E-Book, Deutsch, 136 Seiten
Lüke Winter-Wunder-Weihnachtszeit
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7504-5326-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Geschichten für Jung und Junggebliebene
E-Book, Deutsch, 136 Seiten
ISBN: 978-3-7504-5326-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Peter Lüke ist vor allem eines: Vater dreier Kinder und Großvater von fünf Enkeln. Daneben kümmert er sich schon seit über dreißig Jahren als Arzt um Gesundheitsprogramme. Doch seine größte Leidenschaft ist das Schreiben von Geschichten. Dabei spielt die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen eine große Rolle. Seit 2001 schreibt der 60-jährige Hobbyautor schon Texte zu verschiedensten Themen, von Fachbüchern bis hin zu Jugendromanen. Eine Besonderheit stellen "Erzählspaziergänge" dar, bei denen in freier Natur auf verschiedenen Stationen ein spannende Geschichte erlebt werden kann. Im Bereich Kinderliteratur ist dies die erste Veröffentlichung. Weitere Informationen gibt es auf seiner Website www.kinderlesezauber.de
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Es ist Winter, Anfang Dezember, aber so richtig merkt man das noch nicht. Die Blätter sind alle futsch, es regnet, der Wind bläst durch die Straßen und weil wieder mal kein Schnee fällt, bleibt allein die Hoffnung, dass ja bald Weihnachten ist.
So sitzen Miriam und Toby nachmittags jeweils in den eigenen Zimmern und scrollen sich gelangweilt durch ihre Messages im Smartphone.
„Ihr könntet mal mit dem Hund raus gehen. Wotan braucht dringend frische Luft und Auslauf.“ Ihre Mutter steht im Flur und durchbricht die träge Langeweile durch ihren forschen Vorschlag.
„Ich war gestern erst...“ „Ja und! Dafür war ich vorher dreimal hintereinander!“
„Dann geht doch beide zusammen. Wenn Euch der Wind richtig durchpustet, fühlt Ihr euch gleich viel besser.“
„Bei dem Mistwetter ist es ja wohl ´ne Zumutung, mit dem Hund rauszugehen!“ Toby wagt sich sehr weit vor, zu weit, wie er sofort merkt. Aber er will sich jetzt keine Blöße geben. Er ist elf, seine Schwester neun und es ist an der Zeit, mal wieder klar zu stellen, wer hier bei den Kindern das Sagen hat.
„Wie bitte?! Ich glaube ich hör wohl nicht richtig! Wer hat denn nach einem Hund gebettelt und versprochen, ja, ja, Mama, wir gehen auch ganz viel mit dem Hund, wir kümmern uns auch alle darum?!“ Beatrix Weber ist jetzt wütend. Sie spürt den Bannstrahl der beginnenden Pubertät ihrer beiden Kinder auf ihren Nerven und sucht nach einem Ventil.
„Ich habe so ein Kratzen im Hals, ich glaub ich werde krank.“ Miriam spielt jetzt auch noch mit dem Feuer der Taktik. Und Toby mit seiner noch unausgereiften Spürnase sorgt dann für den Durchbruch: „Dann geh Du doch, wenn das für den Hund so wichtig ist.“
Beatrix´ Augen funkeln, ihre Hände ballt sie zu festen Fäusten. Die gepresste Stimme lässt die Beiden erzittern, sie bereuen, doch sie bereuen zu spät.
„Okay. Da der arme Wotan Euch es nicht wert ist, gehe ICH mit dem Hund und IHR, ihr habt gerade meine große Lust, Euch zu Weihnachten eine Freude zu machen in ein kleines NICHTS verwandelt.“
Obwohl die Beiden noch einlenken wollen, mit einem Hauch von Verzögerung, um ihren kindlichen Stolz zu wahren, ist es zu spät. Mit der Gestik einer wild entschlossenen Zauberin wirft ihre Mutter sich den Wintercape und den Schal um, schnappt sich die Leine und Wotan und ist verschwunden.
Oh je! Natürlich wissen beide, dass ihre Mama halbtags im Buchladen arbeiten muss, dass, weil ihr Papa viel auf Dienstreisen ist, vieles an ihr hängen bleibt. Sie wissen auch, dass sie selber eigentlich oft zu träge zum Helfen sind. Aber ihre Freunde sind doch auch nicht anders. Sie sind doch Kinder. Da soll man doch das Leben genießen. Gleichzeitig langweilen sie sich immer wieder. Es ist oft wie verhext.
Miriam ergreift mit weiblicher Einfühlsamkeit als erste das Wort.
„Wir machen der Mama einen schönen Tee.“
„Nachher wird das wieder so ´ne Plörre wie letztes Mal.“
„Ach Du spinnst!“
„Oder wir schmücken den Tisch, aber womit?“
„Auf dem Dachboden sind doch die Sachen für die Weihnachtsdekoration, die suchen wir raus. Komm, wir müssen uns beeilen!“
+ + +
Beatrix zieht tief die kalte Dezemberluft ein. Der feine Nieselregen macht ihr nichts aus, sie liebt die Jahreszeiten, die Natur, das Spüren, Riechen, Sehen, Schmecken, dass sich das Jahr über immer wieder verändert. Warum nur merken ihre beiden Kinder so wenig von diesem Zauber, den die Welt draußen bietet. Stattdessen jagen sie den bunten künstlichen Bildern auf den vielen Monitoren nach, die in fast jedem Haushalt flimmern. Zu selten spielen Miriam und Toby gemeinsam. Naja, es würde Familie Weber wohl bald die Zeit der Pubertät bevorstehen.
Sie blickt auf die gespenstische Kulisse der schwarzen Äste, die wie kleine knorrige Hände in den grauen Winterdunst winken. Mag sein, dass der Dezember ein düsterer Monat ist, doch auch ihm kann man einen gewissen Reiz abgewinnen.
+ + +
Eine große Staubwolke pufft gegen den Dachboden, als Toby eine alte Decke von der großen schwarzen Truhe herunterzieht.
„Bah, Pass doch auf, ich ersticke ja!“
„Stell Dich nicht so an, hilf mir lieber die Truhe aufzukriegen!“ Mit vereinten Kräften ziehen die Beiden an den rostigen Eisenringen, die am Deckel angebracht sind. In das Quietschen der altersschwachen Scharniere mischt sich plötzlich eine Stimme:
„Wer seid Ihr denn?“
Miriam erschrickt fürchterlich. Doch Toby schaut neugierig und dann ein wenig amüsiert auf eine ca. 50 cm hohe Figur, die wie ein verstaubter Zwerg-Nikolaus aussieht.
„Das gibt’s doch nicht. Hatten die damals schon sprechende Nikoläuse?“ Gerade als er nach der Puppe langen will, ergreift die Gestalt erneut das Wort.
„Natürlich kann ich sprechen, aber ich bin kein Nikolaus, ich bin ein Winterwichtel. Beim Weihnachts-Casting fiel ich durch wegen der kleinen Größe, der Knubbelnase und weil ich so schlecht singen konnte.“
„Aaahh!!“ Miriam schreit auf, etwas verspätet, denn sie wollte die Kreatur nicht unterbrechen. Doch einmal aufschreien musste jetzt mindestens sein, denn das hier ist krass, nicht normal, denn es gibt keine Märchen, keine Gespenster und überhaupt erst recht keinen Nikolaus oder Weihnachtsmann, obwohl sie der Romantik wegen immer noch so tat, als wartete sie Heiligabend darauf. Aber der kleine Wicht hier redet und redet. Und er wirkt lebendig.
Tobys Mund steht immer noch offen. Auch er sieht sich in seiner heldenhaften Pubertätsvernunft getäuscht. Vorsichtig fährt er mit seiner Hand in Richtung Haarschopf von diesem Wichtel.
„Da sind ja lauter Spinngewebe drauf...“
„Lass das bitte, das sind graue Haare. Wenn Ihr wüsstet, was ich immer so alles durchmache. Ich sage ja immer `.“
Miriam und Toby schauen sich verdattert an.
„Woher kommst Du?“, will Miriam jetzt wissen und stützt sich mit den Ellenbogen auf die Truhe, um etwas näher an das kleine Männchen heranzukommen, „und wie heißt Du eigentlich?“
„Ach Kind, .“ „Wie bitte?“
„Ich heiße Waldemar und bin ein Winterwichtel. Ich soll die Unmotivierten motivieren und die Lustlosen lustig machen, irgendwie, so, haben die da oben sich das vorgestellt.“
„Und wie stellst Du das an, bei dem Outfit?“ Toby hatte schon wieder seine freche Umdrehungszahl erreicht und frotzelt drauf los.
„Schon gut. Es heißt ja auch `´ oder so ähnlich.“
„Naja fast richtig“, spöttelt Toby zurück.
„Verteilst Du auch Geschenke?“, will Miriam nun wissen.
„Nicht unbedingt die Geschenke, die Du vielleicht meinst. Dazu fällt mir nämlich der Spruch ein: `´. Aber keine Angst, gefährliche Kläffer habe ich nicht im Programm. Was wünscht Ihr Euch denn?"
„Also ich möchte gerne das neue Samsung Galaxy S 10.“
„Was ist das denn, für einen Sportwagen bist Du doch noch viel zu jung!“ Toby verdreht die Augen. Aus welcher Welt kommt denn bloß dieses Männchen. Der hat ja gar keine Ahnung.
„Und ich möchte gerne ein I-Phone.“
„Ach, seit wann kann man denn mit Eiern telefonieren. Ja, ja, `.“
„Nein Waldemar! Ein I-Phone, ein Smartphooone, Das ist viel cooler als das doofe Samsung! Verstehst Du? Das ist absolut ‚in‘!“
„Ich glaube ich muss mir von Knecht Ruprecht mal meine Gehörgänge ausbürsten lassen, denn wie heißt es so schön? `´, aber das mache ich schon nicht. Also Eure Geschenke sind für mich böhmische Dörfer. Ich habe nur so ein paar alte Kisten, hier schaut. Macht nicht viel her, oder?“
„Naja kommt drauf an. Wenn da ein paar Scheine drin versteckt sind, dann ist mir die Hülle egal.“
„Hey, Toby, sei nicht so frech. Ich bin neugierig. Ich möchte schon gern wissen, was Du darin versteckt hast.“
„Na, warte mal ab, `´. Warte ich zeig Euch eine, hier:




