E-Book, Deutsch, Band 2944, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Lukas Perry Rhodan 2944: Moothusachs Schatz
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-8453-5044-8
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Genesis"
E-Book, Deutsch, Band 2944, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-5044-8
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Gut dreitausend Jahre in der Zukunft: Perry Rhodans Vision, die Milchstraße in eine Sterneninsel ohne Kriege zu verwandeln, lebt nach wie vor. Der Mann von der Erde, der einst die Menschen zu den Sternen führte, möchte endlich Frieden in der Galaxis haben. Unterschwellig herrschen immer noch Konflikte zwischen den großen Sternenreichen, aber man arbeitet zusammen. Das gilt nicht nur für die von Menschen bewohnten Planeten und Monde. Tausende von Welten haben sich zur Liga Freier Galaktiker zusammengeschlossen, in der auch Wesen mitwirken, die man in früheren Jahren als 'nichtmenschlich' bezeichnet hätte. Besucher aus anderen Galaxien suchen Kontakt zu den Menschen und ihren Verbündeten; dazu zählen auch die Thoogondu aus der Galaxis Sevcooris. Einst waren sie in der Milchstraße beheimatet und haben nun den Wunsch geäußert, erneut Kontakt aufzunehmen. Gegenwärtig hält sich Rhodan in ihrem Goldenen Reich auf, wo er auch auf ein Splittervolk der Menschheit gestoßen ist: das Zweite Solare Imperium der Gäonen. In der Milchstraße versucht das ZSI durch militärische Intervention der Menschheit wieder jenen Platz zu geben, der ihr angeblich zustünde, muss aber gegen die USO eine empfindliche Niederlage hinnehmen. Dabei stellen Galaktiker wie Gäonen fest, dass die Thoogondu ebenfalls weitgehend unbemerkt im Spiel sind und die[...]
Autoren/Hrsg.
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1.
Die frühen Jahre
Ich hatte nie geplant, meinen zahlreichen – veröffentlichten und unveröffentlichten – Schriften eine Art Autobiografie hinzuzufügen. Dafür bin ich eigentlich nicht eitel genug.
Jedoch muss es nun anscheinend sein, da auch manch anderes nicht nach Plan gelaufen ist. Bloß – wie anfangen?
Wer in der Endphase eines so langen, erfüllten Lebens wie dem meinigen zurückblickt und versucht, nur die wichtigsten Stationen zu schildern, fragt sich unweigerlich: Was war denn wesentlich, was entscheidend?
Welche Verkettung von Ereignissen hat zu einer derart tragischen, unvermuteten Zuspitzung geführt? Hätte ich den unrühmlichen Höhepunkt vorhersehen und bereits im Ansatz unterbinden können?
Und wenn – wann?
Man verzeihe bitte einem alten Mann, dass er auf diese Frage keine schnelle Antwort findet. Erlaubt mir, mich chronologisch heranzutasten, obwohl ich kein studierter Historiker bin, und ein wenig weiter auszuholen.
Meine bescheidene, persönliche Geschichte beginnt kurz vor meiner Zeit. Sie beginnt mit der Geschichte der Besiedelung eines der unzähligen, ehedem unbewohnten Planeten in der Galaxis Sevcooris.
*
Bis die Siedler kamen, hatte die abgelegene, unbedeutende Sauerstoffwelt keinen Namen. Auch die rote Sonne, die der Planet auf einer elliptischen Bahn umlief, war in den Sternkatalogen des Gondunats nur als eine Kombination von Zahlen- und Buchstabensymbolen verzeichnet.
Das System lag in einem Seitenarm von Sevcooris, der seit Jahrzehntausenden keine galaktostrategische Rolle gespielt hatte. Anderswo mochten immer wieder mal furchtbare Kriege getobt haben und Entscheidungsschlachten geschlagen worden sein. Dieser Seitenarm aber war buchstäblich zu weit vom Schuss. Zumal die wenigen, einigermaßen lebensfreundlichen Welten keinerlei wertvolle Rohstoffe, wie etwa Hyperkristalle, anzubieten hatten.
Selbstverständlich waren gondische Erkundungsmissionen schon zu Urzeiten, und auch später gelegentlich, dorthin vorgestoßen. Die Berichte der zurückgekehrten Prospektoren glichen einander stets, fast aufs Wort, und ließen sich in einem kurzen Satz zusammenfassen: »Nicht der Mühe wert.«
Genau dieser Umstand freilich reizte eine Gruppierung von Esoterikern, die sich dem Slogan »Zurück zum Ursprung« verschrieben hatten. Ihre Anführerin, eine ebenso hitzköpfige wie charismatische Fanatikerin namens Joomhindra, erwirkte nach jahrelangem, zähem Bemühen die Erlaubnis des Garanten Narashim, eine Expedition just zu jenem Seitenarm ausrichten zu dürfen.
Wobei ... Expedition ist der falsche Ausdruck. Was der Gondu ihr und ihren Anhängern gestattete, war ein Flug ohne Wiederkehr. Mit anderen Worten: freiwilliges Exil im Nirgendwo.
Ich vermute, dass Narashim damals gar nicht traurig war, die lästigen Fundamentalisten loszuwerden. Mit Sicherheit hatten die Observanten, der Geheimdienst des Goldenen Reiches, sämtliche Beteiligte durchleuchtet.
Da sie keine Kontakte zu notorischen Terroristen wie den Vranoo ba'Drant – was übersetzt so viel heißt wie »Fürsten des Lichts« – oder anderen Widerstandsgruppen nachweisen konnten, erfolgte schließlich die Freigabe.
Fünf mittelgroße Trisphären transportierten die etwa 6000 Anhänger der Sektenführerin über die weite Strecke bis zu jenem Planeten, den sie sich als neue Heimat erkoren hatten. Dort luden sie ihre Passagiere ab.
Die Schiffskommandanten wünschten, wie es der Etikette entsprach, »viel Glück und Gedeihen«, und traten sogleich den Heimflug an. Zurück auf der scheinbar jungfräulichen Welt blieb eine verschworene, ja verbissene Gemeinschaft von Aussteigern, die beherzt darangingen, ihr erträumtes Paradies zu errichten.
Als Joomhindra den Boden des auserwählten Planeten betrat, den sie bei der ersten Sichtung auf Sevthoo getauft hatte, war sie hochschwanger. Wenig später gebar sie ein Kind.
Mich.
*
An meinen Vater Clarhoobs erinnere ich mich gerne, wenngleich mit einem bitteren Beigeschmack.
Er war, glaube ich, ein lieber, freundlicher, von störendem Intellekt unbeleckter Kerl. Nein, nicht dumm, versteht mich bitte nicht falsch – er hatte emotionale Intelligenz, weit mehr als meine Mutter, die er hingebungsvoll liebte und vergötterte.
Extrem geduldig und leidensfähig, nahm er ohne Murren hin, wie Joomhindra ihn herumkommandierte. »Tu dies, tu das« – und er tat dies, tat das, ohne sich jemals zu beschweren, dass er nie Lob abbekam. Sondern immer nur Kritik, ja spitzen Tadel für die nicht völlig perfekte Ausführung ihrer harschen Befehle.
In meiner frühen Kindheit fiel mir oft die Aufgabe zu, meinen Vater zu wecken, damit er seinen Pflichten nachginge. Ich ließ mir allerlei Schikanen einfallen, um ihn aus seinem Schlummer zu reißen.
Mal zündete ich nahe an seinem Bett Sprengkörper. Mal übergoss ich ihn mit sauerscharfem, ätzendem Gelee. Mal simulierte ich einen Trakkod-Angriff.
Mein lieber Vater Clarhoobs ließ all das über sich ergehen. Nie schimpfte er mit mir. Vielmehr lobte er mich sogar gelegentlich für meinen Einfallsreichtum.
Das war so ziemlich das einzige Lob, das ich in jenen Jahren bekam. Alle anderen wurden nicht müde, mir immer wieder meine Schwächen vorzuhalten.
Deren gab es zahlreiche. Ich war ein Spätentwickler, sowohl körperlich als auch geistig zurückgeblieben hinter den Gleichaltrigen.
Joomhindra machte keinen Hehl daraus, dass sie das schmerzte. Ausgerechnet ihr Erstgeborener erwies sich als so wenig geeignet für den naturverbundenen, archaischen Lebensstil, den sie proklamierte!
*
Ich war, daran gibt es nichts zu rütteln, ganz gewiss nicht der Sohn, den sie und Clarhoobs sich erträumt hatten.
Obwohl ich mich redlich bemühte, vermochte ich dem Schulunterricht mehr schlecht als recht zu folgen. Mir erschloss sich einfach nicht, wieso dem viele Jahrzehntausende zurückliegenden Millennium der Aneignung, als unser Volk die ansonsten nicht sehr belebte Kleingalaxis Cooris erobert und besiedelt hatte, so viele Unterrichtseinheiten, Haus- und Prüfungsaufgaben gewidmet wurden.
Für mich war das ewig her, über hundert Millionen Lichtjahre weit weg – und dadurch ebenso irrelevant wie die anderen, ach so markanten, historischen Ereignisse, die wir in aufwendig inszenierten, theatralischen Aufführungen nachspielen mussten.
Die verwegenen Vorstöße nach Poshcooris, der benachbarten Spiralgalaxis. Der feierliche Gründungsakt des Ersten Gondunats. Die Ernennung von Ausca im Prakursystem zur Regentwelt ...
Fast die gesamte Bevölkerung wirkte bei den bombastischen Schau- und Weihespielen mit. Ich auch, aber stets nur am Rande. Niemand, nicht einmal Clarhoobs, hätte mir eine tragende Rolle zugemutet.
»Kannst du dir keinen Text merken, oder willst du nicht?«, tadelte mich Joomhindra, wenn ich bei den Proben versagt hatte.
Eine Antwort wartete sie niemals ab. Ohnedies hätte ich schon damals, trotz all meiner Unbedarftheit, nicht die Wahrheit gesagt, da ich wusste, dass meine Mutter diese nicht hören wollte.
*
In der Freizeit betrieben wir eine Sportart, die Trakkod genannt wurde, nach den legendären, mörderischen Raubtieren der Urheimat.
Zwei Teams aus je zwölf Personen traten gegeneinander an, jeweils die Hälfte davon »Jäger« und »Sammler«. Letztere versuchten, auf dem Spielfeld verteilte, verschiedenfarbige Gewinnmale zu berühren, um entsprechende Siegpunkte zu ergattern. Die Jäger gaben ihr Möglichstes, sie daran zu hindern, indem sie die gegnerischen Sammler mit kopfgroßen Hartgummibällen abschossen.
Wurde man davon getroffen, tat das höllisch weh. Ich wurde oft getroffen. Nicht selten hinkte ich nach Hause, übersät von Blutergüssen und Prellungen.
Das war aber nicht das Schlimmste. Als wirklich demütigend empfand ich die den Matches vorausgehende Wahl der Mitspieler.
Meist lief das so ab: Die beiden Mannschaftsführer setzten auf einer geraden Linie einen Fuß vor den anderen; so lange, bis die verbliebene Lücke zu klein war, um selbst der Quere nach noch einen Stiefel hineinzwängen zu können.
Wer den letzten gültigen Schritt getan hatte, wählte als Erster, wen er in seinem Team haben wollte. Von da an ging es abwechselnd weiter.
In rascher Folge wurden Namen gerufen. Meiner kam immer erst ganz am Ende dran, wenn außer mir nur noch der fette Kalaamph oder die rachitische, halb blinde Thithisuurach übrig waren.
Müßig zu erwähnen, dass ich auch bei diesem Spiel nicht brillierte.
*
Nach wie vor rätsle ich, was meine Mutter und ihre unverdrossen euphorischen Anhänger sich von Sevthoo erhofft hatten.
Viel war die Rede von einer »Wiedergeburt des ursprünglichen, gondischen Kampfgeists«. Von Rückbesinnung und radikaler Erneuerung.
Aber wozu denn?, fragte ich mich insgeheim jedes Mal wieder, wenn wir – in Reih und Glied angetreten – die immer gleichen Parolen brüllen mussten.
Unser auserwähltes Volk der Thoogondu dominierte ohnehin bereits seit einer halben Ewigkeit die gesamte Galaxis Sevcooris, inklusive der Sternhaufen im Halo. Joomhindra und ihre willfährigen Gefolgsleute schotteten uns so gut wie möglich von aktuellen Hyperfunknachrichten ab. Trotzdem drangen manche Fakten durch, die sich schlichtweg nicht verleugnen ließen.
Etwa, dass das Goldene Reich über nicht weniger als 79.776 von Thoogondu...




