E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Lucas Von dir bekomme ich nie genug
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7515-0791-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7515-0791-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Paolo Caretti ist es gewohnt zu siegen. Als Rennfahrer - und bei Frauen. So brennt in ihm nur ein Wunsch, als Isabelle seinen Heiratsantrag abweist: Rache. Jedenfalls bis er die Prinzessin wiedersieht und sie ein Gefühl in ihm entfacht, von dem er kaum genug bekommen kann: Liebe.
Jennie Lucas wuchs umringt von Büchern auf! Ihre Eltern betrieben einen kleinen Buchladen und so war es nicht weiter verwunderlich, dass auch Jennie bald deren Leidenschaft zum Lesen teilte. Am liebsten studierte sie Reiseführer und träumte davon, ferne Länder zu erkunden: Mit 17 buchte sie ihre erste Europarundreise, beendete die Schule, begann zu studieren und reiste weiter ... Erst mit 22, als sie ihrem zukünftigen Ehemann begegnete, verspürte sie das erste Mal den Wunsch, seßhaft zu werden. Heute schreibt sie von all den Ländern, die sie bereist hat (oder noch gerne mit ihrem Mann und den beiden Kindern bereisen würde) und lässt ihre Leserinnen so an ihren Träumen teilhaben. Danke, Jennie!
Autoren/Hrsg.
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1. KAPITEL
Paolo Caretti zog den schwarzen Mantel eng um sich, als er aus dem Rolls Royce stieg. Sein Chauffeur stand schon mit einem aufgespannten Schirm bereit, da ein eiskalter Regen über New York vom Himmel fiel. Nur ein blutrot schimmernder Riss in der Wolkendecke verriet, dass irgendwo hinter all dem Grau die Sonne aufging.
Im Laufschritt eilten die beiden Männer zum Eingang des Caretti Tower, dem Verwaltungsgebäude des riesigen Caretti-Konzerns, der Paolo gehörte.
„Paolo! Warte.“
Einen Moment dachte er, dass er sich den leisen Ruf nur eingebildet hatte. Dass der chronische Schlafmangel ihn dazu brachte, in wachem Zustand zu träumen …
Doch dann tauchte eine zierliche, völlig durchnässte Gestalt hinter der hohen Bronzeskulptur auf, die den Vorplatz des zwanzigstöckigen Gebäudes schmückte. Ganz offensichtlich stand die Frau schon seit Stunden im Regen und wartete auf ihn.
„Schick mich nicht weg“, bat sie eindringlich.
Ihre Stimme klang noch so sanft und warm wir früher. Daran erinnerte er sich genau. Er hatte diese Frau einfach nicht aus dem Gedächtnis verdrängen können, trotz der vielen Geliebten, die er sich seither geleistet hatte.
„Du hättest nicht hierherkommen sollen“, erwiderte Paolo schroff.
„Ich … Ich brauche deine Hilfe.“ Prinzessin Isabelle de Luceran atmete tief durch. Ihre Augen schimmerten im Laternen-licht. „Bitte! Ich kann mich an niemand sonst wenden.“
Fast flehend sah sie zu ihm auf. Und er dachte an Frühlingstage, an Picknicks mit ihr im Central Park, an Sommernächte mit ihr in seinem winzigen Apartment in Little Italy, an die vier unglaublich herrlichen, märchenhaften Monate, in denen sie sein Leben hell und schön gemacht hatte. Bis er sie gebeten hatte, ihn zu heiraten …
„Lass dir von meiner Sekretärin einen Termin geben“, empfahl er ihr kühl und wollte an ihr vorbeigehen, aber sie stellte sich ihm in den Weg.
„Das habe ich versucht. Ich muss mindesten zehn Nachrichten bei ihr hinterlassen haben. Hat sie dir nichts ausgerichtet?“
Doch, Valentina hatte ihm mitgeteilt, dass die Prinzessin ihn sprechen wollte, aber er hatte es ignoriert. Isabelle bedeutete ihm nichts mehr. Er hatte vor Langem aufgehört, sie zu begehren.
Jedenfalls hatte er sich das eingeredet. Jetzt überwältigte ihn ihre Schönheit beinah. Die ausdrucksvollen haselnussbraunen Augen, die vollen sinnlichen Lippen, der verführerische Körper unter dem eleganten Mantel – all das war Paolo noch vertraut. Er erinnerte sich an den Geschmack ihrer Haut, an das Gefühl ihrer Lippen, wenn diese über seinen Bauch glitten, an die schmalen Hände, die ihn sanft und zugleich erregend streichelten …
„Du bist allein hier?“, erkundigte Paolo sich und versuchte, die erotischen Erinnerungen zu zügeln. „Wo sind deine Bodyguards?“
„Die habe ich im Hotel gelassen. Bitte, Paolo, hilf mir! Um … der alten Zeiten willen“, flüsterte Isabelle flehend.
Zu seinem Entsetzen bemerkte er, dass ihr Tränen über die Wangen liefen und ihre Hände bebten. Isabelle weinte? Ausgerechnet sie? Was immer sie von ihm wollte, es musste ihr sehr wichtig sein.
Sich vorzustellen, wie sie vor ihm niederkniete und um einen Gefallen bettelte, gefiel ihm. Das wäre zwar keine ausreichende Wiedergutmachung für das, was sie ihm angetan hatte, aber immerhin ein Anfang.
„Ich soll dir also einen Gefallen tun?“ Er trat näher zu ihr und strich ihr mit einem Finger lässig über die nasse, kalte Wange. „Umsonst mache ich es natürlich nicht, wie du dir denken kannst.“
„Das war mir klar“, bestätigte sie leise.
„Gut, dann komm mit.“ Damit nahm Paolo dem Chauffeur den Schirm ab und eilte die breiten Stufen hinauf, ohne auf Isabelle zu warten.
„Guten Morgen, Salvatore“, begrüßte er den Wachmann im Foyer.
„Guten Morgen, Signor Caretti. Kalt heute, nicht wahr? Da wünscht man sich in die alte Heimat zurück, wo es wärmer ist.“ Der Blick des Manns glitt zu Isabelle. „Oder auch nach San Piedro.“
Er hat sie also auch erkannt, dachte Paolo. Wie würde seine Sekretärin Valentina dann erst reagieren? Sie war eine ausgesprochen kompetente Frau mit einer einzigen, ausgeprägten Schwäche: Sie schwärmte für Prominente und die Regenbogenpresse.
Und Isabelle de Luceran, Prinzessin eines winzigen Fürstentums am Mittelmeer, war der Liebling der Paparazzi. Über kaum eine andere Frau wurde so viel und so oft berichtet wie über sie.
Als sie zum Lift gingen, pfiff Salvatore leise und anerkennend. Paolo konnte es ihm nicht verübeln. Mit achtzehn war Isabelle ein bezauberndes junges Mädchen gewesen, jetzt war sie eine atemberaubend schöne Frau.
Sobald sie im Lift waren und die Türen sich geschlossen hatten, wandte er sich an Isabelle. „Also, was willst du von mir?“
„Alexander ist entführt worden“, erwiderte sie verzweifelt.
„Dein Neffe?“, hakte er bestürzt nach. „Gekidnappt?“
„Ja. Nur du kannst ihn retten.“
Noch immer zweifelnd zog er die Brauen hoch. „Der Thronerbe von San Piedro braucht ausgerechnet meine Hilfe?“
„Er ist nicht mehr nur Erbe, sondern Fürst“, informierte Isabelle ihn. „Mein Bruder und seine Frau sind vor zwei Wochen tödlich verunglückt. Davon hast du doch bestimmt gehört.“
Natürlich hatte Valentina ihm alle Details über das Bootsunglück vor Mallorca erzählt, bei dem das Fürstenpaar umgekommen war. Ihr erst neunjähriger Sohn Alexander trat ein schweres Erbe an.
„Ja, ich habe davon gehört. Mein Beileid, Isabelle.“
„Danke.“
„Wer führt denn jetzt die Regierungsgeschäfte?“, fragte Paolo. „Dein Neffe ist doch noch viel zu jung.“
„Meine Mutter ist offiziell Regentin, bis Alexander mit achtzehn volljährig wird. Aber sie spürt allmählich das fortschreitende Alter, also versuche ich zu helfen, wo ich kann.“ Sie atmete tief durch. „Gestern war ich in London auf dem Wirtschaftsgipfeltreffen und bekam einen verzweifelten Anruf von Alexanders Kinderfrau. Der Junge wird vermisst. Inzwischen habe ich eine Nachricht vom Entführer erhalten. Er verlangt, dass ich ihn heute um Mitternacht treffe. Allein.“
„Du denkst doch nicht etwa daran, diese Forderung zu erfüllen?“
„Was soll ich denn sonst tun? Wenn du mir nicht hilfst …“
„Auch wenn San Piedro klein sein mag, habt ihr doch Militär, Palastwache und Polizei. Wende dich an sie, damit sie den Jungen finden.“
„Nein! In der Nachricht hieß es, dass ich Alexander nie mehr wiedersehe, wenn ich mich an die offiziellen Stellen wende.“
Paolo lachte. „Natürlich droht der Kidnapper damit. Das kennt man doch aus jedem Krimi. Lass dich nicht ins Bockshorn jagen, sondern benachrichtige sofort eure Polizei. Die erledigt das schon. Fahr nach Hause, und lass mich in Frieden, Isabelle.“
„Moment.“ Bittend legte sie ihm die Hand auf den Arm. „Ich habe dir noch nicht alles erzählt.“
Es kam ihm vor, als gingen von ihrer Hand elektrische Schwingungen aus, die seinen ganzen Körper prickeln ließen. Am liebsten hätte er Isabelle an die Wand gepresst, ihr den Rock hochgeschoben und sie genommen, gleich hier und jetzt im Lift. Kurz und heftig und ohne innere Beteiligung.
Was war nur mit ihm los? Schließlich empfand er für sie nur noch Verachtung, weil sie eine oberflächliche, kaltherzige Person war, die ihn ausgenutzt hatte, als er ein naiver, verliebter junger Mann gewesen war.
Trotzdem reichten fünf Minuten in ihrer Nähe, um seine Lust zu entfachen. Sogar durch den Stoff seines Mantels hindurch schien ihre Hand seine Haut zu versengen. Rasch zog er den Arm weg.
Der Lift blieb im obersten Stock stehen, und die Türen öffneten sich.
„Na gut“, verkündete Paolo barsch. „Ich gebe dir fünf Minuten. Vergeude sie nicht.“
Wieder eilte er voraus zu seinem Büro, ohne auf die Angestellten im Flur zu achten, die ihn respektvoll grüßten. Im Vorzimmer saß Valentina am Schreibtisch – wie immer der Inbegriff von Effizienz und Eleganz. Das schicke lila Kostüm betonte ihre Kurven, das schimmernde kastanienbraune Haar trug sie locker aufgesteckt. Als einziger Schmuck funkelte eine kleine goldene Uhr an ihrem Arm, die er ihr zu Weihnachten geschenkt hatte.
Augenblicklich stand Valentina auf. „Guten Morgen, Mr. Caretti. Hier sind die Bilanzen aus Rom. Palladium notiert zwei Prozent höher. Heute Morgen haben einige Reporter angerufen, die das Gerücht gehört haben wollen, dass verkauft werden soll. Und dann kamen, wie ich Ihnen ja schon am Telefon sagte, die Anrufe von dieser Frau, die behauptet, sie wäre …
Plötzlich atmete sie tief durch und sah Isabelle fassungslos an.
„Sie haben den Reportern gesagt, dass Caretti Motors nicht verkauft wird, richtig?“
Valentina sah aus, als würde sie gleich in Ohnmacht fallen. „Ja. Nein. Das heißt, ich …“
„Stellen Sie in den nächsten fünf Minuten keine Anrufe durch“, wies er sie an. Dann packte er Isabelle am Handgelenk und zog sie mit sich in sein Büro. Bevor die Sekretärin noch etwa sagen konnte, schloss er die Tür.
„Danke.“ Isabelle rieb sich das Handgelenk. „Dafür, dass du mir …“
„Sag, was du zu sagen hast, und dann verschwinde“, herrschte Paolo sie an.
Wieder atmete sie tief durch. „Ich brauche...




