Lukas | Perry Rhodan 3193: Notruf der Kosmokratin | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 3193, 64 Seiten

Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage

Lukas Perry Rhodan 3193: Notruf der Kosmokratin

Perry Rhodan-Zyklus "Chaotarchen"
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-8453-6193-2
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Perry Rhodan-Zyklus "Chaotarchen"

E-Book, Deutsch, Band 3193, 64 Seiten

Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage

ISBN: 978-3-8453-6193-2
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



In der Milchstraße schreibt man das Jahr 2072 Neuer Galaktischer Zeitrechnung. Dies entspricht dem Jahr 5659 nach Christus. Über dreitausend Jahre sind vergangen, seit Perry Rhodan seiner Menschheit den Weg zu den Sternen geöffnet hat. Noch vor Kurzem wirkte es, als würde sich der alte Traum von Partnerschaft und Frieden aller Völker der Milchstraße und der umliegenden Galaxien endlich erfüllen. Die Angehörigen der Sternenvölker stehen für Freiheit und Selbstbestimmtheit ein, man arbeitet intensiv zusammen. Doch entwickelt sich in der kleinen Galaxis Cassiopeia offensichtlich eine neue Gefahr. Dort ist FENERIK gestrandet, ein sogenannter Chaoporter. Nachdem Perry Rhodan und seine Gefährten versucht haben, gegen die Machtmittel dieses Raumgefährts vorzugehen, bahnt sich eine unerwartete Entwicklung an: FENERIK stürzt auf die Milchstraße zu. Mit an Bord ist Anzu Gotjian, die Transmitterspezialistin, Mutantin und Heldin wider Willen. Drei der fünf Quintarchen sind mittlerweile gestorben, der vierte, Farbaud, ist im Gewahrsam der Galaktiker. Nun greift Addanc, der Taucher, als letzter amtierender Quintarch nach der Macht und den tödlichen Möglichkeiten FENERIKS: Er attackiert die kosmokratische Einrichtung in der Milchstraße - und es kommt zum NOTRUF DER KOSMOKRATIN ...

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Im fragmentarischen Papyrus Amherst IX, der auf circa minus 1400 Alter Zeitrechnung datiert wird, erpresst Jam, der Herrscher des Meeres, von den anderen Göttern Tribut. Widrigenfalls droht er, Himmel, Erde und Berge mit Wellen von Chaos zu überfluten.

Die Liebesgöttin Astarte bringt ihm das Gewünschte. Aber Jam fordert sie zur Gattin, und zusätzlich den Ring des Erdgotts Geb sowie den Schmuck Nuts, der »Mutter der Gestirne«. In Summe würde das nichts weniger als die Weltherrschaft bedeuten.

Das Ende der Geschichte ist fast zur Gänze verloren gegangen. Allerdings wird der Wüstengott Seth erwähnt. Manche Mythologen vermuten darin einen prophetischen Verweis auf die negative Superintelligenz ? Seth-Apophis, die Perry Rhodan rund fünf Jahrtausende später nach harten Kämpfen besiegte.

(Enzyklopädia Terranica)

Wer überall ist, ist nirgends.

(Lucius Annaeus Seneca, ca. 30 AZ)

Prolog

Der fatale Walzer

Abseits von Ort und Zeit

In meinem sehr, sehr langen Leben habe ich viele Frauen geliebt.

Oder vielleicht ... immer nur eine. Eine einzige.

Immer dieselbe, in verschiedenen Ausprägungen.

Die oberflächliche Erscheinung, die Herkunft und charakterlichen Eigenheiten differierten, ebenso die persönlichen Ziele und Wertvorstellungen. Ich gebe zu, manchmal nicht sonderlich wählerisch gewesen zu sein. Aber ich schwöre bei den zwölf Heroen des Tai Arbaraith, dass ich sie alle liebte, jede Einzelne, von ganzem Herzen.

Trotzdem fand ich in Jahrzehntausenden nicht, wonach ich suchte und weiterhin suche.

Mit dieser dauerhaften, anscheinend schicksalhaften Einsamkeit zu leben, habe ich gelernt. Und auch sonst einiges.

Beinahe fühlte ich mich schon endgültig über derlei melancholische Regungen erhaben. Ich bin Atlan da Gonozal. Mein Geist ist stark, und mein Körper altert nicht.

Dann jedoch traf ich ... sie.

*

Wir tanzten.

Es hilft mir nicht im Mindesten, zu wissen, dass unsere Begegnung, unser so ungeheuer intensives Zusammentreffen, rational betrachtet, nur in meinem Kopf stattfand. Sie hatte mir, an einem mit menschlichen Sinnen unfassbaren Ort hinter den Materiequellen, ein Mentogramm eingepflanzt, das durch spezielle äußere Umstände erweckt wurde.

Wir tanzten. Am Oberdeck eines Schaufelraddampfers, wie sie eine Zeit lang den Mississippi befahren hatten, von New Orleans bis hinauf nach Minnesota.

Warum diese Szenerie? Tja, weil sie in mir vorhanden gewesen war, detailreich abrufbar aus meinem fotografischen Gedächtnis. Weil sie offenbar optimal zu dem passte, was eigentlich – innerlich – passierte.

Bunte Lampions erhellten eine wahre Orgie aus Farben, Tönen und Gerüchen. Eine wilde Mischung aus schweren, herben Parfüms, bittersüßen Schnäpsen und tränentreibend scharfem Chili erfüllte die Luft. Gelegentlich wehten faulige Schwaden aus den umliegenden Sümpfen herüber.

Frösche quakten. Grillen zirpten. Insekten summten und sirrten.

Irgendwo weiter draußen im Dunkel der Nacht regte sich, schläfrig schnaubend, ein Raubtier, vielleicht ein Puma, vielleicht ein Alligator.

Die fünfköpfige Jazzband, besetzt mit Klarinette, Akkordeon, Banjo, Kontrabass und Waschbrett spielte Jolie Blonde, einen Klassiker des Cajun- beziehungsweise Zydeco-Stils. Der Sänger hatte eine raue Baritonstimme, die mir durch Mark und Bein drang.

»Schöne Blonde, was hast du getan? / Du hast mich weggeschickt. / Welche Hoffnung, welche Zukunft bleibt mir? / Der Tod kann mich nicht schrecken. / Noch in der Erde vermodernd, werde ich dich umarmen / und halten, fest wie nie jemanden zuvor.«

Kurz dachte ich an die Beausoleils, die diese Musik an Bord der BASIS zu neuem Leben erweckt hatten. Sympathische Kerle, übermütig, um nicht zu sagen tollkühn von Natur aus ...

Unnötige Reminiszenzen. Verlier dich nicht darin, Narr!, mahnte mein Logiksektor.

Ich fügte mich.

*

An der Reling schäkerten Damen in schillernden, ausladenden Seidenroben mit Herren im Frack, die hohe Zylinder trugen und geziert Gehstöcke schwangen.

Die Atmosphäre knisterte vor Lebenslust und Erotik. Im scharfen Kontrast dazu trugen viele der Feiernden Totenkopfmasken oder waren gruselig geschminkt.

Auf eine zwischen den Rauchfängen gespannte Leinwand wurden kurze Filmausschnitte projiziert, teils in Schwarz-Weiß, teils in matten Pastellfarben handkoloriert. Kuss- oder sonstige Liebesszenen wechselten mit frühen pornografischen Standbildern, bis hin zu den eindeutigen Darstellungen auf antiken griechischen Vasen.

Der hintere Bereich des luxuriös eingerichteten Restaurants diente als Casino. Man spielte Roulette, Baccara und Poker, mit hohen Einsätzen.

Zu beiden Seiten der Bar, die sich über das gesamte Halbrund des Hecks erstreckte, bewegten sich in überdimensionierten Volieren Burlesk-Tänzerinnen. Bildhübsche Mulattinnen, manche nur mit wenigen Strass-Steinchen bekleidet, schwangen lasziv die Hüften.

Aber alles überstrahlte sie – Madame Sargai, die Herrin des Schiffs.

Etwas wie ein Halo, wie eine glühende Aura, umgab sie und hielt die ausgelassene Festgesellschaft auf Respektabstand. Die übrigen Anwesenden verblassten zu unbedeutender Staffage.

Auch die zahlreichen Hintergrundgeräusche wirkten gedämpft. Als hätte jemand einen Lautstärkeregler um zehn Dezibel nach unten geschoben. Alles reduzierte sich, innerhalb einer scharf umgrenzten Blase, auf sie und mich.

Ihre opulente Kleidung und Haartracht waren sekundär, die perfekten Rundungen der Figur, selbst das berückend liebreizende Gesicht. Augenblicklich erkannte ich, dass ich einer Kosmokratin gegenüberstand. Oder jedenfalls ihrem Abbild, einem Avatar, von dem immer noch eine immense, überwältigende Präsenz ausging – noch stärker als einst bei Gesil-Vishna. Eine direkte, ungeschützte Konfrontation hätte ich wohl keine Sekunde lang überlebt.

Madame Sargai forderte mich zum Tanz auf, und ich willigte ein.

*

Wir tanzten.

Sanft legte ich der Frau, die mir eben noch vollkommen unnahbar und unfassbar erschienen war, meinen Arm um die Hüfte. Schob den rechten Oberschenkel vor, schwang den linken Fuß zurück und uns beide in eine Abfolge von Walzerschritten.

Madame Sargai nahm die Bewegung auf, eins-zwei-drei, eins-zwei-drei, und fügte eigenen Schwung hinzu. Wir rotierten um die gemeinsame Achse.

Schnell. Schneller. Und immer schneller.

Wer führte, blieb unklar.

Wir tanzten. Die Umgebung verschwamm zu bunten, horizontalen Streifen. Ein silbriger Wirbel bildete sich über uns in der Luft, wie der Ansatz einer entstehenden Windhose.

Mit Mühe kämpfte ich gegen Schwindel an. Flirtete ich tatsächlich mit der Repräsentantin einer Wesenheit, die ich nicht einmal ansatzweise verstehen konnte?

Die begehrenswerteste Frau, die Essenz aller Frauen, drehte sich mit mir, irrwitzig rasant. Ich gab mein Bestes, sie feuerte mich an. Unser gegenseitiges Verlangen steigerte sich bis fast zur Ekstase.

Viel fehlte nicht. Wir waren nahe dran, ganz kurz vor ... ich weiß nicht, wovor. Etwas, weit jenseits von Fleisch und Sinnen.

Schon schien der Funke überzuspringen. Aber dann, irgendwann – war es plötzlich vorbei.

Der Zauber erlosch und wich ähnlich grenzenloser Frustration.

Unsere Tanzfiguren, die eben noch so schwerelos geklappt hatten, scheiterten. Wir stolperten, stießen an Hindernisse.

Meine Anstrengungen erlahmten. Madame Sargai entglitt mir. Wie der Federflaum eines Idols. Wie der Nachhall eines unwiederbringbaren Verlusts.

Ihr enttäuschtes Gesicht war mir vertraut, gleich darauf wieder unendlich fremd. Meine Lippen formten Namen, ohne sie auszusprechen.

»Ich bin alle«, sagte sie mit rauchiger Stimme, »und mehr. Und keine davon. Du bist nur einer. Deine Ablehnung kann ich verschmerzen.«

»Ich lehne dich nicht ab! Au contraire, ich würde nichts lieber als ...«

»Wir sind beide Fragmente, Atlan da Gonozal. Damit müssen wir uns abfinden. Bloß Stummel sind wir von etwas Größerem.«

Meine Augen tränten vor Scham und Zerknirschung. Dass misslungen war, was ich erträumt hatte, empfand ich als die schlimmste Niederlage meines Lebens.

Der Tanz war zu Ende. Als hätte ich mir die Finger verbrannt, löste ich die Handflächen von den Hüften der wundervollen, auf ewig unerreichbaren Frau.

»Sei nicht traurig«, sagte sie milde lächelnd und klang doch selbst betreten. »Ich danke dir für dein charmantes, ehrliches Bemühen.«

Und wie ich mich bemüht hatte!

Aber ich war ihr nicht gewachsen gewesen. Ich war ihrer nicht würdig, nicht als Mann, nicht als sonstiges Gegenüber. Das tat weh, noch lange danach.

Und tut es weiterhin.

Immer wieder gleiten meine Gedanken zu diesem fatalen, gleichermaßen schönen wie schrecklichen Erlebnis zurück.

Schließlich kann ich nicht vergessen, nichts und niemanden.

*

Nun bin ich abermals zu ihr unterwegs.

An eine zweite Chance zu glauben, wäre vermessen. Wir gehören unterschiedlichen Existenzebenen an, und ich stehe mehrere Stufen unter Mu Sargai.

Ich gestehe, gleichwohl einen winzigen Rest von Hoffnung zu hegen. Dass ich meine Scharte doch noch auswetzen...



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