E-Book, Deutsch, 304 Seiten
Reihe: MIRA Taschenbuch
Mallery Es muss ja nicht gleich Liebe sein
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-95576-877-5
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Liebeskomödie
E-Book, Deutsch, 304 Seiten
Reihe: MIRA Taschenbuch
ISBN: 978-3-95576-877-5
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nun in ungekürzter Neuübersetzung erhältlich!
Jeder in Lone Star Canyon hält sie für das perfekte Paar - nur Nora und Stephen streiten es ab. Dabei sind die temperamentvolle Friseurin Nora und Dr. Stephen Remington ein unschlagbares Team: Gemeinsam kümmern sie sich während eines Tornados um Verletzte, sprechen Mut zu und versorgen Wunden. Praktischerweise liegen Salon und Praxis einander gegenüber. Außerdem sieht ein Blinder, wie es zwischen Nora und Stephen knistert. Keiner der beiden will mehr eine feste Bindung eingehen. Aber wenn die Küsse so gut schmecken wie Schokolade, muss es ja auch nicht gleich Liebe sein!
Dieser Roman ist in gekürzter Fassung bereits im CORA Verlag unter dem Titel »Traummann mit Vergangenheit« erschienen.
»Susan Mallery ist eine Klasse für sich!«
Romantic Times Book Reviews
»Liebesromane können kaum besser sein als Mallerys Mischung aus emotionaler Tiefe, Humor und erstklassigem Erzählen.«
Booklist
Die SPIEGEL-Bestsellerautorin Susan Mallery unterhält ein Millionenpublikum mit ihren herzerwärmenden Frauenromanen, die in 28 Sprachen übersetzt sind. Sie ist dafür bekannt, dass sie ihre Figuren in emotional herausfordernde, lebensnahe Situationen geraten lässt und ihre Leserinnen und Leser mit überraschenden Wendungen zum Lachen bringt. Mit ihrem Ehemann, zwei Katzen und einem kleinen Pudel lebt sie in Washington.
Weitere Infos & Material
1. Kapitel
»Denken Sie nicht mal dran, Dr. Remington«, warnte ihn Schwester Rosie. »Diesen Berg haben schon mutigere Männer als Sie zu erklimmen versucht – und nur die wenigsten haben es überlebt.«
Stephen Remington sah zu seiner Arzthelferin hinüber und runzelte die Stirn. »Was für einen Berg? In Texas gibt es nur plattes Land.«
Und das weiß ich aus erster Hand, dachte Stephen. Er hatte nämlich einen Großteil davon durchquert, als er vor sechs Monaten aus Boston hierher nach Lone Star Canyon gezogen war. Texas war flach, weit und genau das, was er sich erträumt hatte, als er seine Stelle als Leiter der städtischen Notaufnahme gekündigt hatte, um das ruhige Leben eines Landarztes zu genießen.
Seine zierliche Helferin und Empfangsdame bedachte ihn mit einem wissenden Blick. »Das war eine Metapher«, erklärte sie mit der Geduld einer Frau, die es gewohnt war, sich mit den Schwächen des männlichen Verstandes herumzuschlagen. »Ich habe Sie aus dem Fenster starren sehen. Da war es nicht schwer, zu erraten, was … beziehungsweise wer … Sie so fesselt.«
Lächelnd deutete sie auf das Fenster seiner großzügigen Praxis. Stephen folgte ihrem Blick und erkannte, was sie annahm: dass er die Nachbarn von gegenüber ausspionierte.
Die Arztpraxis von Lone Star Canyon teilte sich die Innenstadt mit ein paar Banken, drei Restaurants, einem Sportartikelgeschäft, mehreren Kleiderboutiquen und einem Friseursalon namens Snip ’n Clip. Letzteres Etablissement befand sich direkt gegenüber der Praxis. Normalerweise schützten leicht abgedunkelte Scheiben die Kundschaft vor neugierigen Blicken, aber an diesem Nachmittag war es draußen so düster, dass das Innere des hell erleuchteten Salons deutlich zu sehen war.
Zwei Personen waren klar zu erkennen: Die eine war eine weißhaarige alte Dame, die sich die Haare legen ließ. Die andere Frau stand hinter ihr und schwang gekonnt und großzügig die Haarspraydose. Das war dann vermutlich diejenige, von der Rosie glaubte, er hätte sie bewundert.
Stephen musterte die hochgewachsene Brünette. Zu ihrer engen Jeans und den Stiefeln trug sie ein knappes rotes T-Shirt, unter dem ein Streifen Haut mit einem äußerst hübschen Bauchnabel hervorblitzte. Das dunkle Haar fiel ihr in sinnlichen Wellen offen bis auf den Rücken hinunter. Sie bewegte sich mit der sexy Anmut einer Frau, die jeden Mann haben könnte, aber keinen einzigen davon wollte.
»Die da?«, fragte er und war sich wohl bewusst, dass, wenn er in ihren Laden schauen konnte, dasselbe auch für seine Praxis galt. Zum Glück schien die Frau ihn bisher nicht bemerkt zu haben.
»Genau die«, bestätigte Rosie. »Nora Darby. Nach außen hin mag sie ja zuckersüß und lieb aussehen, aber in Wahrheit ist sie ungefähr so freundlich wie eine angeschossene Bärenmutter. Nora hat für Männer nichts übrig, und das aus gutem Grund. Ich nehme Ihnen ja nur ungern Ihre Illusionen, Doktor, aber an ihr haben sich schon Bessere als Sie die Zähne ausgebissen.«
»Verstehe.«
Und wenn er Nora so ansah, konnte er durchaus nachvollziehen, warum sie es versucht hatten. Diese Frau hatte das komplette Paket – einen tollen Körper und ein hübsches Gesicht. Wenn sie sich jetzt auch noch intelligent zu irgendeinem Thema äußern konnte, war sie perfekt. Natürlich nicht für ihn, aber vielleicht für jemand anderen.
»Ich gebe zu, sie ist sehr attraktiv«, wandte er sich an seine Helferin, »aber um mich müssen Sie sich keine Sorgen machen. Ich bin nicht auf der Suche – angeschossene Bärenmutter hin oder her. Davon abgesehen hab ich gar nicht sie beobachtet.«
Er deutete auf die dunkle grüngraue Wolke am Horizont, die bedrohlich näher rückte. Der größte Teil war zwar vom gegenüberliegenden Gebäude verdeckt, aber die obere Hälfte war klar zu erkennen und wälzte sich in unruhigen Wirbeln immer näher. Beinah schien es, als würde der Himmel nach etwas greifen, um …
Plötzlich schrie Rosie auf und packte ihn beim Arm. »Tornado«, rief sie und zerrte ihn in Richtung Ausgang.
Stirnrunzelnd befreite Stephen sich aus dem beharrlichen Griff seiner Helferin. »Wovon reden Sie?«
»Wir müssen sofort in den nächsten Sturmkeller«, drängte sie aufgewühlt. »Oh, und Verbandsmaterial brauchen wir auch. Es wird Verletzte geben.« Bei einem erneuten Blick aus dem Fenster kreischte sie beinahe. »Er ist schon fast hier!«
In diesem Moment fiel Stephen auf, dass der Wind um sie herum zugenommen hatte und die Luft seltsam schwer war. Ein Tornado? Natürlich hatte er schon von dem Phänomen gehört, aber er stammte von der Ostküste, wo solche Dinge in den Abendnachrichten stattfanden, nicht im echten Leben.
Aber Rosies Panik war definitiv echt. Seine sonst so unerschütterliche Helferin rannte zum Empfangstresen und riss den Erste-Hilfe-Notfallkoffer aus seiner Halterung an der Wand. Stephen nahm ihn ihr ab, als sie ihn erneut beim Arm fasste und zur Tür hinauszerrte.
Als sie auf die Straße traten, war die Luft erfüllt vom Donnern eines herannahenden Zuges. Bloß dass es in Lone Star Canyon keine Bahnschienen gab. Er sah auf die andere Straßenseite. Allerdings nicht zur zugegeben äußerst verlockenden Ms. Nora Darby, sondern zu ihrer ältlichen Kundschaft. Sie alle würden Mühe haben, es rechtzeitig in den Sturmkeller zu schaffen. Also wechselte er den Kurs und steuerte in Richtung Snip ’n Clip.
»Ich liebe dieses Lied«, schwärmte Mrs. Gelson, während sie sich im Spiegel bewunderte.
Nora lauschte auf die Schnulze, die aus den Lautsprechern der kleinen Anlage hinten im Salon drang.
Seufzend tätschelte Mrs. Gelson sich die weißen Haare, die ihr Gesicht wie ein perfekt gerundeter Helm umgaben. »Da fehlt mir mein Bill noch mehr. Das Lied hat er mir immer vorgesungen.«
Ja, genau, dachte Nora, setzte aber trotzdem ein Lächeln auf. Besagter Bill war derselbe Mann, der seine Frau und die drei Kinder zweimal die Woche abends allein hatte sitzen lassen, um Poker zu spielen – egal ob genug Essen im Haus war oder nicht. Dass das verspielte Geld vielleicht gebraucht wurde, um die Telefonrechnung zu bezahlen oder den Kindern Schuhe zu kaufen, war ihm nie in den Sinn gekommen. Und Mrs. Gelson hatte mit keiner Silbe protestiert. Das Paar war vierzig Jahre lang verheiratet gewesen, als Bill schließlich »heimgegangen« war, wie Mrs. Gelson es ausdrückte. Wenigstens hat der Mistkerl nicht seine Lebensversicherung verpfändet, dachte Nora grimmig. Auch wenn seine Witwe beileibe nicht wohlhabend war, würden ihre letzten Tage dadurch zumindest besser sein als die Jahre mit ihm.
Aber Mrs. Gelson sah das ganz anders. Jetzt, da Bill nicht mehr war, hatte sie ihn zum Heiligen erklärt und lebte dafür, der Welt von seinen großen Taten zu berichten.
»Sie haben immer schon gesagt, dass Ihr Mann ein Romantiker war«, pflichtete Nora ihr warmherzig bei und tischte ihrer Kundin damit die Lüge auf, die sie hören wollte. Weil es eine gute Tat war. Weil die Erinnerung fast aller Frauen an ihre Männer erstaunlich selektiv zu sein schien. Nicht dass Nora dieses Problem gehabt hätte. Sie besaß ein hervorragendes Gedächtnis und beging nie zweimal denselben Fehler.
Mrs. Gelson reichte ihr einen Zehndollarschein und wartete auf ihre zwei Dollar Wechselgeld. Dann legte sie einen der Scheine auf Noras Arbeitsplatz, winkte noch einmal in die Runde und ging in Richtung Tür.
Nora starrte die einsame Banknote an. Wenn sie nicht endlich die Preise anhob, würde sie mit diesem Salon nie etwas verdienen. Eigentlich hatte sie das ja auch schon getan … Sogar mehrfach in den vergangenen zehn Jahren. Allerdings gab es bestimmte Kundinnen, die sich einfach nicht mehr leisten konnten, also berechnete Nora ihnen eben nicht mehr. Da waren beispielsweise die Senioren mit ihrem begrenzten Einkommen. Oder Debbie Watson, deren Ehemann sie mit vier Kindern und einem Haufen Rechnungen hatte sitzen lassen. Und ein halbes Dutzend weitere Frauen, die sich in einer ähnlichen Situation befanden.
»Es ist nur Geld«, murmelte Nora philosophisch, steckte das Trinkgeld ein und wandte sich zum Ausgang, um ihrer gebrechlichen Kundin nach draußen zu helfen.
Gerade in diesem Augenblick flog die Tür auf. Herein stürmte ein hochgewachsener dunkelblonder Mann im weißen Kittel. Nora erkannte Stephen Remington, den neuen Arzt des Städtchens. Erfolgreich und unverheiratet, ja, ja – schon seit seiner Ankunft vor ein paar Monaten schwärmten die Leute ihr von ihm vor. Nora war zutiefst unbeeindruckt und fuhr weiterhin die knapp hundert Kilometer in eine andere Stadt, um sich von einer Frau behandeln zu lassen.
Jetzt sah sie ihn an und stellte zufrieden fest, dass sie trotz seiner großen braungrünen Augen, der sportlichen Figur und seines guten Aussehens immun gegen ihn war. Wie immer.
»Männerhaarschnitte bieten wir hier nicht an«, erklärte sie liebenswürdig. »Da müssen Sie sich an den Barbier ein paar Häuser weiter wenden.«
»Was?«
Sie seufzte. Männer können so unglaublich begriffsstutzig sein. Wie hat er es nur durchs Medizinstudium geschafft? »Ich sagte …«
Mit einem knappen Kopfschütteln fiel er ihr ins Wort. »Ist mir egal. Es ist ein Tornado im Anmarsch. Alle in den Sturmkeller.«
Bevor Nora oder sonst jemand reagieren konnte, heulte die Warnsirene los. Wie eine Explosion erfüllte der Lärm plötzlich den ganzen Salon. Nora fluchte in sich hinein, als sie in die Runde blickte und lauter volle Stühle sah. Abgesehen von ihr und den anderen drei Stylistinnen war niemand unter fünfundsechzig. Besonders...




