E-Book, Deutsch, Band 6, 352 Seiten
Reihe: Fool's Gold
Mallery Küssen ist die beste Medizin
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-86278-793-7
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 6, 352 Seiten
Reihe: Fool's Gold
ISBN: 978-3-86278-793-7
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Willkommen in Fool's Gold, wo am Ende des Regenbogens die große Liebe wartet!
Montana Hendrix hat eine Berufung: die Ausbildung von Therapiehunden. Denn was könnte besser sein, wenn man traurig oder krank ist, als mit einem Hund zu kuscheln? Leider sehen das nicht alle so. Als Montana in einer Klinik auf den Chirurgen Simon Bradley trifft, fliegen die Fetzen - und die Funken. So wütend Simon auch ist: Er erkennt, wie glücklich der Hundebesuch seine kleine Patientin macht, und bittet Montana, regelmäßig vorbeizukommen. Und wie das mit Frauen immer so ist - reicht man ihnen den kleinen Finger, nehmen sie gleich die ganze Hand. Und das Herz. Und die Seele. Und eh man sich versieht, ist man Hals über Kopf verliebt. Ein Zustand, für den es nur zwei Lösungen gibt: Weglaufen - oder bis ans Lebensende glücklich werden.
Die SPIEGEL-Bestsellerautorin Susan Mallery unterhält ein Millionenpublikum mit ihren herzerwärmenden Frauenromanen, die in 28 Sprachen übersetzt sind. Sie ist dafür bekannt, dass sie ihre Figuren in emotional herausfordernde, lebensnahe Situationen geraten lässt und ihre Leserinnen und Leser mit überraschenden Wendungen zum Lachen bringt. Mit ihrem Ehemann, zwei Katzen und einem kleinen Pudel lebt sie in Washington.
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1. KAPITEL
Der absolut perfekte Vormittag war für Montana gelaufen, als eine Bratwurst, ein vierjähriger Junge und ein Mischlingshund namens Fluffy aufeinandertrafen. Eigentlich hatte alles recht gut angefangen. Montana hatte sich in den Kopf gesetzt, die fast einjährige Fluffy – eine Kreuzung aus Golden Retriever und Labrador – in ein Ausbildungsprogramm für Therapiehunde aufzunehmen. Sicher, Fluffy war quirlig und tollpatschig, hatte obendrein die Angewohnheit, alles zu fressen, was nicht niet- und nagelfest war, und war schlicht und ergreifend viel zu fröhlich. Aber sie besaß ein großes Herz. Selbst wenn Fluffy also – um es klar zu sagen – eine Niete sein mochte, Montana weigerte sich, ihr das vorzuwerfen. Schließlich wusste sie aus eigener Erfahrung, was es hieß, sein Potenzial nie ganz ausschöpfen zu können und ständig das Gefühl zu haben, nicht gut genug zu sein. Darin war sie Expertin, und Fluffy sollte nicht leiden wie sie. Falls das ein bisschen viel auf ein unschuldiges Tier projiziert sein mochte – na und? So etwas kann vorkommen.
Also führte Montana an einem schönen Sommermorgen Fluffy in Fool’s Gold aus … oder besser gesagt, sie wurde von Fluffy ausgeführt.
„Denk an etwas Beruhigendes“, beschwor Montana den Hund und hielt die Leine fest in der Hand. „Therapiehunde sind ruhig. Therapiehunde wissen, was Zurückhaltung bedeutet.“
Fluffy schenkte ihr ein Hundelächeln und hätte mit ihrem ständig wedelnden Schwanz fast eine Mülltonne umgeworfen. Zurückhaltung gehörte nicht zu Fluffys Vokabular, und wirklich ruhig war sie selbst dann nicht, wenn sie schlief.
Später warf Montana sich vor, sie hätte es kommen sehen müssen. Dieser spezielle Vormittag läutete das erste Wochenende der Sommerferien ein. Obendrein fand ein Stadtfest statt, weshalb die Straßenverkäufer schon seit Tagen damit beschäftigt waren, ihre Stände aufzubauen. Obgleich es noch früh war, lag bereits der Duft von Bratwürstchen und Barbecues in der Luft. Die Bürgersteige waren voller Menschen, und Fluffy zog ständig an der Leine hin zu den Kindern, die im Park spielten. Ihre Signale waren eindeutig, auch sie wollte spielen.
Etwas weiter vorn kaufte eine Mutter eine Bratwurst, die sie ihrem kleinen Sohn reichte, der ungeduldig danach griff. Bevor er jedoch dazu kam, hineinzubeißen, hatte er Fluffy entdeckt und hielt ihr lächelnd sein Essen entgegen. Ausgerechnet in diesem Augenblick war Montana durch die neue Schaufensterauslage der Buchhandlung Morgan’s Books abgelenkt und lockerte versehentlich ihren Griff an der Leine. Fluffy machte einen Satz nach vorn, die Leine rutschte Montana aus der Hand, und damit brach das Chaos aus.
Aus sicherer Entfernung mochte der kleine Junge es für eine gute Idee gehalten haben, sein Würstchen anzubieten, als aber der vierzig Kilo schwere Hund auf ihn zugestürmt kam, ließ er es schreiend fallen und versteckte sich schnell hinter seiner Mutter. Die arme Frau hatte den Anfang der Begegnung verpasst. Alles, was sie sah, war ein offenbar durchgeknallter Hund, der direkt auf sie und ihren Sohn zugeschossen kam. Sie kreischte.
Montana lief hinter Fluffy her und befahl ihr, stehen zu bleiben, was genauso erfolgreich war, wie der Erde zu befehlen, sich langsamer zu drehen.
Die Mutter hob ihren kleinen Jungen auf und ging hinter einem Limonaden-Stand in Deckung. Ohne aus dem Tritt zu geraten, schnappte Fluffy sich die Wurst, verschlang sie in einem Rutsch und lief weiter, offenbar dem Ruf der Freiheit folgend.
Montana eilte ihr nach, wobei ihr die neuen Sommersandalen, die sie eine Woche zuvor gekauft hatte, in die Füße schnitten. Sie wusste, sie musste Fluffy einfangen. Der Hund war süß, aber nicht besonders gut ausgebildet. Montanas Chef Max Thurman hatte klar und deutlich gesagt, dass Fluffy als Therapiehund nicht zu gebrauchen war. Sollte er von dem heutigen Desaster Wind bekommen, würde er darauf bestehen, den Hund aus dem Programm auszuschließen.
Fluffy war sehr viel schneller als Montana und bald schon außer Sichtweite. Auf dem Weg durch die Straßen der Stadt folgte sie der Spur aus Kreischen und Schreien, wich einem Erdnussverkäufer mit seinem rollenden Stand aus und konnte nur knapp einen Zusammenstoß mit zwei Männern auf Fahrrädern verhindern. Als sie um eine Ecke bog, sah sie gerade noch einen Schwanz durch die automatische Eingangstür eines hohen Gebäudes entschwinden.
„Oh nein!“, hauchte Montana und blickte zu dem Krankenhaus hinauf. „Nicht das. Alles, nur nicht das!“
Sie rannte weiter, wobei ihr bei dem Gedanken schauderte, was Fluffy in einem solchen Gebäude alles anstellen konnte. Große Hundepfoten und glatte Fußböden waren keine glückliche Kombination. Sie hechtete die sechs Stufen zum Eingang hinauf und stürzte hinein, um sogleich die Spur der Verwüstung zu sehen, die Fluffy hinter sich hergezogen hatte.
Ein Wäschewagen war vor die Wand geknallt, davor lag Bettwäsche auf dem Fußboden. Grinsend deutete ein kleines Mädchen im Rollstuhl den Flur hinunter.
Als Montana zu den Aufzügen kam, stieß sie gleich auf mehrere Leute, die sie bereitwillig darüber informierten, dass dort tatsächlich ein Hund hineingelaufen war. Sie beobachtete die Anzeige, stellte fest, dass ein Aufzug im vierten Stock angehalten hatte, sprang in den nächsten und fuhr nach oben.
Sowie die Tür aufging, hörte sie auch schon das Geschrei. Ein umgestoßener Stuhl lag neben weiterem Bettzeug und mehreren Krankenakten auf dem Boden. Weiter vorn befand sich eine Doppeltür – der Eingang zur Station für Verbrennungsopfer. Auf mehreren Anzeigetafeln wurde detailliert erklärt, wer und was Zuritt zu diesem Bereich der Klinik hatte und wer und was nicht. Ein freudiges Bellen sagte ihr, dass Fluffy sämtliche dort angeschlagenen Regeln verletzt hatte.
Da ihr nichts Besseres einfiel, folgte Montana dem Laut und stieß die Tür auf. Ein Stück weiter versuchten mehrere Krankenschwestern, den fröhlich über den Flur tobenden Hund einzufangen, während Fluffy ihr Bestes gab, sie alle gleichzeitig abzulecken. Als Montana sie rief, drehte sie sich um und schoss auf sie zu, während im selben Moment ein Arzt aus einem der Zimmer trat.
Fluffy gab sich wirklich alle Mühe, stehen zu bleiben. Montana konnte sehen, wie die Hundepfoten kämpften, jedoch auf dem glatten Fußboden keinen Halt fanden. Fluffy geriet ins Rutschen, senkte den Hintern, stemmte die Vorderpfoten auf den Boden und rutschte so im Sitzen weiter. Dabei pflügte sie den Arzt um, der stolpernd gegen Montana stieß.
Besagter Arzt war mindestens fünfzehn Zentimeter größer und sehr viel schwerer als Montana. Seine Schulter krachte ihr so vor die Brust, dass es ihr den Atem verschlug. Beide gingen sie zu Boden, das heißt, sie flogen ein Stück, bevor sie auf dem sehr harten Boden landeten und sein Körper auf ihrem aufschlug.
Benommen blieb Montana liegen. Sie bekam keine Luft. Alles, was sie noch fühlen konnte, war ein schweres Gewicht auf ihr und eine warme Zunge, die ihr freiliegendes Fußgelenk abschleckte.
Der Mann rollte sich von ihr herunter und kniete sich neben sie.
„Sind Sie verletzt?“, fragte er.
Sie schüttelte den Kopf. Schließlich gelang es ihr wieder, Luft zu holen. Fluffy rückte näher und setzte sich. Auf einmal wirkte sie völlig ruhig und wohlerzogen, ein Trick, auf den Montana nicht hereinzufallen gedachte.
Der Mann beugte sich vor und strich mit seinen großen Händen und langen Fingern einmal von oben nach unten über Arme und Beine und tastete dann ihren Hinterkopf ab. Seine Berührung war unpersönlich, dennoch war das mehr Zärtlichkeit, als Montana seit Monaten erlebt hatte. Bevor sie herausfinden konnte, ob es ihr gefiel, schaute sie ihm ins Gesicht.
Er war der schönste Mann, den sie je gesehen hatte. Rauchgrüne Augen, umrahmt von dunklen Wimpern. Ein perfekt geschnittener Mund, dazu ein kräftiges Kinn. Seine Wangenknochen …
„Nichts verletzt“, stellte er fest und wandte sich ab, um mit jemandem zu sprechen, der hinter ihm stand.
Bei dieser Bewegung konnte sie die andere Hälfte seines Gesichts sehen, wo dicke rote Narben aus seinem Hemdkragen herauswuchsen und sich über die linke Seite seines Halses, den linken Kiefer und die Wange ausbreiteten. Sie schraubten sich spiralförmig nach oben und bildeten ein wildes Muster, das seine Haut auf eine Art verzog, die schmerzhaft aussah.
Montana hatte das Gefühl, dass ihr der Schock anzusehen war, aber der Arzt schien nichts davon zu bemerken. Stattdessen griff er nach ihrer Hand und zog sie auf die Beine.
„Schwindlig?“, fragte er sie kurz angebunden.
„Nein“, brachte sie jetzt, da sie wieder atmen konnte, heraus.
„Gut.“ Er trat einen Schritt auf sie zu. „Was zum Teufel ist in Sie gefahren? Was sind Sie für eine unverantwortliche Idiotin, die zulässt, dass so etwas passiert? Man müsste Sie verhaften und wegen versuchten Mordes anklagen. Haben Sie eigentlich eine Ahnung, welche Krankheitserreger dieser Hund mit sich herumschleppt? Welche Sie an sich tragen? Das hier ist die Isolierstation für Verbrennungsopfer. Diese Patienten sind sehr anfällig für Infektionen und leiden Schmerzen, die Sie sich nicht einmal ansatzweise vorstellen können.“
Sie trat einen Schritt zurück. „Es tut mir leid“, setzte sie an.
„Glauben Sie etwa, dass hier irgendwer auch nur im Geringsten daran interessiert ist, ob es Ihnen leidtut? Ihre Gedankenlosigkeit ist kriminell.“
Montana konnte den Zorn in jedem einzelnen...




