E-Book, Deutsch, Band 2, 376 Seiten
Reihe: Academy of Blood and Fangs
Lukas Academy of Blood and Fangs 2: Schattenkuss
25001. Auflage 2025
ISBN: 978-3-646-61034-5
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Fesselnde Slow Burn Romantasy an einer düsteren Vampirjäger-Academy in Rumänien
E-Book, Deutsch, Band 2, 376 Seiten
Reihe: Academy of Blood and Fangs
ISBN: 978-3-646-61034-5
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Autorin Anna Lukas, Jahrgang 1999, lebt mit ihren drei Katzen in der Nähe von Stuttgart, wo sie ihren Master in Online-Marketing absolviert hat. Unter annas.inkspell bloggt die Autorin regelmäßig über Bücher und das Autorenleben. Anna Lukas schreibt seit ihrem zehnten Lebensjahr am liebsten Fantasyromane. Andere Themen, die sie interessieren, sind: Tierschutz, Städte-Reisen und Serien. Doch eine ihrer größten Leidenschaften sind natürlich Bücher.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
Phileas
Reyva war eine Vampirin – eine Verräterin, eine Mörderin und meine Feindin – und das Blut an meinem Hals galt als unabdingbarer Beweis dafür.
Ihr warmes Lächeln und das raumfüllende Lachen hatten mich verzaubert und mein Urteilsvermögen getrübt. Wochenlang hatte sie mich an der Nase herumgeführt und mir direkt ins Gesicht gelogen. Der einzige Grund, warum ich sie am Leben gelassen hatte, war unsere Vergangenheit. Einmal hatte sie mir das Leben gerettet und ich hatte im Austausch ihres verschont – das war die einzige Absolution, die ich ihr gewährte. Die einzige Ausnahme.
Ich drehte mich nicht um, als sie meinen Namen durch die Nacht rief. Schnurstracks lief ich weiter, selbst wenn in den Tiefen meines Herzens noch die ehemaligen Gefühle für sie nagten. Noch wenige Stunden zuvor hatte ich sie in meinen Armen gehalten, war mit ihr über die Tanzfläche geschwebt und hatte meine Lippen gegen ihre gepresst. Unzählige Male hatten wir im Mondlicht gelacht und über unsere Vergangenheit geredet. Endlich hatte es sich so angefühlt, als wären die alten klaffenden Wunden vernarbt. Doch ihr Verrat hatte alles wieder aufgerissen, sodass ich jetzt aufgekratzter und nervöser war als jemals zuvor. Der Tremor machte sich wieder einmal bemerkbar, brachte alle Finger der rechten Hand zum Zucken und zog sich wie ein schauderhaftes Kribbeln über meine Haut.
Reyva van Helsing war meine Feindin – an dieser Tatsache hätte sich niemals etwas ändern dürfen. Also sammelte ich all meine Gefühle, kehrte sie wie Dreck zusammen und setzte sie in Brand, bis sie am Qualm erstickten. Ich drehte mich nicht zu der hinterlistigen Vampirin um, während ihre Rufe in der Ferne langsam verklangen.
Auf einmal legte sich eine warme Hand um meine und vertrieb das Zittern. »Das wird schon wieder«, redete Mere sanft auf mich ein.
»Alles bestens«, gab ich schroff zurück, worauf sie mir einen matten Gesichtsausdruck schenkte. Sie konnte es nicht leiden, wenn ich meine Gefühle verdrängte. Aber immerhin drückte ich dankbar ihre Hand, bevor ich sie wieder gehen ließ. »Wir haben Wichtigeres zu tun. Zuerst einmal müssen wir hier lebend rauskommen.«
Das von Vampiren überfallene Schloss hatten wir hinter uns gelassen. Allerdings waren wir noch längst nicht außer Gefahr. Die Blutsauger waren über das ganze Gelände der Academy hergefallen und plünderten sicherlich sämtliche Wohntrakte auf der Suche nach mächtigen Artefakten oder einem einfachen Blutsnack für zwischendurch.
Die anderen Studenten wussten das ebenso. Sie hatten einen Vorsprung und längst ihre Autos aufgesperrt. Vollgestopft und mit quietschenden Reifen fuhr das erste mit rasselndem Motor an, um Sekunden später hinter der nächsten Kurve zu verschwinden.
Die Schulleiterin öffnete gerade die Tür der Beifahrerseite eines dunkelroten Wagens, als sich unsere Blicke trafen. Madame Tulkiny war ebenso von Geheimnissen umgeben wie eine gefangene Fliege vom klebrigen Spinnennetz. Früher oder später würden wir uns alle nicht mehr aus unseren Lügen befreien können.
Aufmerksam nickte sie mir zu und ich hoffte, dass sie diesen Hinterhalt überleben würde. Zu viele Fragen schwirrten mir noch im Kopf herum, auf die ich Antworten brauchte, wenn ich nicht den Verstand verlieren wollte.
Die Schulleiterin stieg ein, worauf Miss Lessar sich auf den Fahrersitz schwang, die Tür zuknallte und mit einem Stottern den Motor startete. In der Zwischenzeit fuhr ich mit der Hand in die Hosentasche, auf der Suche nach dem Autoschlüssel, den wir seit der Blutmondprüfung zur Verfügung hatten. Verdattert verzog ich mein Gesicht, als mir einfiel, dass ich den Schlüssel auf dem Küchentresen liegen gelassen hatte.
»Ich muss noch mal zur Villa und den Schlüssel holen.« Sorgsam glitt mein Blick durch die Gegend. Livia und Vanderina blieben kampfbereit stehen und umklammerten ihre letzten Waffen, wobei sie in ihren blutbefleckten Scooby-Doo-Kostümen lächerlich fehlplatziert wirkten – als hätte ein Comicbuch sie ausgespuckt und in unsere Welt gebannt. Hingegen sicherte Mere wie immer meine Unversehrtheit.
Unsere Umgebung wirkte wie eingefroren. Noch mussten die Vampire im Schloss festsitzen oder sie hatten uns nicht entdeckt.
Zügig warf ich Mere meinen letzten Pflock zu. »Du hältst die Stellung?«
Geschickt fing sie ihn und warf mir ein triumphierendes Lächeln zu. »Immer.«
»Ich beeile mich.« Mit diesen Worten löste ich mich von der Gruppe und rannte los. Durch meine Schnelligkeit wühlte ich die winzigen Steinchen auf dem Boden auf, die durch die Luft schossen und gegen die lederne Oberfläche meiner Stiefel prallten. Ununterbrochen warf ich einen Blick auf die stillen Wälder. So verdächtig ruhig. Selbst die Kleintiere und Vögel schienen die Gefahr gewittert und sich in tieferes Dickicht zurückgezogen zu haben.
Abrupt stoppte ich ab, wirbelte Staub auf. Wenige Meter vor mir lag die altmodische Villa, die im Mondlicht dunkel schimmerte. Sogleich verlangsamte ich meine Schritte, schlich voran wie ein Tiger auf der Lauer und erklomm die Stufen zur Veranda. Verräterisch knarzte das Holz unter meinen Stiefeln. Ich biss die Zähne zusammen und hoffte, dass mich hinter der Tür keine böse Überraschung erwartete. Sie stand einen Spaltbreit offen, sodass ich sie nach innen aufdrücken konnte. Sobald die Lücke groß genug war, spähte ich hindurch.
Der altbekannte modrige Geruch der Villa strömte mir entgegen, doch dieses Mal war er von einer eisenhaltigen Note durchdrungen. Die Leichen der Vampire zierten den Raum, genauso wie ihre Blutlachen, die sich in den Rillen zwischen den Dielen ausbreiteten und allmählich verkrusteten. Trotz des schaurigen Blutbads, das sich hier zugetragen hatte, schien das Erdgeschoss sicher zu sein.
Mit einem erleichterten Seufzen schob ich mich durch den Spalt und trat in den Flur ein. Ich stieg über die Leichen hinweg und näherte mich der verwüsteten Küche. Glasscherben und Geschirr bedeckten den Boden. Hinter der Theke erkannte ich die erschlafften Beine meines ehemaligen Kommilitonen, der von Hexen zu einem Untoten verwandelt und von Reyva umgebracht worden war. Getötet durch ihre rasiermesserscharfen Fangzähne.
Schließlich entdeckte ich den Schlüssel. Die Buchstaben BF und die Nachbildung eines Vampirmundes mit einem Blutstropfen an einem der Fangzähne schimmerten im Mondlicht. Sorgsam näherte ich mich dem Tresen. Die Gefahr, auf einen neugierig gewordenen Vampir zu treffen, war allgegenwärtig. Ich achtete auf jeden meiner Schritte, jedes Holzknacken alarmierte meinen Körper.
Endlich fasste ich nach dem Autoschlüssel und umklammerte ihn fest, als sich ein schwarzer Fleck bewegte. Er schoss vom Boden aufwärts direkt auf die Theke, auf mich zu und …
Miau!
Mein Blut gefror zu Eis und setzte meinen Herzschlag für eine Sekunde aus, bis ich realisierte, dass es lediglich eine Katze war.
»Luna!«, rief ich mit einem erleichterten Seufzer und streckte die Hand nach ihr aus. Liebevoll hob sie das Köpfchen und drückte es gegen meine Handfläche. In der Zwischenzeit steckte ich den Autoschlüssel in die Hosentasche.
Auf einmal gähnte die Katze und ich erstarrte.
Ihre schneeweißen Zähne schimmerten blutrot und waren länger als üblich. Luna war eine tiefe Wunde zugefügt worden, die für jede Katze ein Todesurteil gewesen wäre. Und jetzt erst erkannte ich, was Reyva angerichtet hatte. Sie hatte Luna in einen Blutsauger verwandelt.
Erschrocken wich ich zurück, taumelte unkontrolliert und achtete nicht weiter auf meine Umgebung. Polternd stieß ich mit der Ferse gegen die Trümmer einer gläsernen Vase.
Nun war es Luna, die sich erschreckte. Sie schien den Lärm noch lauter als früher wahrzunehmen und verfiel in Panik. Eilig stürzte sie sich vom Tresen hinab, doch anstatt auf dem Boden aufzukommen, schwang sie sich in die Lüfte. Zügig wich ich zur Seite, als sie an mir vorbeisegelte und durch das zertrümmerte Fenster flog – mitten hinein in die Nacht.
Ich brauchte eine Sekunde, bis ich mich wieder gefangen hatte. Eine Katze, die Vampirblut in sich trug und Fledermausflügel hatte. Mehr als diesen einen Gedanken erlaubte ich mir nicht, denn die Gefahr saß mir immer noch im Nacken.
Ich atmete gehetzt, als ich auf die Veranda trat, schnappte den Kragen meiner Bomberjacke und zog den Reißverschluss weiter hinauf, sodass mein Zeigefinger gegen die zwei Löcher an meiner Kehle stieß. Es erinnerte mich an die Dringlichkeit, diesen Ort schnellstmöglich zu verlassen, bevor ein anderer Vampir Reyvas Werk an mir vollenden würde.
Ein schrilles Maunzen ließ mich erneut zusammenzucken. Dieses Mal klang das Geräusch...




