MacLeod | Boston Tea Crimes - Der Spiegel aus Bilbao | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 4, 284 Seiten

Reihe: Ein Fall für Kelling und Bittersohn

MacLeod Boston Tea Crimes - Der Spiegel aus Bilbao

Kriminalroman | Ein Fall für Kelling und Bittersohn 4 - Cozy Crime mit Witz
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98952-592-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kriminalroman | Ein Fall für Kelling und Bittersohn 4 - Cozy Crime mit Witz

E-Book, Deutsch, Band 4, 284 Seiten

Reihe: Ein Fall für Kelling und Bittersohn

ISBN: 978-3-98952-592-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sommerfrische und neue Mordfälle - so lässt es sich urlauben! Jüngst verlobt und längst verliebt wollen Sarah Kelling - Erbin von Beruf - und Detektiv Max Bittersohn eigentlich traute Zweisamkeit an der Küste genießen, doch ihnen stellen sich zwei große Probleme in den Weg: Das Diebesgut einer Einbruchsserie, das in dem sonst unbewohnten Kelling-Landsitz deponiert wurde - und Sarahs alte Tante und Anstandsdame Appie, die Gefahr läuft, das junge Paar zu Tode zu langweilen. Als dann jedoch gleich zwei von Appies alten Freundinnen kurz hintereinander ermordet werden, zeigen die anklagenden Finger der feinen Gesellschaft auf den einzigen Außenseiter: Max Bittersohn, in dessen Zimmer auch noch die Mordwaffe gefunden wird. Sarah muss ermitteln, um ihren Verlobten zu retten - und ihren Urlaub! Band 4 der »Bosten Tea Crimes«-Reihe, in der alle Titel unabhängig gelesen werden können - für Fans von Richard Osman.

Charlotte MacLeod (1922-2005) wurde in Kanada geboren und wuchs in Massachusetts auf. Sie besuchte das Boston Art Institute und arbeitete als Bibliothekarin und Werbetexterin. Ende der 1970er veröffentlichte sie ihre ersten Kriminalromane und zementierte ihren Ruf als Grande Dame des Genres. Für ihr Lebenswerk wurde sie unter anderem mit fünf American Mystery Awards und dem Malice Domestic Lifetime Achievement Award ausgezeichnet. Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin ihre »Boston Tea Crimes«-Reihe, beginnend mit »Die Familiengruft«.
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Kapitel 1


»Wo um Himmels willen«, sagte Sarah Kelling aus der Familie der Bostoner Kellings, »kommt denn bloß dieser Spiegel her?«

»Aus Spanien.«

Max Bittersohn stellte vorsichtig einen Korb mit Sarahs Habseligkeiten auf den Boden. Er war das erste Mal hier in der Diele des schindelgedeckten Sommerhauses, das bei den Kellings seit Präsident Grover Clevelands Tagen unter dem Namen Ireson’s Landing bekannt war.

»Um ehrlich zu sein«, berichtigte er sich, »hat keiner je wirklich herausgefunden, wo genau diese Spiegel mit dem Marmorrahmen angefertigt wurden. Seeleute pflegten sie meist im 18. Jahrhundert im Hafen von Bilbao zu kaufen und als Geschenk für ihre Frau oder ihre Liebste mit nach Hause zu nehmen. Das muß noch vor der Zeit gewesen sein, als die feinen Korsettstäbchen aus Elfenbein in Mode kamen, nehme ich an. Was ist bloß in dich gefahren, so ein wertvolles Stück den ganzen Winter hier im Sommerhaus hängen zu lassen?«

»Das habe ich gar nicht. Das ist es ja gerade. Er gehört überhaupt nicht hierher. Ich habe den Spiegel noch nie im Leben gesehen!«

»Mich trifft der Schlag!« Bittersohn beugte sich vor und betrachtete die hübsche, kleine Antiquität mit geübtem Kennerblick. »Hast du etwas dagegen, wenn ich ihn kurz von der Wand nehme?«

»Warum sollte ich? Ich habe dir doch gerade gesagt, daß er mir nicht einmal gehört.«

»Und ich glaube dir sogar, mein Herzblatt, denn du müßtest verrückt sein abzustreiten, einen echten Spiegel aus Bilbao zu besitzen, wenn es tatsächlich deiner wäre. Außerdem schließe ich aus der hellen Stelle auf dieser scheußlichen Tapete, daß hier bis vor kurzem ein sehr viel größeres Objekt gehangen haben muß. Was war es denn?«

»Ein entzückendes altes Mezzotinto mit dem schönen Titel Liebeserwachen. Ich habe es mit nach Hause in die Tulip Street genommen, um damit Cousine Theonias Zimmer zu verschönern.«

»Da siehst du mal, wohin so etwas führen kann.«

Bittersohns Stimme klang unkonzentriert. Er hatte eine kleine Lupe aus der Tasche genommen und betrachtete wie ein echter Sherlock Holmes eingehend die grazilen, kleinen rötlichgelben Marmorpilaster des zierlichen Rahmens. »Ich wünschte, wir hätten etwas mehr Licht in diesem Vestibül oder wie zum Teufel man das Ding hier nennt.«

»Dein Wunsch sei mir Befehl.« Sarah drehte an einem der Lichtschalter. »Beinahe jedenfalls«, verbesserte sie sich, als nichts passierte, »wenn ich daran gedacht hätte, Mr. Lomax zu sagen, er solle den Strom wieder anstellen. Aber er wird bestimmt bald hier sein, nehme ich an. Ich habe ihm mitgeteilt, daß wir heute offiziell einziehen.«

»Hast du ihm übrigens erzählt, daß ich auch einziehe?«

»Ich glaube schon. Er weiß jedenfalls, daß ich die Wohnung für einen Mieter vorbereitet habe, denn das meiste dort hat er hergerichtet, und er kann sich wohl auch denken, daß mich jemand herfährt, da ich jetzt keinen eigenen Wagen mehr habe.«

»Ich habe dir bereits angeboten, daß du liebend gern einen als Hochzeitsgeschenk bekommen kannst.«

Bittersohn trennte sich von ihrem interessanten Fund und widmete sich Sarah lange genug, um sie davon zu überzeugen, daß sein Angebot immer noch galt. »Wenn du bloß aufhören würdest, jeden Tag deine Meinung zu ändern –«

»Max, das stimmt doch gar nicht. Ich brauche eben Zeit, mich wieder zu fangen, das ist alles. Du brauchst deshalb nicht zu versuchen, mich zu bestechen und zu korrumpieren.«

»Wie könnte man dich denn korrumpieren?« Seine freie Hand glitt sanft unter ihren Pullover.

»Hör sofort auf, du Lüstling. Ich dachte, du wolltest herausfinden, wie der Spiegel hier ins Haus gekommen ist?«

»Welcher Spiegel?«

»Max, das ist nicht nett.«

»Ich wäre netter, wenn du nicht so nett wärst. Wie findest du das als Liebeserklärung?«

Es gelang Bittersohn mit großer Willensanstrengung, seine Aufmerksamkeit wieder dem wunderschönen kleinen Kunstwerk zuzuwenden, das so unerwartet den Platz des Liebeserwachens eingenommen hatte.

»Hast du ein Handtuch oder so etwas?«

»Ich sehe mal in der Küche nach. Wärest du auch mit ein Paar Topflappen zufrieden?«

»Natürlich. Ich möchte bloß den Rahmen nicht direkt anfassen, falls Fingerabdrücke darauf sind.«

»Max, Liebling, ist das wirklich die Art, wie du arbeitest?«

»Ich denke schon. Allerdings nur, wenn du mir diese Topflappen gibst.«

»Oh, Entschuldigung.«

Sarah verschwand und kam mit einem Stück von einem halbvermoderten Vorhang zurück.

»Geht das? Etwas anderes konnte ich nicht finden.«

»Hervorragend. Hältst du mir mal die Eingangstür auf? Ich möchte den Spiegel nach draußen bringen und ihn mir bei Licht ansehen, und ich will dabei auf keinen Fall den Aufsatz zertrümmern.«

»Diese kleine Gipsurne und die vergoldeten Metallverzierungen sehen wirklich schrecklich zerbrechlich aus.«

»Sie sehen nicht nur so aus. Deshalb gibt es auch so wenige Spiegel aus Bilbao, die unbeschädigt geblieben sind. Es würde mich allerdings nicht wundern, wenn dieser hier in tadellosem Zustand wäre.«

Bittersohn wickelte den muffig riechenden Vorhang um den Rahmen und hob ihn vorsichtig an. »Verdammt, es geht nicht. Kannst du mal nachsehen, wo der Draht festhängt? Aber berühre dabei möglichst nicht den Rahmen, wenn es geht.«

»Den Draht kann ich also ruhig anfassen?«

»Natürlich. Auf Bilderdraht kann man keine Fingerabdrücke hinterlassen.«

»Warte einen Moment, er ist um den Haken in der Wand gewickelt. So, jetzt kannst du ihn abhängen. Der Draht sieht nagelneu aus, Max.«

»Wundert mich gar nicht. Wer immer auch der Besitzer von diesem Ding ist – er hatte es bestimmt an der Wand festgeschraubt. Siehst du die kleinen Blechschlaufen an den Seiten? Das ist typisch für alle Spiegel aus dieser Zeit. Sie waren einfach so selten und wertvoll, daß man sehr sorgsam mit ihnen umgehen mußte.«

»Ich weiß. Man hat sogar massive Holzplatten in die Wände eingelassen, um die Spiegel daran zu befestigen, wenn der Verputz nicht sicher genug war. Tante Appie hat so etwas in ihrem Haus in Cambridge.«

»Ist das die Tante, deren Mann gerade gestorben ist?«

»Genau. Onkel Sam war schon seit Jahren leidend, er hatte ständig irgendwelche Beschwerden. Cousine Mabel sagt immer, woran er wirklich litt, war Tante Appie, aber was kann man von Cousine Mabel auch anderes erwarten? Stammen die Löcher auf der Rückseite von Holzwürmern?«

»Si, Señora. Das ist ein Stück Eichenholz, typisch spanisch und verteufelt schwer. Die Löcher haben zweifellos echte spanische Eichenholzwürmer im 18. Jahrhundert geknabbert. Man konnte sie immer daran erkennen, daß sie ›Olé‹ riefen, bevor sie ihre kleinen Fänge in das Holz gruben. Aber es gibt bestimmt Leute, die versuchen würden, dir weiszumachen, daß dein Spiegel in Wirklichkeit in Italien angefertigt wurde, was blanker Unfug ist. Italienische Eichenholzwürmer hätten niemals einen derartigen Schaden anrichten können. Sie hätten nur ›Pocco, pocco, lente, lente‹ gesagt, was auf Italienisch soviel bedeutet wie: ›Ach, zum Teufel damit, laßt uns lieber eine Pizza bestellen‹«

»Verschone mich mit deiner Gelehrsamkeit«, sagte Sarah naserümpfend. »Max, es ist mir ehrlich gesagt vollkommen egal, woher dieser Spiegel stammt. Ich möchte bloß wissen, wer ihn in meine Diele geschafft hat.«

»Glaubst du, daß einer deiner reichen Verwandten klammheimlich hier hereingeschlichen ist, um dir eine kleine Willkommensüberraschung zu bescheren?«

»Von wegen! Nenn mir einen Kelling, der eine wertvolle Antiquität unbewacht in einem Haus wie diesem hängen läßt, und ich nenne dir sechs andere Kellings, die sofort versuchen, ihn für gefährlich geisteskrank erklären zu lassen.«

»Fällt dir denn jemand ein, der einen Spiegel aus Bilbao besitzen könnte?«

»Da gibt es bestimmt irgendjemanden, wenn man bedenkt, wie viele Verwandte ich habe und wieviel Trödel sie über Jahre hinweg angehäuft haben. Ich glaube, daß Tante Emma draußen in Longmeadow so einen Spiegel besitzt, wenn ich mich recht erinnere, aber der Marmor ist irgendwie gelber, und oben drauf befindet sich ein scheußlicher Ziergiebel aus Walnußholz statt dieser hübschen Filigranarbeit.«

»Wundert mich gar nicht. Das hat man nämlich recht häufig getan. Wenn die Spitzen abbrachen, nahmen die Besitzer als Ersatz oft irgendeine Scheußlichkeit, die gerade im Holzschuppen herumlag. Aber selbst wenn er so verschandelt ist, kann man für einen echten Spiegel aus Bilbao immer noch 5 000 Dollar und mehr bekommen. Weißt du was, Süßele? Ich glaube, wir sollten die Polizei rufen.«

»Oh, Max!«

Aber er hatte natürlich völlig recht. Dieses wertvolle, zerbrechliche Kunstwerk war schließlich nicht von selbst ins Haus gekommen, und außer Sarah und ihrem Hausverwalter Mr. Lomax besaß keiner einen Schlüssel. Es hatte in diesem Winter in den Sommerhäusern, die zum größten Teil unbewohnt waren, wie in den vergangenen Jahren wieder mehrere Einbrüche gegeben. Zwar würde kein Einbrecher seine Zeit mit dem Versuch verschwendet haben, etwas aus dem Kelling-Haus zu entwenden, doch vielleicht hatte er das einsam gelegene Gebäude als geeignetes Versteck für seine Diebesbeute betrachtet. Das bedeutete, daß er irgendwann zurückkommen und den Spiegel holen würde.

»Einverstanden«, seufzte sie. »Meinst du nicht auch, wir sollten am besten sofort nach diesem reizenden Sergeant Jofferty fragen?«

Er war es gewesen, der ihr damals die schreckliche Nachricht vom Autounfall ihres Mannes überbracht hatte, und genau hier vor dem Haus hatte er gestanden, in...



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