E-Book, Deutsch, Band 3182, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Lukas Perry Rhodan 3182: Die Engel der Pallas
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-8453-6182-6
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Chaotarchen"
E-Book, Deutsch, Band 3182, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-6182-6
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
In der Milchstraße schreibt man das Jahr 2072 Neuer Galaktischer Zeitrechnung. Dies entspricht dem Jahr 5659 nach Christus. Über dreitausend Jahre sind vergangen, seit Perry Rhodan seiner Menschheit den Weg zu den Sternen geöffnet hat. Noch vor Kurzem wirkte es, als würde sich der alte Traum von Partnerschaft und Frieden aller Völker der Milchstraße und der umliegenden Galaxien endlich erfüllen. Die Angehörigen der Sternenvölker stehen für Freiheit und Selbstbestimmtheit ein, man arbeitet intensiv zusammen. Doch entwickelt sich in der kleinen Galaxis Cassiopeia offensichtlich eine neue Gefahr. Dort ist FENERIK gestrandet, ein sogenannter Chaoporter. Nachdem Perry Rhodan und seine Gefährten versucht haben, gegen die Machtmittel dieses Raumgefährts vorzugehen, bahnt sich eine unerwartete Entwicklung an: FENERIK stürzt auf die Milchstraße zu. Rhodan versucht indes, mehr über den Chaoporter herauszufinden. Eine wertvolle Gelegenheit dazu bietet sich im Solsystem, das Besuch eines »Roten Sterns« erhalten hat: Reginald Bull tritt ebenfalls in Erscheinung und reklamiert das Kommando über dieses mächtige Raumschiff als designierter Quintarch FENERIKS. Wie sich herausstellt, geht es ihm nicht zuletzt auch um DIE ENGEL DER PALLAS ...
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2.
Das namenlose Institut
Einige Monate davor
Günay schrie.
Schreiend und zuckend wachte er auf. Seine Unterarme hämmerten aufs Bettlaken ein, bamm – bamm – bamm!
Im linken Schenkel kündigte sich ein Krampf an. Günay konnte ihn gerade noch unterdrücken, indem er das Bein durchstreckte, die Fußschaufel hochreckte und die Zehen spreizte.
Der Anfall klang ab. Auch Günays Körperspannung ließ nach. Sein Körper erschlaffte. Er war in Schweiß gebadet, stank säuerlich aus allen Poren.
»Ruhig, ganz ruhig«, sagte eine Stimme. »Alles ist gut. Ich bin bei dir. Du hattest nur wieder einen dieser Träume.«
Ihre Hand streichelte ihm den Rücken, bis hinab zum Lanugo-Fell an der Hüfte. »Ruhig«, wiederholte sie. »Komm zu dir. Tom, hörst du mich? Du bist Günay Thomsipe, und ich, Ulvi, halte dich im Arm.«
Er blinzelte stöhnend.
Das Schlafzimmer war abgedunkelt. Restlicht von den Straßenlaternen fiel durch die Schlitze der Jalousien. Günay erahnte mehr als er sah, dass neben ihm eine Frau lag, die ihren Körper an ihn schmiegte. Er war zu Hause, in Sicherheit und bester Gesellschaft.
»Es, es ... tut mir leid«, sagte er mit rauer, brüchiger Stimme. »Das kommt immer wieder mal über mich.«
»Weiß ich. Du hast mich gewarnt. Kein Problem. Entspann dich. Wir schlafen einfach weiter. Morgen früh haben wir keinen Stress. Sonntags können wir liegen bleiben und kuscheln, solange wir wollen.«
»Ja. Ja, super«, murmelte Günay.
»Träume sind Schäume. Unser Gehirn macht das, um überzählige Informationen abzubauen. Eine mentale Reinigungsroutine. Komm, dreh dich her, drück dich an mich. Wie ein Löffel in der Bestecklade an den anderen.«
Günay gehorchte. Er spürte ihren wunderbar weichen Hintern an seinen Lenden.
Ulvi Norber war das Beste, was ihm im ganzen bisherigen, reichlich verpfuschten Leben hatte passieren können. Sie sah über seine nicht eben rühmliche Vorgeschichte hinweg, hielt zu ihm, stärkte ihm den Rücken. Auf sie war Verlass.
Die Beziehung dauerte noch nicht mal eine Woche. Trotzdem kam es Günay vor, sie würden einander schon ewig kennen.
Was für ein Glück, dass sie es nicht bei einem One-Night-Stand hatten bewenden lassen! Dies war bereits ihre dritte gemeinsame Nacht, jede besser als die vorangegangene.
Günay, der innerhalb einer gewissen, eher übel beleumundeten Szene auch Tom oder Tommy genannt wurde, wäre beinahe selig eingeschlummert. Beinahe.
Hätte es da nicht diese Angst gegeben: die Angst vor dem, was geschah, sobald sein Wachbewusstsein abschaltete.
Er war gelernter Techniker und, obwohl er keine seiner Ausbildungen regulär abgeschlossen hatte, durch und durch Materialist. Für jede Störung im Normalablauf gab es eine Ursache. Man musste bloß lange und genau genug suchen.
Dann ließ sich der Fehler ausmerzen und das Gesamtsystem nachjustieren. Wissenschaftliches Vorgehen: kühl, klar, vernünftig.
Die Träume erklärte er sich als notwendiges Übel. Fast alle bekannten Intelligenzwesen mussten in regelmäßigen Abständen schlafen. Biologische Gehirne brauchten diese Auszeiten, um die Überfülle an Eindrücken verkraften zu können.
Bloß waren Günays Träume so schrill, so fordernd und zehrend, dass er jeden Abend wieder zu Himmelsgöttern, an die er eigentlich nicht glaubte, betete, diese eine Nacht verschont zu werden. Vergeblich. Oder sich wenigstens besser daran erinnern zu können, was in seinem Unterbewusstsein abgelaufen war!
Aber nein. Die Visionen kamen immer wieder, erschütterten ihn, schüttelten ihn, sodass sich sein ganzer Körper aufbäumte, und verblassten doch, unwiederbringlich, sobald er die Augen aufschlug ...
Irgendein Philosoph hatte vor Jahrtausenden geschrieben, dass er sich unsicher sei, ob er ein Mensch wäre, der von einem Schmetterling träume, oder umgekehrt ein Schmetterling, der sich im Schlaf eine menschliche Existenz vorgaukelte. Günay hatte dieses Dilemma als Kind nicht verstanden und als Jugendlicher verspottet.
Aber jetzt, als Erwachsener ...
Er hörte Ulvis regelmäßige Atemzüge. Die Wärme ihres prallen und doch entspannten Körpers übertrug sich auf ihn.
Günay Thomsipe bangte vor neuerlichen Albdrücken. Gleichwohl nickte er ein.
Er schlief tief, fest und lange.
*
Ulvi überraschte ihn mit einem zum Brunch gedeckten Tisch, der keine Wünsche offenließ. Wurst, Käse, Obst, fermentiertes Gemüse, diverse Cerealien, von der Venus importierte Sauriereier, dazu eine Auswahl frischen, knusprigen Feingebäcks ...
»Oh«, sagte Günay. »Womit habe ich das verdient?«
Sie lächelte. »Mehr als einmal.«
»Danke.« Er drückte ihr ein Küsschen auf die Wange. Dann langte er tüchtig zu. Ulvi schlemmte ebenfalls, wenngleich nicht ganz so gierig.
Als sie die Tassen und Bestecke abgeräumt und den Geschirrspüler angeworfen hatten, sagte sie: »Wir müssen reden.«
Oje, dachte Günay.
Gemäß seiner bescheidenen Erfahrung mit Frauen bedeutete das: Er musste zuhören. »Schieß los.«
»Diese Träume. Du bist nicht der Einzige, der von solchen Phänomenen heimgesucht wird.«
»Na ja, ich habe etlichen Bekannten gegenüber Andeutungen gemacht. Niemand ist darauf eingegangen. Keiner wusste Ähnliches zu berichten.«
»Erstens ist die statistische Wahrscheinlichkeit sehr gering. Und zweitens unterliegen Meldungen über solche wiederkehrenden mentalen Erlebnisse in unserer Gesellschaft einem Tabu.«
»Äh ... wieso? Und woher weißt du das?«
»Sie werden verschwiegen, praktisch tabuisiert, aus Sicherheitsgründen.«
Günay schüttelte den Kopf. »Fast nichts ist unerschütterlicher in sich gefestigt als unsere Heimatstadt.«
»Ja. Weil es eine Organisation gibt, die darüber wacht, dass die Urgründe nicht verletzt werden. Zufällig bin ich auf eine Kontaktperson zu diesen Leuten gestoßen.«
»Zufällig.«
»Ich hatte was mit der Dame, okay? Einen Flirt, der über das rein Intellektuelle hinausging. Vergiss es gleich wieder, so toll war's nicht. Aber von daher weiß ich, dass es eine Stelle gibt, an die du dich wenden solltest.«
»Um was zu erfahren?«
»Den Grund dafür, weshalb du so furchtbar stark träumst und mitten in der Nacht aufschreckst wie von einer Giftspinne gestochen.«
»Als da wäre?«
»Es handelt sich um ein Geheimnis, in das nur Betroffene eingeweiht werden. Mehr hat meine Verehrerin nicht ausgeplaudert. Wie gesagt, unser Verhältnis war von kurzer Dauer.«
»Hm.« Günay wiegte unschlüssig den Kopf. »Das kommt ein bisschen plötzlich.«
»Ich gebe dir die Adresse. Geh dorthin! Die sind Experten. Sie tun fast nichts anderes, als sich um Leute wie dich zu kümmern.«
»Und was machen sie dann mit mir?«
»Sie heilen dich. So oder so. Sie klären dich auf und betreuen dich. Gegebenenfalls entheben sie dich deiner Last.«
»Warum sollte ich ...?«
»Du willst doch wieder bei mir liegen. Geruhsam. Ohne Schreianfälle. Oder etwa nicht?«
Günay entzog sich der Umarmung. Er versteifte sich. »Haben sie dich geschickt?«
»Wer?«
»Dieser ominöse Geheimdienst. Wurdest du auf mich angesetzt? Weil ich zu wenig dezent herumgefragt hatte?«
Sie lachte hellauf. »Ja klar, ich bin eine professionelle Venusfalle. Sei mir bitte nicht böse, aber überschätzt du nicht ein bisschen deine Bedeutung für unser Gemeinwesen?«
»In bin wohl eher Wicht als wichtig, was?«
»Mir gefällst du, wie du bist. Und diese lästige Sache mit deinen Träumen kriegen wir auch noch in den Griff. Also, was ist – tust du mir den Gefallen und lässt dich beraten?«
*
Die Adresse lag in einem Industriegebiet an der Peripherie von Neu Deringhouse.
Dahinter wölbte sich der Rand des Großen Kraters auf. Dort oben, am zackigen Kamm, endete die künstlich generierte, dem terranischen Standard von einem Gravo entsprechende Schwerkraft.
Außerhalb dieser Zone befanden sich Sportanlagen, die »Rutschschanzen«, mittels derer man sich in hohem Bogen einige Hundert Meter weit katapultieren konnte. Der Gleitflug über wechselnde holografische Landschaften stellte die einträglichste, weil so ziemlich einzige Touristenattraktion der insgesamt etwa eine Million Terraner beherbergenden Kolonie dar.
Jeder Schulausflug in Günay Thomsipes Kindheit und Jugend hatte zu den vermaledeiten Rutschschanzen geführt. Mittlerweile faszinierten sie ihn ungefähr so sehr wie löchrige Socken.
Von der Endstation der Rohrbahnlinie bis zu seinem Ziel musste Günay eine Viertelstunde zu Fuß gehen. Er hätte ein Schwebeboard leihen können, aber ein wenig Bewegung schadete nicht. Er saß ohnehin zu viel herum.
Das Gebäude an der Adresse entpuppte sich als unscheinbare zweistöckige, lang gestreckte Lagerhalle. Repräsentative Bauten der Regierung sahen anders aus. Umgekehrt würde eine Geheimorganisation, die ein Tabu bewahrte, wohl nicht in einem Prunkschloss residieren.
Seitlich vor dem Eingang thronte eine Ertruserin mit knallrotem Sichelkamm in einem klobigen, ihrer Körperfülle angepassten Lehnsessel. Sie musterte Günay. »Verirrt, Kleiner?«
»Nein«, sagte er. »Ich bin absichtlich hergekommen. Eine Freundin hat mir diese Einrichtung empfohlen.«
»Hat sie dir auch eine Parole genannt?«
»Ich soll nach dem Schwarm der Oneiroi fragen.«
Die riesenhafte Umweltangepasste nickte. »ID?« Sie deutete auf eine Scannerfläche im Türrahmen.
Günay hielt die...




