Lu | Warcross (Band 1) - Das Spiel ist eröffnet | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 416 Seiten

Reihe: Warcross

Lu Warcross (Band 1) - Das Spiel ist eröffnet

eSport-Roman
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7320-1193-3
Verlag: Loewe Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

eSport-Roman

E-Book, Deutsch, Band 1, 416 Seiten

Reihe: Warcross

ISBN: 978-3-7320-1193-3
Verlag: Loewe Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mit Warcross liefert Bestsellerautorin Marie Lu den Auftakt zu einer temporeichen Cyberpunk-Jugendbuchreihe, die durch viel Action, Spannung und eine starke, coole Protagonistin überzeugt. Ein Muss für alle, die Videospiele und eSports lieben, aber nicht auf Romantik verzichten möchten! Die Welt ist verrückt nach Warcross, dem gigantischsten Videospiel aller Zeiten! Erfinder Hideo Tanaka wird wie ein Gott verehrt, eSport-Turniere füllen ganze Stadien und die Meisterschaft ist das größte Event der Welt. Kopfgeldjägerin Emika Chen erhält zu Beginn der Warcross-WM ein verlockendes Jobangebot von Hideo Tanaka: Undercover soll sie an dem Wettkampf teilnehmen und einen Hacker aufspüren, der Warcross sabotiert. Eine waghalsige Jagd beginnt, bei der Emika nicht nur ihr Leben aufs Spiel setzt, sondern auch ihr Herz ... Warcross - Das Spiel ist eröffnet ist der erste von zwei Bänden.

Marie Lu, Autorin der Bestseller-Trilogie Legend, wurde 1984 in Shanghai geboren und lebte für einige Zeit in Texas, bevor sie an der University of Southern California studierte. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie bei den Disney Interactive Studios, ehe sie sich ganz dem Schreiben widmete. Die Bestsellerautorin lebt mit ihrem Mann und drei Hunden in Santa Monica, nahe dem Meer. Ihre wenige Freizeit verbringt sie mit Lesen, Zeichnen, dem Spielen von Assassin´s Creed und Im-Stau-Stehen.
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1


Es ist verdammt noch mal zu kalt für eine Jagd.

Zitternd ziehe ich mir den Schal über den Mund und wische mir ein paar Schneeflocken aus den Wimpern. Dann trete ich kräftig auf mein Elektroskateboard. Wie alles, was ich besitze, ist das Ding alt und abgenutzt, die blaue Farbe schon fast komplett abgeblättert, sodass das billige silberne Plastik darunter zum Vorschein kommt. Aber noch steckt ein bisschen Leben darin, und als ich mit der Ferse härter aufstampfe, springt das Board endlich mit einem großen Satz nach vorn, direkt in die Lücke zwischen zwei Autokolonnen. Mein regenbogenbunt gefärbtes Haar peitscht mir wild ums Gesicht.

»Hey!«, schimpft ein Fahrer, als ich mich an seinem Wagen vorbeimanövriere. Ich werfe einen Blick über die Schulter: Er droht mir durch das offene Fenster mit der Faust. »Du hättest mich fast erwischt!«

Doch ich drehe mich wieder um und beachte ihn nicht weiter. Normalerweise bin ich netter – zumindest hätte ich ihm eine Entschuldigung zugerufen. Aber heute Morgen nach dem Aufwachen habe ich einen gelben Zettel an der Tür meines Apartments gefunden, getippt in der riesigsten Schriftgröße, die man sich vorstellen kann.

RÄUMUNG IN 72 STUNDEN

Kleine Hintergrundinfo: Ich bin fast drei Monate mit der Miete im Rückstand. Wenn ich also nicht schleunigst 3 450 Dollar auftreibe, sitze ich Ende der Woche auf der Straße.

So was würde wohl jedem den Tag verderben.

Der Wind brennt auf meinen Wangen. Zwischen den Wolkenkratzern blitzt grauer Himmel auf, der stetig dunkler wird, und in wenigen Stunden werden sich die paar Schneeflocken vervielfacht haben. Autos verstopfen die Straßen, eine endlose Spur von Bremslichtern von hier bis zum Times Square, untermalt von einem Hupkonzert. Hin und wieder durchschneidet der schrille Pfiff eines Verkehrspolizisten das Chaos. Abgasgeruch hängt schwer in der Luft und aus einem offenen Lüftungsschacht quillt Dampf. Auf den Bürgersteigen wimmelt es von Menschen. Jede Menge Schüler und Studenten sind auf dem Heimweg, leicht zu erkennen an ihren Rucksäcken und riesigen Kopfhörern.

Eigentlich müsste ich eine von ihnen sein. Dieses Jahr hätte ich mit dem College anfangen sollen, aber nach Dads Tod habe ich immer öfter die Schule geschwänzt und sie irgendwann ganz abgebrochen. (Na schön – genau genommen haben sie mich wohl rausgeworfen. Aber ich wäre da sowieso nicht mehr hingegangen. Dazu später mehr.)

Ich konzentriere mich wieder auf die Jagd und sehe erneut auf mein Handy. Vor zwei Tagen habe ich folgende Nachricht erhalten:

Polizei New York, ACHTUNG!
Haftbefehl gegen Martin Hamer ausgestellt.
Belohnung 5 000 $.

Die zunehmende Kriminalität auf den Straßen New Yorks hält die Polizei dermaßen auf Trab, dass sie mittlerweile gar keine Zeit mehr hat, selbst nach kleinen Fischen wie Martin Hamer zu fahnden, der illegal auf Warcross-Spiele gewettet hat. Außerdem soll er verschiedenen Leuten Geld gestohlen und Drogen verkauft haben, um sich damit sein Glücksspiel zu finanzieren. Die Bullen schicken etwa einmal pro Woche solche Benachrichtigungen raus, mit dem Versprechen einer Belohnung für denjenigen, der den Gesuchten stellt.

Und dann schlägt meine Stunde. Ich bin Kopfgeldjägerin, eine von unzähligen in Manhattan, und fest entschlossen, Martin Hamer zu schnappen, bevor mir ein Konkurrent zuvorkommt.

Jeder, der schon mal schlecht bei Kasse war, kennt das – diesen nahezu unaufhörlichen Zahlenstrom, der mir auch jetzt wieder durch den Kopf rattert. Die Monatsmiete für das schäbigste Apartment New Yorks: 1 150 Dollar. Lebensmittel: 180 Dollar. Strom und Internet: 150 Dollar. Packungen Käsemakkaroni, Ramennudeln oder Dosenfleisch, die sich zurzeit in meinem Vorratsschrank befinden: 4. Und immer so weiter. Dazu kommen noch die 3 450 Dollar ausstehende Miete und 6 000 Dollar Kreditkartenschulden.

Mein aktueller Kontostand: 13 Dollar.

Nicht gerade das, was ein normales Mädchen in meinem Alter beschäftigen sollte. Ich sollte mir Sorgen über Prüfungen oder Hausarbeiten machen. Oder darüber, dass ich meine erste Vorlesung verschlafen könnte.

Aber meine Jugend ist nun mal nicht wirklich normal verlaufen.

5 000 Dollar, das ist die höchste Belohnung seit Monaten. Für mich erscheint es gerade wie alles Geld der Welt. Und genau darum tue ich seit zwei Tagen nichts anderes, als diesem Typen hinterherzujagen. Diesen Monat sind mir vier Kopfgelder hintereinander durch die Lappen gegangen. Wenn ich dieses hier auch nicht ergattere, stecke ich wirklich in Schwierigkeiten.

Dass diese Touristen immer die Straßen verstopfen müssen, denke ich, als ich gezwungenermaßen einen Umweg Richtung Times Square nehme, wo ich prompt hinter einer Karambolage aus Robotaxis auf einem Fußgängerweg stecken bleibe. Ich lehne mich auf meinem Board zurück, bremse und rolle langsam rückwärts. Dabei checke ich noch einmal mein Handy.

Vor ein paar Monaten ist es mir gelungen, mich in das Hauptverzeichnis aller Warcrosser in New York einzuhacken und es mit den Straßenkarten auf meinem Handy zu synchronisieren. Das war gar nicht so schwer – schließlich ist jeder auf der Welt auf irgendeine Art mit jemand anderem verbunden –, aber sehr zeitintensiv. Man muss einen Weg finden, in den ersten Account einzudringen, dann kann man das Ganze auf die Freunde des Inhabers ausweiten, dann auf deren Freunde und am Ende hat man den Standort jedes Spielers in New York City. So konnte ich endlich den aktuellen Aufenthaltsort meiner Zielperson herausfinden, aber mein Handy ist schrottreif und der Akku liegt in den letzten Zügen. Ständig versucht es, sich auszuschalten, um Energie zu sparen, und das Display ist so dunkel, dass ich darauf kaum etwas erkennen kann.

»Aufwachen«, murmele ich und studiere mit zusammengekniffenen Augen die Pixel.

Endlich rafft sich das Ding zu einem erbärmlichen Vibrieren auf und der rote Standortpfeil auf der Karte aktualisiert sich.

Ich schiebe mich an dem Taxiknäuel vorbei und trete mit der Ferse fest aufs Board. Zuerst protestiert es, aber dann schießt es vorwärts, ein winziger Punkt in einem Meer aus Menschen.

Als ich den Times Square erreiche, ragen ringsherum Großbildschirme auf und eine Welt aus Neonlicht und Lärm verschluckt mich. Jeden Frühling wird die Warcross-Meisterschaft mit einem riesigen Fest eingeläutet, bei dem zwei Mannschaften bestehend aus den Topspielern der ganzen Welt gegeneinander antreten. Die diesjährige Zeremonie findet in Tokio statt, und zwar heute Abend, weshalb alle Bildschirme irgendetwas von Warcross zeigen: einen hektischen Mix aus berühmten Spielern, Werbung und den Highlights vom letzten Jahr. An einer Gebäudeseite läuft Frankie Denas neuestes und bislang durchgeknalltestes Musikvideo. Sie ist gekleidet wie ihr Warcross-Avatar – das Kostüm mit dem Glitzercape gibt es in limitierter Auflage zu kaufen – und tanzt mit einer Gruppe Geschäftsmänner in knallrosa Anzügen. Unterhalb des Bildschirms bleiben ein paar aufgeregte Touristen stehen, um mit einem Typen in selbst gemachter Warcross-Montur für ein Foto zu posieren.

Auf einem weiteren Monitor sind gerade fünf der Superstars zu sehen, die heute Abend am Match teilnehmen werden. Asher Wing. Kento Park. Jena MacNeil. Max Martin. Penn Wachowski. Ich verrenke mir fast den Hals nach ihnen. Sie tragen alle die neuesten Kollektionen und lächeln zu mir herunter, ihre Münder so breit, dass sie die gesamte Stadt verschlucken könnten. Dann heben sie gleichzeitig Getränkedosen ins Bild und erklären Coca-Cola zum Softdrink ihrer Wahl. Unter ihnen läuft ein Textband:

TOPSPIELER TREFFEN IN TOKIO EIN –

WARCROSS EROBERT DIE WELT

Endlich bin ich über die Kreuzung und lande in einer kleineren Straße. Der rote Punkt auf meinem Handy, der meine Zielperson markiert, bewegt sich wieder. Sieht aus, als wäre Hamer in die 38. Straße eingebogen.

Ein paar Blocks lang schlängele ich mich weiter durch den Verkehr, bis ich schließlich vor einem Zeitungsstand halte. Der Standortpfeil schwebt über dem Gebäude vor mir, direkt über der Tür eines Cafés. Ich schiebe meinen Schal hinunter und atme erleichtert auf, worauf sich eine weiße Wolke in der eisigen Luft bildet. »Hab ich dich«, flüstere ich und gestatte mir ein kleines Lächeln beim Gedanken an die 5 000-Dollar-Belohnung. Ich springe von meinem E-Board, ziehe die Tragegurte heraus und schlinge es mir über die Schulter, sodass es neben meinem Rucksack hängt. Es ist noch aufgeheizt. Die Wärme dringt durch meine Kapuzenjacke und ich krümme meinen Rücken, um möglichst viel davon abzubekommen.

Im Vorbeigehen werfe ich aus Gewohnheit einen Blick auf die Titelseiten am Zeitungsstand, immer auf der Suche nach Artikeln über meinen Lieblingsstar. Ich werde fast nie enttäuscht. Und auch jetzt ist er wieder auf dem Cover einer Zeitschrift zu sehen: ein hochgewachsener junger Mann, der entspannt in seinem Büro sitzt. Dunkle Hose, gestärktes Hemd, die Ärmel lässig aufgekrempelt, das Gesicht im Schatten. Unter ihm prangt das Logo von Henka Games, dem Studio, in dem Warcross entwickelt wurde. Ich bleibe stehen und lese...



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