Maak | Fahrtenbuch | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 368 Seiten, Gewicht: 1 g

Maak Fahrtenbuch

Roman eines Autos
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-446-23833-6
Verlag: Carl Hanser
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman eines Autos

E-Book, Deutsch, 368 Seiten, Gewicht: 1 g

ISBN: 978-3-446-23833-6
Verlag: Carl Hanser
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Auf einem Schrottplatz liegt das Wrack eines Mercedes 350 SL, Baujahr 1971. 350.000 Kilometer ist das Auto laut Tacho in vierzig Jahren gefahren, zehn Besitzer verzeichnet der Fahrzeugbrief. Ein Arzt fuhr ihn und ein italienischer Einwanderer, eine Studentin, ein junger Türke und ein gescheiterter Manager - Menschen, die sich nie kennenlernten, die nur der große Mercedes verband, der ihr Leben ändern sollte. Niklas Maak erzählt die Geschichte der zehn Fahrerinnen und Fahrer und zugleich auch die Geschichte von vier Jahrzehnten Bundesrepublik: die Geschichte eines Landes, seiner Träume und Abgründe.

Niklas Maak, geboren 1972 in Hamburg, ist Redakteur im Feuilleton der FAZ und und lehrt Architekturtheorie in Frankfurt und Harvard. Er lebt in Berlin. Für seine Arbeit erhielt er viele Preise, darunter den Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay 2022. Bei Hanser erschienen zuletzt: Durch Manhattan (2017, mit Leanne Shapton), Technophoria (Roman, 2020) und Eine Frau und ein Mann (2023, mit Leanne Shapton).
Maak Fahrtenbuch jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


" (S. 251-252)



»Ich soll Ihnen etwas über Marie Bergsson erzählen? Ich kannte sie eigentlich kaum. Ich habe sie nur ein paarmal gesehen.«»Sie waren der letzte, der sie gesehen hat.«»Das ist fast zehn Jahre her.«»Acht.« »Also gut, ich erzähle es Ihnen.« Er wusste nicht viel über Marie Bergsson. Sie wohnte damals in der Tucholskystraße, in einer renovierten Altbauwohnung mit Blick auf die Polizeiabsperrungen vor dem Café Beth. Womit sie ihr Geld verdiente, wusste niemand, vielleicht hatte sie welches geerbt; an den Wochenenden habe sie als Sprecherin für einen privaten Radiosender gearbeitet – jedenfalls bis zu jenem Tag, als morgens um fünf ihr Telefon klingelte.

Es war ein Sonntag, sie war gerade ins Bett gegangen und hatte sehr viel getrunken, und als sie schon fast schlief und bestimmt nicht mehr ans Telefon gehen konnte, war ihr Anrufbeantworter angesprungen, und sie hatte von fern ihre eigene, rauchige Stimme vernommen, die verkündete, sie sei leider nicht da. Dann hatte sie, wie ein gedämpftes, unwirkliches Echo, die metallische Stimme des Redakteurs gehört: Ob sie verrückt sei, sie müsse gleich moderieren, wo sie denn stecke … er habe es satt, dass er immer auf den letzten Drücker … man müsse sich einmal grundsätzlich unterhalten … ob sie jetzt bitte sofort …

Woraufhin sie drei Aspirin genommen und eine vom Samstag übriggebliebene halbvolle Kanne kalten Espresso getrunken hatte, mit dem Mercedes zum Sender gerast war und, wie sie fand, die Nachrichten den Umständen entsprechend unauffällig bis gut verlesen hatte. Das sah man im Funkhaus anders.

Man hatte es schon öfter erlebt, dass Marie Bergsson im letzten Moment mit rotem Kopf ins Studio stürzte, atemlos keuchend ihren Mantel direkt neben das Mikrofon warf und man (jedenfalls bildete sich der Tontechniker das ein) ihr Herz schlagen hörte, während sie die Nachrichten verlas, was man jedoch nicht merkte, weil die Nachrichten ohnehin von einem Herzschlagton und diversen strukturierenden Scheppergeräuschen unterlegt waren. Aber im Sender wurde geredet, dass sie zu viel trinke, und diesmal war es schlimm. Sie beugte sich wie immer über das Blatt Papier und begann zu sprechen; sie hatte wie immer ihre sehr"


Maak, Niklas
Niklas Maak, Jahrgang 1972, studierte in Hamburg und Paris Kunstgeschichte, Philosophie und Architektur und lebt in Berlin. Seit 2001 ist er Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für Kunst und Architektur, außerdem unterrichtete er als Gastprofessor für Architekturgeschichte in Frankfurt am Main und in Harvard. Für seine Arbeit erhielt er den George-F.-Kennan-Preis, 2012 den Henri-Nannen-Preis, den COR-Preis 2014, den BDA-Preis für Architekturkritik 2015 und den HBS-Kritikerpreis 2017. Im Carl Hanser Verlag erschienen zuletzt: Wohnkomplex. Warum wir andere Häuser brauchen (2014), Atlas der seltsamen Häuser und ihrer Bewohner (2016), Durch Manhattan (2017, mit Leanne Shapton) und Technophoria. Roman (2020).



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.