E-Book, Deutsch, 308 Seiten
Reihe: Eifelbildverlag
Magin Rätsel und Mysterien der Eifel
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-98508-601-6
Verlag: Eifelbildverlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 308 Seiten
Reihe: Eifelbildverlag
ISBN: 978-3-98508-601-6
Verlag: Eifelbildverlag
Format: EPUB
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Ulrich Magin, geboren 1962, ist freier Autor, Übersetzer und Lektor. Neben Büchern über moderne Sagen und geheimnisvolle Phänomene hat er zwei Romane sowie Artikel für u. a. Fortean Times und ZEIT Verbrechen geschrieben. Im Regionalia Verlag erschienen von ihm »Sagen und Legenden aus der Pfalz« und »Magische Mosel«.
Autoren/Hrsg.
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Inhaltsverzeichnis
I. Mysteriöse Orte
1. Wo man die Schwerkraft leicht nimmt ...
– kuriose und geheimnisumwitterte Bauwerke und Orte
2. Unergründliche Maare – Sagen und Erscheinungen in den Himmelsaugen der Eifel
3. Feuerphänomene – wie unruhig ist die Erde unter der Eifel?
4. Von verborgenen Stollen, geheim gehaltenen Bunkern und eisigen Kellern – geheimnisvolle Welten unter der Erde
5. Vom Bomber, der nicht zu finden war, zu verschwundenen Menschen – Gibt es ein Bermuda-Dreieck in der Eifel?
II. Geheimnisvolle Erscheinungen
6. Das Grabtuch Christi und die Vision von der Jungfrau Maria – Mirakel und Erscheinungen der religiösen Art
7. Poltergeister und Gespenster – Spuk in der Eifel
8. Die Fliegende Spinne von Eschweiler und kleine Graue bei Trier – außerirdische Besucher oder Fehldeutungen?
9. Kugelblitze und Geisterlichter – ungewöhnliche und unheimliche Leuchterscheinungen
10. Eismeteoriten, Luftbilder und Himmelsknalle
– faszinierende und unheimliche Naturphänomene
III. Unbekannte Tiere
11. Aale an Land und Kröten im Stein
– Zoologische Rätsel und Wunder der Tierwelt
12. Wölfe, Werwölfe, Panther, Pumas und Geisterkatzen
– unheimliche Freunde auf vier Pfoten
13. Yetis, Seeschlangen und Drachen
– Monster und Ungetüme
IV. Verborgene Vergangenheit
14. Atlantis in der Eifel und Kosmonauten der Vorzeit
– die phantastische Archäologie der Eifel
15. Ururmenschen, Menhire, Dolmen, Leys und Totenwege
– Archäologische Anomalien in Eifel und Ardennen
16. Wo liegt Karl der Große begraben?
– Geheimnisse der Geschichte
17. Leichenfabriken, Nieren- und Katzendiebe
– Verschwörungen und Fake News
Anmerkungen
Wo man die Schwerkraft leicht nimmt… kuriose und geheimnisumwitterte Bauwerke und Orte
Indiana Jones hat schon in der Eifel geforscht – das »Schloss Brunwald« im Film Indiana Jones und der letzte Kreuzzug von 1989 ist, zumindest bei den Außenaufnahmen, Schloss Bürresheim bei Mayen. Bürresheim ist nicht das einzige kuriose Eifelschloss: So viele Fenster wie das Jahr Tage, so viele Zimmer wie das Jahr Wochen und so viele Türme wie das Jahr Monate hat, weise das Wasserschloss Merode am Fuß der Rureifel bei Düren auf, meint der Volksmund (und irrt sich). Schloss Kobern, die einzige Wasserburg des Mosellands, stand 1971 genau auf der Route der geplanten Bundesstraße 416, zum Ausweichen war durch eine nahe Bahnlinie und das ohnehin schmale Moseltal kein Platz. Also entschieden sich die Planer zu einer ziemlich rustikalen Lösung, die heute den Denkmalschützern wohl die Zornesröte ins Gesicht treiben würde: Sie bauten einen Straßentunnel quer durch die Burganlage aus dem 12. Jahrhundert. Und nun ist Schloss Kobern der einzige historische Bau mit Autoverkehr und Überholverbot im Innern!
Römervilla mit Autobahnanschluss (Raststätte Moselblick). (Foto: Ulrich Magin)
Nicht nur Schlösser haben es hier in sich, auch Kirchen und Kapellen: Auf dem Turm der Stadtkirche Monschau sitzt kein Kreuz, kein Hahn, sondern … ein goldener Wetterschwan. In Buchen in der Schnee-Eifel hat eine Kapelle die Form eines Buchenblatts. Bei der Pfarrkirche St. Clemens in der Innenstadt von Mayen, 1296 erstmals erwähnt, sitzt auf einem Turm eine wie ein Korkenzieher gedrehte Haube, zudem schief, weil – so die Sage – der Teufel daran gezogen habe. Einen ähnlich verdrehten Turm gibt es auch im nahe gelegenen St. Pankratius in Kaisersesch. In Roth an der Our wurde anno 1228 eine Templerkommende gegründet, die nach der Auflösung des Ordens an die Johanniter fiel. Welche Geheimnisse verbarg der von Verschwörungstheorien umwehte Orden dort? Vermutlich keine, beruht doch das meiste, was Sensationsautoren über die Tempelritter verlauten lassen, auf Falschdarstellung und Kolportage. Apropos Falschdarstellung: Der Eifelort Hengasch, Schauplatz der erfolgreichen ARD-Krimireihe Mord mit Aussicht, ist natürlich fiktiv, aber die Drehorte liegen gar nicht in der Eifel, sondern im Oberbergischen, in den Gemeinden Marienheide-Gimborn, Ründeroth, Oberstaat und Oberberg. Die Eifel sieht, so scheint es, für Filmemacher nicht genug nach Eifel aus. Dabei gibt es, die Auflistung zeigt das überdeutlich, mehr als genug schrullige Orte: eine ausgegrabene römische Villa mitten auf der Autobahn (in der Zubringerschleife zur Raststätte Moselblick an der A 61) oder den Sternenpark Nationalpark Eifel, einen der wenigen Orte hierzulande, in denen man die Milchstraße mit eigenen Augen sehen kann. Und die Ahr … entspringt in einem Fachwerkhaus in Blankenheim!1
Was hätte George Lucas’ Meisterarchäologe in der Eifel aufspüren können? Schließlich gibt es neben diesen eher skurrilen auch jede Menge echter und vorgeblich geheimnisvoller Orte in der Eifel!
Schwerelos in Schleiden
Existiert auf einer Bundesstraße in der Eifel keine Schwerkraft mehr? So kann man es zumindest vielerorts lesen und – auf Videoclips im Internet – auch sehen: zwischen Schleiden und Schöneseiffen sollen auf zwei Abschnitten der B 258 Gegenstände bergauf rollen! 200 Meter vor dem Ortsausgang Schleiden in Richtung Monschau, gegenüber einem Campingplatz, steige die Straße 500 m lang an. Lege man auf dieses Stück eine schwere Metallkugel, dann rolle sie nicht, wie zu erwarten wäre, bergab, sondern ganz im Gegenteil den Berg hinauf! Solche »Magnetberge« gibt es in Italien, aber anlässlich einer TV-Sendung über Mysterien präsentierte Rainer Holbe in den 1990er-Jahren das Eifeler Beispiel. Viele Mysteryjäger machten sich auf und waren erstaunt. So wie Viktor Farkas. Unter allen Gravitationsanomalien der Welt schieße Schleiden den Vogel ab, »wo auf einem Fahrbahnstück nahe des Ortsausgangs nur an bestimmten Tagen Flaschen den Berg hinauf rollen oder verschüttetes Wasser nach oben fließt.«2
Allerdings: Stimmen diese sensationellen Erzählungen wirklich? »Magnetberg, Magie oder Mumpitz?«, fragte der Trierische Volkfreund Anfang 2014. Und fand einen Grund, warum PKWs wie von Geisterhand gezogen einen Berg hinaufrollten, Wasser in die falsche Richtung floss und Bälle und Flaschen der Schwerkraft widerstanden. Ähnliche »Magnetberge« hatten nämlich die italienischen Physiker Paola Bressan, Luigi Garlaschelli und Monica Barracano von den Universitäten in Padua und Pavia untersucht. Sie fanden heraus: »Mystery Spots treten meist in bergigen Gegenden auf. Allen gemein ist: Der Besucher kann an den vermeintlich magischen Orten keine Horizontlinie finden. Nicht die Physik ist irritiert, sondern der Mensch. Ohne optischen Bezugspunkt kann das Gehirn räumliche Strukturen nicht mehr korrekt deuten und gibt das fehlgeleitete Signal: Es geht bergauf.« Das zeigten die Wissenschaftler mit einem zweieinhalb Meter langen und einem Meter breiten Guckkasten: »Innen befanden sich verschiedene verstellbare Holzbretter. Ihre Neigungen stellten die räumlichen Bedingungen von Straßen an verschiedenen Mystery Spots nach. Studenten mussten dann durch ein Loch in die Kisten schauen und angeben, welches Brett abschüssig, steigend oder eben ist. Die Versuchsergebnisse waren eindeutig: Je nachdem, wie die Bretter eingestellt wurden, nahmen die Probanden die Neigungen falsch wahr. Es zeigte sich, dass der wichtigste Orientierungspunkt der sichtbare Horizont ist. Fehlt er, versucht das Gehirn, die Situation zu interpretieren und kommt zu falschen Ergebnissen.«
Es geht in Schleiden also nicht bergauf, sondern bergab – und die rollende Kugel gehorcht den Gesetzen der Physik.3
Die Mumie in der Kirche
Nicht viele deutsche Orte haben echte einheimische Mumien zu bieten. Zu den wenigen gehört Sinzig mit dem »Ledermännchen« in der katholischen Pfarrkirche St. Peter. Geheimnisumwoben war die Mumie vor allem zur Zeit ihrer Auffindung, als sich zahllose Legenden um sie zu ranken begannen. Heute ist ihr Rätsel in großen Teilen geklärt.
In der spätromanischen Sinziger Pfarrkirche St. Peter wird die Mumie des »Vogts« aufbewahrt. (Foto: Doris Antony, Berlin, wikimedia)
Bei dem Toten handelt es sich um Johann Wilhelm von Holbach, den Vogt der jülichen Herzöge in Sinzig und Remagen. Er starb am 10. März 1691 und wurde in der Maria-Magdalenen-Kapelle zu Sinzig bestattet (1815 abgebrochen). Ein Hochwasser riss den Sarg im Jahr 1700 aus der Kapelle. Schon damals scheint niemand mehr gewusst zu haben, wer der Tote war, man stellte aber fest, dass der Leichnam unverwest geblieben war, und diese Unversehrtheit war weder auf Konservierung noch auf Balsam oder Salben zurückzuführen. Anfangs scheint man mit der Leiche, schnoddrig »Ledermännchen« oder »lederner Lappes« genannt, nicht besonders pietätvoll umgegangen zu sein. Man führte ihn sogar auf Fastnachtsumzügen durch das Dorf.4
Um die Mumie wurde »erst im 18. Jahrhundert die Legende gesponnen […], es sei das ein Heiliger des Mittelalters«. Die Legenden meinten, der Unverweste sei ein Einsiedler aus Altenahr gewesen oder sogar der Schlossvogt der hl. Helena, jedenfalls aber ein »Heiliger«.
Die Volkslegenden, die die Kirche nie unterstützte, zogen bald Geschäftemacher an. Am 2. August 1797 stellte der Pfarrer von Sinzig eine Quittung über die Entnahme der Leiche aus, ein Herr Keil nahm dann den »Heiligen« und zeigte ihn, »wie sich aus Aufzeichnungen eines Kölner Augustiners ergibt, […] auf dem Weg nach Köln Bürgern und Bauern gegen eine Gebühr […] ›mit dem ohne Zweifel trügerischen Vorgeben, das Geld sei für die Armen‹.«5
Von Köln gelangte die Mumie nach Paris, das sich im Taumel der Revolution befand. Erst 1815 kehrte der »heilige Vogt« nach Sinzig zurück. In den 1970er-Jahren konnte man mit der recht präzisen C14-Methode das Alter recht genau auf 310 Jahre vor Messung, plus/minus 40 Jahre, also auf die Zeit von 1630 bis 1710 bestimmen. (4)
Warum verweste der »Sinziger Vogt« nicht? Eine Lösung bot im 19. Jahrhundert die populäre Zeitschrift Die Gartenlaube, allerdings im Brustton des antikatholischen Impetus, der dieser staatstragenden preußischen Postille eigen war: Die Kirche in Sinzig »liegt […] auf der Spitze eines Hügels und besaß früher eine nunmehr verschüttete Unterkirche, welche dem einen oder andern der benachbarten adeligen Geschlechter als Begräbnißstätte diente. Durch die angebrachten Oeffnungen fand lebhafter Luftzug statt, welcher die allmähliche Austrocknung der Leichen verursachte. Als weiteres begünstigendes Moment trat noch hinzu, daß der Untergrund des Hügels aus porösem, trockenem Gestein besteht, das durch Absorption von Feuchtigkeit den Vertrocknungsproceß beschleunigen half. Eine Bestätigung der Annahme, daß die Mumie mit solchem Gestein in Berührung gekommen, ergab die chemische Analyse einiger der Haut anhaftenden Partikelchen einer grauweißen Masse, welche sich als kohlensaurer Kalk von tuffsteinartiger Structur herausstellte.
Bis zu welchem Grade die Austrocknung fortgeschritten ist, ist aus der Thatsache ersichtlich, daß die ganze Mumie nur ein Gewicht von dreizehneinhalb Pfund aufweist. […]...




