E-Book, Deutsch, 280 Seiten
Märchen aus Dänemark
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-0242-0
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 280 Seiten
ISBN: 978-3-8496-0242-0
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Erleben Sie die Märchen und Sagen aus aller Welt in dieser Serie 'Märchen der Welt'. Von den Ländern Europas über die Kontinente bis zu vergangenen Kulturen und noch heute existierenden Völkern: 'Märchen der Welt' bietet Ihnen stundenlange Abwechslung. Ein Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis dieses Buches: In des Wolfes Bau und Adlers Klau'. Fiddiwau. Des Königs Kapital. Zauberers Töchterlein. Die weiße Taube. Peter Ochs. Die lustigen Weiber. Der Schatz. Einer, der's faustdick hinter dem Ohr hat. Hans und Grethe. Die Träume. Das Siebengestirn. Die Wünsche. Der grüne Ritter. Die Prinzessin im Sarge. Wunder. Ritter Grünhut. Der Waldmensch. Wolf Königssohn. Die Zwillingsbrüder. Meiner Treu. Jungfer Lene von Söndervand. Die Wunschdose. Hans Meernixensohn. Der filzige Lars. Die Rehprinzessin. Prinz Irregang und Jungfer Miseri. Drei rothe Ferkelchen. Die stumme Königin. Die kluge Königin. Für drei Schillinge. Der Schusterjunge. Der Salbyer Rabe. Die folgsamste Frau. Der Lohn guter Thaten. Der treue Svend. Sünde und Gnade. In Hülle und Fülle. Die schwarze Schule. Die kleine Wildente Peter Rothut Klein Mette Die Mühle auf dem Meeresgrund Das Mädchen, das nicht schweigen konnte Das gestohlene Schwein Der faule Lars, der die Prinzessin bekam Der ungehobelte Bauer Der Gang in die Mühle Die klugen Studenten Die Schwalbe.
Weitere Infos & Material
Es war einmal ein Mann und der hatte sechs Söhne. Er gab ihnen aber keine Namen, wie sie andre Menschen haben, sondern nannte sie schlechtweg nach ihrem Alter: "Aeltester, Zweitältester, Drittältester, Drittjüngster, Zweitjüngster und Jüngster". Andere Namen hatten sie nicht.
Als der älteste achtzehn und der jüngste zwölf Jahre alt war, schickte sie ihr Vater in die Welt hinaus, damit jeder ein Handwerk lerne. Da zogen sie aus und gingen anfangs ein Stück Weg miteinander, bis sie zu einer Stelle kamen, an der sich ein doppelter Kreuzweg befand, so daß sechs Wege nach verschiedenen Richtungen auseinander führten; da wurden sie miteinander einig sich hier zu trennen und jeder sollte seinen eigenen Weg gehen. Aber am zweiten Jahrestag wollten sie alle wieder an derselben Stelle zusammenkommen und zusammen zu ihrem Vater heimkehren.
Am bestimmten Tag fanden sich alle richtig wieder an Ort und Stelle ein und gingen miteinander zu ihrem Vater. Der fragte nun einen jeden, was er für eine Kunst gelernt habe. Der "Aelteste" sagte, er sei ein Schiffsbaumeister geworden und könne Schiffe bauen, die von selbst gingen. Der "Zweitälteste" war zur See gegangen und Steuermann geworden und konnte ein Schiff ebenso gut über das Land als auf dem Wasser steuern. Der "Drittälteste" hatte nichts anderes als horchen gelernt, aber das konnte er nun so gut, daß er in dem einen Königreich hörte, was im andern vorging. Der "Drittjüngste" war ein Schütze geworden und jeder seiner Schüsse war ein Meisterschuß. Der "Zweitjüngste" hatte klettern gelernt, er konnte an der Wand hinaufgehen wie eine Fliege und keine Felswand war so steil, daß er sie nicht hätte erklettern können.
Als der Vater diese fünf angehört und erfahren hatte, was ein jeder von ihnen konnte, sagte er, daß es zwar recht gut und alles mögliche sei, daß er sich aber doch mehr von ihnen erwartet hätte; denn das, was sie da gelernt, könnten doch andere auch noch. Nun wollte er schließlich wissen, was der "Jüngste" gelernt hätte; auf ihn hatte er immer die größte Hoffnung gesetzt, es war ja sein Lieblings- und Schoßkind.
Der "Jüngste" war froh, endlich auch an die Reihe zu kommen, und antwortete ungemein vergnügt, daß er ein Meisterdieb geworden sei. Als der Vater das hörte, wurde er so böse, daß er ihn bei den Ohren nahm und rief: "Pfui der Schande, die du über mich und die ganze Familie gebracht hast!"
Da traf es sich zur selben Zeit, daß dem König des Landes seine liebreizende junge Tochter von einem bösen Zauberer gestohlen wurde. Und der König versprach sie demjenigen, der sie ausfindig machen und dem Zauberer wieder entreißen könnte, zur Frau und sein halbes Reich als Mitgift obendrein. Da wollten die sechs Brüder ausziehen und ihr Glück versuchen. Der Schiffsbaumeister baute ein Schiff, das von selbst ging. Der Steuermann steuerte es über Land und Meer. Der Horcher lauschte beständig nach allen Seiten herum und sagte endlich, daß er sie im Innern eines Glasberges höre. Dort segelten sie hin. Der Kletterer war in größter Geschwindigkeit oben auf dem Berg und erblickte den Zauberer darin, welcher seinen häßlichen Kopf auf dem Schoße der Prinzessin ruhen ließ und schlief. Da kletterte er wieder herunter, nahm den kleinen Meisterdieb auf den Rücken und stieg mit ihm ganz in den Berg hinein. Der Meisterdieb stahl dem Zauberer die Prinzessin unter dem Kopfe weg, ohne daß er es merkte, und der Kletterer trug dann alle zwei zum Schiff hinunter.
Sobald sie unten an Bord angekommen waren, segelten sie fort und der Horcher mußte unterdes auf den Zauberer Obacht geben. Als sie noch nicht allzuweit vom Land entfernt waren, sagte er zu den andern: "Jetzt erwacht der Zauberer, – jetzt reckt er sich, – jetzt vermißt er die Prinzessin, – jetzt kommt er!"
Da gerieth die Prinzessin in schreckliche Angst und sagte, es wäre nun aus mit allen, wenn sie keinen Meisterschützen bei sich an Bord hätten. Der Zauberer könne überallhin durch die Luft fahren und würde jetzt gleich bei ihnen sein. Er sei unverwundbar und kugelfest, ausgenommen an einem kleinen schwarzen Punkt mitten auf der Brust, der nicht größer als ein Stecknadelkopf sei. – Da kam der Zauberer auch schon durch die Luft gesaust. Der Schütze nahm ihn sogleich aufs Korn, schoß und traf ihn mitten in den schwarzen Punkt hinein. Und im selben Augenblick zersprang der ganze Zauberer in tausend und tausend feurige Stücke, daß die Splitter rauchend weit auseinander flogen, und daher stammen die vielen Feuersteine, die man allerwegen findet.
Die sechs Brüder langten endlich zu Hause an mit der Prinzessin und führten sie an ihres Vaters Hof. Alle waren in sie verliebt und jeder einzelne konnte mit vollem Recht von sich sagen, daß sie ohne ihn nicht gerettet worden wäre. Da war der König in großer Noth, denn er wußte nicht, welchem er seine Tochter geben solle. Und ebenso war die Prinzessin in großer Noth, denn sie wußte nicht, welchen sie am liebsten hatte.
Der liebe Gott wollte aber nicht, daß ein Streit zwischen ihnen entstehe, deshalb ließ er alle sechs Brüder und die Prinzessin in ein und derselben Nacht sterben. Dann versetzte er alle sieben als Sterne an den Himmel, und sie sind das, was man jetzt das Siebengestirn nennt. Der am meisten funkelnde Stern ist die Prinzessin, der matteste aber ist der kleine Meisterdieb.
Die Wünsche.
Es war einmal eine arme Frau, die hatte einen einzigen Sohn und der hieß Lars,1 aber er wurde allgemein nur der faule Lars genannt, denn er war so über alle Maßen faul, daß er rein nichts anderes thun wollte, als immer zu Hause in seiner Mutter Kachelofenwinkel hocken. Und wenn ihn seine Mutter bat, ihr irgend etwas zu besorgen oder einen Auftrag auszurichten, so war seine gewöhnliche Redensart: "Ja, wenn ich möchte!" Aber sonst war er seelengut und fügte sich gerne seiner Mutter – wenn er nur mochte.
Eines Tages fragte ihn die Mutter, ob er ihr nicht einen Eimer Wasser unten am Bach holen wollte. "Ja, wenn ich möchte!" sagte Lars und reckte und streckte sich oftmals, bis er sich endlich entschließen konnte, den Eimer zu nehmen und damit fortzugehen.
Er kam zum Bach hinunter und tauchte den Eimer auch unter, aber es dauerte doch eine gute Weile, bis er die Schnur wieder anfassen und den Eimer heraufziehen mochte. Er that es mit einem Ruck und darüber war jetzt Einer sehr wenig erfreut; denn der Eimer stand eine Weile ruhig am Grund des Baches, so daß er leicht eine Falle oder wie ein Netz für den kleinen Fisch sein konnte, der sich in denselben hinein verirrte und nicht mehr heraushuschen konnte, als der Eimer mit einem Ruck in die Höhe ging.
Als Lars also den Eimer aus dem Bach gezogen, schwamm der kleine Fisch wie verzweifelt darin herum. Das war nun noch in jener Zeit, als die Fische noch nicht stumm waren, wenigstens nicht alle; denn der kleine Fisch begann zu reden und bat den Lars, ihn wieder in den Bach hinaus zu lassen. "Nein," sagte Lars, "wozu denn? Bin ich schon einmal so unverhofft zu einem Fisch gekommen, so will ich ihn auch heimnehmen und ihn mir zum Abendessen braten."
Da sagte der Fisch: "Wenn du mich nehmen und wieder in den Bach hinauslassen wirst, dann will ich dir drei Wünsche gewähren: dreimal darfst du dir etwas wünschen und es wird in Erfüllung gehen."
Ja, das ist eine andere Sache, dachte Lars und packte dann den Fisch beim Schwanze und schleuderte ihn wieder in den Bach zurück. Darauf wollte er nach Hause gehen mit seinem Eimer.
Aber jetzt war er bedeutend schwerer voll heim-, als leer zum Bach herunterzutragen und Lars kam nicht weiter als ein paar Schritte vorwärts zu der Stelle hin, wo seine Mutter zu stehen und zu waschen pflegte, und da stand ihre Waschbank und lag ihr Waschbrett. Da war Lars schon müde, drum stellte er den Eimer auf die Waschbank und setzte sich daneben rittlings über die Bank; er wollte ein wenig von der großen Anstrengung ausschnaufen.
Da fiel es ihm auf einmal ein, daß er es jetzt gleich probiren könne, ob er auch einen Nutzen habe von den drei Wünschen, die ihm der Fisch gewährt hatte; und dann wünschte er sich, daß ihn diese Waschbank überall hintragen müsse, wohin er nur wollte, über Wasser und Land. Denn dann brauchte er ja nie mehr zu gehen. Zuerst wollte er mit dem Eimer nach Hause, und sobald er sich das gewünscht hatte, erhob sich die Waschbank und segelte mit ihm und dem Eimer durch die Luft zu seiner Mutter Haus hin.
"Das war lustig," dachte Lars, "auf diese Weise mag ich noch weiter herumreiten." Und so ritt er weiter, rittlings auf der Waschbank und vor sich den Eimer. So kam er an des Königs Schloß vorbeigeritten und da traf es sich, daß gerade des...




