E-Book, Deutsch, Band 1663, 160 Seiten
Reihe: Bianca
Mallery Traummann mit Vergangenheit
1. Auflage 2009
ISBN: 978-3-86295-342-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1663, 160 Seiten
Reihe: Bianca
ISBN: 978-3-86295-342-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nora ist sexy, witzig, schlagfertig und könnte an jedem Finger einen Mann haben, wenn sie wollte. Stattdessen schlägt sie jeden Interessenten mit ihren frechen Sprüchen in die Flucht - sie hat genug schlechte Erfahrungen gemacht. Nur Stephen, dessen Arztpraxis direkt gegenüber von ihrem Frisiersalon liegt, lässt sich nicht abschrecken. Und wenn sie ehrlich ist, muss Nora sich eingestehen, dass der gut aussehende junge Witwer genau der Mann ist, in den sie sich verlieben könnte. Aber wie soll sie mit Stephens erster Frau konkurrieren, die er offenbar nicht vergessen kann?
Die SPIEGEL-Bestsellerautorin Susan Mallery unterhält ein Millionenpublikum mit ihren herzerwärmenden Frauenromanen, die in 28 Sprachen übersetzt sind. Sie ist dafür bekannt, dass sie ihre Figuren in emotional herausfordernde, lebensnahe Situationen geraten lässt und ihre Leserinnen und Leser mit überraschenden Wendungen zum Lachen bringt. Mit ihrem Ehemann, zwei Katzen und einem kleinen Pudel lebt sie in Washington.
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1. KAPITEL
„Denken Sie nicht mal dran, Dr. Remington“, warnte Rosie. „Mutigere Männer als Sie haben schon versucht, diese Herausforderung zu bewältigen, aber nur wenige haben es überlebt.“
Stephen Remington blickte zu seiner Arzthelferin hinüber und runzelte die Stirn. Rosie warf ihm einen wissenden Blick zu. „Das habe ich im übertragenen Sinne gemeint“, sagte sie mit der Geduld einer Frau, die seit Langem mit den Unzulänglichkeiten des männlichen Verstandes vertraut ist. „Ich habe gesehen, wie Sie aus dem Fenster geschaut haben. Es war kein Kunststück, herauszubekommen, was … oder wer … Ihre Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.“
Stephen schaute in die Richtung, in die sie deutete. Rosie nahm offenbar an, er beobachtete die Nachbarn von gegenüber.
Die Arztpraxis von Lone Star Canyon teilte sich das Stadtzentrum mit ein paar Banken, drei Restaurants, einem Sportwarenladen, einigen Modegeschäften und dem Friseursalon Snip ’n Clip. Diese Einrichtung befand sich genau gegenüber von seiner Praxis. Normalerweise verhinderten die getönten Fensterscheiben neugierige Blicke ins Innere. Aber an diesem Nachmittag war es so dunkel und der Laden war so hell erleuchtet, dass man leicht hineinschauen konnte.
Er konnte zwei Personen ausmachen. Bei der einen handelte es sich um eine ältere Dame mit weißem Haar. Die andere Frau schwenkte formvollendet und großzügig die Sprühdose. Rosie dachte wohl, dass er gerade diese Frau bewundert hatte.
Stephen betrachtete die hochgewachsene Brünette. Sie trug enge Jeans, Stiefel und ein kurzes T-Shirt, das etwas Haut und einen schönen Bauchnabel enthüllte. Die sinnlichen Locken ihres dunklen Haares reichten ihr bis zur Taille. Sie bewegte sich mit der Anmut einer Frau, die jeden Mann haben konnte und keinen einzigen wollte.
„Die da?“, fragte er.
„Genau“, sagte Rose. „Nora Darby. Sie sieht vielleicht sanft und süß aus, aber in Wirklichkeit ist sie ungefähr so zugänglich wie ein angeschossener Grizzlybär. Nora kann Männer nicht leiden.“
„Verstehe.“
Wenn er Nora ansah, verstand er zumindest, warum es schon viele Männer bei ihr versucht hatten. Nora hatte das gewisse Etwas: einen großartigen Körper und ein schönes Gesicht. Falls sie sich auch noch intelligent unterhalten konnte, war sie perfekt. Natürlich nicht für ihn, aber vielleicht für andere.
„Ich gebe zu, dass sie sehr attraktiv ist“, meinte er, „aber machen Sie sich keine Sorgen. Ich bin nicht zu haben – weder für angeschossene Grizzlybären noch für andere Damen. Außerdem habe ich eben gar nicht sie angesehen.“
Er deutete auf eine dunkle, graugrüne Wolke am Rande des Horizonts, die während des Gesprächs immer näher heranwirbelte. Es sah so aus, als würde ein Teil des Himmels herunter zur Erde gezogen …
Rosie stieß einen Schrei aus und griff nach seinem Arm. „Ein Tornado!“, rief sie und rannte zur Tür.
Stephen runzelte die Stirn. „Wovon reden Sie?“
„Wir müssen in den Schutzraum!“, schrie sie panisch.
Seine Arzthelferin, sonst durch nichts aus der Ruhe zu bringen, riss den Verbandskasten aus seiner Halterung an der Wand. Stephen nahm ihn ihr ab, dann packte sie seinen Arm und drängte ihn zur Tür.
Sein Blick glitt zur anderen Straßenseite. Nicht zu der überaus reizenden Ms. Nora Darby, sondern zu ihren betagten Kundinnen. Sie alle würden Schwierigkeiten haben, den Schutzraum rechtzeitig zu erreichen. Er wandte sich um und eilte zu Snip ’n Clip hinüber.
„Ich liebe diesen Song“, meinte Mrs. Gelson, während sie ihr Spiegelbild bewunderte. „Wenn ich den höre, vermisse ich meinen Bill. Er hat ihn mir damals immer vorgesungen.“
Aber klar, dachte Nora und rang sich ein Lächeln ab. Das wäre dann derselbe Bill, der seine Frau und drei Kinder zwei Nächte in der Woche zu Hause hatte sitzen lassen, um zum Pokern zu gehen. Die Frage, ob sie das Geld brauchten, das er verspielte, hatte er sich nie gestellt. Und Mrs. Gelson hatte nie mit einem einzigen Wort protestiert. Wenigstens hat der Blödmann seine Lebensversicherung nicht belastet, überlegte Nora. Auch wenn seine Witwe jetzt nicht wohlhabend war, ging es ihr an ihrem Lebensabend weit besser als in all den Jahren mit ihm.
Aber Mrs. Gelson sah das anders. Jetzt, wo Bill nicht mehr lebte, war er ein Heiliger.
„Ja, Sie haben mir schon oft erzählt, wie romantisch Ihr Ehemann war“, sagte Nora warmherzig, denn ihre Kundin wollte diese Lüge hören. Außerdem schienen die meisten Frauen ein schlechtes Gedächtnis zu haben, was Männer anging. Nora allerdings nicht. Sie hatte ein ganz hervorragendes Erinnerungsvermögen und machte nie den gleichen Fehler zweimal.
Mrs. Gelson zahlte und wartete auf ihr Wechselgeld. In diesem Augenblick wurde die Tür aufgestoßen. Ein großer, strohblonder Mann im weißen Kittel kam herein. Nora erkannte Stephen Remington, den neuen Arzt der Stadt. Erfolgreich, Single … und überhaupt. Die Leute sangen seit seiner Ankunft Loblieder auf ihn. Sie selbst war wenig beeindruckt und fuhr weiterhin an die hundert Kilometer in die Nachbarstadt zu einer Ärztin.
Als sie ihn jetzt ansah, stellte sie zufrieden fest, dass sie trotz seiner großen haselnussbraunen Augen und seiner schlanken, attraktiven Figur immun gegen seinen Charme war.
„Männer werden hier nicht bedient“, sagte sie mit zuckersüßer Stimme. „Da müssen Sie die Straße runter zum Herrenfriseur.“
„Was?“
Sie seufzte. „Ich habe gesagt …“
Er unterbrach sie mit einem kurzen Kopfschütteln. „Ist mir völlig egal. Es ist ein Tornado im Anzug. Alle müssen in den Schutzraum.“
Ehe Nora oder sonst jemand reagieren konnte, ging die Sirene los. Nora fluchte leise und warf einen Blick auf die drei Frisiersessel. Außer ihr und den anderen Stylistinnen war niemand jünger als fünfundsechzig. Und der Schutzraum war einen halben Block entfernt.
„Jill, geh du mit Mrs. McDirmity“, sagte Nora, während sie zu den Haartrocknern rannte und schnell die Hauben hochklappte. „Komm schon, wir müssen uns beeilen.“
Während sie sprach, schwoll draußen der Lärm an: ein lautes Getöse, durchbrochen von Klirren und Krachen und Klappern, als ob um sie herum die Welt aus den Fugen geriete. In weniger als zwei Minuten waren alle auf dem Weg zum Schutzraum. Der blonde Mann hatte seine Arme um zwei der Damen gelegt. Eine von ihnen hatte noch Lockenwickler im Haar, an denen der Wind jetzt zerrte. Zum Glück wurden sie bisher nur von ein paar kleinen Ästen getroffen.
Am Eingang zum Keller wartete Rosie. Sie drängte die Menschen so schnell wie möglich nach unten in Sicherheit.
„Kommen Sie, Mrs. Gelson“, sagte Nora, während sie ihre Kundin stützte. Die Witwe stieg vorsichtig in den unterirdischen Schutzraum hinunter.
Nora war die Letzte auf der Straße. Sie sah sich kurz nach Nachzüglern um, aber entdeckte niemanden. Ihr Blick verweilte auf den vertrauten Gebäuden. Würden sie den Sturm überstehen?
Sie sandte ein Stoßgebet zum Himmel, dass der Sturm keine Todesopfer fordern würde. Als sie nach der Tür griff, konnte sie nicht anders, als innezuhalten und zurückzublicken.
Hoch aufgetürmt, schraubte sich die dunkle Wolkenfront in den Himmel. Der Lärm war ohrenbetäubend. Der Boden zitterte, der Himmel stöhnte. Nie zuvor hatte sie diese rohe Naturgewalt miterlebt. Es war überwältigend. Es war …
„Was zum Teufel machen Sie da?“, fragte eine Männerstimme. Dann schlang jemand die Arme um ihre Taille und zerrte sie ins Halbdunkel des Kellers hinunter.
Nora ließ instinktiv die Tür los, die krachend ins Schloss fiel. Sie konnte spüren, aber nicht sehen, wie jemand nach oben fasste und den Riegel vorlegte. Der Mann, der sie festhielt, fesselte ihre Aufmerksamkeit umso mehr.
Seine Arme ruhten unterhalb ihrer Brüste. Als er seine Hand bewegte, strichen seine Finger über die nackte Haut ihres Bauches. Sie zitterte. Nicht vor Kälte oder aus Angst vor dem Sturm, sondern wegen … wegen …
Nora presste die Lippen zusammen und stieß seine Arme weg. Sie wusste nicht, warum sie zitterte, und es war ihr auch egal. Sie trat einen Schritt weg von dem Mann, der sie so gründlich überrumpelt hatte. Dann drehte sie sich um.
Stephen Remington, der neue Arzt. Natürlich. Niemand sonst hätte es gewagt, sie so anzufassen.
Sie zog eine Augenbraue hoch. „Ich hätte nicht gedacht, dass ein Arzt es nötig hat, Frauen zu begrabschen“, sagte sie beiläufig und erwartete, dass er gegen diesen Angriff auf seinen guten Ruf ärgerlich protestieren würde.
Stattdessen ließ Dr. Remington genüsslich den Blick über sie gleiten, von ihren Schuhen zu den Brüsten und schließlich zu ihrem entblößten Bauch. „Und ich hätte nicht gedacht, dass eine Frau Ihres Alters es nötig hat, sich wie ein Teenager zu stylen, nur um Aufmerksamkeit zu erregen.“
„Sie missverstehen mich“, sagte sie kühl. „Ich habe kein Interesse an Aufmerksamkeit. Wenigstens nicht an Ihrer.“
Jetzt erst wurde ihr bewusst, dass sie interessierte Zuhörer hatten. Und zwar jede Menge. In dem kleinen Sturmkeller bekam jeder Anwesende jedes einzelne Wort mit. Nora wünschte sich, sie hätte den Mund gehalten.
Da sie nicht wusste, wie sie die Unterhaltung sonst beenden sollte, kehrte sie dem Arzt einfach den Rücken zu und sah sich nach ihren betagten Kundinnen um. Alle Leute aus dem Snip ’n Clip hatten den Schutzraum sicher erreicht. Ihre Mitarbeiterinnen kümmerten sich um die Frauen – mit Umarmungen und tröstenden...




