E-Book, Deutsch, 64 Seiten
Reihe: Bastei Lübbe
Mainau Fürsten-Roman 2672
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7517-4441-6
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Kein Unschuldsengel
E-Book, Deutsch, 64 Seiten
Reihe: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-7517-4441-6
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Amalia Prinzessin von Wittbrock ist alles andere als schüchtern. Eine Affäre jagt die nächste, doch nach außen hin mimt sie den Unschuldsengel. Ihr Vater wünscht sich für sie eine Heirat, während Amalia andere Pläne verfolgt. Seit dem Unfalltod ihrer Mutter ist das Herz der Prinzessin erkaltet. Den Schmerz in ihrem Inneren versucht sie, mit Liebschaften zu betäuben und sammelt Abenteuer wie andere Leute Briefmarken. Mittlerweile ist sie regelrecht besessen davon, mit den Gefühlen der Männer zu spielen. Und tatsächlich kann ihr keiner widerstehen.
Bis Amalia auf Roderick trifft. Der Grafensohn scheint gegen ihre weiblichen Reize immun zu sein. Prompt muss sie ihre erste Niederlage einstecken. Wie sie erfährt, ist Roderick in festen Händen und sogar bereits verlobt. Ihr Ehrgeiz ist geweckt. Fortan setzt Amalia alles daran, den Prinzen zu verführen. Mit ungeahnten Folgen ...
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Kein Unschuldsengel
Prinzessin Amalia ist mit allen Wassern gewaschen
Von Marlene von Mainau
Amalia Prinzessin von Wittbrock ist alles andere als schüchtern. Eine Affäre jagt die nächste, doch nach außen hin mimt sie den Unschuldsengel. Ihr Vater wünscht sich für sie eine Heirat, während Amalia andere Pläne verfolgt. Seit dem Unfalltod ihrer Mutter ist das Herz der Prinzessin erkaltet. Den Schmerz in ihrem Inneren versucht sie, mit Liebschaften zu betäuben. Wie andere Leute Briefmarken, so sammelt sie Abenteuer. Mittlerweile ist sie regelrecht besessen davon, mit den Gefühlen der Männer zu spielen. Und tatsächlich kann ihr keiner widerstehen.
Bis Amalia auf Roderick trifft. Der Grafensohn scheint gegen ihre weiblichen Reize immun zu sein. Prompt muss sie ihre erste Niederlage einstecken. Wie sie erfährt, ist Roderick in festen Händen und sogar bereits verlobt. Ihr Ehrgeiz ist geweckt. Fortan setzt Amalia alles daran, den Prinzen zu verführen. Mit ungeahnten Folgen ...
»Bitte sehen Sie nach meiner Tochter«, bat Gerald Fürst von Wittbrock seine Hausdame, als sie ihm ein Tablett mit Gebäck auf den Tisch stellte. »Ich hätte Amalia während der Teezeit gern bei mir.«
»Sehr wohl, Durchlaucht.«
Sie machte einen Knicks und verschwand aus dem Salon, in den sich Gerald seit dem Tod seiner geliebten Frau häufig zurückzog. Dieses war Charlottes Lieblingszimmer gewesen. Hier hatte sie gesessen und gelesen, das knisternde Kaminfeuer genossen oder mit ihm gemeinsam den Tag Revue passieren lassen. All das lag nun fast auf den Tag genau fünf Jahre zurück. Ihr Fehlen schmerzte dem alten Fürsten noch genauso im Herzen wie damals.
»Du wolltest mich sprechen, Vater?«, begrüßte ihn Amalia und betrat das Zimmer.
Sie warf ihre schokobraunen, lockigen Haare über die Schultern und schloss die Tür. In ihren markanten grünen Katzenaugen erkannte er seine Frau und fühlte sogleich Wehmut in sich aufsteigen.
»Du siehst zauberhaft aus«, lobte er ihren Auftritt in dem weißen taillierten Sommerkleid. »Kein Mann dieser Welt kann dir jetzt noch widerstehen. Aus dir ist eine richtige Frau geworden.«
»Mit Mitte zwanzig wäre es schade, wenn ich noch keine wäre«, erwiderte sie lachend.
Sie tauschten Wangenküsschen aus und setzten sich nebeneinander auf die Chaiselongue.
»Du möchtest mit mir also wieder über meine Zukunft sprechen?«
»Ich würde gern, dass du bald einen Mann fürs Leben suchst, statt von einer Gala zur nächsten zu jagen.«
Amalia schnappte sich einen Keks und ließ sich das warme Gebäck sichtlich auf der Zunge zergehen. Gerald goss seiner Tochter Tee ein, den sie mit etwas Milch mischte.
»Du weißt, dass ich noch nicht so weit bin. Außerdem gehören diese Galas und Feten allesamt zu meinem Job als Eventmanagerin.«
»Ich frage mich bis heute, wieso du nicht in meine Fußstapfen treten wolltest.«
Amalia beugte sich vor und fixierte ihren graumelierten Vater vergnügt.
»Weil ich nach Mutter komme und meinen eigenen Kopf habe. Dafür liebst du mich doch. Bankgeschäfte sind eben nichts für mich.«
Gerald seufzte, setzte aber ein vergnügtes Lächeln auf. Er war trotz allem stolz auf Amalia, die ihr Studium mit Bravour beendet und einen festen Platz in der Welt gefunden hatte. Er überhörte die Gerüchte, die um sie kreisten, gewissenhaft, weil er seine Tochter besser kannte als jeder andere. Sie war kein männerfressender Vamp, wie ihm Cousine Elisabeth vor Kurzem weismachen wollte. Die alte Dame tratschte gern, um von ihren eigenen Problemen abzulenken, und nahm die Worte der bösen Zungen einfach zu ernst.
»Hast du mitbekommen, was Elisabeth über dich verbreitet?«, kam er auf das Thema zu sprechen. Amalia hob ihre geschwungenen Augenbrauen erwartungsvoll. »Sie hat herumerzählt, du hättest den Sohn ihrer besten Freundin verführt und dann eiskalt fallenlassen, als es für ihn ernst wurde.«
Amalia prustete drauflos und hätte sich beinahe an ihrem nächsten Keks verschluckt.
»Nichts als leere Worte, Vater«, beruhigte die Prinzessin ihn. »Elisabeth ist ein Tratschweib, und ich kenne diesen Mann kaum. Ich bin ihm vielleicht einmal begegnet, falls du den meinst, von dem ich ausgehe. Arthur hat sich tatsächlich an meine Fersen geheftet und nicht lockergelassen. Wahrscheinlich verkraftet er meinen Korb nicht. Verletzter Männerstolz, nennt man so etwas.«
»Ich verstehe. Und er war wirklich niemand, für den du dich begeistern konntest? Vielleicht hast du ihn nur mit falschen Augen gesehen.« Er machte eine kurze Pause, in der er nachdachte. »Aber wenn er böse Gerüchte über dich verbreitet, ist er sowieso nicht der Richtige für meine Tochter. Mein Engel hat etwas Besseres verdient als das.«
Gerald nahm ihre Hand in seine und hauchte Amalia einen liebevollen Kuss auf. Die Prinzessin kicherte amüsiert und nickte zufrieden.
»So ist es. Ich sehe mich um, wenn dich das beruhigt, aber zurzeit steht meine Arbeit an erster Stelle. Mutter hätte nicht gewollt, dass ich mich an den nächstbesten Hals werfe, auch wenn das früher einmal Tradition gewesen ist.«
Wie nah sie mit ihrer Aussage lag, ahnte Amalia sicher nicht. Gerald versteckte seine Trauer tief in seinem Herzen und versuchte, nur an die guten Seiten seiner Frau zu denken.
Der Fürst erwiderte ihr Schmunzeln und musste einsehen, dass er bei ihr nicht mit Zwang weiterkam. Dafür mochte er Amalia viel zu sehr. Er wünschte sich eine Hochzeit aus Liebe für seine Tochter, so wie er sie einst selbst mit Charlotte erlebt hatte.
»Du hast mich überzeugt, Liebes. Magst du mir bitte die Kanne reichen? Ich lasse noch mehr Tee kochen.«
»Eigentlich muss ich schon bald wieder los«, gestand Amalia zerknirscht und wich dem forschenden Blick ihres Vaters aus.
Seine grauen Augen ruhten auf ihr, und er schob die dünne Brille seinen Nasenrücken hinauf, wie er es meistens tat, wenn er auf etwas wartete.
»Musst du sogar an deinem freien Tag ins Büro?«, wollte er nun wissen, als sie nicht mit der Sprache herausrückte.
Amalia schüttelte den Kopf. Dabei fiel ihr eine lange Strähne auf das hübsche Dekolleté. Sie suchte wieder die Augen ihres Vaters.
»Ich bin noch mit einer Freundin aus dem Studium verabredet. Wir haben uns lange nicht gesehen. Sie ist nicht oft in der Stadt, also möchte ich diese Gelegenheit ungern verstreichen lassen.«
»Ach, so ist das. Natürlich, mein Kind, geh nur. Dein alter Vater wird auch noch hier auf Schloss Wittbrock sein, wenn du wiederkommst.«
Amalia erhob sich schwungvoll von ihrem Stuhl und drückte Gerald einen Kuss auf das lichter werdende Haar. Schon bald würde er eine Halbglatze tragen.
»Vielleicht magst du bald mal wieder mit mir ins Kino gehen? Aktuell laufen viele interessante Filme.«
»Du brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben, Amalia«, beruhigte er sie. »Ich komme bestens allein zurecht. Und ganz einsam bin ich schließlich nicht. Ich habe Personal und meine Skatkumpels, die sich um mich kümmern. Genieß deinen Abend.«
Er erwiderte das kurze Winken an der Tür mit einem warmen Lächeln für seine vielbeschäftigte Tochter, die wie ein Wirbelwind aus dem Zimmer verschwand.
Gerald hatte das unbestimmte Gefühl, dass Amalia ihn belog, was die Verabredung mit ihrer Freundin betraf. Er kannte sie nicht erst seit gestern. Der Fürst vermutete eine Männergeschichte dahinter, die sie ihm nicht erzählen wollte. Es waren ihr Leben und ihre Entscheidungen. Er hoffte bloß, dass besagter Mann seiner Amalia nicht das Herz brach, denn spätestens ab da würde sich Gerald einschalten.
Amalia schwirrte der Kopf, nachdem sie ihrem Gegenüber eine halbe Stunde dabei zugehört hatte, wie er sich über langweilige Börsenkurse ausließ, von denen sie ohnehin nicht viel verstand. Er hätte sich wunderbar mit ihrem Vater unterhalten, allerdings hatte die Prinzessin nicht vor, ihm Kai vorzustellen, dessen Nachnamen sie wieder vergessen hatte.
Nicht wichtig, urteilte sie stumm und versuchte, interessiert auszusehen, während ihr eigentlich nach Gähnen zumute war.
Er konnte von Glück sagen, dass er mit einem blendenden Aussehen und einem stählernen Körperbau gesegnet war, sonst hätte Amalia längst ihre Handtasche gegriffen und das edle Restaurant, das nur die Oberschicht betreten durfte, wieder verlassen.
»... und wenn man dann noch den Absturz der amerikanischen Millton-Aktie zurechnet, braucht man sich später nicht wundern, nicht wahr?«
Er lachte, als habe er einen Witz gerissen, dessen Pointe Amalia durchgerutscht war. Sie erwiderte Kais breites Grinsen, bis ihre Mundwinkel schmerzten, und prostete ihm mit ihrem Weinglas zu. Amalia wusste, dass ein Lächeln auf geschminkten Lippen so manchen Mann aus der Fassung brachte. Die meisten ließen sich entweder davon oder von einer beiläufigen Berührung mit den Fingerspitzen aus der Fassung bringen. Meistens genügte schon ein weit ausgeschnittenes Kleid, sodass sie ihr nicht mehr in die...




