E-Book, Deutsch, Band 2516, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Lukas Perry Rhodan 2516: Die Tauben von Thirdal
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-8453-2515-6
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Stardust"
E-Book, Deutsch, Band 2516, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-2515-6
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
LEO LUKAS Eine Blinddarmentzündung im Alter von 13 Jahren war schuld, dass Leo Lukas Bekanntschaft mit dem 'Erben des Universums' machte. Die Mutter des 1959 in Köflach/Österreich geborenen Lukas schenkte ihrem Sprössling ein PERRY RHODAN-Heft. Und während sich der Bauch des Jungen auf dem Weg der Besserung befand, wurde sein Kopf vom Fieber der Begeisterung für die größte Science-Fiction-Serie der Welt erfasst. In den achtziger und neunziger Jahren entwickelte sich der Sohn einer Bergarbeiterfamilie zum Tausendsassa der österreichischen Kleinkunst-Szene: als erfolgreicher Kabarettist, Schauspieler, Regisseur und Autor, als scharfzüngiger Begleiter des politischen und gesellschaftlichen Lebens seines Heimatlandes. Seine erste Langspielplatte erschien 1990, sein erstes Buch mit dem Titel 'Otto Blumes fatale Reisen' kam 1991 heraus und ist längst vergriffen. 1992 folgte das Video 'Leo Lukas - ein Wunschprogramm'. 2000 publizierte Leo Lukas zusammen mit dem Zeichner Gerhard Haderer das Kinderbuch 'Jörgi der Drachentöter', das die Regierungsübernahme der österreichischen Mitte-Rechts-Koalition kritisch-satirisch aufs Korn nahm und sich monatelang in den vordersten Plätzen der österreichischen Bestsellerlisten hielt. Seine Texte wurden mehrfach mit dem 'Salzburger Stier' ausgezeichnet, dem wichtigsten Kleinkunstpreis des deutschsprachigen Raums. 2005 erhielt er außerdem den 'Österreichischen Kleinkunstpreis'. Oft verwendet er Mittel der Science Fiction, um beißende Kritik zu üben. So etwa in seinen Romanen 'Otto Blumes fatale Reisen' (1991) und 'Wiener Blei' (1998), der im Universum der Rollenspielserie 'Shadowrun' spielt. Daher ist es vielleicht kein Wunder, dass er schließlich gebeten wurde, einen Gastroman für die PERRY RHODAN-Serie zu verfassen, die er all die Jahre aufmerksam verfolgt hatte. Lukas war begeistert: 'Stell dir vor, du warst mit 13 ein glühender Beatles-Fan, und Jahrzehnte später ruft dich plötzlich Paul McCartney an und fragt, ob du bei seiner nächsten CD mitwirken willst. Ungefähr so ist es mir ergangen, als mich der RUF aus Rastatt ereilte ...' Bereits mit seinem Erstling 'Die Astronautische Revolution' mit der Nummer 2059 erweiterte er das PERRY RHODAN-Universum um eine ganz persönliche ironische Facette, die inzwischen nicht mehr aus der Serie wegzudenken ist. Aus dem Gastspiel wurde bald ein Dauerauftrag und aus dem von Berufs wegen skeptischen Leo Lukas ein Optimist: 'Ich glaube daran: Wenn sich die ganze Menschheit in derselben Weise weiterentwickelt wie die PERRY RHODAN-Serie, dann schaffen wir's vielleicht wirklich einmal dorthin, wo wir hinwollen und hingehören. Ja, genau: zu den Sternen.'
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Eins
Der Magier
Sie hatte erwogen, ihn zu vergiften – oder mit ihm zu schlafen und ihn danach knallhart zu erpressen. Letztlich entschied sich Francinn für eine direktere, etwas fairere Herangehensweise.
»Ich will deinen Job«, sagte sie zu Kogen Darbt.
»Weiß ich.«
»Nein, nicht generell. Also, nicht als Leiter unserer Abteilung.«
Dass er routinierter und fachlich kompetenter war, akzeptierte sie neidvoll. Im Übrigen traute sie sich den Chefposten noch nicht zu. »Aber ich möchte statt deiner an diesem Außeneinsatz teilnehmen.«
»Aha.«
Sein Phlegma hielt sie schon in der täglichen Zusammenarbeit kaum aus. Unter den gegebenen Umständen trieb es sie zur Weißglut, dass Kogen nicht nachfragte, warum.
Während er in einer quälend gemächlichen Bewegung seinen Becher hob und am längst ausgekühlten, koffein- und alkoholfreien Irish Coffee nippte, wetzte Francinn auf dem Barhocker hin und her, dass das Synthleder ihrer Hose knirschte. »Willst du den Grund dafür erfahren?«
Kogen leckte sich die Lippen – mit einer Geschwindigkeit von etwa einem Pikometer pro Minute –, dann stellte er das Getränk behutsam ab, seufzte und sagte: »Seit frühester Kindheit schwärmst du davon, einmal an einer Kommandoaktion mit ihm teilnehmen zu dürfen.«
Das traf sie unvorbereitet. Baff stammelte sie: »W... woher ...?«
»Der älteste Raumhelm der terranischen Flotte. Die häufigste ehrliche Antwort auf die Frage, wieso jemand bereit ist, Heim und Gut, Verwandtschaften und auch Liebschaften zurückzulassen und eine meistenteils langweilige Existenz unter den beengten Bedingungen an Bord eines Raumschiffs zu führen.«
»Blödsinn! Der Dienst für die Menschheit, der Ruf der Sterne ...«
»Ehrliche Antwort, habe ich gesagt. Dann kommt heraus: Wegen der Chance, und sei sie noch so gering, ein einziges Mal ein Abenteuer an der Seite eines der Unsterblichen zu erleben. Wobei er ungebrochen auf dem ersten Platz rangiert, deutlich selbst vor Perry Rhodan oder Atlan.«
Francinn bemerkte, dass sie die Thekenkante umklammerte, löste ihre Finger und lehnte sich zurück. »Wir alle sind mit den Geschichten über seine Heldentaten aufgewachsen«, verteidigte sie sich lahm. »Du vielleicht nicht?«
»Streite ich nicht ab. Obwohl mich persönlich von allen Aktivatorträgern Homer G. Adams am meisten interessieren würde, weit mehr als die zwangssanguinische Superratte.«
»Heißt das, dir liegt sowieso nichts daran? Du würdest freiwillig zu meinen Gunsten verzichten?«
Umständlich griff sich Darbt in den hochgeschlossenen Kragen seiner Bordmontur und strich die farblich exakt abgestimmte Krawatte zurecht. »Ich wurde von der Expeditionsleitung nominiert und kann mich nicht einfach so über diese Order hinwegsetzen.«
Francinn Teseus-Chan überlegte fieberhaft. Was sollte sie ihm anbieten?
Bestechlich war Kogen nicht. Selbst wenn sie all ihre Überredungskunst aufböte – ihr Vorgesetzter würde niemals ihr zuliebe lügen, etwa indem er eine Unpässlichkeit vortäuschte.
»Ich gebe zu bedenken«, sagte er steif, jedes Wort langsam und gründlich zerkauend, »dass die Erfüllung eines von Kindesbeinen an gehegten Wunsches sehr oft bittere Enttäuschung nach sich zieht. Häufig kann die schale Realität nicht einlösen, was wir uns in jugendlicher Euphorie rosarot ausgemalt haben.«
»Falls es dir noch nicht aufgefallen sein sollte«, versetzte sie patzig, »meine Pubertät liegt auch schon einige Jährchen zurück.«
»Schau. Ich verstehe dein Anliegen. Du hast dich, zweifellos aufgrund deiner Fähigkeiten, bis hierher vorgearbeitet, hast sogar den Abgrund zwischen zwei Galaxien überwunden. Bist deinem Traum so nahe gekommen wie nie zuvor – und jetzt steht dir nur mehr eine einzige Person im Weg: nämlich ich.«
Ihr Hals war zu trocken. Sie brachte keinen Ton heraus, nickte bloß.
»An mir soll's nicht liegen«, sagte Kogen Darbt mitleidig. »Aber bitte versuch, dich in den Pelz deines Idols zu versetzen. Glaubst du, er hat es nicht längst leid, dass sich ständig Leute um ihn drängeln, die schon in der Prallfeldwiege seine Plüschfigur geknuddelt haben?«
Das ist mir egal!, wollte sie schreien, ungeachtet dessen, dass sie die Schlüssigkeit der Argumentation anerkannte. »Hhm. Bei allem Respekt, trotzdem würde ich diese Erfahrung gern selbst machen. Und ich fühle mich gefestigt genug, damit fertig zu werden.«
»Meinetwegen.« Er bedeutete dem unterleibslosen, positronisch-biologischen Roboter, der als Kellner der Bordbar fungierte, ihnen nachzuschenken. »Ich werde der Expeditionsleitung empfehlen, dich an meiner Stelle dem Außenteam zuzuteilen. Schließlich bist du, was die zu erforschenden biochemischen Substanzen betrifft, qualifizierter als ich. Übrigens seltsam, dass du das nicht selbst angeführt hast. Unter uns: Du solltest es mit der Bescheidenheit auch nicht übertreiben.«
In der Hosentasche verkrampfte sich Francinns linke Hand um die Phiole mit dem Abführmittel, das ihren Vorgesetzten für einige Tage außer Gefecht gesetzt hätte. Die stellvertretende Chefbiologin der JULES VERNE schämte sich fast zu Tode; nicht zuletzt wegen der Reizwäsche, deren Spitzenrüschen unter ihrer Bordkombi an den Hüften scheuerten. »Danke!«
Sie prosteten einander zu und tranken. Eine Weile betrachteten sie schweigend die Flüssigkeitsspiegel in ihren Gläsern.
Dann raunte Kogen Darbt, unbeholfen am Knoten seiner Krawatte zupfend: »Ein letzter Tipp unter Kollegen. Ich verfolge seit geraumer Zeit die Statistiken von Kommando-Unternehmungen. Die Todesrate korreliert signifikant mit der Erwähnung im Logbuch.«
»Hä?«
»Soll heißen: Wer das erste Mal, ein einziges Mal, dabei ist, quasi eine entbehrliche Nebenfigur, stirbt mit wesentlich höherer Wahrscheinlichkeit.«
»Was willst du damit andeuten?«
»Pass auf dich auf. Ich wünsche dir viel Glück«, sagte Darbt, treuherzig zwinkernd. »Ehrlich.«
*
Sie konnte es kaum erwarten und kam entsprechend früh zum Treffpunkt. Nach einem Blick aufs Chronometer verzögerte sie ihre Schritte. Erst als die Ziffern auf 22.22 Uhr sprangen, betätigte sie den Türöffner.
Zweiundzwanzig war die Zahl der Wege. Francinn beschäftigte sich gern mit Kabbalistik, obgleich sie stets betonte, als Naturwissenschaftlerin eigentlich nicht an Zahlenmystik zu glauben. Andererseits konnte es wohl kaum schaden, wenn sie dieses Abenteuer mit einer doppelten Zweiundzwanzig begann, oder?
Aus 22 Büchern bestand das Alte Testament der Bibel, ursprünglich verfasst in hebräischer Sprache, welche 22 Buchstaben besaß. 22 Wege verbanden die Sefirot, die göttlichen Kraftzentren im kabbalistischen Lebensbaum, und 22 Karten bildeten die großen Arkana des Tarots.
Dividierte man 22 durch die heilige Zahl Sieben, die für Fülle und Vollendung stand, so erhielt man Pi, den Schlüssel zur Berechnung des Kreises. Kreis oder Null wiederum waren das Symbol des Narren oder Sküs, der zweiundzwanzigsten und höchsten Trumpfkarte im Tarock ...
Francinn Teseus-Chan betrat das Konferenzzimmer. Erwartungsgemäß war sie die Erste; Atlan hatte das Briefing des Einsatzteams für halb elf Uhr abends anberaumt.
Sie zählte die Stühle ab, die den großen runden Tisch umgaben. Sechzehn! Ebenfalls eine Zahl der Vollkommenheit, wenngleich auch der Zersplitterung ...
Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie, nannte 16 Wege des Verderbens. Zwar wiesen die Kuppeln sowohl der Blauen Moschee in Istanbul als auch des Petersdoms in Rom 16 Segmente auf. Aber die Trumpf-Sechzehn vieler Tarot-Decks zeigte einen Turm, dessen Krone von einem Blitz getroffen und abgeworfen wurde.
Ein schlechtes Omen?
Francinn beruhigte sich damit, dass sie in erster Linie der exakten Wissenschaft verpflichtet war und derlei Gedankenspielereien nur zum Ausgleich betrieb. Um nicht als Fachidiot zu verknöchern, wie Kogen Darbt und Konsorten.
Oder so. Außerdem hatte sie noch eine Reihe anderer Hobbys.
Ganz bewusst setzte sie sich auf irgendeinen Stuhl, ohne dessen Position im Raum Beachtung zu schenken. Freilich hätte sie nach den Regeln des Feng Shui die Energiefelder bestimmen und das Ergebnis mit dem Aayaadi-Prinzip der indischen Weisheitslehre Vaastu Shastra vergleichen können. Francinn fand jedoch, dass sie schon aufgeregt und kirre genug war.
In wenigen Augenblicken würde sie ihm erstmals die Pfote schütteln ...
Sie wartete, Ameisen im Bauch. Selbstverständlich gab sie ihrem Vorgesetzten völlig recht: Sich wie ein unreifes Groupie zu gebärden, das eine Backstage-Karte ergattert hatte, war so ziemlich das Dümmste, was sie machen konnte.
Trotzdem. Seit dem Aufbruch der JULES VERNE nach Andromeda, seit Francinn wusste, dass er sich an Bord ihres Schiffes aufhielt, dachte sie fast pausenlos daran, wie sie reagieren sollte, falls er ihr zufällig über den Weg lief.
Bisher war es nicht dazu gekommen. Weder hatte ihr Idol die Wissenschaftssektion besucht, noch gewährte das Dienstreglement ihr unaufgefordert Zutritt zur Hauptleitzentrale.
Nun aber würden sie gemeinsam eine Erkundungsmission durchführen ... Morgen, am 22. Januar!
Immer wieder starrte Francinn die Tür an; wiewohl sie insgeheim hoffte, er käme nicht wie gewöhnliche Sterbliche herein, sondern auf jene andere, einzig ihm mögliche Weise. Als es tatsächlich so geschah, erschrak sie dennoch bis ins Mark.
Plötzlich entstanden...




