MacKay | Black Forest High 2 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 320 Seiten

Reihe: Black Forest High

MacKay Black Forest High 2

Ghosthunter
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-492-99586-3
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ghosthunter

E-Book, Deutsch, Band 2, 320 Seiten

Reihe: Black Forest High

ISBN: 978-3-492-99586-3
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Erfolgsautorin Nina MacKay entführt den Leser erneut an die Black Forest High, die Schule für Geisterseher, Medien und Geisterjäger: Seven erwacht in einem Siliziumglaskasten in einem Geheimraum des Internats. In der Schule ist man überzeugt, dass sie besessen ist, was die Schulleitung nicht davon abhält, Seven weiter als Ersatz für die tote Auserwählte zu benutzen. Nur Parker glaubt, dass die Wahrheit tiefer verborgen liegt. So tief wie seine Gefühle für Seven, die allerdings seinen Zwillingsbruder Crowe vorzieht. Gemeinsam gelingt es den Zwillingen, Seven zu befreien und mit ihr zu fliehen. Doch damit bringen sie nicht nur sich selbst in tödliche Gefahr ...

Nina MacKay, irgendwann in den ausgeflippten 80er-Jahren geboren, arbeitet als Marketingmanagerin (wurde aber auch schon im Wonderwoman-Kostüm im Südwesten Deutschlands gesichtet). Außerhalb ihrer Arbeitszeiten erträumt sie sich eigene Welten und führt imaginäre Interviews mit ihren Romanfiguren. Gerüchten zufolge hat sie früher als Model gearbeitet und einige Misswahlen auf der ganzen Welt gewonnen. Schreiben ist und war allerdings immer ihre größte Leidenschaft.
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Kapitel 1


Den Tag, an dem mich meine tote Schwester besuchte, hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt.

Nicht, dass ich mich beschweren wollte, nach beinahe vier Jahren Nova endlich wiederzusehen, doch zuerst verstand ich überhaupt nicht, was vor sich ging. Mehrmals blinzelte ich, um sowohl die Kopfschmerzen, die wie ein Presslufthammer von innen gegen meine Schläfen tackerten, als auch den Schleier vor meinen Augen zu vertreiben. Was war nur los?

Nova? Es war doch Nova, nicht wahr? Ein kleines Mädchen von sieben Jahren mit dunklen Haaren und einer gelben Haarschleife, die ihr Pony zurückhielt. Die mit der Biene, die in der Mitte der Schleife hockte, als würde sie Nektar saugen. Novas Lieblingshaarspange. Nur dass Nova nun ein Geist war und daher durchscheinend weißblau. Dennoch wusste ich, dass ihre Lieblingsschleife immer in einem leuchtenden Butterblumengelb gestrahlt hatte. Sie musste sich aus ihren Erinnerungen so angezogen haben.

Meine tote kleine Schwester starrte mich ernst an. Aus einem Aquarium oder etwas in der Art. Sie trug nicht die Kleidung, mit der sie am Tag ihres Todes aus dem Haus gegangen war. Nein, ihr Kinderkörper steckte nicht in einem Schneeanzug, sondern in dem gestreiften Kleid vom Tag ihrer Einschulung mit der Jeansjacke darüber. An Novas Hüfte baumelte die kleine Umhängetasche in der Form eines Teddybärenkopfs, die eigentlich eine Geldbörse war. Exakt das Outfit, das sie für den ersten Tag an ihrer Schule pingelig genau geplant hatte. Es hatte schon Monate vorher festgestanden.

Nova. Meine kleine Nova. Hinter meinen Augenlidern begannen heiße Tränen zu pochen. Aber warum stand sie in einem Aquarium? Ich richtete mich auf, versuchte meine protestierenden Handgelenke dazu zu ermuntern, mich in eine sitzende Position zu drücken. Wenigstens einigermaßen aufrecht. Leider wurde mir dabei sofort schwummrig. Als zöge ein Magnet alle Kraft aus meinem Körper. Ich blinzelte erneut.

»Seven.« Das Stimmchen von Nova klang zart, aber gleichzeitig fordernd. So, als hätte sie viel länger als vier Jahre auf mich gewartet.

Abgesehen davon, dass ich kurz davorstand, mich zu übergeben, sah ich auf einmal klarer. Nicht Nova steckte in einem verdammten Aquarium, sondern ich. Ein Aquarium, aufgebockt auf einer metallenen Untersuchungsplattform, wie ich sie schon einmal bei den Geisterforschern gesehen hatte. Schlagartig hielt ich die Luft an, und das war der Moment, in dem alle Erinnerungen auf mich einstürzten.

Ich hatte Montagabend am Treffen der geheimen fünften Special-Unit teilgenommen. Dort hatten mir die Hatties, Natalia und Mr Chase erklärt, ich solle die nächste Geistlenkerin werden. Die Auserwählte, deren Platz eigentlich meine Schwester Nova hätte einnehmen sollen. Ich schluckte. Innerhalb einer Millisekunde war alles wieder da. Parker und Crowe, die sich so merkwürdig verhielten. Parker, der mich kurz zuvor angegriffen hatte, als er von einem Poltergeist besessen gewesen war. Natalia, die mich anfunkelte, weil sie den Job der Geistlenkerin haben wollte und nach mir diejenige mit der größten Blutschuld war.

Geistlenkerin. Das hieß, Poltergeister zu steuern und Politiker absichtlich mit ihnen zu besetzen, um die Menschen nach unserem Willen zu lenken. Der Gedanke fühlte sich schal in meinem Mund an. Aber wenn ich eins bisher in der Black Forest High gelernt hatte, dann, dass diese Schule einfach jeden manipulierte. Poltergeister, Geister, Geistbegabte und Menschen. Ich atmete tief ein.

»Seven.« Ich blinzelte. Erst jetzt wurde mir bewusst, dass Nova als normaler, weißblauer Geist vor mir schwebte. Immerhin kein Poltergeist.

»Seven, du musst abhauen. Sofort!« Novas Stimme wurde eindringlicher. Wie hübsch sie aussah in diesem Kleid … Aber wo war ich bloß? Ich tastete die Glaswände um mich herum ab. Ein Glassarg mit einem kleinen Loch für Atemluft. Einer dieser Siliziumkästen, in denen die Geisterforscher gewöhnlich Poltergeister einsperrten, um Experimente an ihnen durchzuführen. Ich steckte meinen Zeigefinger durch das Loch. Doch nicht mal er passte ganz hindurch. Es war so eine Öffnung, durch die ich die Forscher schon einmal Beruhigungsgas in ein solches Poltergeistgefängnis hatte einleiten sehen. Normalerweise war es gut verschlossen.

»Das hier ist ein gefährlicher Ort, und sie werden dich töten.«

Wie? Was wollte Nova damit ausdrücken? Die Hatties würden doch nie … Aber selbst wenn. Es gab etwas, das ich loswerden musste.

»Nova, ich fasse es nicht, dass du endlich zu mir gefunden hast.« Hastig wischte ich mir über die Augen, aber es war zu spät. Tränen rannen mir wie sichtbar gewordene Schuldgefühle aus den Augenwinkeln, ohne dass ich sie stoppen konnte.

»Ich wollte dir so vieles sagen.« Nun benötigte ich beide Hände, um die nassen Spuren unter meinen Augen wegzuwischen. Endlich war der Zeitpunkt gekommen, an dem ich mich bei meiner kleinen Schwester entschuldigen konnte. Bloß, dass ich nicht erwartet hatte, bei der Gelegenheit in einem Glassarg zu stecken. »Vor allem tut es mir unglaublich leid, dass ich dich alleine den Berg habe herunterrodeln lassen.« Ich stockte. Einfach weil es so viel gab, was ich Nova sagen wollte. So viele Worte, die ich nicht alle gleichzeitig herausbekam oder in irgendeine sinnvolle Reihenfolge zu bringen vermochte.

»Ach, Seven, das war nicht deine Schuld.« Nova starrte zunächst auf ihre Kindersandalen hinab, hob dann aber wieder den Blick und sah mir direkt in die Augen. »Früher war es mir vorherbestimmt, nach deinem Tod die neue Geistlenkerin zu werden. Mrs Mondi hat es gesehen. Du hättest von diesem Kindermörder geschnappt werden sollen.« Ihre kleinen Augen fixierten mich eindringlicher. Wie reif sie sich auf einmal ausdrückte. Ich konnte mir nicht helfen und glotzte sie unverhohlen an. Meine kleine Nova, die nach ihrem Tod erwachsen werden musste. »Und ich bin froh, dass du an diesem Tag nicht gestorben bist, Seven. Die Poltergeister haben eine Möglichkeit gefunden, alles zu verdrehen, verstehst du? Sie haben dich daran gehindert, zuerst mit dem Schlitten den Berg runterzurodeln, wie es hätte sein sollen. Sie wollten, dass ich an deiner Stelle sterbe, damit kein neuer, mächtiger Geistlenker an die Macht kommt. Es war ein gezielter Eingriff in unser Schicksal.«

Das konnte nicht sein. Nova konnte mir hier nicht so eine unglaubliche Geschichte auftischen. Und so erwachsen reden. Wieder schossen heiße Tränen in meine Augen. Dennoch … erinnerte ich mich an den Tag im Schnee mit Nova. Wie wir mit unseren Schlitten oben auf dem Hügel gestanden hatten. An die offenen und total miteinander verknoteten Schnürsenkel an meinen beiden Schneeschuhen. Ich hatte mich nach ihnen gebückt und Nova gesagt, sie solle aufsitzen und schon mal vorfahren. Obwohl Nova in diesem Moment lieber auf der anderen Seite zurück ins Tal rodeln wollte. Nur ich hatte auf diesem viel steileren Abhang beharrt. Dumm, wie ich war. Wieder kehrten meine Gedanken zu meinen wie von Geisterhand verknoteten Schneeschuhen zurück. Obwohl ich annahm, sie in ein paar Sekunden lösen zu können, hatte es letztendlich viel, viel länger gedauert.

Novas Zungenspitze blitzte zwischen ihren Lippen hervor. »Irgendwie müssen die Poltergeister davon Wind bekommen und die Situation manipuliert haben. Sie haben sich gegen die Geisterseher verschworen, haben sich zusammengerottet.«

Ich hielt den Atem an. Möglich war es. Doch auf einmal brannte mir etwas anderes viel mehr auf der Seele.

»Nova … dieser Mann … dein Mörder. Was hat er mit dir gemacht?«

Novas Blick und ihr ganzer Körper kam mir auf einmal wie versteinert vor. »Seven … darüber sollten wir nicht heute reden. Es gibt jetzt nur eine wichtige Sache: Du musst von hier verschwinden, sofort.«

Ich blinzelte, schaffte es irgendwie, mich nach vorn zu winden, um in kniender Position vor ihr zu verharren. »Ich hab dich lieb, Nova.« Bei diesen Worten kamen mir nun erst recht die Tränen.

»Ich dich auch. Aber jetzt musst du wirklich abhauen!«

»Ich würde ja gern, aber wie soll ich das anstellen?« So fest ich konnte, presste ich meine Hände gegen den Deckel der Kiste, im vollen Bewusstsein, dass zwei massive Scharniere und ein Schloss ihn an Ort und Stelle fixierten.

»Du musst, Seven, du musst. Ich habe nicht viel Zeit. Sie überwachen mich und ich weiß nicht, wann ich ihnen noch einmal entkommen kann … Bei Vollmond um Mitternacht womöglich, wenn die Barriere zwischen den Welten durchlässig ist wie sonst nie.«

»Aber … Und wer überwacht dich? Nova …!«

Ehe ich den Satz beenden konnte, strömte Rauch von der Decke des Raums. Dunkler Rauch. Ich hob den Kopf und wusste sofort, was es bedeutete. Und tatsächlich: Ein Poltergeist schälte sich aus dem Lüftungsschacht.

Es war die junge Frau mit den dunklen Haaren und der Kette in den Händen, mit der sie schon einmal versucht hatte, mich zu erwürgen.

Genau, was ich jetzt brauchte.

Obwohl ich annahm, sie würde sich auf mich stürzen, raste der Poltergeist auf meine Schwester zu.

»Nova!«

Zwar wandte sich meine tote Schwester noch um, doch es war zu spät. Die dunkelgraue Geisterfrau mit dem gehässigen Blick war hinter sie geschossen und schlang Nova ihre Würgekette um den Hals.

»Du solltest nicht hier sein. Wir haben dich gewarnt!«

»Nova!« Meine Fäuste trommelten wie von selbst gegen das Glas, mit immer heftigeren Schlägen, die meine Knochen beinahe bersten ließen.

Mit aufgerissenen Augen griff sich Nova an den Hals, sie wand sich, schüttelte sich, sodass sogar die Bienenschleife verrutschte.

Was wurde hier nur gespielt?

»Nova, du musst dich fortbeamen. Los!«

Stumm öffnete Nova den Mund, sah zu mir. Ob das Beamen unter diesen Umständen nicht...



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