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Ludwig | Jetzt - es ist nie zu früh! | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 160 Seiten

Ludwig Jetzt - es ist nie zu früh!

Vom Beginnen und Durchhalten
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7578-7675-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Vom Beginnen und Durchhalten

E-Book, Deutsch, 160 Seiten

ISBN: 978-3-7578-7675-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wir alle wissen manchmal, was wir tun sollten... wäre da nicht der erste Schritt. Und selbst wenn der gegangen wurde: wie bleibt man dann eigentlich dran? Viel zu viele Menschen scheitern daran, ihre Ziele und Träume zu erreichen, weil sie den berühmten ersten Schritt nicht gehen wollen. Oder können? Oder weil sie zu früh aufgegeben haben. Oder einfach zu lange durchgehalten haben? Dieses Buch geht dem Beginnen und dem Durchhalten auf den Grund, soll motivieren, anregen und vielleicht der kleine Stein sein, der Ihre persönliche Lawine ins Rollen bringt... und Sie nicht aufhält!

Als Erstes von vier Kindern in einer Großfamilie aufgewachsen, lernte Angela Ludwig noch von ihrer Großmutter, einer Müllerstochter, die Grundlagen einer perfekten Hauswirtschaft. Auf dem weiteren Lebensweg begleiteten sie ein Studium des Bibliothekswesens, zwei Ex-Ehemänner und die Arbeit als Lean Management-Beraterin. Mit ihren zwei Kindern lebt und lacht sie inmitten der Landeshauptstadt Baden-Württembergs Stuttgart. Von dort aus führen sie die Wege als Professional Organizer überregional durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Erfolgreich geworden ist sie mit ihrem YouTube-Kanal rund um die Themen Ordnung und Organisation und diversen Auftritten im Fernsehen. Ich ihrer Freizeit spielt sie gerne Klavier, stickt Kreuzstichbilder und liest.
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Autoren/Hrsg.


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Haste was, biste was


Neben der finanziellen Freiheit, sich Gesundheit und schöne Erlebnisse kaufen zu können, ist der materielle Besitz ein weiterer großer Punkt, der einen großen Leistungsdruck erfordert. Immer noch sind es die Luxusgüter, an denen sich Menschen vergleichen und messen. Und wer behauptet, er sei davor gefeit, dem kann ich nicht glauben.

Die einen legen Wert auf das neueste Smartphone, die anderen bevorzugen das schickste Elektroauto. Die dritten, materiell anscheinend überhaupt nicht fixierten Leute ernähren sich extrem gesund mit teuersten Bio-Produkten und feiern die neuesten Sporttrends und nachhaltig produzierte Waren.

Egal in welcher Gesellschaftsschicht wir uns bewegen, geht es immer noch oft genug um Haben oder Nichthaben. Und Besitz erzeugt immer auch Ballast und Druck. Das geht so weit, dass es ganze Gegenbewegungen gibt, die sich dem Minimalismus angeschlossen haben. Wer hier etwas auf sich hält, besitzt zwar nicht viele Dinge, da wird eifrig aussortiert und gespendet – dafür sind die wenigen Besitztümer dann von besonders hochwertiger Qualität. Ein bisschen Luxus darf dann natürlich sein. Und schon ist der Leistungsdruck selbst beim Minimalisten angelangt.

Kinder und Karriere


Da kann man sagen, was man möchte: Kinder und Karriere unter einen Hut zu bekommen ist nicht machbar. Man mag jetzt kritisch schmunzeln, daher möchte ich diese so anmaßende These gerne erläutern: Kinder brauchen Zeit und eine Karriere braucht ebenfalls Zeit. Und beides gemeinsam ist nahezu nicht realisierbar.

Ein einfaches Beispiel: Sie wollen als Unternehmensberater in einer großen renommierten Unternehmensberatung Ihren Weg nach oben gehen. Sie steigen als Junior Berater ein, es folgen Beförderungen zum Berater, Senior Berater, Experten, Partner. In diesem Beruf sind Sie meist von Sonntags bis Freitags unterwegs. Dauerhaft. Manchmal sogar weltweit. Aber Sie machen Karriere und zwar richtig. Oder Sie sind selbstständig und arbeiten tatsächlich länger als 4 Stunden pro Tag. Selbst ein gewöhnlicher Vollzeitberuf von 40 Stunden die Woche sei hier in Betracht gezogen. Wobei wir da schon wieder bei der Begriffsdefinition der Karriere wären.

Wie dem auch sei: als Unternehmensberater können Sie sich nicht gleichzeitig um Kinder kümmern, aber dazu haben Kinder bekanntermaßen zwei Elternteile. Selbst Sheryl Sandberg, die Vorzeigekarrierefrau aus dem Hause Google, respektive Facebook, hat in Ihrem Plädoyer an die Frauen, dem Buch „Lean in: Frauen und der Wille zum Erfolg“ angemerkt, dass Sie ihre Karriere niemals so hätte gestalten können, hätte sich ihre Familie nicht um die Kinder gekümmert. Da benötigt es Geschwister, Großeltern und Freunde.

Krankheitsfälle bei den Kindern, Ausfälle in den Betreuungseinrichtungen oder allein schon die Ferien sind Herausforderungen, die Berufstätige stemmen müssen.

Wirklich Karriere machen ist mit Kindern daher tatsächlich schwierig.

Auf der anderen Seite wächst der Leistungsdruck auf Eltern. Zum einen reicht mittlerweile kaum noch ein einziges Gehalt aus, um der Familie tatsächlich ein angenehmes Leben zu finanzieren. Zum anderen möchte man sich selbst nicht mehr nur zu Gunsten der Familie zurücknehmen müssen, und im Falle einer Trennung sollen schließlich beide Elternteile beruflich gleichberechtigt auf eigenen Füßen stehen können. Die Unabhängigkeit vom Partner ist heutzutage wichtiger denn je.

Die Gesellschaft gibt den letzten Rest dazu und verurteilt Eltern gern: wer sich zu Gunsten der Familie zurücknimmt gilt als aufopfernd, nicht selbstbestimmt genug, um die eigenen Wünsche zu leben. Wer sich allerdings dafür entscheidet neben der Familie einer Karriere nachzugehen, zumindest ansatzweise, und die Kinder in Ganztageseinrichtungen betreuen lassen will, obwohl man es nicht einmal müsste wird schnell in die Schublade der Rabeneltern gesteckt.

Wie man es macht, ist es nicht recht – und so besteht in dieser Konstellation für viele Menschen immer ein gewisser Leistungsdruck.

Ganz zu schweigen von den jungen Menschen, die sich bewusst dazu entscheiden, keine Kinder zu bekommen. Auch hier ist der Druck irgendwann immens. Muss man ständig erklären, warum man sich gegen Kinder entschieden hat. Klimawandel? Egoismus? Der Druck wächst von allen Seiten. Wer soll denn die Rente der älteren Generationen finanzieren?

Rente mit 70?


Denn der Leistungsdruck hört im Alter nicht auf: das Renteneintrittsalter steigt, bei weniger Rentenleistung. Woher denn auch, wenn immer weniger junge Menschen immer weniger Kinder bekommen?

Also arbeiten wir und arbeiten. Wir tauschen Zeit gegen Geld. Manche, weil sie es wollen, aber viele, weil sie es müssen.

Psychische Krankheiten wie Burnout oder Depressionen sind auf dem Vormarsch und werden nicht weniger. Selbst Grundschulkinder sind davor nicht gefeit – nicht umsonst heißt die Grundschulempfehlung für weiterführende Schulen in der 4. Klasse im Volksmund mittlerweile auch „Grundschulabitur“. Der Druck wächst durch alle Altersstufen hindurch, von der 7-bis zur 70jährigen.

Und da die Rentenleistungen am Ende meist nicht ausreichen, muss privat vorgesorgt werden. Was wiederum finanziert werden will. Und so ist es keine Seltenheit, dass viele mehr als einem Beruf nachgehen.

Der Druck wächst und wächst, durch alle Altersschichten hindurch und durch alle Berufsgruppen. Ein Ende ist nicht in Sicht… und obwohl der Druck immer größer wird, steigt paradoxerweise die Fähigkeit, Dinge aufzuschieben.

Prokrastination


Denn das ist die Kehrseite der olympischen Medaille: kurz nach der Jahrhundertwende, im Jahre 1908, änderte sich das Olympische Motto. Seit damals heißt es: „Dabei sein ist alles!“. Leider missverstehen manche Mitmenschen dieses Motto und nutzen es eher als Ausrede, denn als Ansporn.

Es wird nicht fürs Siegertreppchen reichen? Ist doch egal, dabei sein ist alles! Im Job den großen Auftrag an den Marktbegleiter verloren? Auch egal, Hauptsache bei der Ausschreibung dabei gewesen. Glücklichsein, dass man überhaupt einen Job hat!

Wie so oft im Leben muss man manche Erfahrungen besser selbst machen, und so kam auch ich bereits in frühen Jahren in den, sagen wir, Genuss der Prokrastination, im Volksmund bekannt als „Aufschieberitis“.

Es begann in der Grundschule: ohne großartig lernen zu müssen, bekam ich gute Noten. Die schlechteste Note war eine 2 Minus, und das auch nur, weil ich auf eine Heimat- und Sachkunde-Klassenarbeit nicht gelernt hatte und mir (im Übrigen bis heute) den Unterschied zwischen Winterschlaf, Winterruhe und Winterstarre einfach nicht merken konnte. Eichhörnchen, Bär, Fuchs… Sie können gern recherchieren, dieses Nichtwissen hat mir bisher nicht gefehlt und so kann ich Ihnen immer noch nicht erklären, wer nun wann wo wie schläft. Oder auch nicht.

Wie dem auch sei, lernen musste ich nie und so freute ich mich in der Abschlussklasse auf das bevorstehende Gymnasium.

Nach einem halben Jahr Klasse 5 auf einem allgemeinbildenden Gymnasium einer typisch schwäbischen mittleren Kleinstadt mit damals 11.000 Einwohnern wurde mir schlagartig bewusst: so wird es nicht weitergehen. Geläutert und ein wenig demotiviert musste ich mir eingestehen: entweder ich fange nun an zu lernen (es ist ja nicht so, dass die Erwachsenen einen vor dem Ernst des Lebens nicht gewarnt hätten) … oder… ich ließ den Ernst noch ein wenig warten und hatte Spaß am Leben. Ich entschied mich für letzteres, zuckte mit den Schultern, packte das Zeugnis mit den 4ern und 5ern in meine Schultasche und schwor mir: „Ab jetzt gilt: 4 gewinnt!“. Aber meine kostbare Zeit zum Lernen zu verschwenden? Niemals!

Der Höhepunkt meiner gymnasialen Karriere war zweifelsohne die 10. Klasse. Ich sehe das Halbjahreszeugnis noch heute vor mir: „Versetzung gefährdet. Ein Gespräch mit den Eltern ist gewünscht.“. Nach der Androhung meiner Eltern, wenn ich nicht endlich lernen würde, müsste ich Nachhilfeunterricht nehmen, setzte ich mich gezwungenermaßen hin und lernte. Um die 5-6 in Latein, die 5 in Mathematik, die 5 in Chemie und die 5 in Englisch auszugleichen. Auf extra Nachhilfe hatte ich keine Lust, ich muss allerdings gestehen: außer für den Lateinunterricht hatte ich auch dann immer noch nicht gelernt.

Vielleicht mit mehr Glück als Verstand hielt ich im Frühjahr 1998 mein Abitur in den Händen. Mit dem kleinen Latinum, einem Notendurchschnitt von 3,3 und dem trotzigen Stolz, alles ohne Lernen selbst geschafft zu haben. Ich fühlte mich zwar nicht klug, dafür aber selbstbestimmt.

Ich war perfekt darin, faul zu sein und Dinge aufzuschieben! Gute Noten? Kann ich dann schreiben, wenn ich studiere! Mich anstrengen? Kann ich dann machen, wenn ich einen Job habe! Mich um Themen wie Finanzen, Versicherungen, Vorsorge kümmern? Kann ich machen, wenn ich dann mal verheiratet bin. Und einen Mann habe, der sich nicht darum kümmert. Und selbst damals war für mich klar: dieser Fall wird nicht eintreten,...



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