E-Book, Deutsch, Band 2, 400 Seiten
Reihe: Hipster-Märchenreihe
Mackay Aschenputtel und die Erbsen-Phobie
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-95991-992-0
Verlag: Drachenmond Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2, 400 Seiten
Reihe: Hipster-Märchenreihe
ISBN: 978-3-95991-992-0
Verlag: Drachenmond Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nina MacKay pflegt eine ausgesprochene Abneigung gegen Kurzbiographien und konnte nur mit Gewalt zu den folgenden Angaben gebracht werden: Im realen Leben arbeitet sie angeblich als Marketing Managerin (wurde aber auch schon im Wonderwoman Kostüm im Südwesten Deutschlands gesichtet). Außerhalb ihrer Arbeitszeiten erträumt sie sich eigene Welten und führt imaginäre Interviews mit ihren Charakteren. Vorzugsweise mit literweise Kaffee im Gepäck. Gerüchten zufolge hat sie früher als Model gearbeitet und einige Misswahlen auf der ganzen Welt gewonnen. Schreiben ist und war allerdings immer ihr größtes Hobby, genauso wie der tägliche Austausch mit ihrem Jungautoren Verein und den zwei Betaleser Gruppen auf WhatsApp. Es lebe die moderne Technik und Pseudonyme, weswegen nichts von dieser Biographie irgendwo bewiesen werden kann.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 3
Zehn Minuten später kann ich noch immer nicht fassen, wo wir uns da gerade hineinmanövriert haben.
Wir stehen vor Gretels Meerschweinchen-Gehege und sie erklärt uns die verschiedenen Rassen und Fellfärbungen. Ich bin bei Dalmatiner (ernsthaft jetzt?) ausgestiegen, aber das macht nichts, denn Gretel ist sowieso sauer auf mich, nachdem ich gefragt habe, wie schnell sich so ein Hamster denn vermehrt. Also klaue ich einfach in regelmäßigen Abständen Bonbons aus Gretels Schale, die sie immer noch in der Hand hält, und stecke meine Beute Asher zu. Das Kind wird eindeutig einen Zuckerschock erleiden. Aber er bettelt so süß und wer könnte diesen Kulleraugen schon widerstehen?
»Alle Meerschweinchen halte ich auf Bio-Aktiv-Span mit Mikroorganismen. Verursacht weniger allergische Reaktionen und ist gleichzeitig umweltfreundlicher. Und Kunden mit besonders intensiver Meerschweinhaar-Allergie, ramme ich einfach eine Spritze in den –«
»Ja, vielen Dank, Gretel«, unterbreche ich sie, während Jaz Asher schon Richtung Waldweg schiebt. »Wir sehen uns dann, wenn wir dir den achten Zwerg bringen. Oder sein Foto. Müsste schließlich reichen, nicht wahr?«
Gretel hebt eine Hand zum Abschiedsgruß. »Na gut. Aber mit Videobeweis. Oder ein Selfie mit Zwergenausweis. Pic or it didn’t happen!« Ihr Blick fällt in die deutlich geleerte Bonbonschale und ich schiebe Asher noch ein wenig schneller vom Hof. Aus seiner Jackentasche lugt der Zipfel eines Bonbonpapiers hervor.
Fear bildet das Schlusslicht.
»Dann sollten wir uns jetzt am besten eine Kutsche klauen … äh, ich meine so ein Kutschensharing-Ding leasen. Uns über dieses neue Book-a-Carriage eine leihen.«
Ich bedenke sie mit einem abschätzigen Blick. Besser ist es. Dann tue ich so, als würde ich mit Spieglein über eine Feinjustierung von Fears Fußfessel diskutieren. Aber natürlich führe ich nur einen Monolog mit meinem Handspiegel. Als ob sich Spieglein in letzter Zeit bei mir blicken lassen würde. Nach gestern bleibt der Spiegel aus.
»Also wenn du mich fragst, bei jedem kriminellen Gedanken, und sei er noch so klein, solltest du ihr einen Extra-Stromstoß verpassen, Spieglein. Bei Diebstahl gleich zwei. Und wenn sie uns Lügen auftischt, dann natürlich drei!«
Fear verdreht die Augen.
Eine halbe Stunde zuvor in Pains Hütte
~Cinder~
Nicht verhandelbar.« Ihre Stimme klingt gefasster, als sie sich fühlt. »Du bist auf unserer Seite und bekommst dafür Hafterleichterung. Aber keine Königssöhne als Haustiere.«
»Nicht mal einen kleinen verstoßenen Bauernjungen?« Pains Stimme klingt fast weinerlich. »Die geben ganz tolle Haustiere ab. Sind so dankbare kleine Dinger. Außerdem sind sie nicht wählerisch, essen alles.«
Snow schnalzt mit der Zunge. »Ja, natürlich.«
»Wirklich? Darf ich?«
»Nein!«
Auf einmal zuckt Rapunzel regelrecht zusammen, so als sei ihr eine Idee gekommen. »Moment mal, wir haben doch einen in Ungnade gefallenen Prinzen, den wir loswerden wollen. Oder besser gesagt, Cinder hat einen zu vergeben: Charming.«
Sowohl Rapunzel als auch die Hexe starren Cinder abwartend an.
Ein Windstoß weht in die Hexenhütte und lässt die Glasfläschchen auf Pains Wohnzimmertisch klirren. Es sind weniger als bei ihrem letzten Besuch. Cinder schnaubt.
»Mit euch kann man einfach nicht vernünftig reden! Snow, halt mal die Hexe in Schach, ich rufe Red an.«
Der Vorschlag scheint Snow zu gefallen, denn ein hinterlistiges Grinsen verzerrt keine Sekunde später ihre Züge. Bevor sie das Wort an Pain richtet, schlägt sie sich mit ihrem Zauberstab in die offene Handfläche.
»So, Hexe, das heißt dann wohl: du und ich. Mal sehen, was ich mit dem Zauberstab meiner Stiefmutter so alles aus dir zaubern kann. Schlangen bekommt diese Schönheit aus Ebenholz ziemlich gut hin.«
Im Gegensatz zu Pan, der zu kichern beginnt, stößt Pain einen erstickten Schrei aus, macht einen Schritt rückwärts.
Wieder klirren die roten und blauen Glasfläschchen auf ihrem Tisch.
Snow knurrt.
Mit angehaltenem Atem beobachtet Rapunzel das Geschehen.
»Das wagst du nicht, du Ausgeburt einer Hexe!«, kreischt Pain.
»Das stimmt überhaupt nicht, meine leibliche Mutter war keine?…« Snow stockt. Vermutlich geht ihr gerade auf, was sie alles nicht über ihre Mutter weiß.
Im nächsten Moment beginnt sie einen Singsang, der wohl ein Placebozauberspruch werden soll, zu säuseln, um Pain einzuschüchtern.
Die Hexe kreischt erneut, packt sich eine Phiole und wirft sie vor sich zu Boden. Eine Sekunde später steht ein Reh in einem Haufen Baumwolle, der einmal Pains Kleid gewesen ist.
Vor Wut donnert Cinder den Selfiestick mehrmals gegen die Wand. »Verflucht noch mal. Warum enden unsere Besuche hier immer auf dieselbe Weise? Weshalb immer ein Reh?«
Ein paar Minuten später, nachdem Cinder das Gespräch mit Red beendet hat, ist Rapunzel fast so weit.
»Los jetzt. Du musst einfach nur zielen. Das ist das richtige Antiserum«, zischt Snow ihr zu. Cinder und sie haben das Reh zu Boden gerungen.
Pan hat sich eine Bratpfanne aus der Hexenküche geschnappt und richtet sich gerade bedrohlich über dem Reh auf.
Rose schläft kopfüber im Sessel in der Ecke.
»Also gut!«, schreit Rapunzel, schließt die Augen und wirft. Natürlich trifft sie zwei Hexenlängen zu weit nach rechts. Aber glücklicherweise wacht Rose im selben Augenblick auf, hebt eine Hand und kann das Fläschchen gerade noch so festhalten, das ihr mitten in die Magenregion geflogen kommt.
»Uff.«
»Äh, kannst du uns mal eben zur Hand gehen, Rose?« Das Reh am Boden zu halten, kostet Cinder all ihre Kraft. Krav Maga hin oder her.
Geistesgegenwärtig, vielleicht schlafwandelt sie aber auch einfach immer noch, erhebt sich Rose und leert die Phiole mit dem Trank genau über Pains Hinterteil aus. Snow macht ihr extra Platz dafür.
»Rapunzel, warum bist du nicht auf diese Idee gekommen, bei allen Salatblättern?«
Gemeinsam beobachten die Prinzessinnen und Pan, wie sich das Reh zurück in eine Hexe verwandelt. Kopfüber taucht es in sein Kleid, was allen recht ist. Eine abgemagerte Hexe zu allem Überfluss auch noch nackt zu sehen, wäre schlimmer als ein Staffelfinale von Game of Thrones.
Kaum taucht sie mit verwuschelter Haarpracht aus dem Kleid auf, hebt Cinder eine Augenbraue.
»Hast du dich Reh-generiert, Pain?« Cinder fängt Snows Blick auf, räuspert sich dann. »Bei Frau Holle, ich klinge schon wie Red.«
Stille. Pain sortiert ihre Röcke, während alle Blicke auf ihr ruhen.
Letztendlich lehnt sie sich aufrecht gegen ihren Wohnzimmertisch. Die Tischbeine verschieben sich mit einem kratzenden Geräusch ein paar Zentimeter nach hinten. »Also gut, bevor ich mich schlagen lasse. Ich bin dabei. Fear habt ihr ja schon in euren Widerstand gezwungen. Nebenbei bemerkt eine echte Leistung. Warum sollte ich mich nicht eurem Abenteuer anschließen?«
Snow nickt zufrieden. »So lobe ich mir das.«
»Die beste Entscheidung, die du je getroffen hast, Hexe.« Pan hilft Cinder vom Boden auf. Als Snow ihm ebenfalls eine Hand hinhält, ignoriert er sie einfach.
Cinders Handy klingelt. Die ersten Töne von »Time to say Goodbye« lassen sie innehalten. »Oh, es ist Red.«
Eine gefühlte Ewigkeit hört sie ihr zu, murmelt nur ab und zu ein »Verstanden«. Pan und Snow beobachten das Geschehen alarmiert. Es muss sich um eine ernstere Angelegenheit handeln, so wie Cinder sich benimmt.
»Und?«,...




