E-Book, Deutsch, 577 Seiten
Maier Die Ordnung des Himmels
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-406-72013-0
Verlag: C.H.Beck
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eine Geschichte der Religionen von der Steinzeit bis heute
E-Book, Deutsch, 577 Seiten
ISBN: 978-3-406-72013-0
Verlag: C.H.Beck
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Seit Urzeiten erkunden Menschen den Willen der Götter, befolgen deren heilige Ordnung und hoffen auf Erlösung. Bernhard Maier beschreibt anschaulich die Geschichte der Religionen von den frühesten Grabkulten über die Weltbilder des Alten Orients und den Monotheismus bis zu den heutigen Religionskonflikten und der individuellen Suche vieler Menschen nach Heil. Die Ordnung des Himmels ist ewig. Sie zeigt sich am Lauf der Gestirne und der Jahreszeiten, wird von Priestern und Theologen erforscht, in heiligen Schriften niedergelegt, in Ritualen bekräftigt, in der Ethik befolgt, in Mythen und Predigten an die nächste Generation weitergegeben. Doch tatsächlich befindet sich diese Ordnung in einem ständigen Wandel - abhängig von Aufstieg und Untergang von Reichen, der Wanderung von Völkern und Ideen oder den Neuerungen religiöser Virtuosen. Bernhard Maier geht diesen Veränderungen im Lauf der Weltgeschichte nach. Dabei gelingt es ihm meisterhaft, die Eigenheiten großer und kleiner Religionen prägnant zu porträtieren, parallele Entwicklungen in Schlüsselepochen deutlich zu machen und Mythologien, Zeitvorstellungen oder heilige Stätten miteinander zu vergleichen. Wer seinen eindrucksvollen Überblick gelesen hat, wird besser verstehen, warum Religionen auch heute noch so machtvoll sind und selbst eingefleischte Skeptiker zutiefst faszinieren.
Bernhard Maier ist Professor für Allgemeine Religionswissenschaft und Europäische Religionsgeschichte an der Universität Tübingen. Bei C.H.Beck erschienen von ihm u. a. die erfolgreichen Standardwerke Die Religion der Kelten (32016) und Die Religion der Germanen (2003).
Autoren/Hrsg.
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Weitere Infos & Material
1;Cover;1
2;Titel;3
3;Zum Buch;577
4;Über den Autor;577
5;Impressum;4
6;Inhalt;5
7;Einleitung;11
8;Erster Teil Von den Anfängen bis zum Ende der altorientalischen Großreiche;17
8.1;Ur- und Vorgeschichte;19
8.2;Ägypten und Mesopotamien;21
8.3;Altiran und Altkleinasien;24
8.4;Syrien, Palästina und der Mittelmeerraum;26
8.5;1. Bestattungen: Älteste Zeugnisse von Religion?;28
8.5.1;Vorgeschichtliche Bestattungen und ihre Deutung;28
8.5.2;Bestattungen als gemeinschaft liches Ritual;31
8.5.3;Gräber als Ausdruck kollektiver Identität;34
8.5.4;Totenfürsorge und -abwehr;39
8.5.5;Frühe Seelenvorstellungen;41
8.6;2. Unfassbar nah und unerreichbar fern: Götter und Göttinnen;43
8.6.1;Altsteinzeitliche Götterbilder?;43
8.6.2;Götter und Göttinnen der Jungsteinzeit;44
8.6.3;Die Götter und die Weltordnung in Ägypten, Mesopotamien und Indien;46
8.6.4;Wirkungsweisen von Göttern in frühgeschichtlichen Kulturen;49
8.6.5;Echnatons Monotheismus;54
8.7;3. Zeichendeutung, Opfer und Gebet: Formen der Interaktion;58
8.7.1;Traumdeutung, Omina, Opferschau und Orakel;58
8.7.2;Anlässe, Zwecke und Formen des Opfers;63
8.7.3;Riten zur Tilgung von Sünden;66
8.7.4;Opfer, Weihung und Bann;69
8.7.5;Lieder, Gebete, Beschwörungen;72
8.8;4. Heilige Räume und Zeiten: Kultstätten und Tempel, Alltag und Feste;76
8.8.1;Höhlen als altsteinzeitliche Kultstätten;76
8.8.2;Die frühesten Heiligtümer Alteuropas;78
8.8.3;Ägyptische und griechische Tempel;81
8.8.4;Der Bau eines Tempels im Alten Orient;84
8.8.5;Zeitrechnung und Kalender;87
8.8.6;Feste im Alten Orient und in Alteuropa;89
8.9;5. Ausdruck früher Weltbilder: Mythen und ihre Deutung;93
8.9.1;Die Mythen Homers und ihre Rezeption;94
8.9.2;Altindische Mythen;99
8.9.3;Mesopotamische Mythen;102
8.9.4;Germanische Mythen?;105
8.9.5;Ansätze einer vergleichenden Mythenforschung;106
9;Zweiter Teil Vom Hellenismus bis zum Aufstieg des Islams;109
9.1;Der Mittelmeerraum;110
9.2;Indien;112
9.3;China;114
9.4;6. Das Unheil der Welt: Religionen als Erlösungswege;116
9.4.1;Der Begriff der Achsenzeit;117
9.4.2;Daoismus und Konfuzianismus;119
9.4.3;Die Wiedergeburtslehre der Upanischaden;125
9.4.4;Der Buddhismus;127
9.4.5;Der Jinismus;132
9.4.6;Die Religion Israels und die Entstehung des Judentums;134
9.5;7. Anpassung durch Wandel: Formen wechselseitiger Beeinflussung;138
9.5.1;Zarathustra und der Zoroastrismus;139
9.5.2;Das hellenistische Judentum;142
9.5.3;Religion und Philosophie im Hellenismus;145
9.5.4;Die Anfänge des Christentums;148
9.5.5;Gnosis und Manichäismus;151
9.5.6;Die Anfänge des Islams;156
9.6;8. Fixierung der Off enbarung und Kanonisierung: Heilige Schrift en;160
9.6.1;Der Pali-Kanon und seine Rezeption in Europa;161
9.6.2;Die Entstehung der Bibel;163
9.6.3;Apokryphen und Pseudepigraphen;167
9.6.4;Koran und Hadith;171
9.7;9. Verfolgung, Duldung, Förderung: Religion und Politik;175
9.7.1;Der Buddhismus in Indien;175
9.7.2;Die Christianisierung des Römischen Reichs und seiner Nachfolgestaaten;178
9.7.3;Die frühe Ausbreitung des Islams;184
9.8;10. Differenzierung und Spezialisierung: Lebensformen und Organisation;189
9.8.1;Das buddhistische Mönchtum;191
9.8.2;Die Rabbinen und ihre Literatur;193
9.8.3;Die Entstehung der christlichen Volkskirche;196
9.8.4;Askese und Mönchtum im Abendland;199
9.8.5;Die Leitung der Gemeinde im frühen Islam;202
9.8.6;Parallelen und Analogien;204
10;Dritter Teil Europa und Asien im Zeichen der Weltreligionen;209
10.1;Die christlichen Reiche Europas;210
10.2;Das Gebiet des Islams;212
10.3;Die buddhistischen Regionen Asiens;214
10.4;11. Mission und Herrschaft sanspruch: Krieg und Konversion;216
10.4.1;Die letzten Heiden Europas;217
10.4.2;Die Ausbreitung des Islams in Asien;221
10.4.3;Kreuzzüge und Reconquista;226
10.4.4;Der Buddhismus in Tibet,China, Korea und Japan;229
10.5;12. Zwischen Toleranz und Zwangsbekehrung: Religiöse Minderheiten;236
10.5.1;Juden und Muslime unter christlicher Herrschaft;236
10.5.2;Juden und Christen unter muslimischer Herrschaft;241
10.5.3;Abweichler und Abtrünnige im Christentum und im Islam;245
10.5.4;Kultureller Austausch;250
10.6;13. Religion im Alltag: Ausdrucksformen der Frömmigkeit;252
10.6.1;Religion im Tagesablauf und Jahreskreislauf;253
10.6.2;Versammlungsräume und Gotteshäuser;260
10.6.3;Funktionen der Wallfahrt;264
10.7;14. Der Einzelne und sein Gott: Formen der Mystik;269
10.7.1;Die Anfänge der christlichen Mystik;270
10.7.2;Der islamische Sufismus;274
10.7.3;Formen jüdischer Mystik;277
10.7.4;Theistische und nicht-theistische Mystik in Indien;279
10.7.5;Einheit und Vielfalt mystischer Erfahrungen;281
10.8;15. Bewahrung, Anpassung, Erneuerung: Die Auslegung der Offenbarung;283
10.8.1;Muslimische Exegeten und Rechtsgelehrte;284
10.8.2;Jüdische Philologen und Philosophen;287
10.8.3;Reformbewegungen im Christentum;290
10.8.4;Die Jesiden;295
10.8.5;Der Sikhismus;297
11;Vierter Teil Von der Entdeckung Amerikas bis zum Ende des Zeitalters der Aufklärung;301
11.1;Europa;302
11.2;Amerika;304
11.3;Afrika;307
11.4;Asien;308
11.5;16. Wege in die Neuzeit: Territorialisierung und Konsolidierung;312
11.5.1;Reformation und Konfessionalisierung in Europa;312
11.5.2;Sunniten, Schiiten und Ibaditen;320
11.5.3;Der Neokonfuzianismus unter den Ming und Qing;325
11.5.4;Nichiren-Buddhismus und Neokonfuzianismus in Japan;328
11.6;17. Alte Welt, Neue Welt: Missionsbewegungen und Akkulturation;331
11.6.1;Die christliche Mission in Indien, China und Japan;332
11.6.2;Die christliche Mission in Amerika;335
11.6.3;Die Ausbreitung des Islams in Afrika und Indonesien;340
11.7;18. Die letzten ihrer Art: Ethnische Religionen in der Neuzeit;344
11.7.1;Die Religion der Maya;344
11.7.2;Die Religion der Azteken;347
11.7.3;Die Religion der Inka;350
11.7.4;Die Religion der Irokesen;353
11.7.5;Afrikanische Religionen;354
11.7.6;Indigene und antike Religionen;358
11.8;19. Offenbarung und Vernunft: Philosophen, Kritiker und Reformer;360
11.8.1;Philosophische Religionskritik;361
11.8.2;Aufklärungstheologie;366
11.8.3;Freimaurer, Rosenkreuzer und Illuminaten;369
11.9;20. An der Schwelle zur Moderne: Bewahrer und Neuerer;373
11.9.1;Die jüdische Haskala und ihr Erbe;374
11.9.2;Islamische Reformbewegungen;378
11.9.3;Pietismus und Erweckungsbewegung;383
12;Fünfter Teil Vom Beginn der Industrialisierung bis zur Gegenwart;389
12.1;Großmächte und Weltmächte;390
12.2;Höhepunkt und Niedergang des Kolonialismus;392
12.3;Die Industrielle Revolution und ihre Folgen;395
12.4;21. Religionen im Wandel: Säkularisierung und Dekolonisation;396
12.4.1;Das Christentum in der Industriegesellschaft;397
12.4.2;Politischer Islam und Panislamismus;404
12.4.3;Neohinduismus;409
12.4.4;Neobuddhismus;414
12.5;22. Rückkehr der Propheten: Die Entstehung neuer Religionen;418
12.5.1;Die Mormonen;418
12.5.2;Die Religion der Baha’i;423
12.5.3;Die Taiping-Bewegung;428
12.5.4;Der Geistertanz der Prärie-Indianer;430
12.5.5;Die Ahmadiya-Bewegung;432
12.6;23. Alternativen zur Religion: Philosophen, Ideologen und Visionäre;435
12.6.1;Humanismus, Atheismus und Agnostizismus;435
12.6.2;Wunderglaube, Mesmerismus und Spiritismus;440
12.6.3;Theosophie und Anthroposophie;444
12.7;24. Religion und Gewalt: Konflikte und ihr Kontext;447
12.7.1;Buddhismus und japanischer Imperialismus;448
12.7.2;Konflikte zwischen Hindus, Muslimen und Sikhs;450
12.7.3;Völkische Ideologien und Neuheidentum;455
12.7.4;Politische Heilslehren;458
12.7.5;Antisemitismus und Zionismus;461
12.7.6;Der Nahostkonflikt und der islamistische Extremismus;465
12.8;25. Digitalisierung und Globalisierung: Religion und Religionen heute;469
12.8.1;Afroamerikanische Religionen;470
12.8.2;Neue religiöse Bewegungen;472
12.8.3;Religionen im Internet;477
12.8.4;Religionsgeschichte und Religionswissenschaft;479
13;Anhang;483
13.1;Zeittafel;485
13.2;Zur Schreibung und Aussprache fremdsprachiger Namen und Begriffe;492
13.3;Anmerkungen;494
13.4;Literatur;518
13.5;Bildnachweis;564
13.6;Register;565
Einleitung
Wer eine geschichtliche Darstellung verfasst, weiß im Allgemeinen nicht, aus welchem speziellen Interesse und mit welcher Motivation der Leser sein Buch zur Hand nimmt. Auch die Vorkenntnisse des Lesers und sein weltanschaulicher Standpunkt sind dem Verfasser in der Regel unbekannt. Was jedoch Leser und Autor in den meisten Fällen miteinander verbinden dürfte, ist die Überzeugung, dass die Beschäftigung mit der Vergangenheit den eigenen geistigen Horizont erweitern und neue Perspektiven auch auf die Gegenwart eröffnen kann. Eine Geschichte der Religionen stellt in diesem Rahmen insofern einen Sonderfall dar, als sich die Darstellung zwangsläufig über viele Epochen und geographische Regionen erstreckt, viele verschiedene Bereiche menschlicher Kultur berührt und aus eben diesen Gründen auf die Ergebnisse einer Vielzahl unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen zurückgreifen muss. So erscheint es sinnvoll, diesem Buch einige einleitende Bemerkungen zur Konzeption und ihrer Durchführung voranzustellen.
Es liegt auf der Hand, dass ein Buch von weniger als 600 Seiten angesichts der Fülle des Stoffs und der Komplexität des Themas entweder nur eine erste Einführung in den Gegenstand bieten kann oder aber diese Fülle und Komplexität einem ganz bestimmten Leitgedanken unterordnen muss. Die zuletzt genannte Möglichkeit hat zwar durchaus ihren Reiz und ihre Berechtigung, doch wird ein Buch dieser Art vor allem denen nützen, die bereits mit den Quellen und den unterschiedlichen Möglichkeiten ihrer Deutung vertraut sind und so die Plausibilität der vorliegenden Darstellung im Vergleich zu anderen Entwürfen abschätzen können. Der Verfasser wendet sich demgegenüber in erster Linie an Leserinnen und Leser, die sich dem Gegenstand gleichsam von außen nähern, nicht schon viele andere Bücher zu diesem Thema gelesen haben und von einer einbändigen Darstellung der gesamten Religionsgeschichte nicht so sehr geistreiche Zuspitzung und gewagte Originalität als vielmehr Ausgewogenheit und Zuverlässigkeit erwarten.
Das Buch nimmt seinen Ausgangspunkt bei einem im Alltag weithin üblichen, doch nur selten kritisch reflektierten Sprachgebrauch, demzufolge man von «Religion» (in der Einzahl) und «Religionen» (in der Mehrzahl) reden kann. Dieser Sprachgebrauch beruht auf der zumeist stillschweigend vorausgesetzten Annahme, dass das, was bei uns heute «Religion» heißt, unter anderen Bezeichnungen auch in anderen Zeiten und Räumen zu finden sei, dass man also bestimmte gesellschaftliche Einrichtungen, Lebensformen, ethische Normen, Kulturschöpfungen sowie individuelle und kollektive Handlungen deshalb «religiös» nennen könne, weil wir es gewohnt sind, vergleichbare – oder besser: uns vergleichbar erscheinende – Phänomene unserer eigenen Kultur so zu bezeichnen. Die Plausibilität oder Tragfähigkeit dieser Auffassung soll hier nicht grundsätzlich in Abrede gestellt werden. Ein wesentliches Anliegen des Buchs besteht gleichwohl darin, diesen landläufigen Sprachgebrauch und die ihm zugrunde liegenden Vorstellungen anhand ausgewählter Beispiele immer wieder zu erörtern, zu präzisieren und mitunter kritisch in Frage zu stellen. Zum einen soll der Leser dadurch eine Vorstellung davon bekommen, welche häufig wiederkehrenden und also mutmaßlich grundlegenden Funktionen «der» Religion (Einzahl) – und das heißt eben in der Regel: der einzelnen von uns so genannten «Religionen» (Mehrzahl) – in Vergangenheit und Gegenwart nachweisbar sind. Zum anderen soll das Buch aber auch deutlich machen, dass «Religion» ganz unterschiedliche Formen annehmen kann, dass also die historisch greifbaren Religionen längst nicht immer und überall viele oder gar sämtliche Züge aufweisen, die dem Leser aus den ihm bereits bekannten Religionen vertraut sind.
Im Unterschied zu vergleichbaren Darstellungen steht in vorliegendem Buch nicht jeweils eine Religion im Mittelpunkt der einzelnen Kapitel. Vielmehr geht es in den 25 Kapiteln jeweils um bestimmte Phänomene und religionsgeschichtliche Entwicklungen, die für die betreffende Epoche charakteristisch sind und die vielfach über ihre eigene Zeit hinaus weitreichende Folgen gehabt haben. Sie werden anhand einiger charakteristischer Beispiele aus verschiedenen Religionen veranschaulicht, wobei immer wieder auch kurze Ausblicke auf die weitere Geschichte dieser Phänomene und Entwicklungen gegeben werden.
Weit verbreitet ist das Interesse an Ähnlichkeiten zwischen räumlich wie zeitlich weit voneinander entfernten Religionen. Solche Übereinstimmungen gelten mitunter als Ausdruck «richtiger» oder doch allgemein menschlicher und darum besonders wertvoller Einsichten. Im Hinblick darauf besteht ein wesentliches Anliegen dieses Buches darin, durch eine möglichst präzise Darstellung der betreffenden Sachverhalte in ihren geschichtlichen Zusammenhängen reale von nur scheinbaren Ähnlichkeiten zu unterscheiden. Wichtig sind dafür zum einen Vorsicht und Zurückhaltung bei der Übertragung vertrauter Begriffe auf fremde oder vergangene Kulturen, zum anderen eine angemessene Berücksichtigung der Eigenbegrifflichkeit fremder Religionen. Letztere konnte im Hinblick auf den geringen Umfang des Buches und den Anspruch der Allgemeinverständlichkeit zwar nicht in jedem Fall dargestellt und erläutert werden, kommt aber zumindest in ausgewählten Beispielen immer wieder zur Sprache.
Die Darstellung der religionsgeschichtlichen Fakten soll in möglichst allen Teilen den gegenwärtigen Stand der Forschung widerspiegeln. Dass ein einzelner Verfasser aber weder alle Quellen noch die wissenschaftliche Literatur auf diesem weiten Feld beherrschen oder auch nur vollständig überblicken kann, wird wohl niemanden überraschen. Immerhin hofft der Verfasser, dass er sich durch die wissenschaftliche Beschäftigung mit einzelnen Teilgebieten der Religionsgeschichte sowohl die erforderliche Vorsicht im Umgang mit den Quellen und der Sekundärliteratur als auch die Fähigkeit zu einer kritischen Beurteilung der Rezeptions- und Forschungsgeschichte anderer, ihm weniger vertrauter Bereiche erworben hat. Diese – oft faszinierende – Rezeptions- und Forschungsgeschichte wird in diesem Buch zwar nicht um ihrer selbst willen thematisiert, doch kommt sie in ausgewählten Beispielen wenigstens kurz zur Sprache, damit der Leser einen Einblick in die historische Bedingtheit – und das heißt auch: die Relativität und Vorläufigkeit – jedes und damit auch des gegenwärtigen Erkenntnisstandes erhält.
Die wichtigste Grundlage der Darstellung bilden naturgemäß Texte, die wie keine andere Quelle der historischen Erkenntnis den unmittelbaren Zugang zu religiösen Vorstellungen eröffnen. Gleichwohl soll die Darstellung keine «Geschichte der religiösen Ideen» sein, sondern die gesamte Lebenswirklichkeit der Religionen in all ihren kulturellen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Verflechtungen im Auge behalten. Dass die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Religion, Politik, Ökonomie, Sozialstruktur, Literatur, Musik und Kunst immer nur in Ausschnitten erfasst werden konnten, liegt auf der Hand, doch sollen wechselnde Schwerpunkte zumindest einen Eindruck von der Bandbreite dieser Verflechtungen vermitteln. In geographischer und chronologischer Hinsicht liegt ein gewisser Schwerpunkt auf der Religionsgeschichte Europas und des Vorderen Orients, ferner auf den mitunter so genannten Hoch- oder Weltreligionen Asiens. Daneben sollten jedoch auch die indigenen Religionen Afrikas, Amerikas und Eurasiens Berücksichtigung finden und über der Betrachtung der noch heute lebendigen Traditionen auch weniger bekannte untergegangene Religionen nicht vergessen werden.
Die Anmerkungen und das Literaturverzeichnis dienen in erster Linie dazu, wissenschaftlich interessierten Benutzern die Quellen der Darstellung offenzulegen und gleichzeitig Hinweise auf Möglichkeiten einer weiterführenden und vertiefenden Beschäftigung mit dem Thema bereitzustellen. Dabei bringt es die Weite des Gegenstands mit sich, dass hier nur eine kleine Auswahl aus der Überfülle gedruckter oder online verfügbarer Texte geboten werden kann. Grundsätzlich beschränken sich die Literaturhinweise auf selbständig erschienene Publikationen in deutscher, englischer und französischer Sprache. Bevorzugt angegeben werden – im Hinblick auf den einführenden Charakter des Buches – Handbücher sowie Überblicks- und Gesamtdarstellungen, während Spezialuntersuchungen zu Einzelfragen nur in einer kleinen exemplarischen Auswahl berücksichtigt sind. Um die Anmerkungen und das Literaturverzeichnis überschaubar zu halten, beziehen sich die Hinweise zumeist auf die jeweils neuesten mir bekannten Monographien, die ihrerseits weiterführende Quellen- und Literaturhinweise bieten. Auf die oft überaus nützlichen ...




