E-Book, Deutsch, Band 1, 480 Seiten
Reihe: Queens Cartel
Lück Queens Cartel (Band 1) - With All Your Scars
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7320-2612-8
Verlag: Loewe Intense
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Slow Burn Romance mit einer Mischung aus Romantic Suspense, Medizin und Crime
E-Book, Deutsch, Band 1, 480 Seiten
Reihe: Queens Cartel
ISBN: 978-3-7320-2612-8
Verlag: Loewe Intense
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Jede Narbe erzählt eine Geschichte ... Cillian Harlow - der Name dieses Mannes genügt, um Florie schauern zu lassen, denn die Geschichten über den Boss der berüchtigtsten Gang Englands sind grausam. Dass sie ihm eines Tages begegnet und einen Deal mit ihm eingeht, hätte sie daher nie für möglich gehalten. Schließlich will Florie als angehende Ärztin Menschen helfen, statt sie auszuliefern. Auch Cillian wäre lieber nicht auf diese Zusammenarbeit angewiesen. Einer Zivilistin zu vertrauen, kann er sich nicht leisten. Doch ausgerechnet in ihrer Gegenwart droht seine Maske zu fallen und bald stehen nicht nur Leben, sondern auch ihre Herzen auf dem Spiel. With All Your Scars ist eine Mischung aus Peaky Blinders und deiner liebsten New-Adult-Romance. Spannend. Romantisch. Mit cozy Found-Family-Vibes. SPIEGEL-Bestsellerautorin Laura Kneidl In ihrer neuen Romantic-Suspense-Dilogie rund um das Queens Cartel in England fesselt SPIEGEL-Bestsellerautorin Anne Lück ihre Leser*innen mit der perfekten Mischung aus Medizin und Crime. - Slow-Burn-Romance: In dieser mitreißenden Geschichte trifft eine Medizinstudentin auf einen berüchtigten Gangsterboss - voller prickelnder Gefühle, Geheimnisse und Gefahr. - Für Fans von Peaky Blinders und Grey's Anatomy: Anne Lück begeistert in ihrer neuen New-Adult-Reihe mit einer Kombination aus Medizin und düsterer Ganggeschichte. - Atmosphärisches Setting in englischer Großstadt: Das herbstliche Leeds mit seinen roten Backsteingebäuden und windigen, regnerischen Nächten fängt die romantisch-spannungsvollen Vibes der Geschichte perfekt ein. - Erstauflage mit opulentem Farbschnitt und Charakterkarte!
Autoren/Hrsg.
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1
Florie
Die Nulllinie auf dem EKG wird von einem durchdringenden Geräusch begleitet und für eine Sekunde habe ich das Gefühl, dass jeder im OP die Luft anhält. Dass jeder in diesem kleinen, schmerzhaft hellen Raum sein Tun stoppt, dass alle Augen zu dem piepsenden Gerät wandern.
Es ist nur ein winziger Moment, aber er jagt eine Gänsehaut über meinen gesamten Körper. Dann scheint die Welt zu kippen und auf einmal geht alles wahnsinnig schnell.
»Adrenalin bereithalten!«, brüllt Dr. Nomura die Schwestern an, ehe er Charlie anschnauzt: »Gehen Sie verdammt noch mal aus dem Weg, Abbott!«
Sofort macht Charlie einen großen Schritt zurück, die Hände hoch erhoben. Über der Maske starren seine weit aufgerissenen blauen Augen auf den Patienten hinunter, zucken zu Dr. Nomura, dann zu Dr. Warren und bleiben schließlich an mir hängen. Als würden sie mich um Rat bitten. Als würden sie von mir wissen wollen, was er tun soll.
Charlie und ich sind im Foundation Year 1, dem ersten Praktikumsjahr nach unserem fünfjährigen Medizinstudium, aber er wirkt immer noch wie ein verschrecktes Tier, wenn jemand im OP ihn anschreit. Wahrscheinlich sollte er souveräner sein, nein, wir beide sollten das, denn in solchen Augenblicken wie jetzt fühle ich mich ebenso, als wäre ich das erste Mal in meinem Leben bei einer OP dabei. Auch wenn ich meine Unsicherheit besser verstecken kann als Charlie, rast mir das Herz irgendwo unter den zehn Schichten an sterilem Stoff, der an meiner schwitzigen Haut klebt. Für einen Moment weiß ich weder ein noch aus.
Dann erklingt neben mir eine ruhige Stimme: »Young. Einen Schritt zurück.«
Mein Körper reagiert automatisch auf meinen Ausbilder Dr. Warren. Ich trete wie Charlie nach hinten und schrecke endlich vollständig aus meinen Gedanken auf. Es kann nicht viel Zeit vergangen sein, seit die Nulllinie erschienen ist, auch wenn es mir wie eine Ewigkeit vorkommt. Aber jetzt ist die kühle Medizinstudentin zurück. Die, die Wissen aufsaugt wie ein Schwamm und jede Situation zum Lernen nutzt.
Ich blende das Schicksal des Patienten aus. Stattdessen beobachte ich die Hände von Dr. Nomura, die sich schnell und geschickt bewegen, als Schwester Edith ihm die Adrenalinspritze reicht. Ich sehe genau zu, wie er und Dr. Warren mit den Wiederbelebungsversuchen beginnen. Denn irgendwann, das weiß ich, werde ich an der Stelle dieser beiden großartigen Ärzte stehen und meine eigenen OPs leiten. Der Gedanke bringt mein Blut zum Kochen. Nicht weil ich Angst davor habe. Es kribbelt mir in den Fingern, selbst tätig zu werden. Das Wissen anzuwenden, das ich mir mühsam angeeignet habe.
Ich will wissen, wie es ist, Leben zu retten.
Hin und wieder erlaubt mir Dr. Warren bereits kleine Handgriffe. In seinen OPs darf ich mehr als die anderen Studierenden, er ist ein geduldiger Ausbilder und lehrt nach dem Motto: Übung macht den Meister. Und es zeigt Wirkung. Ich bin seit vier Monaten hier am St. Joseph’s University Hospital in Leeds und habe das Gefühl, mehr gelernt zu haben als in den letzten fünf Jahren zusammen.
Aber heute ist etwas anders. Dr. Warren ist schweigsamer als sonst und auf seiner Stirn hat sich eine steile Falte gebildet. Er ist nicht hektisch, aber an seinen schnellen Bewegungen merkt man, dass es übel steht.
Das hat es von vornherein. Der Patient war in eine Messerstecherei verwickelt, viele innere Organe wurden verletzt und er hat bereits auf der Straße wahnsinnig viel Blut verloren.
Ein aufgespanntes Tuch, hinter dem auch die Anästhesistin Nathalie sitzt, verbirgt sein Gesicht, aber ich weiß trotzdem, wie der Mann aussieht. Blasse Haut, die sich über ein mageres Gesicht spannt. Unordentliche blonde Haare, durch die sich silberne Strähnen ziehen, und ein ungepflegter Bart. Sein Gesicht hat etwas Raues, Gefährliches, selbst in diesem Zustand. Er ist jemand, um den man abends einen großen Bogen machen würde. Unwillkürlich frage ich mich, was er im Schutz der Nacht schon alles verbrochen hat. Menschen ausgeraubt? Verletzt? Schlimmeres sogar? Mir wird ganz anders bei der Vorstellung. Es ist die dritte Gang-Messerstecherei in diesem Monat. Leeds ist eigentlich keine unsichere Stadt, aber seit ich zum Studium hierhergezogen bin, hat es sich verschlimmert. Der Unterschied zu meiner Kindheit in Whitby, einem kleinen Städtchen an der Küste Englands, könnte kein größerer Kontrast sein – auch wenn ich es damals mehr als eilig hatte, von dort wegzukommen.
Die Wiederbelebungsmaßnahmen dauern an, aber aus der Nulllinie werden keine Zacken mehr. Zwischen den Spritzen, dem gebrüllten »Weg vom Tisch« und den Elektroschocks wandert mein Blick immer wieder zum EKG-Gerät. Ich habe es bereits nach dreißig Sekunden aufgegeben. Dr. Warren nach einer Minute, das sehe ich in seinen Augen. Die meiste Zeit über wirkt er jünger als seine 53 Jahre – doch in solchen Momenten kommt das Alter durch. Er scheint erschöpft.
Im Gegensatz zu Dr. Nomura zumindest. Dieser setzt wieder und wieder zum Schock an, als würde er das Verstreichen der Zeit überhaupt nicht spüren. Als würde es ihn gar nicht anstrengen. Seine harten dunklen Augen sind nur auf das Ziel gerichtet und ich bewundere ihn dafür, dass er nicht aufgeben will.
Auch wenn es sinnlos ist.
»Nomura.« Dr. Warrens Stimme ist besänftigend, aber ich meine einen angespannten Ton herauszuhören. Als sein Kollege nicht darauf reagiert, versucht er es noch einmal, etwas lauter und schärfer: »Toru. Wir sollten die Wiederbelebungsmaßnahmen einstellen und den Patienten für tot erklären.«
Aus dem Augenwinkel sehe ich, dass Charlies Schultern einsinken. Genau wie Dr. Nomura scheint er noch Hoffnung auf das Überleben des Mannes gehabt zu haben. Plötzlich schäme ich mich, dass es mir nicht so ging. Dass ich schon zu Beginn der OP gedacht habe, dass dieser Eingriff nur eine Möglichkeit wird, zu lernen. Keine Möglichkeit, ein Menschenleben zu retten.
Dr. Nomura versucht es erneut. Erfolglos. Sein Blick verdunkelt sich. Er starrt sekundenlang auf das EKG-Gerät, dann knallt er die Paddles des Defibrillators auf den Tisch, reißt sich die Maske vom Gesicht und stürmt aus dem Raum. Er ist so aufgebracht, dass er beinahe Charlie umrennt, der ihm gerade noch rechtzeitig aus dem Weg springt.
Die Tür fällt hinter ihm laut zu und im OP breitet sich eine unangenehme Stille aus. Ich habe bisher nicht oft mit Dr. Nomura gearbeitet, aber ich weiß von Charlie, dass er dazu neigt, emotional zu werden. Wütend, wenn etwas nicht nach seiner Nase läuft. Von diesen Chirurgen gibt es eine Menge, habe ich in den letzten Jahren festgestellt. Und es ist jedes Mal wieder unangenehm, an so jemanden zu geraten.
»Zeitpunkt des Todes: 19:14 Uhr«, sagt Dr. Warren. Er kommentiert den filmreifen Abgang seines Kollegen nicht, aber seine Stimme klingt nach einem einzigen Seufzen. »Danke«, meint er, als Schwester Edith das piepende EKG-Gerät endlich ausschaltet. Er wendet sich an Charlie, der stocksteif einen Meter vom OP-Tisch weg steht: »Abbott, kontaktieren Sie die Angehörigen, falls wir sie mittlerweile ausfindig machen konnten. Dann treffen Sie Dr. Nomura zur OP-Nachbesprechung. Er wird sich in den nächsten Minuten abreagiert haben.«
»Ja, Dr. Warren.« Charlie lässt die Schultern noch weiter nach unten sinken und wirft mir einen müden Blick zu, bevor er den OP mit hängendem Kopf verlässt.
Mitfühlend sehe ich ihm nach. Das Mentoren-Programm am Joey’s, wie das St. Joseph’s liebevoll genannt wird, ist außerordentlich gut, aber man muss trotzdem Glück haben mit den Ärzten, denen man zur Seite gestellt wird. Nicht so wie Charlie.
Ich hingegen …
»Gehen Sie auf die andere Seite, Young.« Dr. Warren wirft mir einen auffordernden Blick zu. Die Fältchen um seine freundlichen blauen Augen werden tiefer, als würde er mir unter seiner Maske aufmunternd zulächeln. »Sie werden den Patienten zumachen.«
Ein kleiner Adrenalinschub läuft durch meinen Körper. Schnell schlüpfe ich auf die gegenüberliegende Seite des OP-Tisches und lasse mir von Edith das Nähset anreichen. Vergessen sind die Müdigkeit und die Tatsache, dass wir den Patienten nicht retten konnten. Denn jetzt kann ich etwas tun. Jetzt kann ich wieder etwas lernen.
Mit Feuereifer mache ich mich daran, den Bauch des Patienten zu vernähen. Auch wenn ich sonst nichts mehr für ihn tun kann, gebe ich mir die größte Mühe, sorgfältig zu arbeiten. Mein Ehrgeiz hat sich wie so oft den ersten Platz in meinen Gedanken erkämpft, denn ich weiß, dass nur die Besten auch Verantwortung übertragen bekommen.
Edith schnalzt neben mir mit der Zunge und ich denke schon, dass ich irgendetwas falsch gemacht habe, da sagt sie: »Das ist der vierte diesen Monat.«
»Der vierte?« Dr. Warren zieht fragend die Augenbrauen nach oben.
Ich erlaube mir, einen Moment von der Naht aufzusehen, als die Schwester auf den Unterarm des Mannes deutet, der schlaff vom Tisch hängt. An der Innenseite kann ich etwas erkennen, das mir bisher nicht aufgefallen ist: eine dunkle, unsaubere Tätowierung von einer Krone.
»Ach, der vierte Gang-Tote. Der Drache gehört zu Black Dragon und diese Krone hier zum Queens Cartel, nicht wahr?« Dr. Warren klingt nicht überrascht, sondern resigniert. »Diese Menschen lassen sich in den Krieg zwischen zwei Männern reinziehen und landen alle irgendwann auf dem Friedhof.«
»So eine Dummheit«, spuckt Edith aus. »Wie kommt man überhaupt auf die Idee, in eine Gang einzutreten? Denkt denn keiner an die Lebensgefahr?«
Ich wende mich wieder meiner Naht zu, als Nathalie antwortet: »Geld und Macht haben sicher ihren Reiz für die ärmeren Menschen der Stadt, aber ich stimme dir zu. Das...




