E-Book, Deutsch, 523 Seiten
Lowell Dangerous Games - Tödliche Gier
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98690-884-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 523 Seiten
ISBN: 978-3-98690-884-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Elizabeth Lowell ist das Pseudonym der preisgekrönten amerikanischen Bestsellerautorin Ann Maxwell, unter dem sie zahlreiche ebenso spannende wie romantische Romane verfasste. Sie wurde mehrfach mit dem Romantic Times Award ausgezeichnet und stand bereits mit mehr als 30 Romanen auf der New York Times Bestsellerliste. Die Website der Autorin: elizabethlowell.com Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin ihre historischen Liebesromane »Begehrt von einem Ritter«, »Verführt von einem Ritter« und »Geküsst von einem Ritter« sowie ihren Thriller »48 Hours - Rette dein Kind« Außerdem veröffentlichte sie ihre Romantic-Suspense-Romane »Dangerous Games - Dunkles Verlangen«, »Dangerous Games - Tödliche Gier« und die Donovan-Saga mit den Bänden »Thrill of Desire«, »Thrill of Seduction«, »Thrill of Passion« und »Thrill of Temptation«.
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Kapitel 2
Los Angeles
Freitag, den 31. Oktober
Morgens
»Ist der Kunde einverstanden, wenn ich die Objekte manuell inspiziere?«, fragte Risa und runzelte die Stirn.
Dana nickte. »Ja, aber wir haben sie schon fotografiert, Röntgenaufnahmen gemacht und sie verschiedentlich elektronisch untersucht, inklusive XRF und REM.«
Ohne die Frage von Shane abzuwarten, erklärte Risa: »Röntgenfluoreszenz, um die Zusammensetzung der Metalllegierung zu bestimmen, und Rasterelektronenmikroskop für all die winzigen Details.«
»Die Ergebnisse wurden digitalisiert«, fuhr Dana fort, »und können dreidimensional reproduziert werden. Wenn du also nicht das Risiko eingehen willst, die Objekte in die Hand ...«
Risa übertönte das Ende des Satzes mit einem lauten Lachen. »Alles, wofür ich lebe, ist der Umgang mit altem Schmuck, vor allem Goldschmuck. Qualitativ hochwertiges Gold reagiert nicht auf die Säure menschlicher Haut, was bedeutet, dass ich bei einer kurzen Prüfung eines Goldobjekts keine Chirurgenhandschuhe tragen muss.«
»Was sollte dir das Anfassen von Gold denn mehr bringen als einfach nur den Spaß an der Freude?«, fragte Niall.
»Kein Foto, keine 3-D-Reproduktion, kein Hologramm, kein elektronischer Scan, keine Zeichnung und kein Bericht können für mich das direkte Anfassen und In-die-Hand-Nehmen ersetzen. Beim Menschen ist nur noch die Zunge empfindsamer als die Fingerspitzen. Ich habe schon Objekte untersucht, die so fein gearbeitet waren, dass Auge und Fingerspitzen nicht ausreichten.«
»Soll das heißen, du leckst daran?«, fragte Niall ungläubig.
Ein amüsierter Seitenblick war ihre einzige Antwort.
Shanes Augenlider senkten sich beinahe träge. Das war seine einzige sichtbare Reaktion auf die Vorstellung an eine Untersuchung von etwas, die Risa mit ihrer Zunge vornahm. Der Gedanke daran war zweifelsohne interessanter als all die Goldobjekte auf dem Tisch vor ihm. Die waren zwar historisch von einigem Wert, aber ihnen fehlte das Prickelnde.
Doch das war genau das, was er suchte. Etwas, was spürbar Wirkung ausübte auf die Menschen. Goldobjekte, die geeignet waren, sogar die breite Masse und all die Ignoranten des 21. Jahrhunderts zu ergreifen und bis ins Mark zu erschüttern. Auch wenn diese Momente immer nur ein paar Sekunden dauerten, so würden die Betrachter doch unmittelbar erkennen, dass Menschen wie sie bereits vor Tausenden von Jahren gelebt hatten – wie sie selbst hatten sie Sehnsucht gehabt und gelacht, geliebt und geweint, waren gestorben und hatten sich immer wieder schöpferisch betätigt.
Die Vorstellung, dass solch eine Ausstellung natürlich auch die Besucherströme durch die Casinos von Tannahill Inc. leiten würde, war natürlich reizvoll, doch das war nicht der Grund, warum Shane auf der Jagd nach hochwertigen Goldobjekten war. Sein Beweggrund war ganz einfach: Er verachtete die Räuber, Plünderer und Aasgeier von Kunstschätzen alter Kulturen. Von diesem leidenschaftlichen Antrieb wussten nur noch zwei andere Menschen: Dana und Niall. Shane tat alles, um es dabei zu belassen.
Je geringer die Leute seine Motive achteten, desto leichter entging er ihrer Aufmerksamkeit.
»Haben Sie nichts anderes, was Sie mir zeigen können?«, fragte er. »Das ist nicht das, was ich suche. Wenn ich die Druidenausstellung eröffne, dann ist da ein Haufen Presse und andere Medien mit Tausenden von Kameras. Prominenz, Politiker, sonstige Berühmtheiten. Die ganze bunte Blase.«
»Was Shane sagen will«, versuchte Risa zu übersetzen, »ist, dass es in Las Vegas zwei Sorten Menschen gibt: die downtown ohne Geld, Geschmack und Stil und die Reichen, Überkandidelten aus den Vororten. Die Objekte hier werden keinen von denen vom Hocker reißen.«
Doch noch während sie sprach, strichen ihre Fingerspitzen bewundernd über die kühle, mit Blessuren versehene Oberfläche von etwas, was vielleicht der Halsring eines privilegierten Kindes gewesen sein mochte oder die Opfergabe für eine der vierhundert Gottheiten, die von den Kelten verehrt wurden. Ihrer Meinung nach verdiente noch das geringste Kunstobjekt Respekt allein dafür, dass es im Unterschied zu vielem anderem so lange dem Vergessen entgehen konnte.
Dana reagierte auf Risas Erklärung mit einer bloßen Handbewegung und blickte Shane an. Sie hatte mit seiner Ungeduld gerechnet. Deshalb hatte sie darauf bestanden, dass nicht er, sondern Rarities für Risas Zeit, Flug und Unkosten aufkam. »Nicht aufregen, bitte. Risa ist in unserem Auftrag hier, nicht in Ihrem.« An Niall gewandt sagte sie: »Willst du ihn nicht einfach mal mit ins Untergeschoss nehmen und dort mit ihm ein kleines Kämpfchen machen, Waffen beliebig – oder so etwas?«
Das war ein Befehl, keine Frage.
Shane lachte und hob seine Hände, als wolle er sich der schmalen Brünetten ergeben. »Ihr Angebot ist so verlockend, Dana. Ich kann kaum widerstehen.«
»Also los, fangen Sie schon an mit Ihrem Kampf«, schlug Niall vor, aber an seinen Augenfältchen war erkennbar, dass er sich insgeheim amüsierte.
Dana murmelte irgendetwas, das sich wie »Kerle« oder »Kacke« anhörte. Keiner bat sie um eine genauere Erklärung.
Lächelnd griff Risa nach dem kleinen Halsring. »Dem Gewicht nach zu urteilen ist er hohl. Dieser Torques genannte offene Halsring ist höchstwahrscheinlich eine Grabbeilage oder ein Opfer für den Geist einer bestimmten Quelle oder eines Moores oder Flusses. Nach seiner Farbe zu urteilen ist er aus einer Gold-Silber-Legierung gemacht, ähnlich den Hortfunden in Snettisham in England, die auf die Mitte des ersten Jahrhunderts vor Christus datiert wurden. Aber auch wenn das stimmt, wäre damit nicht der Beweis für die Herkunft dieses Objektes hier erbracht, weil Grabbeilagen und Schatzfunde schon seit Menschengedenken immer wieder ausgegraben und eingeschmolzen wurden, um daraus eigene Stücke herzustellen.«
»Aber du würdest zustimmen, diesen Halsring als britischkeltisches Stück aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert einzustufen?«
»Wenn das mit euren Röntgenfluoreszenzergebnissen übereinstimmt?«
»Tut es«, beeilte Dana sich zu sagen. »Keins der Stücke ist eine der modernen Neun-, Vierzehn- oder Achtzehn-Karat-Goldlegierungen.«
Risa nickte, ohne dabei den Blick von dem Halsring zu wenden.
»Die Bearbeitung hat nicht dasselbe hohe Niveau wie die Stücke aus den Snettisham-Horten des ersten vorchristlichen Jahrhunderts. Die Verbindungsstücke sind hier nicht einmal mit Gravuren verziert. Vielleicht wurde der Ring nicht vollendet, vielleicht aber doch. Wir werden es nie erfahren. Wir können nur das beurteilen, was wir in Händen halten, nicht, was gewesen sein könnte.«
»Aber der Ring ähnelt den Snettisham-Stücken?«, hakte Dana nach.
»Ganz offensichtlich wurde dieser Ring aus silberlegiertem Gold gemacht«, antwortete Risa. »Mehr will ich im Moment nicht dazu sagen.«
Risa hielt den Halsring in derselben Position und drehte ihn, damit die Kamera über ihren Köpfen ihn gut erfassen konnte. Die Schlichtheit des Objekts wurde dadurch ins beste Licht gesetzt.
»Es handelt sich hier um ein einzelnes Röhrchen aus Gold, das sehr schlicht zu einem schmalen Halsring geformt wurde«, sprach Risa. »Als goldenes Überbleibsel vergangener Jahrhunderte hat es neben dem finanziellen auch einen historischen Wert. Als Beispiel der Schmiedekunst in der Eisenzeit in Britannien dagegen ...« – fuhr Risa achselzuckend fort – »ist es schlicht. Sehr schlicht. Jedes gute Museum hütet so etwas in seinen Magazinen, bis ein Wissenschaftler sich vielleicht dafür erwärmt.«
Als Dana nickte, glitt ein heller Schimmer über ihr kurzes dunkles Haar. Der Kunde hatte sich zweifellos mehr erhofft, aber das war allein sein Problem. Danas Aufgabe waren Ankauf, Verkauf, Schätzung und Schutz des nie abreißenden Stroms von Kunstobjekten aus alten Kulturen, die den Experten von Rarities Unlimited vorgelegt wurden.
»Die anderen Objekte sind von ähnlicher künstlerischer Qualität.« Vorsichtig legte Risa den Halsring zurück in seine Mulde und ergriff eher zufällig eines der anderen Stücke der Sammlung. »Diese Ringfibel – so etwas wie ein Kreis, der an einer Stelle unterbrochen ist – wurde verwendet, um Gewänder, Umhänge und Ähnliches festzustecken, damit sie nicht von den Schultern rutschten. Viele solcher Fibeln wurden aus Eisen oder Bronze gemacht. Die Wikinger bevorzugten Silber, weil sie davon am meisten besaßen. Die frühere Keltenkultur hier und andernorts dagegen war reich an Gold.«
Niall betrachtete sich die Ringfibel. Es gab nichts, womit man sie an einem Kleidungsstück hätte befestigen können – noch nicht einmal eine Spitze, um sie durch den Stoff zu stoßen, bevor sie in der grob gearbeiteten Halterung einrastete. »Mir ist nicht klar, wie diese Fibel irgendetwas hätte halten können.«
»Das kommt daher, weil der Teil mit der Spitze abgebrochen ist«, sagte Risa und legte die Fibel zurück. »Das ist vermutlich absichtlich passiert, als die Fibel ins Grab gelegt oder ins Wasser geworfen wurde.«
Niall öffnete den Mund, um zu fragen, wieso etwas entzweigebrochen worden sein sollte, bevor es ins Grab gelegt oder einem Gott geopfert worden war. Doch da fing er Danas scharfen, ungeduldigen Blick auf und schloss den Mund wieder. Es war nicht wichtig, darüber so genau Bescheid zu wissen. Nicht für ihn. Es war genug, wenn Risa Bescheid wusste.
Außerdem konnte er sie später immer noch fragen.
»Zwei der übrigen Fibeln weisen ähnliche Defekte auf.« Risa ließ ihre Finger rasch über drei andere Stücke gleiten. »Diese schmalen Armreifen sind aus...




