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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, Band 1, 386 Seiten
Reihe: Keys of Zodan
Mahn Keys of Zodan: Wiederkehr 1
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7562-9145-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1, 386 Seiten
Reihe: Keys of Zodan
ISBN: 978-3-7562-9145-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sandra Mahn wurde am 09.02.1989 in Freital geboren. Sie ist verheiratet und Mutter einer Tochter. Bereits während ihrer Schulzeit entdeckte sie das Interesse am Kreativen Schreiben und Zeichnen. Sie verfasste als Redakteurin Beiträge für die Schülerzeitung in Mittel- und Berufsschule und nahm an einem Schüler-Autoren-Schreibwettbewerb teil. Außerdem veröffentlichte sie mehrere Kurzgeschichten auf Online-Plattformen. Nach vollendetem Abitur absolvierte sie eine Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin, aber blieb ihrer Leidenschaft des Schreibens und Zeichnens stets treu. Im Februar 2021 gründete Sandra Mahn die Auftragsmalerei SanmahPicture, unter deren Namen sie unter anderem die Illustrationen der Charaktere ihrer Fantasy-Roman-Reihe "Keys of Zodan" und den für 2023 geplanten Manga "Blue Eye Lie" veröffentlicht. Weitere Informationen auf www.sanmahpicture.de oder Instagram @Sanmahpicture
Autoren/Hrsg.
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KAPITEL 1
„Fünfunddreißig“, protze ich und setze ein breites Grinsen auf, während ich in die ungläubigen Augen meines Freundes Olli blicke.
„Das glaube ich dir nicht.“ Er schüttelt den Kopf.
Olli und ich sind zum ersten Mal im 696. Der Club ist neu und befindet sich direkt in der Innenstadt. Nur fünf Minuten zu Fuß von der Bushaltestelle Reichenbachstraße entfernt. Die Musik ist laut, das Licht diffus, die Luft stickig und überall sind Menschen.
Ich finde es hier irre aufregend. Diese Samstagnacht machen wir einen drauf. Olli ist heute achtzehn geworden. Das wird ordentlich gefeiert.
„Never, Milli. Das schaffst du nicht“, antwortet er auf meine Behauptung.
„Wetten?“
Ich kenne Olli seit der Grundschule. Wir hatten unsere Startschwierigkeiten, aber ab dem Gymnasium sind wir die besten Freunde geworden, obwohl wir komplett unterschiedliche Menschen sind. Zu unserer Clique gehören noch Caro und Aiche. Zusammen besuchen wir die zwölfte Klasse des städtischen Gymnasiums und verbringen auch unsere Freizeit größtenteils zusammen. Jedoch hat Aiche Zahnschmerzen und bleibt deswegen heute zu Hause. Caro leistet ihr Beistand, weshalb die Geburtstagsfeier ohne die beiden stattfinden muss.
Aber vielleicht ist es besser, wenn die Mädels heute nicht dabei sind. Olli ist seit der sechsten Klasse unsterblich in Caro verliebt. Er baggert sie ständig an, was ihr auf den Wecker geht. Sie steht nicht auf ihn, aber der liebestolle Idiot will es nicht wahrhaben. Ab und zu kippt deshalb die Stimmung. Das nervt.
„Fünfunddreißig Sekunden, das schaffst du nie“, ruft Olli, als wir an der Bar ankommen.
Die Leute gehen zur lauten Musik richtig ab. Unter ihnen ist Antonia. Ich habe schon seit einer Weile ein Auge auf sie geworfen. Sie geht in unsere Parallelklasse.
„Wenn ich es nicht schaffe, zahl ich heute.“
„Nie und nimmer bekommst du von Blondie in der kurzen Zeit einen Kuss. Die meldet dich der Security wegen sexueller Belästigung und wir fliegen raus, weil du noch nicht einmal volljährig bist.“
„Ach, labere nicht“, antworte ich, trinke mein Bier leer und visiere erneut mein Ziel an.
Antonia bewegt sich gut zur Musik. Sie hat einen astreinen Hüftschwung. Das blaue Kleid erledigt den Rest. Sie schreit förmlich danach, von einem Typen abgeschleppt zu werden. Und dieser Typ werde ich sein.
„Jo Alter, lass es einfach“, versucht mich Olli immer noch vom Gegenteil zu überzeugen. „Das wird nur peinlich und teuer für dich.“
„Fünfunddreißig und ich bekomme keine Ohrfeige nach dem Kuss.“
„Haha, lol, NEVER. Aber mach halt, du hörst ja eh nicht auf mich. Ich freue mich schon jetzt auf den kostenlosen Abend. Ich werde extra viel saufen zur Feier des Tages.“ Der Rotschopf holt sein Handy aus der Tasche und öffnet die Stoppuhr-App. Er sieht mich herausfordernd an. „Stell dich auf paar Überstunden bei Luigi ein“, grinst mein bester Freund.
„Und du, verabschiede dich von deiner Kohle“, erwidere ich. Olli lacht, prostet mir zu und startet die Uhr.
Mein Weg bahnt sich durch die Massen bis zu Antonia. Sie tanzt mit ihren Freundinnen in der Gruppe.
„Hi“, sage ich selbstbewusst, nachdem ich mich angenähert habe. „Antonia, richtig?“
Sie nickt und legt sich eine Haarsträhne hinters Ohr.
Die drei anderen Mädels beobachten uns und kichern. Das stört mich nicht. Ich habe eine Wette zu gewinnen und mein Ego aufzuwerten.
„Und du bist?“, fragt Antonia zickig.
„Milan Wolff. Ich muss dich um einen Gefallen bitten.“
„Was?“, fragt sie unsicher.
Ich verschwende keine weitere Zeit, greife sie an den Schultern, beuge mich zu ihr hinunter und küsse sie. Antonia ist entsetzt, aber nicht angeekelt. Ich möchte es nicht gleich übertreiben und lasse von ihr ab, nachdem ich meine Wette gewonnen habe.
Die Mädchen um uns herum lachen. Sie sind von der Situation ebenso überfahren wie Antonia. Sie blickt mich perplex aus ihren blauen Augen an und wird rot.
„Danke“, sage ich lächelnd.
Ich drehe mich etwas, um den Blick auf Olli an der Bar freizugeben. Er hat alles beobachtet und prostet mir geschlagen mit der Bierflasche zu.
Ich grinse in seine Richtung und erfreue mich an seiner Anerkennung. Die Wette habe ich gewonnen. Das bedeutet: Keine Überstunden bei Luigi.
Ich arbeite nach dem Unterricht in seiner Pizzeria, um mein Taschengeld aufzubessern. Nächsten Sommer schließe ich die Schule ab.
Was ich danach machen will, weiß ich noch nicht. Ich bin planlos, was meine Zukunft angeht. Ich weiß nur, dass ich weder im Hotel noch im Etablissement meines Stiefvaters arbeiten werde. Mein Stiefvater gründete das Restaurant, nachdem Tanja geboren wurde. Die Geschäfte liefen gut und er erweiterte seinen Betrieb um ein Hotel.
In dieser Zeit wurde ich adoptiert, damit sich meine Eltern mit ihrer Nächstenliebe schmücken konnten. Sie waren auf der Überholspur, die Geschäfte florierten. Sie schwammen im Geld. Zeit für uns Kinder blieb nicht. Ich war fast immer allein, bekam nie etwas zu essen gekocht und wurde regelmäßig von meinem Stiefvater verkloppt, war er mal da. Meine Stiefmutter sah in den Momenten weg und ignorierte meine Hilfeschreie. Ich hasste sie wie ihren Mann und war deswegen nicht traurig, als sie vor meinem neunten Geburtstag bei einem Autounfall ums Leben kam. Ich vermisste sie keine Sekunde.
Tanja war die Einzige, die ich aus meiner Familie leiden konnte. Mit dreizehn verliebte ich mich in sie und hegte tiefe Gefühle, die sie sehr wohl wahrnahm und ausnutzte. Ohne es zu wissen, erfüllte sie mit mir ihre Fantasie und wir landeten nach meinem sechzehnten Geburtstag im Bett. Ich verliebte mich noch mehr in sie. Als sie zwei Tage später mit einem fremden Typen aufkreuzte und ich begreifen musste, dass sie mich verarscht hatte, brach für mich die Welt zusammen. Es war wie ein Faustschlag ins Gesicht, der mir aufzeigte, dass ich ganz allein war.
Allein bin ich noch immer. Daran wird sich wahrscheinlich auch nie etwas ändern. Ganz egal wie viele Mädchen ich aufreiße oder wie oft ich den coolen Obermacker mime – die Einsamkeit bleibt.
„Hast du eine Erklärung für dein Verhalten?“, reißt Antonia mich aus meinen Gedanken.
„Der Typ da ist Olli. Vielleicht kennst du ihn. Er geht auch mit in meine Klasse.“
„Aha“, meint sie verwirrt.
„Er hat heute Geburtstag – seinen Achtzehnten. Wir haben gewettet.“
„Gewettet?“ Verdutzt blickt sie mich an.
Ich nicke und greife mir verlegen an den Hinterkopf. „Ja, na ja, eine dumme Sache eigentlich, aber wir konnten uns nicht einigen, wer heute die Rechnung bezahlt. Da haben wir eben darum gewettet, ob ich es schaffe, in fünfunddreißig Sekunden einen Kuss von dir zu bekommen. Wenn du willst, lade ich dich auch gern auf einen Drink ein. Als Wiedergutmachung.“
„Wow, das ist ganz schön frech“, antwortet sie und grinst mich verwegen an. Antonia ist nicht wütend. Ganz im Gegenteil. Sie hat Gefallen an mir gefunden. „So direkt hat mich noch keiner angemacht.“
„Jaja“, lacht eine ihrer Freundinnen scheinheilig.
Antonia verdreht die Augen, aber lässt sich nicht aus der Fassung bringen. Sie streicht mir über den Arm und kommt einen Schritt auf mich zu.
„Dann gib mir mal einen Drink aus, Milan. Das ist das Mindeste.“
„Klar“, antworte ich selbstbewusst und greife ihre Hand. Wir verlassen die Tanzfläche unter den grölenden Rufen der anderen Mädchen.
Triumphierend kehre ich mit meiner Beute zu Olli zurück. Er begrüßt Antonia überschwänglich.
„Können wir nicht etwas alleine machen?“, fragt sie mich genervt.
„Nee, Olli hat Geburtstag“, antworte ich.
„Ja, ich bin ab heute erwachsen“, lacht er.
„Na herzlichen Glückwunsch …“ Sie rollt mit den Augen und wendet sich von Olli ab. Sanft streichelt ihre Hand über meinen Oberarm. Ihre Finger wandern dann weiter zu meinem Kragen. Sie zupft ein wenig daran, während sie provokant meine Augen fixiert. „Wie schade. Ich dachte, da kommt noch mehr nach dem Kuss“, seufzt sie andächtig. „Tschja, kann man wohl nichts machen. Dann bestelle ich mir jetzt meinen Drink und verschwinde.“ Sie wendet sich an den Barkeeper, um ihr Bier zu ordern.
Zeit für mich, meinen besten Freund bettelnd anzusehen. Olli versteht mich ohne Worte. Er ist nicht begeistert, jedoch nickt er mir zu.
Als sich Antonia ihr Getränk schnappt und vom Barhocker gleitet, lege ich provokant meinen Arm um ihren Hals und ziehe sie an mich. Meine Hand streicht dabei leicht über ihr Schlüsselbein, womit ich sofort ihr Interesse auf meiner Seite habe.
„Oh, hast du es dir anders überlegt?“
„Ein paar Minuten kann ich mich von der Party davonstehlen“, zwinkere ich ihr zu.
„Ich seh auf die Uhr“, knurrt Olli.
„Wenn du sonst nichts zu...




