florian trocken und stellte sich neben seinen Bruder. „Ich glaub, du kannst ihn nicht retten. Er sieht wirklich ziemlich tot aus.“

„Etwas kann nicht tot aussehen“, sagte ich und sah verärgert zu ihm hoch. „Entweder etwas ist tot – oder es lebt.“ Ich wusste das, ich hatte in meinem Leben schon drei Leichen gesehen und dort hatte nie zur Debatte gestanden, ob sie ihren letzten Tanz getanzt hatten oder nicht.

„Nee.“ Jonas schüttelte den Kopf und verschränkte die Arme hinter dem Rücken. „Flo hat recht. Wenn Joshi achtundvierzig Stunden gearbeitet hat, sieht er tot aus. Wenn du uns so böse anguckst wie jetzt, sehen wir tot aus … dieser Kaktus hier sieht aus.“

Mit den Füßen stupste er die Überreste der Sukkulente an, die soeben den Stachel abgegeben hatte. Ich schlug ihm gegen den Knöchel und betrachtete besorgt den Kaktus, dessen Wurzeln sich vom Körper getrennt hatten. Die Pflanze sah aus, als hätte sie einen schrecklichen Frisörbesuch hinter sich – und widerwillig musste ich Jonas recht geben. Sie war ziemlich tot.

„Ihr seid allesamt Pflanzenmörder. Eure ganze Familie!“, stellte ich missbilligend fest, sammelte die Tonscherben des kleinen Blumentopfs ein, der ihn nicht hatte schützen können, und rappelte mich auf. Der beige Teppich war nun mit brauner Erde verschmiert. Das erhöhte sicherlich seinen Coolnessfaktor vor anderen Teppichen, weil es wirkte, als hätte er sich mit einer Erd-Gang angelegt, doch höchstwahrscheinlich würde er in den Müll wandern.

Rispo würde entzückt sein. Eine Pflanze und ein totes Gewebegemisch weniger in der Wohnung. Seit ich hier vor ein paar Monaten eingezogen war, hatte sich einiges geändert und Josh gab mir immer wieder subtil zu verstehen, dass ich zu viel Kram hatte und die Wohnung mehr einem Gewächshaus als einem wünschenswerten Lebensraum glich.

Da wünschenswerter Lebensraum allerdings ein Gewächshaus war, hatte ich Schwierigkeiten, seine Kritik nachzuvollziehen.

„Sorry“, sagte Jonas schuldbewusst. „Ich bin in letzter Zeit so schnell gewachsen, ich habe mein Körpergefühl verloren.“

„Du bist einundzwanzig und gehst einmal die Woche bouldern!“, erinnerte ich ihn grimmig, lief in die Küche, in der sich das dreckige Geschirr vom eben beendeten Abendessen stapelte, und suchte nach einem Kehrblech, um dem Kaktus ein anständiges Begräbnis im Biomüll zu ermöglichen.

Er grinste. „Ach ja. Dann muss es ein anderer, nachvollziehbarer Grund sein. Aber tut mir wirklich leid. Der Kaktus war … ähm … sehr stachelig. Klasse Pflanze.“

Seufzend winkte ich ab. „Schon okay. Halb so wild.“ Ich besaß eine Menge bewundernswerter Fähigkeiten. Zum Beispiel konnte ich in unter einer Minute ein annehmbares Blumengesteck basteln. Oder einen hübschen Dinosaurier zeichnen. Außerdem war ich dazu in der Lage, zwölf Kekse gleichzeitig in meinen Mund zu stopfen.

Doch lange auf einen der Rispo-Jungs wütend zu sein, hatte ich nie gemeistert. Josh war da vielleicht eine Ausnahme, aber mit ihm schlief ich auch und er wusste genau, welchen Knopf er drücken musste, damit ich in die Luft ging. Das war etwas anderes.

„Sagt mal, wo ist eigentlich Finn?“, wollte ich wissen und gab Jonas das Kehrblech.

Ich hatte Josh dazu überredet, seine Brüder einmal im Monat zu uns einzuladen und sicherzustellen, dass sie etwas anderes als Pizza, Bier und Aspirin zu sich nahmen. Er hatte gemeint, wenn ich ihm unbedingt regelmäßig Kopfschmerzen bereiten wolle, könnte ich ihm genauso gut alle vier Wochen seine Waffe stehlen und einem Mörder nachstellen, so wie ich es sonst immer tat.

Das hatte ich als großzügige Zustimmung meines Vorschlags betrachtet.

„Er will dich nicht sehen“, sagte Jonas lapidar, reichte Florian das Kehrblech weiter und wedelte zu den Pflanzenresten hinüber. „Er ist der Meinung, dass die Manu-Frauen die Ausgeburt der Hölle sind, die ihn von seinem rechten Pfad abbringen wollen.“

„Rechten Pfad?“, sagte ich ungläubig. „Finn saß schon öfter in einer Gewahrsamszelle als Buddha im Schneidersitz.“

Abwehrend hob Jonas die Hände. „Es waren seine Worte. Ich bin natürlich der Meinung, dass die Manu-Frauen engelsgleiche Wesen sind, die unsere Welt mit Licht und Lachen erfüllen.“

Ich schnaubte und presste die Lippen zusammen. Es war nicht fair, dass Finn seine Wut an mir ausließ! Ich war es nicht gewesen, die ihn drei Tage vor der Hochzeit hatte sitzen lassen. Diese Ehre gebührte meiner Schwester Emily, die etwas zu spät bemerkt hatte, dass eine ernste, erwachsene Beziehung keinen Spaß machte und Kompromisse nicht in ihren Lebensplan passten.

Und überhaupt: Es war vier Monate her! Ich hatte gehofft, dass er sich mittlerweile etwas beruhigt hatte.

„Geht es ihm denn sonst … gut?“, wollte ich zögerlich wissen, nahm dem verdatterten Flo den Handfeger aus der Hand und verfrachtete ihn zurück in Jonas’ Arme.

Der seufzte schwer, sank jedoch auf die Knie, um den Dreck wegzumachen. „Flo, geht es Finn gut?“, gab er die Frage an seinen Bruder weiter.

„Keine Ahnung. Woher soll ich das wissen?“

„Ja, weiß es sicherlich auch nicht“, beschwerte sich Jonas.

„Aber ihr seht ihn doch andauernd“, stellte ich verwirrt fest. Die fünf Ripso-Brüder mochten oft miteinander streiten, aber sie standen sich dennoch näher, als sie zugeben wollten. Sie hatten in jungen Jahren ihre Mutter verloren und das hatte sie eng zusammengeschweißt.

„Ja, klar“, meinte Flo leichthin, „aber wir reden nicht über so einen Blödsinn, wie zum Beispiel, wie sich der andere fühlt oder ob er Probleme hat!“

Ich verdrehte die Augen. „Worüber redet ihr denn sonst?“

Flo runzelte die Stirn und kratzte sich an der Schläfe. „Keine Ahnung. Welches Tier im Zoo gerade was Witziges gemacht hat. Ab wann Kinder im Uterus etwas hören können. Wo man das beste Gras herbekommt. Normale Dinge eben.“

Ja. Das klang logisch. „Ihr seid nutzlos“, stellte ich das Offensichtliche fest, und beide Brüder nickten. So als würden sie nicht eine Sekunde an diesem Fakt zweifeln.

Ach, na gut. Ich würde Finn die Woche mal anrufen und selbst nachfragen. Ich mochte ihn. Ich wollte nicht, dass er mich nicht mehr ansehen konnte, weil er dachte, ich würde ihm ebenso das Herz brechen, wie Emily es getan hatte. Obwohl ich mir da nicht sicher sein konnte. Ihre Beziehung war immer etwas speziell gewesen.

Jonas kehrte pflichtbewusst die Überreste der Sukkulente auf und rieb dabei die Erde weiter in den Teppich. Ich wollte ihn gerade darauf hinweisen, dass es das Ziel war, den Dreck zu entfernen, nicht, ihn zu verewigen, als eine laute Männerstimme die Stille durchbrach.

„Was zur Hölle soll das denn heißen?!“ Das Geschrei drang so schrill durch die Schlafzimmertür, dass wir alle drei zusammenzuckten. „Ich bin hier, weil es so wolltest – und jetzt bist du wütend, weil ich meine Füße nicht stillhalten, sondern Sachen in die eigene Hand nehmen will?“

„Du bist kein verdammter Polizist, Mo! Du hast nicht das Recht, !“ Das war Josh. Sein Brüllen würde ich unter hunderten wiedererkennen. Größtenteils weil ich so oft der Grund dafür war.

„Louisa ist auch keine Polizistin und mischt sich überall ein – sie hast du auch noch nicht verknackt“, schrie Mo zurück. „Nur, weil ich keine Brüste habe und nicht mit dir ins Bett steige, habe ich nicht dieselben Rechte?“

Ich öffnete automatisch den Mund, um zurückzuschreien, dass Josh mich schon einmal verknackt hatte, doch ich kam nicht dazu.

„Es ist egal, was Lou getan hat!“, fuhr Josh ihn an. „Es geht hier um Dummheiten, nicht ihre.“

Moritz, der zweitälteste Rispo-Sohn, erwiderte etwas Hitziges, das ich nicht verstand, doch wahrscheinlich endete es nicht mit .

„Es muss ungewohnt sein, nicht diejenige zu sein, die Josh anschreit“, überlegte Jonas leise und nickte mir zu.

Düster sah ich ihn an. „Josh schreit gar nicht so häufig“, log ich. „Er hat einfach einen … großen Drang, sich deutlich auszudrücken.“

Die Tür vom Schlafzimmer flog auf und Mo stapfte daraus hervor, sein Kopf so rot wie eine schüchterne Tomate.

„Oh, zwick dich doch selbst, Mo!“, drückte Josh sich deutlich aus und lief ihm ins Wohnzimmer nach – auch wenn er nicht sagte. „Du warst im Amazonas unterwegs, hast mit Mädchen im Bikini geflirtet und Steine fotografiert, während ich die Drecksarbeit gemacht hab! Willst du mir dafür jetzt allen Ernstes Vorwürfe machen?“

Wütend fuhr Mo herum. „Menschen machen Fehler, Josh! Das ist alles, was ich sagen möchte.“

„Ich nicht. Nicht !“, erwiderte Rispo kalt, seine sonst hellbraunen Augen schwarz.

„Jaja“, sagte Mo verächtlich und schlüpfte in seine Schuhe, die bei der Tür...



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