Luther / Lehmann / Klän | Großer Katechismus | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 18/19, 152 Seiten

Reihe: Oberurseler Hefte

Luther / Lehmann / Klän Großer Katechismus

In heutiges Deutsch übertragen
5. Auflage 2025
ISBN: 978-3-921613-63-4
Verlag: Lutherische Theol. Hochschule Ts.
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

In heutiges Deutsch übertragen

E-Book, Deutsch, Band 18/19, 152 Seiten

Reihe: Oberurseler Hefte

ISBN: 978-3-921613-63-4
Verlag: Lutherische Theol. Hochschule Ts.
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Katechismen Martin Luthers gehören zu seinen prägendsten Texten. Während der Kleine Katechismus weite Verbreitung gefunden hat und bis heute vielerorts auch in der Konfirmandenarbeit eine wichtige Rolle spielt, stand der Große Katechismus in dessen Schatten. Um dies zu ändern, hat vor über 40 Jahren Detlef Lehmann diese Fassung des Großen Katechismus erarbeitet. In ihr ist der Text dieser lutherischen Bekenntnisschrift einerseits sprachlich an das heutige Deutsch angepasst worden, andererseits folgt er weiterhin dem Wortlaut des Reformators. Zusätzlich enthält diese Veröffentlichung eine Einführung von Werner Klän in den Großen Katechismus. Die vorliegende 5. Auflage bietet nun erstmals Verweise auf die Seitenzählung der neuen wissenschaftlichen Ausgabe der Bekenntnisschriften der Evangelisch-Lutherischen Kirche (Göttingen 2014).

Theologe und Reformator (1483-1546), Verfasser u.a. des Kleinen und Großen Katechismus
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I. DIE ZEHN GEBOTE


Das erste Gebot

Du sollst nicht andere Götter haben.

Das heißt: Du sollst mich allein als deinen Gott ansehen. Doch was bedeutet das und wie ist das zu verstehen? Was heißt es, einen „Gott haben“, oder was ist unter „Gott“ zu verstehen? Antwort: Einen „Gott“ nennt man dasjenige, von dem man alles Gute erhofft und zu dem man in aller Not Zuflucht nimmt. Einen „Gott haben“ bedeutet darum nichts anderes, als jemandem (oder einer Sache) von Herzen zu vertrauen und zu glauben; wie ich oft gesagt habe, dass es allein auf das Vertrauen und den Glauben ankommt, ob ich Gott habe oder einen Abgott. Ist der Glaube und das Vertrauen recht, so ist auch dein Gott recht, und umgekehrt: wo das Vertrauen [932] falsch und verkehrt ist, da ist auch dein Gott nicht recht. Denn dies beides gehört zusammen: Glaube und Gott. Woran du nun, so sage ich, dein Herz hängst und worauf du dich verlässt, das ist eigentlich dein Gott.

Darum ist der Sinn dieses Gebotes der, dass es rechten Glauben fordert und ein herzliches Vertrauen, das sich auf den rechten, einen Gott richtet und an ihm allein hängt. Mit andern Worten: Sieh zu und lass mich allein deinen Gott sein und suche ja nicht einen andern. Und das heißt: Was dir an Gutem fehlt, das erhoffe von mir und suche es bei mir; und wenn du Unglück und Not erleidest, halte dich an mich. ICH, ICH will dir genug geben und dir aus aller Not helfen. Lass nur dein Herz an keinem andern hängen und Ruhe finden.

Das muss ich noch ein wenig deutlicher erklären, auch durch gegenteilige Beispiele, damit man's versteht. Es ist mancher, der meint, er habe Gott und ihm fehle nichts, wenn er nur Geld und Gut hat; und er verlässt sich darauf so fest und sicher, dass er auf niemand etwas gibt. Sieh', dieser hat auch einen Gott, der heißt Mammon, nämlich Geld und Gut, auf das er sein ganzes Vertrauen setzt. Und das ist der allerhäufigste Abgott auf Erden. Wer Geld und Gut hat, fühlt sich sicher, ist fröhlich und unerschrocken, als sitze er mitten im Paradies. Und umgekehrt: Wer keins hat, der ist niedergeschlagen und verzagt und tut so, als wüsste er nichts von Gott. Denn man wird wenig Menschen finden, die guten Mutes sind, nicht jammern und klagen, auch wenn sie den Mammon nicht haben. So ist nun einmal die menschliche Natur bis ins hohe Alter hinein.

Ebenso auch, wer darauf vertraut und trotzt, dass er große Gelehrsamkeit, Klugheit, Macht, Einfluss, Freundschaft und Ansehen hat – auch der hat einen Gott, aber nicht den rechten, einen Gott. Daran kann man gleichfalls sehen, wie vermessen, sicher und stolz der Mensch ist, wenn er alles besitzt, und wie verzagt er ist, wenn er es nicht hat oder verliert. Darum sage ich noch einmal, dass dies die rechte [934] Auslegung des 1. Gebotes ist, dass „einen Gott haben“ bedeutet: etwas haben, auf das sich das Herz ganz und gar verlässt. Sieh doch, was wir bisher in der Blindheit unter dem Papsttum getrieben und getan haben. Wenn einem ein Zahn weh tat, der fastete und ehrte St. Appolonia; fürchtete er sich vor Feuersnot, so machte er St. Lorenz zum Nothelfer; fürchtete er sich vor der Pest, so gab er ein Gelübde ab zugunsten des St. Sebastian oder Rochus. Und der Gräuel waren noch unzählige mehr. Jeder wählte sich seinen Heiligen aus, betete zu ihm und rief ihn an, damit er in Not helfen sollte. Hierher gehören auch jene, die es gar zu grob treiben und mit dem Teufel einen Bund schließen, damit er ihnen genug Geld gibt, ihnen zum Glück in der Liebe verhilft, ihr Vieh bewahrt, verlorenes Gut wiederbeschafft usf., so wie es die Zauberer tun und jene, die sich der schwarzen Magie ergeben haben. Sie alle richten ihr Herz und Vertrauen nicht auf den wahrhaftigen Gott, sondern auf etwas anderes, sie versprechen sich von Gott nichts Gutes und suchen es auch nicht bei ihm.

So kannst du nun leicht verstehen, was und wie viel dieses Gebot fordert, nämlich das ganze Herz des Menschen und sein ganzes Vertrauen, das sich auf Gott allein und auf niemand anders richten soll. Denn dass man Gott nicht mit den Fingern ergreifen und fassen, in einen Beutel stecken oder in einen Kasten schließen kann – das ist leicht zu erkennen. Das aber bedeutet es, Gott zu fassen, wenn ihn das Herz ergreift und an ihm hängt. Mit dem Herzen aber an ihm hängen bedeutet nichts anderes, als sich ganz und gar auf ihn verlassen. Darum will er uns von allem andern abziehen, das außer ihm ist, und will uns zu sich ziehen, weil er das eine, ewige Gut ist. So als wollte er sagen: Was du bisher bei den Heiligen gesucht hast oder wo du auf den Mammon oder sonst etwas vertraut hast – erhoffe nun alles von mir und siehe mich als den an, der dir helfen und mit allem Guten reichlich überschütten will.

Da siehst du nun, wie Gott geehrt sein will und welches der Gottesdienst ist, der Gott gefällt, den er auch – unter Androhung ewigen Zornes – gebietet, nämlich, dass der Mensch sein Vertrauen ganz auf ihn richte und von ihm allein Hilfe erwarte [936] und darüber alles hintansetze, was auf Erden ist, und sich nicht von Gott abwende. Dagegen wirst du leicht sehen und erkennen, wie die Welt einen ganz und gar falschen Gottesdienst hält und Abgötterei treibt. Denn kein Volk ist jemals so gottlos gewesen, dass es nicht einen Gottesdienst aufgerichtet und gehalten habe. Jeder hat das zum Gott erhoben, von dem er Gutes, Hilfe und Trost erhofft hat.

Wie z.B. die Heiden: Jene, die ihr Vertrauen auf Macht und Herrschaft setzten, erhoben Jupiter zum höchsten Gott, andere, die nach Reichtum und Glück trachteten oder nach Vergnügen und guten Tagen, erhoben Merkur, Venus oder andere zu ihrem Gott, schwangere Frauen die Diana oder Lucina usf. Jeder machte den zum Gott, zu dem sein Herz ihn zog. So bedeutet auch nach der Überzeugung aller Heiden einen Gott haben eigentlich nichts anderes, als auf etwas zu vertrauen und seinen Glauben zu richten. Das aber ist ihr Fehler, dass ihr Vertrauen falsch und unrecht ist; denn es ist nicht auf den einen Gott gerichtet, außer dem es wahrhaftig keinen Gott im Himmel und auf Erden gibt. Darum haben die Heiden eigentlich ihre eigene Phantasie und erdichtete Vorstellung von Gott zum Abgott gemacht und sich auf ein Nichts verlassen. So ist es um alle Abgötterei bestellt; denn sie besteht nicht allein darin, dass man ein Bild aufrichtet und anbetet, sondern vor allem darin, dass das Herz des Menschen bei geschöpflichen Dingen, bei den Heiligen oder Teufeln Hilfe und Trost sucht und nicht bei Gott; auch nicht von ihm erhofft, dass er helfen wolle; auch nicht glaubt, dass das Gute, das einem widerfährt, von Gott komme. Außerdem ist auch das ein falscher Gottesdienst und höchste Abgötterei, was wir bisher getrieben haben und noch weiterhin in der Welt üblich ist (und worauf auch alle geistlichen Orden gegründet sind): Wenn wir unser Gewissen allein im eigenen Tun Hilfe, Trost und Seligkeit suchen lassen und wir so vermessen sind, Gott den Himmel abzuzwingen. Und wenn wir Gott vorrechnen, wie viel wir gestiftet, gefastet und wie oft wir die Messe [938] gehalten haben usf. Und wir uns darauf verlassen und darauf pochen, selber den Himmel zu erwerben oder durch überschüssige fromme Werke anderer ihn verdienen zu können – so als wollten wir nichts von Gott geschenkt nehmen. Und wenn wir so tun, als müsste Gott uns zu Diensten stehen und unser Schuldner sein, wir aber seine Lehnsherren wären! Das heißt doch nichts anderes als aus Gott einen Götzen machen und sich selber für Gott halten und zum Gott machen. Aber das ist schon ein wenig zu scharfsinnig und gehört nicht in die Unterweisung der jungen Schüler hinein.

Dies aber sei den Laien gesagt, dass sie den Sinn dieses Gebotes richtig verstehen und behalten, dass man Gott allein vertrauen und von ihm alles Gute erhoffen und erwarten soll. Er ist es ja, der uns Leib und Leben gibt, Essen und Trinken, Nahrung und Gesundheit, Schutz und Friede und alle notwendigen zeitlichen und ewigen Güter. Dazu bewahrt er uns vor Unglück und, wenn uns etwas widerfahrt, rettet und hilft er uns. So ist Gott allein der, von dem man alles Gute empfängt und alles Unglück loswird. Daher, so meine ich, benennen wir Deutschen von alters her den Namen Gottes nach dem Wörtlein „gut“ (so wie es keine andere Sprache treffender tut), weil er ein ewiger Quellbrunnen ist, der von Güte ganz und gar überfließt und von dem alles, was gut ist und gut heißt, herkommt.

Denn wenn wir auch sonst viel Gutes von Menschen erfahren, empfangen wir es doch letztlich alles von Gott – auf Grund seiner Ordnung und seines Befehles. Denn unsere Eltern und alle staatliche Ordnung haben den Auftrag von Gott, dass sie uns allerlei Gutes tun sollen – so wie auch jeder seinem Nächsten gegenüber –, sodass wir es nicht von ihnen, sondern durch sie von Gott empfangen. Denn die Menschen (als Geschöpfe Gottes) sind nur die Hand und das Mittel, durch die Gott alles gibt; so wie er der Mutter Brüste und Milch gibt, um die Kinder zu stillen, und er Getreide und allerlei Gewächs aus der Erde zur Nahrung wachsen lässt – alles Dinge, die niemand selber machen kann. Darum soll sich kein Mensch unterstehen, irgendetwas zu nehmen oder zu geben, es sei ihm denn von Gott befohlen, und dass man alles als [940] seine Gaben erkenne und ihm dafür danke, so wie es...


Klän, Werner
Dr. Werner Klän ist emeritierter Professor für Systematische Theologie an der Lutherischen Theologischen Hochschule Oberursel. Von 2012 bis 2018 war er außerordentlicher Professor an der Theologischen Fakultät der Universtität von Pretoria (Südafrika).

Lehmann, Detlef
Dr. Detlef Lehmann war 1971/76-1988 zunächst Lehrbeauftragter und dann Professor für Praktische Theologie an der Lutherischen Theologischen Hochschule Oberursel.

Barnbrock, Christoph
Dr. Christoph Barnbrock ist Professor für Praktische Theologie an der Lutherischen Theologischen Hochschule Oberursel.

Barnrock, Christoph
Dr. Christoph Barnbrock ist Professor für Praktische Theologie an der Lutherischen Theologischen Hochschule Oberursel.



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