Lynn | Nur ein einziger Song – Nicole & Zack | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 365 Seiten

Reihe: beHEARTBEAT

Lynn Nur ein einziger Song – Nicole & Zack


1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7325-7880-1
Verlag: beHEARTBEAT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 365 Seiten

Reihe: beHEARTBEAT

ISBN: 978-3-7325-7880-1
Verlag: beHEARTBEAT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Nicoles Leben war perfekt. Bis das Schicksal zuschlug und ihr alles nahm, was sie liebte. Dies ist nun ein Jahr, drei Monate, eine Woche und sechs Tage her, und Nicole ist endlich wieder bereit, ihr Leben zu leben.

Genau an dem Abend trifft sie auf Zack Walters - einen erfolgreichen und berühmten Rockstar. Und obwohl Nicole zunächst gar nicht weiß, wer da vor ihr steht, beginnt diese Begegnung ihr sicheres und ruhiges Leben zu verändern. Zack bringt sie zum Lachen und weckt auch noch ganz andere Gefühle in ihr. Doch dann ist Nicole gezwungen, sich dem Schmerz zu stellen, den sie so lange und so tief in sich verborgen hat. Wird sie es schaffen, mit ihrer Vergangenheit abzuschließen und ein neues Leben anzufangen?

Eine romantische und heiße Liebesgeschichte, bei der kein Auge trocken bleibt. eBooks von beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.

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Ich betrachte das Mädchen mit den dunkelblauen Augen im Spiegel und runzle die Stirn. Früher sprühten meine Augen förmlich vor Lebensfreude, aber jetzt wirken sie stumpf, beinahe leblos. Ganz egal, was ich in den vergangenen fünfzehn Monaten unternommen habe, um die Trauer zu bewältigen und mir ein neues Leben aufzubauen, ich war nicht mit dem Herzen dabei. Ich habe die Veränderung schon vor einem Jahr bemerkt, aber aus einem unerfindlichen Grund stimmen mich die dunklen Augenringe, die durch das Make-up schimmern, und die müden Gesichtszüge erst heute Abend traurig.

Ich neige den Kopf langsam zur einen, dann zur anderen Seite und kneife die Augen leicht zusammen, als würde ein veränderter Blickwinkel etwas an meinem Spiegelbild ändern, obwohl ich weiß, dass es sinnlos ist. Ich sehe unverändert traurig und erschöpft aus. Ich greife nach der Mascara. Nachdem ich ein paar Lagen wimpernverlängernder schwarzer Tusche aufgetragen habe, prüfe ich mit kritischem Blick das Ergebnis. Unverändert.

Ich lege die Mascara etwas zu heftig zurück und atme geräuschvoll aus.

»Ich bin das alles so leid«, sage ich seufzend zu der Fremden im Spiegel.

Die junge Frau mit dem roten Schmollmund und dem schokoladenbraunen Haar ist nur noch ein Schatten der Frau, die sie früher war, und ich habe genug von ihrem Anblick. Ich hasse sie, diese Hülle meines früheren Ich, der die nackte Verzweiflung ins Gesicht geschrieben steht. Die eingesunkenen Wangen und das traurige Lächeln, das ich wie eine Auszeichnung getragen habe – ich kann sie nicht mehr sehen. Ich weiß gar nicht mehr genau, wie es angefangen hat, aber ich habe seit dem Unfall die Tage gezählt, sie im Kalender durchgestrichen. Und jeder Strich stand für einen weiteren Tag in der Hölle.

Vor achtundzwanzig Tagen habe ich beschlossen, mit dem Zählen aufzuhören und zu versuchen, ins Leben zurückzukehren. Aber bisher sind dabei nur ein paar erbärmliche, vergebliche Versuche herausgekommen, den Blick nach vorn zu richten. Doch als ich mich jetzt für mein wöchentliches gemeinsames Abendessen mit meiner besten Freundin Mia zurechtmache, habe ich plötzlich genug davon. Es ist Zeit, wieder nach vorn zu sehen … Wieder am Leben teilzuhaben.

Ich weiß nicht, was es bedeutet, aber ich fühle, wie etwas tief aus meinem Innersten aufsteigt, etwas, das mir einen Funken neuen Lebensmut und Hoffnung einhaucht. Ich will wieder mehr als nur in dieser leblosen Hülle dahinvegetieren.

Spontan greife ich nach dem Telefon und schreibe Mia eine Nachricht.

Planänderung. Wir gehen heute in Jack’s Bar.

Ich sehe förmlich vor mir, wie Mia mit hochgezogenen Brauen auf die Nachricht starrt, mit offenem Mund, die hellblauen Augen ungläubig aufgerissen. Vermutlich denkt sie, ich hätte den Verstand verloren, und ich weiß, dass sie eine ausführliche Erklärung von mir verlangen wird, wenn sie mich abholt, aber ich bin fest entschlossen, das durchzuziehen.

Mia: Sicher?

Ich: Komm her, bevor ich es mir anders überlege.

Sie antwortet sofort.

Mia: Willkommen zurück, Süße. Wurde auch verdammt noch mal Zeit.

Ich weiß nicht, ob ich wirklich »zurück« bin … Tatsächlich werde ich wohl nie wieder die Alte sein. Aber heute Abend möchte ich den unerwarteten Funken anfachen, damit er nicht gleich wieder erlischt.

Ich blicke wieder auf das Mädchen im Spiegel und sehe einen leisen Hoffnungsschimmer.

Ich verlasse das Bad und schließe hastig die Tür hinter mir, als könnte ich so verhindern, dass es mir folgt. Ich möchte wieder ich selbst sein, sei es auch nur für einen Abend. Mein altes Ich, das Musik liebt, Tanzen, Lachen und einfach Spaß haben.

Ich stolpere über meine eigenen Füße, als Mia und ich unsere frühere Lieblingsbar betreten.

Ich blicke in Richtung Bühne. Sie ist noch leer, aber wir haben Mittwoch, und es ist noch früh. Es wird nicht mehr lange dauern, bis irgendeine Band aus der Gegend dort spielt. Mir geht durch den Kopf, dass wir hoffentlich mit dem Essen fertig sind, bevor es losgeht, damit ich noch rechtzeitig verschwinden kann, aber dann schüttele ich den Kopf.

Genau deshalb bin ich ja hier. Um wieder Dinge zu tun, die ich früher getan habe, anstatt davonzulaufen und mich zu verstecken. Ich spüre Sehnsucht in mir aufsteigen, als ich an die vielen Abende denke, an denen ich auf eben dieser Bühne gespielt habe. Diesen Teil von mir habe ich fünfzehn Monate lang verleugnet. Ich habe ihn gemeinsam mit ihnen beerdigt, weil ich nie wieder Freude empfinden wollte. Damals hätte ich das als Verrat an ihnen empfunden. Es erschien mir nicht richtig, so weiterzuleben wie bisher, weiter meinen Hobbys und Interessen nachzugehen, als sie nicht mehr da waren.

Aber heute Abend frage ich mich, ob das nicht falsch war, auch wenn ich beim besten Willen nicht zu sagen vermocht hätte, woher dieser Gedanke so plötzlich gekommen ist. Ich muss diesen Schritt tun, um es herauszufinden. Ich muss das tun. Nur für einen Abend. Ich folge Mia zu einem kleinen Stehtisch in der Mitte der Bar, unmittelbar neben einem Geländer und mit Blick auf die kleine Tanzfläche und direkt gegenüber der Bühne.

Es ist »unser« Tisch.

Ich schenke ihr ein scheues Lächeln, als ich mich setze. Sie ist die letzten zwanzig Minuten sehr geduldig gewesen und hat mir, seit sie mich zu Hause abgeholt hat, Anekdoten von ihrem letzten Trip nach Los Angeles erzählt. Sie war dort für ihren Job als Einkäuferin eines aufstrebenden, trendigen Kaufhauses namens Callie’s. Aber ich weiß wohl, dass die Uhr tickt und es nicht mehr lange dauern wird, bis sie eine Erklärung von mir verlangt.

Mia und ich sind seit der Schulzeit miteinander befreundet, genauer gesagt seit ich mit meinen Eltern ins Nachbarhaus gezogen bin. Als die Möbelpacker unseren LKW entluden, rannte sie kreischend durch unseren Vorgarten, verfolgt von ihrem Bruder Elijah, der eine Strumpfbandnatter in der Hand hielt. Sie packte meinen Arm und zog mich mit sich, und seitdem waren wir beste Freundinnen.

Heute Abend habe ich schwitzige Hände und bin schrecklich nervös, als ich ihr in der Bar gegenübersitze, in der ich während meiner Collegezeit gekellnert habe und wo wir uns seit dem Schulabschluss mindestens einmal im Monat treffen. Ich verbinde Jack’s Bar mit unzähligen Erinnerungen, und auch wenn es vorwiegend schöne Erinnerungen sind, fühlt es sich gerade an, als würde ich jeden Augenblick von meiner Vergangenheit förmlich erschlagen.

Ich schaffe das. Ich muss das tun. Nur diesen einen Abend.

Ich wiederhole das in Gedanken wie ein Mantra, um mich zu beruhigen, aber es funktioniert nicht. Ich stehe ganz kurz davor, hinauszustürmen und niemals wieder zurückzukommen, und das würde ich auch tun … Wenn ich nicht wüsste, dass, wenn ich das Jack’s nicht ertrage, ich erst recht keine andere Location ertragen werde.

Mia wirft mir weiter fragende Blicke zu, während wir das Essen und die ersten Getränke bestellen und mein Blick hektisch durch die dunkle, etwas schäbige Bar huscht, die all die Jahre so etwas wie unser zweites Zuhause war. Es hat sich nichts verändert, abgesehen von den Bandnamen auf den Plakaten an den Wänden drüben bei den Billardtischen und den Gesichtern der Bedienungen.

Als unsere Biere gebracht werden, weiß ich, dass die Schonfrist vorbei ist. Ich trinke einen Schluck, stelle das Glas zurück auf den Tisch und hole tief Luft.

»Ich habe genug davon, immer traurig zu sein. Ich wollte heute Abend herkommen, um mich zu erinnern … Und um zu versuchen, zur Abwechslung wenigstens einen Abend mal wieder Spaß zu haben.«

Mia strahlt über das ganze Gesicht. Sie hat Monate versucht, mich genau dazu zu überreden, und ich habe jedes Mal wie ein Kind mit den Füßen aufgestampft und ein Riesentheater gemacht.

Und sie war es auch, die mich förmlich zu unseren Mittwochstreffen genötigt hat, als sie eines Tages in meine alte Wohnung marschiert ist und erklärt hat, ich hätte lange genug in Yogahosen und labberigen alten T-Shirts herumgegammelt.

»Also …« Ich räuspere mich, machtlos gegen das nervöse Flattern meines Magens. »Ich denke … Ich weiß auch nicht … Es ist einfach an der Zeit, wieder am Leben teilzuhaben. Nach vorn zu sehen. So was in der Art.« Ich stöhne innerlich angesichts meiner Unsicherheit.

Mia mustert mich nachdenklich. In ihrem Blick lese ich Mitgefühl, aber ich weiß, dass sie noch versucht zu verstehen, was ich ihr sagen will, da ich mich offensichtlich nicht ganz klar ausgedrückt habe. »Es ist jetzt über ein Jahr her. Du bist in eine eigene Wohnung umgezogen. Und du hast dich selbstständig gemacht.«

Das alles ist richtig. Und es klingt, als hätte ich am Leben teilgehabt. Als hätte ich nach vorn gesehen. Aber das habe ich nicht gemeint.

»Ich meine … privat.« Ich hasse meinen schüchternen Tonfall und würde mich am liebsten unter dem Tisch verkriechen. Oder nach Hause gehen und mich in die Fotobearbeitung stürzen. Aber das hieße, davonzulaufen, und genau das möchte ich nicht mehr. Ich bin nicht sicher, ob ich wirklich ein Date im Sinn hatte, als ich mich vorhin fertig gemacht und darüber nachgedacht habe, dass ich nur noch eine leere Hülle bin. Aber ich würde lügen, würde ich behaupten, ich hätte in den vergangenen Monaten nicht das eine oder andere Mal daran gedacht.

Mia ist eine wunderbare Freundin, und das Verhältnis zu meinen Eltern ist so eng, dass ich jederzeit zu ihnen gehen kann, aber von diesen drei Menschen abgesehen, bin ich einsam...



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