E-Book, Deutsch, Band 3, 340 Seiten
Reihe: Hipster-Märchenreihe
Mackay Rapunzel und die Genmais-Protestbewegung
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-95991-987-6
Verlag: Drachenmond Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 3, 340 Seiten
Reihe: Hipster-Märchenreihe
ISBN: 978-3-95991-987-6
Verlag: Drachenmond Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nina MacKay pflegt eine ausgesprochene Abneigung gegen Kurzbiographien und konnte nur mit Gewalt zu den folgenden Angaben gebracht werden: Im realen Leben arbeitet sie angeblich als Marketing Managerin (wurde aber auch schon im Wonderwoman Kostüm im Südwesten Deutschlands gesichtet). Außerhalb ihrer Arbeitszeiten erträumt sie sich eigene Welten und führt imaginäre Interviews mit ihren Charakteren. Vorzugsweise mit literweise Kaffee im Gepäck. Gerüchten zufolge hat sie früher als Model gearbeitet und einige Misswahlen auf der ganzen Welt gewonnen. Schreiben ist und war allerdings immer ihr größtes Hobby, genauso wie der tägliche Austausch mit ihrem Jungautoren Verein und den zwei Betaleser Gruppen auf WhatsApp. Es lebe die moderne Technik und Pseudonyme, weswegen nichts von dieser Biographie irgendwo bewiesen werden kann.
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Kapitel 8
Hierhin ist er also geflohen. Die wildesten Gedanken und Vorahnungen prasseln auf mich ein, und dennoch fühlt es sich an, als würde die Zeit stillstehen. Als stünde ich vor einem Gemälde im Museum. Jasemin hat Jaz.
Aus einem kindischen Impuls heraus wünsche ich mir, dass jemand ruft, dass das nur ein Scherz ist. Ein Trugbild vielleicht.
Neben mir presst die Herzkönigin ihre Lippen fest aufeinander. Sicherlich ist sie ebenso wenig erfreut. Schließlich ist Jaz ihr Sohn. Auch wenn die beiden sich gegenseitig gern zu ignorieren pflegen. Sie neigt den Kopf und sieht mich an. Sofort erkenne ich, dass sie mich davor warnen will, etwas Dummes zu tun. Am Ende die Sache mit dem Verlorenen Kind auszuplaudern. Und erst da wird mir klar, was auf dem Spiel steht und wie tief wir gefallen sind. Jasemin, die allein durch das Verlorene Kind besiegt werden kann, indem es die anderen Länder gegen sie vereint, hat eben dieses Verlorene Kind in ihrer Gewalt. Ohne dass die beiden etwas davon ahnen. Die Ironie an der Situation trifft mich wie ein Eimer voll Eiswasser. Wir sind verloren.
Immer noch sieht Jaz über mich hinweg. Komischerweise trifft mich das härter als die Erkenntnis, dass er nun auf Jasemins Seite steht und wir dadurch den Krieg gegen das Morgenland so gut wie verloren haben. Warum sieht er mich nicht an? In den letzten Tagen vor dem Angriff auf Snows Schloss haben wir die Nächte miteinander verbracht, haben uns alles erzählt. Er hat mich gehalten und mich getröstet, als ich um Ever geweint habe, der von Jasemin entführt worden war. Auf dem Wagen voll Stroh, der uns ins Morgenland brachte, haben wir uns gemeinsam die Sterne angesehen und er hat meine Haare aus meinem Gesicht gestrichen, bis ich eingeschlafen war. In seine Arme gekuschelt wurde alles erträglicher. Natürlich habe ich es ihm nie leicht gemacht. Ihm nie gesagt, wie sehr ich ihn … schätze. Stattdessen habe ich ihn im Affekt beschimpft. Das muss ich zugeben. Andererseits: Er ist, wie ich seit Kurzem weiß, das Verlorene Kind! Wir brauchen ihn. Auf einmal sehe ich ihn mit ganz anderen Augen. Komischerweise stiehlt sich eine Träne in meinen Augenwinkel, doch ich schlucke die Wut und die Trauer hinunter. Niemals hätte ich gedacht, dass mir seine Nichtbeachtung dermaßen tief ins Fleisch schneiden würde. Und was soll das Händchengehalte mit Jasemin? Sind sie etwa – ein Paar? Der Gedanke löst unwillkürlich einen üblen Brechreiz in meinem Rachen aus.
»Aber, aber …«, stottere ich. Mehr Worte wollen einfach nicht über meine Lippen kommen. Es dauert, bis ich mich halbwegs im Griff habe.
»Was ist mit Aladin?«
Jasemins Armreifen klimpern, als sie eine wegwerfende Handbewegung vollführt. »Was soll mit ihm sein? Ich habe mich von ihm getrennt. Wir leben bereits räumlich voneinander entfernt und lassen uns in den kommenden Tagen scheiden.«
Oh. »Und warum hast du das?« Mein Blick gleitet zwischen Jaz und Jasemin hin und her, verharrt letztendlich auf ihren Händen.
»Warum, warum? Weil er mich nicht mehr unterstützt hat zum Beispiel. Dieser Feigling. Mehr musst du nicht wissen, kleines Rotkäppchen.«
Kleines Rotkäppchen? Ich beiße mir auf die Lippen. Sicher, um mich zu beruhigen, drückt die Herzkönigin meine Hand.
»Ich weiß, wie du dich fühlen musst, allerdings müssen wir uns klug verhalten, wenn wir diese Tyrannin schlagen wollen.« Ihre Worte sind kaum mehr als ein Windhauch an meinem Ohr. Dennoch trösten sie mich. Ob sich so die Tiere fühlen, zu denen sie spricht?
Im gleichen Moment erkenne ich eine Fliege, die Jasemins Kopf umschwirrt und sich einfach nicht verjagen lässt. Egal wie intensiv die Königin des Morgenlandes nach ihr schlägt.
»Lästiges Biest!«, zischt sie.
Die Herzkönigin grinst.
Rose hält sich die Hand vor den Mund, um einen Gähner zu unterdrücken. Ich bemerke, wie übertrieben aufrecht sie sich hält. Ganz die stolze Prinzessin in Gefangenschaft, die sich nicht unterkriegen lassen wird.
»Eine schnelle Scheidung, sagst du? Der arme Aladin. Warum so plötzlich?«
Jasemin lacht. »Euch bin ich keine Rechenschaft schuldig. Ich bin jetzt Königin und kann tun, was mir beliebt. Wenn ich wollte, könnte ich mich sogar von meinem rechten Zeh scheiden lassen!«
Vielleicht sollte sie sich zuerst von ihren Aggressionen scheiden lassen.
Jasemins spitz zulaufender Lidstrich verwischt, als sie sich mit der freien Hand über die Augenlider streicht.
»Diese Diskussion hat mich ermüdet. Ziehen wir uns zurück, Jaz? Meine Wachen werden unseren Gästen ein Quartier zuweisen.« Sie richtet ihren Blick auf einen Wachmann, der eine rote Schärpe und eine rote Feder am Turban trägt. Sein Bart wird mithilfe eines Haargummis in Form gehalten. Sicherlich der Hauptmann. »Vergesst die Fußfesseln nicht. Sie bleiben solange hier, wie ich es will.«
Also bis sie sich den Märchenwald unter den Nagel gerissen hat. Ich schlucke. Nichts anderes kann es bedeuten. Dennoch. Meine Gedanken kreisen weiterhin um sie und Jaz. Soll sie mir doch Fußfesseln anlegen. Sobald der Teufel mich zurück in die Hölle ruft, wird er sie mir doch abnehmen, oder nicht?
»Oh und ich möchte, dass Red und Rose zu meinen neuen Hofdamen ernannt werden. Legt ihnen standesgemäße Kleider heraus.«
Mein Kopf ruckt nach oben. Was? Warum?
Jasemins Lächeln trifft mich bis ins Mark. »Sie sollen mich waschen, ankleiden, mir vorsingen und zusehen, wie ich Zeit mit meinem Liebsten verbringe.«
Wie sie und Jaz turteln? Allein der Gedanke daran dreht mir erneut den Magen um. Ob sie Jaz irgendwie verhext hat? Mit dem Feenzauberstab? Ja, das muss es sein oder nicht? Der Gedanke, dass dem nicht so sein könnte, nagt an mir.
Rose atmet tief ein. »Was, wenn wir uns weigern?«
»Werdet ihr nicht. Die elektronische Fußfessel wird euch gefügig machen. Ihr werdet nicht besser dran sein als die Hexen, denen ihr diese Fesseln gewöhnlich anlegt.«
Stromstöße. Sie droht uns mit Stromfolter. Um mich herum beginnt sich alles zu drehen. Wo sind wir hier bloß reingeraten? Warum kann mich der Teufel nicht sofort zur zweiten Prüfung rufen und mir das hier ersparen? Moment mal. Er hat mich überhaupt erst in diese Lage gebracht. Zu seiner Unterhaltung! Das bedeutet, er wusste, was passieren würde. Vermutlich reibt er sich gerade die Hände und beobachtet uns durch seinen magischen Bildschirm.
»Kann ich Asher sehen?« Eigentlich wollte ich etwas ganz anderes sagen, aber letzten Endes kommt mir nur diese Frage über die Lippen.
Endlich finden mich Jaz’ Augen. »Er ist in Neverland auf dem Schiff, bis wir alle Vorbereitungen für ihn getroffen haben. Zur Verlobungsfeier wird er hier eintreffen.«
Zur Verlobungsfeier?
Jasemins Mundwinkel heben sich, als sie meine Verwirrung bemerkt. »Jaz und ich werden heiraten. In zwei Tagen findet die Verlobungsfeier statt.«
Was? Vor Schreck taumele ich einen Schritt nach hinten und gehe leicht in die Knie. Rose und die Herzkönigin müssen mich stützen.
»Sei vernünftig, Jasemin.« Rose spricht sie ohne ein Quäntchen Furcht in der Stimme an. »Du bist nicht mal ordentlich geschieden. Du kannst so schnell kein zweites Mal heiraten.«
»Ich bin die Königin!«, kreischt Jasemin, als hätte Rose sie einmal zu oft provoziert. »Ich mache hier die Gesetze!« Ihr bitterböser Blick würde jede Schlange den Schwanz einkneifen lassen, ganz gewiss.
Rose hebt beide Augenbrauen. »Warum regst du dich so auf? Das hast du ja immer schnell getan. Ich erinnere mich an deinen zehnten Geburtstag, als der Clown eine Taube aus seinem Hut zauberte, du aber einen Falken wolltest und dann …«
»Halt den Mund, Spinnrad-Opfer!«
Die Herzkönigin seufzt und raunt mir zu: »Zu viel Macht verdirbt den Charakter.«
Sie muss es ja wissen.
»Wir brauchen einen Sandwurm«, flüstert Rose vollkommen ruhig der Herzkönigin zu. Ich bewundere ihre Coolness. Andererseits weiß ich, dass die Prinzessinnen bereits mehrmals ein Geiseltraining für den Notfall durchlaufen haben. Organisiert von Prinz Cedric und Prinz Adrian. Die Königin nickt. »Wie gesagt, noch ist keiner in der Nähe.«
Noch nicht.
»Aber ich werde einen Weg finden, um zu verhindern, dass mein Sohn Königin Gernegroß heiratet, verlasst euch darauf.«
»Komm, Schatz. Du weißt, wie du mich glücklich machen kannst.« Jasemin wirft Jaz einen koketten Augenaufschlag zu, bringt sich auf eine Art in Stellung, die nur einen Schluss zulässt.
Jaz folgt ihrer Einladung, bückt sich und drückt ihr einen Kuss auf die Wange.
Immer noch vermute ich, mich in einem Paralleluniversum zu befinden. Jaz und Jasemin? Sie können doch kaum zwei, höchstens drei Tage Zeit miteinander verbracht haben?
Jasemin, die meine Gedanken zu lesen scheint, dreht sich zu mir um.
»Jaz und ich glauben beide an die Liebe auf den ersten Blick. Im Gegensatz zu dir umarmen wir dieses Wunder der Natur. Frag mal deine Freundinnen, wie das ist. Snow, Cinder, Rapunzel und Rose können dir davon sicher ein Lied singen. Im wahrsten Sinne des Wortes....




