Lukas | Mörder Party | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

Lukas Mörder Party

Kriminalroman
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-8000-9916-0
Verlag: Carl Ueberreuter Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

ISBN: 978-3-8000-9916-0
Verlag: Carl Ueberreuter Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Pistengaudi, Hüttenzauber und eine tiefgefrorene Leiche  Weihnachtsferien auf einer urigen Almhütte mitten im schönsten Schigebiet - das klingt nach genau der Erholung, die sich Chefinspektorin Karin Fux redlich verdient hat. Aber ausgerechnet ihr  zwielichtiger Informant Peter Szily logiert im selben Haus. Schon bald schlägt das Wetter um. Ominöse Todesfälle ereignen sich und Fux muss all ihre Erfahrung, Scharfsinnigkeit und Karatekünste aufbieten. Denn drinnen in der Hütte, draußen im Schneesturm und bei der großen Silvesterparty treibt sich mehr als nur ein Auftragsmörder herum ... Ihr dritter gemeinsamer Fall führt Fux, Pez und den Bravo zu den Schattenseiten der Tourismusindustrie, in eine klirrend kalte, ganz und gar nicht idyllische Bergwelt. Mit feinem Witz und viel schwarzem Humor schildert Bestseller-Autor Leo Lukas das ungewöhnliche Dreiecksverhältnis von Killer, Komiker und Kriminalistin.

Leo Lukas, geboren in der Steiermark, arbeitete als Lokalreporter, Kulturkritiker und Kolumnist, u. a. bei der 'Kleinen Zeitung'. Er hat die österreichische Kabarettszene maßgeblich beeinflusst, ist aber auch einer der meistgelesenen deutschsprachigen SF-Autoren ('Perry Rhodan'). Zahlreiche Preise, darunter 'Salzburger Stier', Österreichischer Kabarettpreis 'Karl' und 'Goldenes Buch' (für 'Jörgi, der Drachentöter' mit Gerhard Haderer, bei Ueberreuter). Leo Lukas lebt in Wien. Bereits bei Ueberreuter erschienen: Mörder Quoten (2019) und Mörder Pointen (2022).
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Prolog
Der Auftrag


Die Leute sehen durch mich hindurch, als wäre ich nicht vorhanden.

Das war schon immer so. Als Kind habe ich darunter gelitten. Fühlte mich schlecht. Schlimmer: wertlos. Brauchte eine Weile, bis ich erkannte: Nie bemerkt zu werden, ist eine Gabe. Praktisch – vor allem bei gewissen, überall auf der Welt verbotenen Tätigkeiten.

Manchmal bin ich gezwungen, mit jemandem zu reden. Selbst dann vergessen sie mich gleich wieder. Stimme, Geruch, Körpersprache – alles komplett unauffällig. Sie erinnern sich höchstens an meine Verkleidung: Arzt, Nonne, Handwerker, Paketzusteller, was auch immer. Vollbart, Schnurrbart, Backenbart. Weiße, blonde, rote, dunkle Haare, glatt oder lockig, kurz oder lang. Oder Glatze. Tätowierung am Hals, Ring im Ohr. So was bleibt hängen, wenn ich eine falsche Fährte legen will. Sonst nichts.

Nach Möglichkeit vermeide ich Sozialkontakt. Mit Menschen kann ich nicht gut, außer sie vom Leben zum Tod befördern.

Ich bin der Bravo. So lautet mein Deckname, nach einem altitalienischen Ausdruck für Meuchelmörder.

Im Wiener Kunsthistorischen Museum hängt ein Gemälde, das den Titel „Der Bravo“ trägt. Von Tizian. Renaissance. Sehr dunkle Farben. Aber der Name hat mir gefallen.

Bravo. Klingt irgendwie positiv, gell?

Obwohl ich naturgemäß nicht nach Applaus giere. Der beste Mord ist einer, der unentdeckt bleibt. Signaturen hinterlassen nur Spinner. Ich hingegen arbeite seit vielen Jahren als Profikiller, und dass man mich nie erwischt hat, nehme ich als Indiz dafür, dass ich ziemlich klar im Kopf bin. Mir fiele im Leben nicht ein, eine zuordenbare „Handschrift“ zu entwickeln. Da könnte ich ja gleich Interviews für Fernsehdokus geben. Mit verpixeltem Gesicht, Sie wissen schon, und verfremdeter Stimme: „Derzeit leidet unsere Branche unter Fachkräftemangel, wie der gesamte Dienstleistungssektor …“

Nein, danke. Nicht mein Ding.

Bei der Kripo bezweifeln sie sogar, dass ich überhaupt existiere. Vor einigen Jahren behauptete eine Zeitung, die Wiener Kriminalkommissarin Karin Fux jage seit Langem einen Auftragsmörder, der Bravo genannt werde. Zwei Tage später brachte ein etwas seriöseres Blatt ein Dementi der Beamtin. Nicht ohne süffisant zu ergänzen, dass es in Österreich, anders als bei der deutschen Polizei, gar keine „Kommissare“ gibt. Vielmehr bekleidet Frau Fux den Dienstgrad einer Chefinspektorin.

Übrigens glaube ich, dass sie geschwindelt hat und sehr wohl hinter mir her ist. Immer wieder mal zwischendurch nimmt Fux sich die ungeklärten Todesfälle vor und klopft sie auf ähnliche Muster und eventuelle Querverbindungen ab. Wurde mir zugetragen, von einer relativ zuverlässigen Quelle.

Egal. Ich habe meine Sicherheitsvorkehrungen optimiert. Voriges Jahr gelang es ausgerechnet dem Komödianten Peter Szily, mich aufzuspüren und in eine Falle zu locken. Das war mir eine Lehre und darf nie wieder vorkommen.

Jetzt stehen wir vor einer paradoxen Situation. Einerseits will ich unauffindbar sein, perfekt abgeschirmt, andererseits müssen mich potenzielle Kunden erreichen können. Ich gehöre aber keiner kriminellen Organisation an. Bin überzeugter Einzelgänger. Traue niemandem. Scheue Gesellschaft.

Also wie nimmt man mit mir Kontakt auf?

Vergessen Sie schmuddelige Rotlicht-Bars oder das Dunkelnetz! Da wie dort gibt es Spitzel und generell zu viele Maulhelden.

Aber Sie können mir eine Nachricht zukommen lassen. Verschlüsselt natürlich. Beispielsweise zeigt mir ein Bewegungsmelder an, dass letzte Nacht in einen meiner Briefkästen eine alte Zeitung geworfen wurde. Freitagausgabe, daher ist das Sudoku-Rätsel „sehr schwierig“. Während ich es löse, notiere ich nach der Reihe die Zahlen, deren Positionen ich vollständig eruiert habe. Sicherheitshalber vergleiche ich das Ergebnis mit dem eines Sudoku-Rechners. Die Ziffernfolgen stimmen überein: 2-7-3-4-5-6-1-8-9.

Setzen wir Null davor, bekommen wir eine Telefonnummer. 02734 ist die Vorwahl von Langenlois, einer niederösterreichischen Kleinstadt, in der seit tausend Jahren Weinbau betrieben wird. Mit der Fortsetzung 56189 ergibt die Rufnummernsuche keinen Treffer. Aber das muss nichts heißen.

Ich verwende ein Burner-Phone, ein Prepaid-Handy, das ich nie zuvor benutzt habe und danach wegwerfen werde. Das Freizeichen erklingt, dreimal, ein paar Sekunden lang klassische Musik und schließlich eine computergenerierte Frauenstimme: „Künstlervermittlung Schalk International Artists. Unser Büro ist zurzeit nicht besetzt. Bitte besuchen Sie unsere Homepage www.schalk.at. Wir danken für Ihr Interesse.“

Per nicht rückverfolgbarem Internet-Zugang forsche ich nach. Keine einzige hundertprozentige Übereinstimmung. Bloß ein südafrikanischer Maler, eine kleine norddeutsche Spedition und ein oststeirisches Viehhandelsunternehmen. Dass bei „Nutztiere Schalk“ Künstler mitgemeint sind, schließe ich aus.

Sollte eine Agentur, die „International Artists“ im Namen führt, nicht medial präsenter sein?

Sehen wir uns also die Homepage an. Erster Eindruck: billig. Einfach und doch geschmacklos. Hurtig erstellt, indem bei einer handelsüblichen Vorlage Texte und Bilder ausgetauscht wurden. Das Firmenlogo besteht aus SCHALK in Comic Sans-Schrift, mit der übergestülpten Federzeichnung einer Schellenkappe.

Alter Vater. So was traut sich eine professionelle Werbeagentur nicht mal mehr in Langenlois.

Der jüngste Eintrag unter „Aktuell“ trägt dasselbe Datum wie die mir zugespielte rosarote Bobo-Zeitung. Zufall? Unwahrscheinlich. Regenbogenförmig angeordnete und ebenso bunte Lettern verkünden: TOP TIP – JAJA BAND. Das Foto zeigt zwei ältere Herren. Ihre Anzüge, Haarschnitte und Hüte waren schon vor der Ostöffnung aus der Mode. „Úžasný band na oslavy a párty“, steht darunter, „hrají vsechno též španelský nebo nemecky.“ Sowie die Übersetzung: „Tolle Band für Feiern und Partys, sie spielen auch alles auf Spanisch oder Deutsch.“

Außerdem gibt es auf der Seite einen von Blümchen umrahmten Kasten: „Schüttelreim des Tages:

Letztlich liegt, war noch so groß der Schuft,

Kaiser wie Narr doch im Schoß der Gruft.“

Ich muss nicht lange nachdenken, bis der Groschen fällt.

Sollte jemand unabsichtlich 02734-56189 gewählt oder www.schalk.at eingetippt haben, glaubt er wohl, bei mitleiderregend pimpigen Amateuren gelandet zu sein, und wird keinen weiteren Gedanken darauf verschwenden. Mir jedoch sagt das Arrangement etwas völlig anderes: Wer immer auf diese Weise mit mir in Verbindung treten möchte, weiß beunruhigend viel über mich.

Wenig später fahre ich in einem Bus der Linie 39A durch die Sieveringer Straße. Das ist keine arme Gegend. Schmucke Häuser, Villen, Seniorenresidenzen. Ordinationen, Tierarztpraxis „Pfotenzone“, auch eine „Teppichklinik“. Überhaupt lustige Namen: „Café Nest“, „Restaurant Erbsenbach“, „Blumen Böse“ – ob die Gärtnerfamilie Baudelaires Gedichte kennt? Einige Baustellen, die „Exklusive Eigentumswohnungen“ versprechen … „In Sievering blüht der Flieder“, heißt es schon im Strauß-Walzerlied. Gewisse Blüten gibt es hier das ganze Jahr über und Schwarzgeld ist die beliebteste Währung in Währing wie in Döbling.

Bei der Fröschelgasse steige ich aus und gehe weiter stadtauswärts. Ein Schild kennzeichnet den Einstieg zum „Stadtwanderweg 2“. Das letzte Haus vor der Abzweigung in den Gspöttgraben ist ein moderner dreistöckiger Bau, seine Form erinnert entfernt an die Kuppel eines Observatoriums. Zwei blutrote Stier-Statuen flankieren das Portal. Vom Balkongeländer hängt ein Transparent. Brennende Motorräder sind aufgedruckt und rote fetzige Horror-Schriftzeichen: „Monsters of Stunt“. Den Schaukasten an der Mauer füllt ein Plakat im Stil eines Western-Steckbriefs, vier grobkörnige Porträts, darüber „MoSt Wanted“. Sich als Kapitalverbrecher darzustellen, scheint immer noch schick zu sein.

Ich spaziere bergan. Der Untergrund wandelt sich von Asphalt zu Schotter, durchsetzt mit Matsch. Linker Hand geht es zum Steinbruch. Von dort führt ein steiler Pfad direkt auf die Anhöhe. Ich bleibe aber auf dem breiten Wanderweg, wo etliche Leute unterwegs sind, meist allein, seltener Pärchen oder Familien. Sollte jemand das Gelände überwachen, per Fernrohr oder Kameradrohne, steche ich hier weniger heraus als einsam zwischen Felsen und kahlen Bäumen.

„Am Himmel“, so der Name des Areals, ist ein seit über 200 Jahren beliebtes Ausflugsziel. Mittlerweile gibt es einen...


Lukas, Leo
Leo Lukas, geboren in der Steiermark, arbeitete als Lokalreporter, Kulturkritiker und Kolumnist, u. a. bei der „Kleinen Zeitung“. Er hat die österreichische Kabarettszene maßgeblich beeinflusst, ist aber auch einer der meistgelesenen deutschsprachigen SF-Autoren („Perry Rhodan“). Zahlreiche Preise, darunter „Salzburger Stier“, Österreichischer Kabarettpreis „Karl“ und „Goldenes Buch“ (für „Jörgi, der Drachentöter“ mit Gerhard Haderer, bei Ueberreuter). Leo Lukas lebt in Wien.
Bereits bei Ueberreuter erschienen: Mörder Quoten (2019) und Mörder Pointen (2022).

Leo Lukas, geboren in der Steiermark, arbeitete als Lokalreporter, Kulturkritiker und Kolumnist, u. a. bei der "Kleinen Zeitung". Er hat die österreichische Kabarettszene maßgeblich beeinflusst, ist aber auch einer der meistgelesenen deutschsprachigen SF-Autoren ("Perry Rhodan"). Zahlreiche Preise, darunter "Salzburger Stier", Österreichischer Kabarettpreis "Karl" und "Goldenes Buch" (für "Jörgi, der Drachentöter" mit Gerhard Haderer, bei Ueberreuter).



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