MacLeod | Boston Tea Crimes - Madam Wilkins' Palazzo | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 283 Seiten

Reihe: Ein Fall für Kelling und Bittersohn

MacLeod Boston Tea Crimes - Madam Wilkins' Palazzo

Kriminalroman | Ein Fall für Kelling und Bittersohn 3 - Agatha Christie mit Biss
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98952-580-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kriminalroman | Ein Fall für Kelling und Bittersohn 3 - Agatha Christie mit Biss

E-Book, Deutsch, Band 3, 283 Seiten

Reihe: Ein Fall für Kelling und Bittersohn

ISBN: 978-3-98952-580-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sterben ist eine Kunst für sich - und nicht jeder ist Picasso... Detektiv Max Bittersohn wollte die junge Erbin Sarah Kelling eigentlich zu einer Vernissage in den kuriosen »Palazzo der Madam Wilkins« ausführen und die exquisite Kunstsammlung bewundern - rein freundschaftlich, versteht sich. Und es hätte ein zauberhafter Abend werden können ... wäre nicht der Museumswächter vom Balkon und in seinen Tod gestürzt. Schnell ist klar: Hier handelt es sich um Mord! Der Museumsdirektor Mr. Palmerston heuert Bittersohn an, dem Fall nachzugehen - und als Expertin in der Bostoner High Society ist Sarah Kelling natürlich mit von der Partie. Was verbirgt sich hinter den Kunstwerken im Palazzo? Wusste der Wachmann mehr, als er sollte? Und ist der Mörder Teil der illustren Gesellschaft, in der Sarah ein und ausgeht? Band 3 der exzentrischen »Boston Tea Crimes«-Reihe verspricht humorvolle Krimiunterhaltung für Fans von Richard Osman. Alle Bände der Reihe können unabhängig voneinander gelesen werden.

Charlotte MacLeod (1922-2005) wurde in Kanada geboren und wuchs in Massachusetts auf. Sie besuchte das Boston Art Institute und arbeitete als Bibliothekarin und Werbetexterin. Ende der 1970er veröffentlichte sie ihre ersten Kriminalromane und zementierte ihren Ruf als Grande Dame des Genres. Für ihr Lebenswerk wurde sie unter anderem mit fünf American Mystery Awards und dem Malice Domestic Lifetime Achievement Award ausgezeichnet. Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin ihre »Boston Tea Crimes«-Reihe, beginnend mit »Die Familiengruft«.
MacLeod Boston Tea Crimes - Madam Wilkins' Palazzo jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Kapitel 1


Von dem anfänglich lebhaften, höflichen Applaus war nur noch das vereinzelte Klatschen der besonders wohlwollenden Verwandten der Cellistin zu hören, doch auch diese Beifallsbekundungen gingen schließlich endgültig im lauten Scharren der Stühle unter. Die Touristen schoben sich zum Ausgang am Ende des Konzertsaals, während sich die echten Kunstkenner nach vorn in den Tintoretto-Saal drängten, um sich dort an Wein und Käse gütlich zu tun, den Musikern Komplimente zu machen und den Wachstropfen auszuweichen, die von Madam Eugenia Wilkins’ berühmten Kronleuchtern aus dem 16. Jahrhundert herunterfielen.

Mr. Max Bittersohn, der bekannte junge Kunstexperte, faßte nach dem Ellbogen seiner auffallend attraktiven Pensionswirtin Mrs. Sarah Kelling aus der Familie der Beacon-Hill-Kellings. »Am besten machen wir uns so schnell wie möglich aus dem Staub«, flüsterte er ihr zu. »Die Kleine, die da gerade Boccherini abgeschlachtet hat, hat offenbar mehr Schwestern, Cousinen und Tanten als ein ganzer Chor aus Pinafore

Sarah, die eine konservativere Erziehung genossen hatte als ihr Begleiter, zögerte noch. »Wir können doch nicht so einfach weggehen, ohne wenigstens mit Ihrem Freund Mr. Fieringer gesprochen zu haben. Sie wissen doch, daß es ihm jedes Mal das Herz bricht, wenn Sie sich nicht zu seinem neuesten Wunderkind äußern.«

»Was gibt es denn hier Positives zu sagen? Aber gut, wenn Sie möchten, gehen wir so lange auf den Balkon, bis sich die Massen ein wenig verlaufen haben.«

»Ich finde, daß sich der Pianist ganz hervorragend gehalten hat, wenn man bedenkt, unter welchen Umständen er spielen mußte.«

»Oh ja, der gute alte Bernie ist immer noch ein verdammt guter Musiker, wenn er es erst einmal fertiggebracht hat, sich zum Flügel zu schleppen. Ich frage mich, wie Nick es angestellt hat, ihn bis zum Konzert nüchtern zu halten.«

»Mein Gott, was so ein Impresario nicht alles mitmacht!« Sarah legte ihre zarten Arme auf die Balkonbrüstung aus gemeißeltem Marmor und schaute in den Innenhof hinunter, in dem üppige Blumenteppiche zur Feier des Osterfestes oder, in Mr. Bittersohns Fall, zur Feier des Passahfestes, um die Wette blühten.

Am 1. Januar 1903 hatte Eugenia Callista Wilkins, die Witwe eines Eisenbahnbarons, der feierlichen Eröffnung von Fenway Court, in Boston besser bekannt unter dem Namen »Mrs. Jack Gardners Palast«, beigewohnt. Zutiefst aufgewühlt von einer Empfindung, die sie selbst für Verachtung hielt, gelobte sie sich, dieser Mrs. Jack ein für allemal klar und deutlich vorzuführen, wie man so etwas sehr viel besser machen konnte. Dann war sie dem Beispiel eben jener Dame gefolgt und hatte eine Schiffsreise nach Europa unternommen, ihren eigenen Kunstexperten im Schlepptau, und hatte den Laderaum eines Ozeanriesen der Cunard-Linie mit einer noch viel größeren und noch viel wahlloseren Sammlung von echten und falschen Kunstschätzen beladen. Damit war sie schließlich nach Boston zurückgekehrt und hatte am malerischen Ufer des romantischen Muddy River einen noch protzigeren Palazzo erbauen lassen als ihre Konkurrentin und ihre Schätze in einem noch wilderen Durcheinander darin aufgestellt.

Mrs. Wilkins hatte dem völlig sprachlosen Architekten erklärt, daß ihr Atrium einen Wasserfall haben müsse, der drei Stockwerke hoch sein und sich über mehrere Marmorbecken in ein Bassin ergießen sollte, in dem Seerosen wuchsen und sich exotische Fische tummelten.

Sie wollte auf jeden Fall mehr Blumenbeete haben als Mrs. Jack, in denen das ganze Jahr über Blumen blühten, die in Gewächshäusern eigens für sie gezüchtet würden. Sie ließ Wege mit Mosaiken anlegen, deren Bestandteile angeblich während der Ausgrabungen bei Herculaneum heimlich beiseitegeschafft worden waren, und legte sich echte lebende weiße Pfauen zu, die nach allen Seiten herrliche Räder schlagen sollten, wie es ihnen gerade in den Sinn kam.

In Wirklichkeit allerdings neigten die Pfauen eher dazu, ständig in der Mauser zu sein, sich auf den Mosaiken unziemlich zu betragen, gereizt nach den Knöcheln der Besucher zu hacken oder mit diversen komplizierten Vogelkrankheiten aufzuwarten, woraufhin man sie jedes Mal in Windeseile zur Behandlung ins Angell Memorial Hospital transportieren mußte. Trotz des widernatürlichen Verhaltens dieser Vögel galt Mrs. Wilkins’ Palazzo jedoch im Allgemeinen als überaus sehenswert und war sogar für Bostoner Verhältnisse etwas Besonderes.

Die Kellings, die zu den reichsten und am weitesten verzweigten Familien Bostons zählten, waren im Jahre 1911 in Scharen zur Eröffnung erschienen. Bei diesem denkwürdigen historischen Ereignis hatte eine damalige Mrs. Alexander Kelling mit dem den Kellings eigenen Takt- und Feingefühl die Bemerkung fallenlassen, daß der Palast eigentlich weniger wie ein italienischer Palazzo, sondern eher wie ein babylonisches Bordell aussehe. Ein anderer Spaßvogel hatte daraufhin Mrs. Wilkins als die »Madam« des Etablissements bezeichnet, und von diesem Augenblick an hatte Mrs. Wilkins ihren Namen weg. Eugenia Callista hatte jedoch das Beste aus diesem schlechten Scherz zu machen gewußt und prompt auf ihre Visitenkarten »Madam Wilkins« drucken lassen, jedoch niemals mehr eine dieser Karten in einem Kelling-Haus präsentiert.

Selbst nachdem sie gestorben war und ihren Palast der Stadt als Museum hinterlassen hatte, waren die Kellings dem Anwesen der Madam ferngeblieben. Daher betrachtete Sarah jetzt mit dem angenehmen Gefühl, das der Genuß verbotener Früchte mit sich zu bringen pflegt, einen sich mausernden Pfau im Innenhof. Aus unerfindlichen Gründen war der Hof gerade völlig leer, wenn man von den Vögeln, den Fischen im Seerosenteich und einem gelangweilt aussehenden Wächter, der an einen der Pfeiler gelehnt stand, einmal absah. Das Stimmengewirr aus dem Tintoretto-Saal klang wohltuend weit entfernt. Die Strahlen der frühen Aprilsonne fielen durch die riesigen Oberlichte. Sarah blinzelte und gähnte.

Bittersohn lächelte ihr zu. »Müde, Mrs. Kelling?«

Sie siezten sich immer noch, wie es sich für eine Dame, die gerade fünf Monate verwitwet war, und für einen Gentleman, der erst seit Januar in ihrer Pension wohnte, gehörte, doch irgendwie hatte Mr. Bittersohn inzwischen eine Art, sie mit »Mrs. Kelling« anzureden, die Sarah jedes Mal bewußt machte, daß sie eigentlich unverheiratet war. Außerdem schien er sehr viele Freikarten für Konzerte und Theaterveranstaltungen zu bekommen, von denen er annahm, daß sie vielleicht Lust hätte, ihn dorthin zu begleiten. Natürlich nur, wenn sie auch nichts anderes vorhatte, was rein zufällig tatsächlich nie der Fall war. Es machte ihr außerdem großen Spaß, endlich wieder auszugehen, nachdem sie mit einem Ehemann, der doppelt so alt wie sie gewesen war, ein derart zurückgezogenes Leben geführt hatte. Alexander wäre zudem der letzte gewesen, der ihr geraten hätte, eine Freikarte verfallen zu lassen. Also lächelte sie zurück, obwohl es eigentlich kein besonders gutes Konzert gewesen war.

»Das kommt wahrscheinlich von der warmen Sonne und dem Duft der Blumen. Es ist aber auch wirklich wunderschön hier, finde ich. Allerdings frage ich mich, warum Madam offensichtlich der Ansicht war, es sei kultivierter, derartig harte Stühle in den Musik – mein Gott, sehen Sie bloß!«

Plötzlich stürzte etwas Großes, Dunkles an ihnen vorbei in die Tiefe und schlug zwei Stockwerke tiefer dumpf in die rosa- und lilafarbenen Hyazinthen. Ein Pfau und ein Wächter schrien gleichzeitig. Bittersohn war bereits die Marmortreppe hinuntergerannt, bevor das Echo verklungen war.

Sarah eilte ihm nach, so schnell es ihre hohen Absätze und ihr enger Rock erlaubten. Jetzt konnte sie das zusammengekrümmte Etwas im Garten liegen sehen. Es handelte sich um ein Mitglied der Palastwache, dessen grüne Uniform merkwürdig gut mit den grünen Blättern im Blumenbeet harmonierte. Der Wächter im Hof geriet ins Schwitzen; völlig außer sich versuchte er verzweifelt, ganz allein die Menschenmenge abzuwehren, die im Handumdrehen dort aufgetaucht war, wo sich noch kurz zuvor niemand aufgehalten hatte.

»Treten Sie bitte zurück!« rief er. »Mein Herr, Sie können doch nicht so einfach –«

»Ich bin Doktor Bittersohn«, stellte sich Sarahs Begleiter vor. Er war zwar Doktor der Kunstgeschichte, doch der Trick verfehlte seine Wirkung nicht. Die Neugierigen traten zurück, und der Wächter atmete erleichtert auf. Bittersohn beugte sich über den leblosen Körper.

»Schädelfraktur und gebrochenes Genick«, verkündete er. »Wer ist der Mann, kennen Sie ihn?«

»Sicher.« Der noch lebende Wächter befeuchtete sich die Lippen mit der Zunge. »Ich kann ihn an seiner abgetragenen Uniform erkennen. Das ist Joe Witherspoon, der älteste Angestellte hier. Der war schon hier, als Curley noch Bürgermeister war.«

»Wieso ist er denn dann nicht vom Balkongeländer weggeblieben?« witzelte ein Spaßvogel in der Menge.

Der Wächter schüttelte den Kopf. »Versteh’ ich auch nicht. Joe hatte doch auf dem Balkon überhaupt nichts zu suchen. Sein Posten ist im Tizian-Saal im zweiten Stock. Eine Menge Treppen für einen alten Mann, aber Joe wollte es partout so. Wundert mich eigentlich, daß er seine Freundin auch nur für eine Minute alleingelassen hat, wo sich hier heute viele Besucher aufhalten.«

»Was für eine Freundin?« fragte Bittersohn.

Der Wächter stieß ein verlegenes Lachen aus. »Wir nennen es immer den großen Tizian, es stellt die Schändung der Lucretia dar. Wir ziehen Joe immer damit auf, daß er eine Schwäche für diese Lucretia hat, wissen Sie. Ich meine natürlich, wir haben ihn immer damit aufgezogen.«

Inzwischen waren noch mehr Wächter eingetroffen,...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.