E-Book, Deutsch, Band 3156, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Lukas Perry Rhodan 3156: Die Wandlungen des Ossan Bak
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-8453-6156-7
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Chaotarchen"
E-Book, Deutsch, Band 3156, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-6156-7
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
In der Milchstraße schreibt man das Jahr 2072 Neuer Galaktischer Zeitrechnung. Dies entspricht dem Jahr 5658 nach Christus. Über dreitausend Jahre sind vergangen, seit Perry Rhodan seiner Menschheit den Weg zu den Sternen geöffnet hat. Noch vor Kurzem wirkte es, als würde sich der alte Traum von Partnerschaft und Frieden aller Völker der Milchstraße und der umliegenden Galaxien endlich erfüllen. Die Angehörigen der Sternenvölker stehen für Freiheit und Selbstbestimmtheit ein, man arbeitet intensiv zusammen. Doch entwickelt sich in der kleinen Galaxis Cassiopeia offensichtlich eine neue Gefahr. Dort ist FENERIK gestrandet, ein sogenannter Chaoporter. Nachdem Perry Rhodan und seine Gefährten versucht haben, gegen die Machtmittel dieses Raumgefährts vorzugehen, bahnt sich eine unerwartete Entwicklung an: FENERIK stürzt auf die Milchstraße zu. Was das genau bedeutet, weiß noch keiner. Die Völker der Galaxis ahnen aber, dass eine große Gefahr auf sie zukommt. Unter dem Druck der Ereignisse beschließen sie den Schulterschluss zum Dritten Galaktikum - und Atlan erfährt mehr über DIE WANDLUNGEN DES OSSAN BAK ...
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1.
Die Versuchung von Fíbnes Mond
Als ich jung war, ging ich jeden Tag in eine andere Schule.
Daran erschien mir nichts unnatürlich. Ich war ja auch jeden Tag ein anderer Schüler.
An meine frühe Kindheit kann ich mich nicht erinnern. Aber selbst wenn ich das könnte, würde ich nichts davon preisgeben. Wie einer von uns entsteht, zur Welt kommt und heranwächst, ist und bleibt ein Geheimnis meines uralten Volkes.
Niemand derjenigen, mit und von denen ich lernte, erkannte mich. Weil alle mich zu kennen glaubten: Ich trat als einer der Ihren auf, borgte mir kurz dessen Platz und Identität.
Mein Elter – wir Koda Aratier sind eingeschlechtlich – unterwies mich in der Anwendung dieser ererbten, angeborenen Fähigkeit.
Ein kurzer, reiner Blickkontakt genügt uns, um jedes unbelebte oder belebte Objekt und nahezu jedes Intelligenzwesen nach Aussehen und Charakter zu imitieren. Zu diesem Zweck fertigen wir ein Templat an, eine Art inneres Bild des Gegenübers.
Bei diesem mentalen Abtasten wird sekundenschnell die äußere Gestalt der betreffenden Person übernommen. Es umfasst überdies die Feinstruktur des Gehirns.
Wenn das Templat hinreichend genau ist und tief genug reicht, hat sich der Koda Aratier danach auch die eingeprägten, neuronal codierten Gedächtnisinhalte des Vorbilds deckungsgleich angeeignet, ebenso dessen bewusste oder unbewusste Verhaltensweisen.
Er besitzt nicht nur alle Erinnerungen, sondern auch die geistigen und körperlichen Fähigkeiten – sodass die Kopie praktisch nicht mehr vom Original zu unterscheiden ist.
*
Als ich jung und in Ausbildung war, lebten wir auf TRAIGOT 0991.
Ich lernte, dass es sich dabei um eine ringförmige Fabrik handelte, acht Kilometer hoch und mit einem Außendurchmesser von 40 Kilometern. Der vom Ring umschlossene Freiraum durchmaß 25 Kilometer.
Die TRAIGOT-Fabriken produzierten sämtliche von der Terminalen Kolonne verwendeten Technologien. Sie waren in Ateliers unterteilt, in denen die verschiedensten Umweltbedingungen herrschten.
Einzelne Aggregate von Robotern wurden dort angefertigt, kybernetische Bestandteile der T-Prognostiker, simplere Ausrüstungsgegenstände wie Datenbrillen und Implantate für die vogelähnlichen Ganschkaren, die mausartigen Effremi, die molluskoiden, wenig beliebten Joppelaren und andere Völker.
Es gab ausgedehnte Biotech-Labore, in denen Yong-Dreq-Kreaturen gezüchtet wurden. Diese dienten TRAITOR als Allzweck-Techniker und hatten das äußere Erscheinungsbild gallertiger Amöben.
Der eingebettete, etwa 35 Zentimeter hohe Zellkern hingegen wies eine deutliche humanoide Struktur auf. Diese Komponente, der Dreq-Mechaniker, konnte den Hauptkörper verlassen und teilautonom agieren, blieb aber stets durch eine extrem dehnbare Nabelschnur verbunden. Er hatte kein Skelett, bloß rings um die Augen dicke Knochenwülste. Zur Selbstverteidigung verfügten die Amöbenkörper über wirkungsvolle Nesselzellen mit großer Reichweite.
Man kann sich vorstellen, wie herausfordernd und zugleich faszinierend es für mich war, mich in derart verschiedene Gestalten zu verwandeln!
Dabei speicherte ich unaufhörlich einmal kopierte Körper- und Mentalstrukturen als Matrizen im Gedächtnis ab. Die Metamorphose zu einer bereits bekannten Form ließ sich dann blitzschnell umsetzen.
Ich lernte, dass es durchaus möglich war, Wesen zu kopieren, die ungleich voluminöser waren als ich. Etwa die bis zu viereinhalb Meter großen, tonnenschweren, zweibeinigen und vierarmigen Charnaz Bakr, die als Prospektoren für Ressourcenbeschaffung zuständig waren. Um einen dieser Bestien-Abkömmlinge nachzubilden, schlossen sich mehrere Koda Aratier zusammen und fügten sich nahtlos aneinander. Beim ersten Mal kooperierte ich mit Bakken Lont, meinem Elter, und meinen beiden Drillingsgeschwistern.
Wieder eine neue, bestrickende Erfahrung!
*
TRAIGOT 0991 gehörte zu einem Ensemble, das Sequin-Doar genannt wurde.
Vollständig hätte es aus 66 TRAIGOT- und 22 TRAICAH-Einheiten bestanden. Letztere waren ebenfalls Fabriken, allerdings jeweils ergänzt um eine im Ringinneren eingespannte Kolonnen-Fähre. Der maximale Durchmesser dieser doppelradförmigen Trägerraumschiffe betrug 25 Kilometer, die Höhe über alles 16 Kilometer.
Eine einzige Kolonnen-Fähre konnte mehrere Chaosgeschwader aus je 484 Traitanks befördern. Die Transporte erfolgten über weite Strecken. Sogar mit Aggregaten für den Wechsel zwischen Universen waren die Fähren bestückt.
Unsere Sequin-Doar, lernte ich, hatte zwischenzeitlich bei einer kriegerischen Auseinandersetzung etwa ein Fünftel seiner Bestände eingebüßt. Diese mussten erst wieder aufgestockt werden.
Der Kommandant, ein Mor'Daer im dritthöchsten militärischen Rang – er war ein Kalbaron – gab sich zuversichtlich, dass wir bald Nachschub bekommen würden.
Mor'Daer war die Kurzform des ursprünglichen Namens Morgotha Aldaer. Sie erinnerten ein wenig an aufrecht gehende Schlangen, wenngleich mit ausgeprägt breiten Schultern und schmalen Hüften.
Ihre nach vorne gewölbten, spitz zulaufenden Köpfe waren stark behaart. Im Einsatz trugen sie sehr martialische Uniformen mit Zusatzpanzerungen und überschwere Bewaffnung. Aber nachzubilden waren sie für mich ganz leicht. Anfänglich irritierten mich allerdings die zwei Drogen Petwwon und Elamgkonyl, die man ihnen verabreicht, um den Aggressions- und Geschlechtstrieb unter Kontrolle zu halten.
Problemlos kopierte ich auch die Czé. Diese Pflanzenwesen bestanden aus unzähligen Stängeln und Ruten, zusammengeschnürt zu einer Art Strohpuppe.
Eigentlich waren sie emotionslose Analytiker. Bei Bedarf lebten sie jedoch in Symbiose mit einem Kih, einem nicht sonderlich intelligenten, dafür aber gefühlsbetonten und anhänglichen Kopffüßler, der seine Tentakel zwischen den Stängeln des Czé verspannte.
Zusammen vermochten sie sich optimal empathisch in andere Personen hineinzuversetzen. Solche Czé-Kih-Zwieheiten wurden deshalb gern als Stewards, Betreuer und Leibdiener auf Dienstburgen herangezogen.
*
Von den Thi-Thiram-Thiramskläta wiederum waren nur die weiblichen Exemplare für TRAITOR von Interesse.
Sie wurden genetisch manipuliert und körperlich in einem Kleinkindstadium gehalten, während man ihr Gehirn zu einem Wachstum auf Übergröße stimulierte. Der Antigravstuhl, mit dem sie durch die Säle und Korridore schwebten, versorgte sie über Kanülen mit Nahrung und Stimulanzien. Man nannte die Thi-Thiram-Thiramskläta »Umraum-Pflegerinnen«, weil sie äußerst fundierte Schätzungen über die hyperphysikalische Beschaffenheit höherdimensionaler Umgebungen abgeben konnten. Sie hatten keinen Tastsinn mehr. Deswegen empfanden sie jegliche Art starker Stimulation als angenehm.
Von den Dualen Kapitänen wünschten sie sich nicht, wie alle anderen Untergebenen, den Endogenen Genuss, sondern die eigentlich als Züchtigung gedachte Endogene Qual.
*
An Bord einiger TRAIGOT-Fabriken unserer Sequin-Doar lebten auf mehreren Hauptebenen im Bereich der äußeren Großhangars die Oahm'Cara.
Template von ihnen zu erstellen, wollte mir und meinen Geschwistern anfangs kaum gelingen. Das lag nicht an ihrer Größe. Trotz einer Körperlänge von drei und einer Höhe von zwei Metern wiesen die Insektoiden ungefähr dieselbe Masse auf wie ich.
Sie hatten sechs lange Gliedmaßen und ein bernsteinfarbenes Außenskelett. Ihre Augen gestatteten einen ungewohnten, im wahrsten Wortsinn »facettenreicheren« Blick auf die Welt.
Zwei Einschnürungen teilten den Körper in drei Segmente. Nur die beiden vorderen bedeckte eine dünne Chitinhülle.
Der weiche, lederartige Hinterleib war ungepanzert. Signalgelbe Gürtel wanden sich darum, an denen mehrere Taschen befestigt waren. Die typische Fortbewegungsweise der Oahm'Cara bestand aus ruckhaft staksenden Schritten und Sprüngen.
Sie waren selbst für Kolonnen-Verhältnisse exotische Wesen, aber nicht hauptsächlich wegen der Äußerlichkeiten. Dass ich mich so schwer damit tat, sie zu kopieren, hing wahrscheinlich mit ihrer Paragabe zusammen.
Die männlichen Oahm'Cara verfügten über einen sogenannten Geometer-Sinn, der sie befähigte, sich in jeder Situation und in jedem Kontinuum perfekt zu orientieren, selbst im Hyperraum. Dort vermochten sie außerdem neue Feldlinien zu ziehen.
Als Kolonnen-Geometer wurden sie gewöhnlich erst aktiv, wenn die Nega-Ziele erreicht waren. Bei der Parzellierung überwachten sie direkt vor Ort die Tätigkeit der Dunklen Obelisken. Weiterhin leiteten sie die Entropischen Zyklone und sorgten dafür, dass diese wenigstens halbwegs kontrolliert eingesetzt werden konnten.
Im Alltag TRAITORS hatten die Oahm'Cara keine Aufgaben. Deshalb betrachtete man sie an Bord der Kolonnen-Fabriken, in denen sie fast ihr gesamtes Leben verbrachten, als nutzlosen Ballast oder sogar als Schmarotzer.
Ihre Vermehrungsrate war streng reglementiert und wurde permanent gedrosselt. Bei einer zu hohen Populationsdichte hätte nämlich die Gefahr bestanden, dass es aufgrund ihrer Paragabe zu erratischen psionischen Phänomenen kam.
All das lernte ich, als ich jung war.
*
Eines Morgens herrschte helle Aufregung in TRAIGOT 0991.
Kurzfristig war der Besuch eines Dualen Kapitäns angekündigt worden, also die Inspektion durch jemanden aus der höchsten Führungsebene. Über den Dualen Kapitänen und...




