Ludwig | Hufspuren: 136 Hufe zu viel | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 220 Seiten

Ludwig Hufspuren: 136 Hufe zu viel


1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-7725-4052-3
Verlag: Freies Geistesleben
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 220 Seiten

ISBN: 978-3-7725-4052-3
Verlag: Freies Geistesleben
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wer ein Pferd, das ihm nicht gehört, zu sehr liebt, muss früher oder später Abschiedsschmerz leiden. Jana und Felix steht in dieser Hinsicht einiges bevor. Und dazu noch Albertas und Theres' frische Begeisterung für Isländer. Als Käfigpferde bedauert Alberta die Pferde im Ulmenhof, seit sie den Offenstall des neuen Rappenhofes gesehen hat. Das ist einfach zu viel. Die Freundschaft knirscht in allen Fugen. Aber vielleicht sind Isländer doch etwas sehr Besonderes? Zögernd betritt Jana Neuland. Und das sind die jungen Pferdenarren: Jana, die sich alles traut und (fast) immer Glück hat - auch mit einer Reitbeteiligung an dem Wallach Askan. Alberta aus Kasachstan, die jedes Pferdebuch aus der Bibliothek kennt und im Stall hilft, wo sie kann, aber nur ausnahmsweise eine Longenstunde bekommt. Felix, hochtalentierter Reiter ohne eigenes Pferd, aber mit besten Beziehungen zu einem Tierarzt . Theres, ein bisschen ängstlich (wenn auch nicht so sehr wie ihre Mutter), deren Eltern ihr jedes Pferd der Welt kaufen könnten, die aber beim Reiten noch einiges zu lernen hat.

Christa Ludwig ist als Jugendbuchautorin bekannt geworden mit ihren Romanen 'Der eiserne Heinrich', 'Ein Lied für Daphnes Fohlen', 'Carlos in der Nacht', 'Blitz ohne Donner' und 'Die Siebte Sage'. Im Anschluss fand ihre 6-bändige Reihe 'Hufspuren' begeistertes Echo bei jungen Pferdeliebhaberinnen. Für Kinder hat sie die Geschichten 'Puzzle-Ponys' und 'Fluchtballon' geschrieben. Und kürzlich sind die ersten zwei Bände ihrer Erstlesereihe 'Jonas Weg ins Lesen' erschienen. Christa Ludwig lebt mit ihrem Mann in der Nähe des Bodensees.
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Weitere Infos & Material


136 Hufe zu viel Getrennt Verseuchtes Gelände Falschmeldung Der Glückskauf Verbesserung Drei Tage frei vom Ulmenhof Dolly Hundesitter Verheiratete Männer zum Verlieben Pferdewechsel Springflut im Mähnenmeer Und wie geht's weiter? Mini-Lexikon der Pferdefachsprache Über die Autorin


136 Hufe zu viel


Warum um alles in der Welt sollten Schüler nicht fernsehen? Jana saß immer noch vor einem leeren Blatt. Vielleicht sollte sie sich doch für das andere Thema entscheiden? Sie schaute an die Tafel:

Dazu fiel ihr erst recht nichts ein.

Also erst mal Gründe sammeln für: Schüler sollen fernsehen, weil ...

Aber dazu fiel Jana auch nichts ein. Sie hatte nicht viel Zeit zum Fernsehen. Auf dem Ulmenhof stand Askan in seiner Box, und dreimal in der Woche durfte, sollte, musste sie ihn reiten. An den anderen Tagen ging er im Schulbetrieb und montags hatte er frei. Aber an all diesen anderen Tagen war Jana auch im Stall und half Askan putzen, Hufe auskratzen, satteln, auftrensen, Nasenriemen kontrollieren – es gab immer was zu tun.

Wann also sollte Jana fernsehen?

Doch letzte Woche hatte sie einen Film über Westernreiten gesehen. Ein bisschen komisch fand sie diese verhinderten Cowboys, aber ihre Art zu reiten war eigentlich ganz interessant. Sie schrieb in die linke Spalte: Schüler sollten fernsehen, denn Fernsehen bringt wichtige Informationen.

Und nächsten Dienstag würde sie vielleicht wieder eine Sendung anschauen. Oder auch nicht? Theres und Alberta, die schräg vor ihr saßen, redeten seit fünf Tagen davon:

«Nächsten Dienstag ist ein Film über Islandpferde!»

«Direkt aus Island!»

«Du kannst zu uns kommen. Auf eurem Fernseher sieht man ja nichts.»

Das hatte Theres zu Alberta gesagt. Zu Jana hatte sie es nicht gesagt. Weil Janas Eltern ihren Fernseher nicht vom Sperrmüll hatten wie Albertas? Oder weil Jana keine Islandpferde sehen wollte?

«Scheißviecher», murmelte Jana. «Mistböcke. Sauböcke. Zottelpelze. Knuddelponys. Wie kann ein vernünftiger Mensch so was reiten?»

Und sofort füllte sich die rechte Seite ihres Blattes, es war die Spalte mit den Argumenten dagegen:

Wir brauchen keinen Reiterhof mit 34 Islandpferden,

– weil das 136 Hufe zu viel sind!

– weil wir hier schon einen Reitstall haben

– und zwar einen mit richtigen Pferden

– und weil Alberta und Theres meine besten Freundinnen sind und ich es saudoof finde, wenn wir in verschiedenen Reitschulen sind

– und weil ich nur eine halbe Reitbeteiligung an Askan habe und Theres die andere Hälfte bekommt, wenn sie nur will, und dann müsste Askan kein Schulpferd mehr sein, aber Theres spinnt nur noch von Islandpferden, die gar keine Pferde sind, sondern Ponys …

Jana merkte, dass jemand sie beobachtete. Jemand stand hinter ihr und schaute auf sie hinunter. Sie wusste, wer das war. Die Auswahl war nicht groß. Es war ja ganz ruhig in der Klasse, niemand rannte herum, alle hockten über ihren Aufsatzheften. Jana drehte sich um.

Herr Taggert hatte wieder dieses Gesicht, das sie alle so sehr an ihm mochten. Es wäre maßlos übertrieben zu behaupten, dass er grinste. Aber zu sagen, er mache ein ernstes Gesicht, wäre einfach falsch. Es war das Taggy-Gesicht, das niemand beschreiben konnte, das alle immer neugierig machte: Was wird er jetzt tun?

«Ähhhh», flüsterte Jana. «Thema verfehlt? Ich glaube, ich habe das Thema verfehlt?»

Taggy schob die Unterlippe etwas vor. Das verstärkte noch einmal die Frage: Was wird er jetzt tun?

Er zuckte die Achseln.

«Kommt drauf an», sagte er und ging zur Tafel. Sehr langsam. Wie jemand geht, wenn er zugleich nachdenkt. Ein paar andere aus der Klasse schauten auf. Auch Theres. Die guckte sowieso immer hinter Taggy her.

«Der ist doch viel zu alt für dich», hatte Jana mal gesagt.

«Du spinnst!», hatte Theres sie angezischt. «Ich mag ihn, weil er aussieht wie mein Vater.»

Das hatte Jana ihr nicht geglaubt. Kontrollieren konnte sie es aber nicht, denn sie hatte Theres’ Vater noch nie gesehen, obwohl Theres ganz nah bei ihr wohnte, nur auf der anderen Straßenseite. Doch sie konnte sich nicht vorstellen, dass Herr Rohner auch nur ein bisschen so aussah wie Taggy.

Der stand nun an der Tafel und hatte die Kreide in der Hand. Langsam schrieb er:

«He!»

Es ging ein Raunen und Rufen durch die Klasse. Die Jungen maulten und Thomas rief: «Thema IV: Braucht unsere Stadt einen zweiten Fußballplatz?»

«Tut mir leid», sagte Taggy. «Das ist kein Thema für eine Erörterung. Der Aufsatz wäre mit zwei Buchstaben fertig. Du schreibst: Ja!, und ich könnte nicht einmal behaupten, du hättest das Thema nicht ausführlich genug behandelt. Aber du kannst die Idee wieder bringen, wenn wir demnächst mal eine Forderung für die Stadtverwaltung schreiben, ja?»

Theres wandte den Kopf, sah Jana an und verdrehte die Augen. Das hieß: Fantastisch, dieser Taggy. Damit waren jetzt nämlich sogar die Jungen zufrieden.

Aber Theres war nicht die Einzige, die auf Jana schaute. Alle dachten: Das hatte Taggy für getan – Jana Immerglück, der alles gelang, der alles zufiel. Für ein paar Augenblicke war sie wieder Jana Immerglück. Aber um das zu bleiben, musste sie diese Islandpferde vertreiben, sonst würde sie ihre beiden besten Freundinnen verlieren.

Ich schaffe es, dachte Jana, niemand will die blöden Knuddelponys hier, die rennen immer nur im Gelände rum, und die von der Stadt haben Angst um ihre Wanderwege – wir vergraulen die!

Aber ein gutes Gefühl war das nicht. Im Blickwechsel zwischen Jana und Theres war etwas, das da nicht hingehörte – fast so etwas wie Feindschaft.

Jana biss die Lippen zusammen und beugte sich wieder über ihr Blatt. Das schrieb sie nun ganz schnell voll, zumindest die rechte Spalte mit den Argumenten gegen die Islandpferde. Die andere Spalte blieb leer. Sie blickte auf die beiden Köpfe vor ihr, die hellen, dünnen, etwas flauschig gekrausten Haare von Theres und den dicken, schweren, tiefschwarzen Zopf im Rücken von Alberta, und sie wusste, bei denen ist es umgekehrt, die haben die andere Spalte vollgeschrieben.

Na toll, dachte sie grimmig. Wenn wir jetzt zusammensäßen, könnten wir wenigstens einen Superaufsatz schreiben.

Aber die wollten ja nicht mehr neben ihr sitzen, weil sie immer schwätzte, und Theres war zum Schwätzen zu artig, Alberta zu ehrgeizig.

Zusammen wäre unsere Stoffsammlung perfekt, dachte Jana. Dann hätte dieser Ärger mit den Ponys wenigstens etwas gebracht.

So ganz sicher war sie sich da allerdings nicht. Vielleicht hätten sie sich auch nur gestritten und gestritten und ...

Als es zur Pause läutete, hatten alle drei einen jeweils halben guten Aufsatz. Das musste reichen. Sie gingen in die Pause. Sonst standen oder saßen sie da immer zusammen und erzählten sich nach einer Arbeit gegenseitig, was sie geschrieben hatten. Heute taten sie das nicht. Sie guckten sich an und guckten woandershin. Alberta zog an ihrem Zopf und Theres leckte an ihrer Zahnspange. Sie schauten über den Schulhof und suchten Felix, aber der kam in den Pausen nie zu ihnen, er blieb bei den Jungen in seiner Klasse, sie schauten trotzdem dahin, wo er stand und ging. Das einzige Gemeinsame, das sie noch hatten, war: Sie schauten zu Felix, alle drei.

Nach der letzten Stunde gingen sie wie immer zum Fahrradkeller. Es war Ende September und ziemlich warm. Sogar Theres durfte noch mit dem Rad zur Schule fahren. Allerdings flatterte aus ihrem Rucksack ein blaukarierter Schal. stand auf dem Etikett. Als Theres ihn vor 14 Tagen zum ersten Mal in ihren Schulrucksack gestopft hatte, war auch noch das Preisschild dran gewesen, und Jana hatte entsetzt gesehen, dass dieser alberne Streifen Stoff ziemlich genauso teuer war wie das Sidepull, das sie so gern für Askan gekauft hätte. Bettina, ihre Reitlehrerin, hatte ihr nämlich zugesagt, Askan könne in der Halle durchaus mit Sidepull gehen, da brauche er nicht unbedingt eine Trense mit einem Stück Metall im Maul, Sidepull wäre genug und dann könnten die Reitschüler ihm nicht mehr im Maul rumreißen. Aber Jana hätte das Sidepull selber kaufen müssen und dazu langte ihr Taschengeld nicht.

Sie ging schräg hinter Theres her, weil sie ihr nicht in die Augen schauen wollte, aber so musste sie sich jetzt wieder über den Schal ärgern, den Theres nicht einmal benutzte. Sonst war Jana immer vorausgegangen. Sie war die Jüngste, aber trotzdem immer die Erste. Sie war nicht so reich wie Theres und nicht so arm wie Alberta. Sie war nicht so lang und dünn wie Theres und nicht so dick wie Alberta. Sie war nicht so blond wie Theres und nicht so dunkel wie Alberta. Sie war überall in der Mitte und dennoch kein bisschen...


Ludwig, Christa
Christa Ludwig, 1949 in Wolfhagen bei Kassel geboren, studierte Germanistik und Anglistik. Spätestens seit sie lesen kann, liebt sie Bücher, früh fing sie auch an, selbst zu schreiben. Seit 1989 erschienen von ihr Kinder- und Jugendbücher, u.a. ›Blitz ohne Donner‹, ›Die Siebte Sage‹, die sechsbändige Pferdebuchreihe ›Hufspuren‹ sowie die fünfbändige Reihe für Erstleser ›Jonas Weg ins Lesen‹. Parallel dazu beschäftigte sie sich seit nahezu zwanzig Jahren mit Else Lasker-Schüler. Fu¨r Ihr Romanprojekt ›Ein Bündel Wegerich‹ erhielt sie ein Stipendium vom Förderkreis deutscher Schriftsteller und ein Reisestipendium fu¨r Recherchen in Jerusalem vom Verband deutscher Schriftsteller. 2019 wurde Christa Ludwig zudem mit dem Eichendorff-Literaturpreis ausgezeichnet. Christa Ludwig hat drei erwachsene Söhne. Sie lebt mit ihrem Mann und einem Islandpferd in der Nähe des Bodensees.

Schmidt, Wolfgang
Wolfgang Schmidt, geb. 1955, lebt in Ammerbuch bei Tübingen. Er studierte Sozialpädagogik und arbeitet seit nun mehr als 20 Jahren in der Fotografie. Seine Schwerpunkte sind Reportagen sowie das Porträt.

Für „a tempo. Das Lebensmagazin“ der Verlage Freies Geistesleben und Urachhaus fotografiert Wolfgang Schmidt seit der ersten Ausgabe.

2000 gewann er den „European Newspaper Award“ in der Kategorie Fotografie.

Christa Ludwig ist als Jugendbuchautorin bekannt geworden mit ihren Romanen "Der eiserne Heinrich", "Ein Lied für Daphnes Fohlen", "Carlos in der Nacht", "Blitz ohne Donner" und "Die Siebte Sage". Im Anschluss fand ihre 6-bändige Reihe "Hufspuren" begeistertes Echo bei jungen Pferdeliebhaberinnen. Für Kinder hat sie die Geschichten "Puzzle-Ponys" und "Fluchtballon" geschrieben. Und kürzlich sind die ersten zwei Bände ihrer Erstlesereihe "Jonas Weg ins Lesen" erschienen. Christa Ludwig lebt mit ihrem Mann in der Nähe des Bodensees.



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