E-Book, Deutsch, 320 Seiten
Reihe: MIRA Taschenbuch
Mallery Wer lieben kann, ist klar im Vorteil
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7457-5205-2
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Zwei romantische Kurzgeschichten
E-Book, Deutsch, 320 Seiten
Reihe: MIRA Taschenbuch
ISBN: 978-3-7457-5205-2
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Willkommen in Happily Inc, der romantischsten Kleinstadt der Welt!
Heiraten will Renee Grothen nicht. Ihr reicht es völlig, die Hochzeiten ihrer Kunden zu organisieren. Gegen gelegentliche Treffen mit dem sexy Schriftsteller Jasper hat Renee allerdings nichts einzuwenden. Sie hilft ihm sogar bei seinem neuen Roman, erklärt ihm, wie Frauenfiguren funktionieren und genießt mit ihm einfach eine schöne Zeit. Als Jasper dann aber glaubt, die Frau seines Lebens in ihr gefunden zu haben, wird Renee unsicher. Ist das der Zauber der wahren Liebe, von dem alle in Happily Inc erzählen?
»Ein wahrhaft unvergessliches Buch! Mallery ist unvergleichlich!« Romantic Times Book Reviews über »Die Liebe trägt Giraffenpulli«
»... besticht durch den für die beliebte Autorin typischen Mix aus Humor, Scharfsinn und Kleinstadt-Charme.« Booklist über »Planst du noch oder liebst du schon?«
Die SPIEGEL-Bestsellerautorin Susan Mallery unterhält ein Millionenpublikum mit ihren herzerwärmenden Frauenromanen, die in 28 Sprachen übersetzt sind. Sie ist dafür bekannt, dass sie ihre Figuren in emotional herausfordernde, lebensnahe Situationen geraten lässt und ihre Leserinnen und Leser mit überraschenden Wendungen zum Lachen bringt. Mit ihrem Ehemann, zwei Katzen und einem kleinen Pudel lebt sie in Washington.
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1. Kapitel
Jasper Dembenski kam problemlos mit dem eigenwilligen Navi klar. Ebenso mit dem geplatzten Reifen und den fünf Hagelschauern, durch die er gestern gefahren war. Aber der Mangel an Kaffee zwang ihn in die Knie.
Er schüttelte die leere Kaffeedose, als würde sie sich dadurch wie von Zauberhand wieder füllen. Was sie leider nicht tat. Er würde also in den Supermarkt fahren müssen, was angesichts der Tatsache, dass er ein zehn Meter langes Wohnmobil fuhr, leichter gesagt als getan war. Vielleicht gab es an der Rezeption Kaffee. Dann könnte er das Einkaufen auf den Nachmittag verschieben.
Jasper befand sich auf dem letzten Stück einer dreimonatigen Lesereise für seinen aktuellen Thriller. Sein Verleger hatte gar nicht erst versucht, ihn zu Dutzenden Flügen, Mietwagen und Hotels zu überreden. Stattdessen hatte er ihn mit der Idee gelockt, die verschiedenen Städte mit einem Wohnmobil anzufahren. Jasper machte es nichts aus, lange hinter dem Steuer zu sitzen. Er genoss die Einsamkeit und die Zeit zum Nachdenken, und die Campingplätze waren bisher alle ziemlich in Ordnung gewesen.
Im Moment befand er sich gute tausendeinhundert Meilen von seinem Zuhause entfernt. Sobald er wieder auf der Interstate 10 war, ging es schnurgerade zurück nach Happily Inc. Was er brauchte, war lediglich ein großer Becher Kaffee. Er würde einen Supermarkt in der Nähe der Interstate finden und sich mit ausreichend Lebensmitteln eindecken, um die zwei Tage durchzustehen.
Er trat in den warmen Septembermorgen hinaus und ging in Richtung Campingplatz-Rezeption. Auf dem Weg nickte er Menschen zu, die ihm zuwinkten oder einen Gruß zuriefen. Campingplätze waren freundliche Orte. Da er nicht so sehr auf Small Talk stand, hatte er sich schnell angewöhnt, forschen Schrittes zu gehen und einfach nur zu nicken. Ansonsten bestand die Gefahr, in eine langwierige und zähe Unterhaltung über den Zustand gewisser Nebenstraßen oder die besten Köder für Welse verstrickt zu werden.
»Hörst du mich, du Penner? Raus hier oder ich hole meine Flinte.«
Die wütenden Worte kamen von links. Instinktiv spannten sich Jaspers Muskeln an, und er wirbelte herum, in die Richtung, aus der die Worte gekommen waren. Er zog sich zurück, wobei er den Wohnwagen, an dem er gerade vorbeigegangen war, als Deckung nutzte. Auf die Weise konnte er sich von hinten anschleichen und gucken, was dort los war.
»Du hast mich gehört!«, rief der Mann. »Raus hier.«
Jasper schlich näher und hielt sich dicht am Wohnwagen. Dann bog er um die Ecke und machte einen Schritt vor, bereit, sich zwischen den Idioten und denjenigen zu stellen, den er bedrohte. Doch der kleine, rundliche alte Mann hatte es nicht auf sein Kind oder seine Frau abgesehen, sondern die Hand über einem Hund erhoben. Einem alten Hund, dessen Rippen durch sein verfilztes Fell zu sehen waren. Ein Hund, der zusammenzuckte und sich zurückzog.
»Gibt es ein Problem?«, fragte Jasper in seiner besten »Sag mir lieber, was los ist, bevor ich dir in den Hintern trete«-Stimme, die er während seiner Zeit bei der Militärpolizei perfektioniert hatte.
Der alte Mann funkelte ihn an, als wollte er sich mit ihm anlegen, schien es sich dann aber anders zu überlegen. »Nein, nichts. Der Hund lungert hier nur schon seit Wochen herum. Irgendjemand hat ihn ausgesetzt. Wenn man keinen Hund haben will, erschießt man ihn einfach. Das sage ich zumindest immer.«
Die Güte von Fremden, dachte Jasper grimmig. Oder besser gesagt: die nicht vorhandene Güte. Er wusste, dass es mehr gute als schlechte Menschen gab, aber ab und zu sah er sich gezwungen, sein Vertrauen in die Menschheit infrage zu stellen.
Der Hund – eine Mischung aus Labrador und irgendeinem Hütehund – schaute ihn mit traurigen, wissenden Augen an, als würde er vom Leben wirklich nichts Besseres erwarten. Er blieb außer Reichweite und zitterte trotz der Wärme. Offensichtlich war er kurz vor dem Verhungern und vielleicht auch krank. Wer setzte seinen Hund einfach an einem Campingplatz aus?
»Er bettelt um Futter«, verteidigte der alte Mann sich. »Ich habe keine Zeit, mich mit ihm herumzuschlagen.«
Jasper dachte an den Kaffee, den er immer noch nicht gehabt hatte, und die elfhundert Meilen zwischen ihm und seinem Zuhause. Er dachte an das Buch, das er gerade versuchte zu schreiben, und daran, wie langsam es damit voranging. Er dachte an die Albträume, die ihn oft heimsuchten, und dass es immer noch genügend schlechte Tage gab, um ihn demütig zu machen. Das absolut Letzte, was er in seinem Leben gebrauchen konnte, war ein alter Hund.
»An seiner Stelle würden Sie auch um Futter betteln«, sagte Jasper. »Erschießen Sie ihn nicht.«
»Sie haben mir nicht zu sagen, was ich tun und lassen soll.«
Jasper seufzte, bevor er die Schultern straffte und auf den Mann herabschaute, der einen guten Kopf kleiner war als er.
»Ernsthaft?«, fragte er. »Diese Richtung wollen Sie mit mir einschlagen?«
Der alte Mann schüttelte den Kopf. »Ich meine ja nur …«
»Ich weiß, was Sie meinen. Erschießen Sie den Hund nicht.«
Jasper ging zur Rezeption. Dort stand tatsächlich eine große Kanne Kaffee. Er füllte seinen Thermosbecher. Während er den ersten Schluck der heißen, dunklen Flüssigkeit trank, fragte er nach dem Hund und bekam bestätigt, dass es sich um einen Streuner handelte. Ein paarmal war der Versuch unternommen worden, ihn einzufangen, aber immer ohne Erfolg.
Jasper kehrte zu seinem Wohnmobil zurück. Er würde maximal fünfzehn Minuten nach dem Hund suchen. Wenn er ihn fand, würde er ihn mit etwas Essbarem ins Wohnmobil locken. Dann würde er zum örtlichen Tierarzt fahren und nachschauen lassen, ob der Hund gechipt war. Falls nicht, würde er ihn bei einem Tierheim abgeben und sich danach auf den Heimweg machen. Das Ganze würde ihn höchstens zwei Stunden kosten.
Oder weniger, dachte er, als er sich dem Wohnmobil näherte und den Hund vor der Tür sitzen sah.
»Guten Morgen«, sagte Jasper und öffnete die Tür.
Der Hund sprang hinein und ging direkt zu dem kleinen Kühlschrank, vor dem er Sitz machte.
»Irgendjemand verarscht mich hier«, murmelte Jasper.
Er nahm den Aufschnitt heraus, mit dem er sich eigentlich ein Sandwich hatte machen wollen, und gab ihn dem Hund, der ihn hinunterschlang. Schnell machte Jasper ein paar Rühreier. Keine zehn Minuten später lag der Hund ausgestreckt auf dem Sofa und war kurz davor einzuschlafen.
Jasper suchte die Nummer des nächstgelegenen Tierarztes heraus und rief dort an, um die Situation zu erklären. Die Rezeptionistin erklärte ihm, dass sie gerade eine Terminabsage bekommen hätten und ihn sofort empfangen könnten.
»Natürlich können sie das«, murmelte er.
Die Praxis war leicht zu finden, es gab ausreichend Platz, um das Wohnmobil abzustellen, und der verdammte Hund folgte ihm auch noch problemlos in das Gebäude.
Jasper erklärte das Problem einer älteren, freundlichen Frau, die laut dem Namensschild an ihrer Brust »Sally« hieß. Als er zu dem Teil kam, in dem er den Hund in einem Tierheim abgeben wollte, schwand ihr Lächeln.
»Sie wollen ihn nicht behalten?«, fragte sie.
»Äh, nein. Ich bin nicht gerade ein Hundemensch.«
Sowohl sie als auch der Hund starrten ihn an. Jasper verlagerte unbehaglich das Gewicht von einem Fuß auf den anderen. Er wollte erklären, dass er nicht gemein, sondern sein Widerstreben nur realistisch war. Nach der Entlassung aus der Armee war es ihm nicht gut gegangen. Unzählige Therapiestunden und Medikamente später war er endlich über etwas gestolpert, was es ihm ermöglicht hatte, wieder einigermaßen am alltäglichen menschlichen Miteinander teilzunehmen. Inzwischen war er so weit geheilt, dass er als normal durchging. Aber er kannte die Wahrheit – er würde nie wieder ganz normal sein. Mehr als ein Therapeut hatte ihn gewarnt, dass er dafür zu kaputt war.
Natürlich hatten sie das nicht mit diesen Worten ausgedrückt, dafür waren sie zu professionell gewesen. Die Wahrheit war trotzdem offensichtlich.
»Ich würde gerne prüfen, ob er einen Chip hat, und ihn vielleicht einer generellen Untersuchung unterziehen lassen«, sagte Jasper.
»Okay. Kommen Sie mit.«
Er und der Hund folgten der Frau. Sie blieb vor einer Waage im Flur stehen und bedeutete dem Hund hinaufzugehen.
»Los, mein Junge. Rauf mit dir.«
Der Hund gehorchte. Er wog vierundzwanzig Kilo. Sally zuckte sichtlich zusammen.
»Er sollte eher an die dreißig Kilo wiegen«, sagte sie. »Der arme Kerl ist wirklich abgemagert.«
Jasper und der Hund betraten das Untersuchungszimmer.
»Ich werde eine der Helferinnen bitten, mit dem Scanner zu kommen. Wenn es einen Chip gibt, machen wir von da aus weiter. Wenn nicht, können wir darüber reden, ob Sie die Untersuchung bezahlen wollen oder ihn einfach so ins Tierheim bringen.«
Ihr Ton war zwar freundlich, aber Jasper hörte die Geringschätzung in ihrer Stimme trotzdem. Anstatt etwas zu erwidern, nickte er nur. Die Frau ging, und er blieb mit dem Hund allein zurück.
Er setzte sich, dann schauten sie einander an. Jasper wandte den Blick zuerst ab.
»Du kannst nicht allein bleiben«, sagte er und rutschte unbehaglich auf dem Stuhl herum. »Sieh dich nur an. Du brauchst jemanden, der sich um dich kümmert. In einem Tierheim hättest du zwei Quadratmeter und ein Bett, oder? Und du könntest eine neue Familie finden.«
Ohne es zu wollen, erinnerte er sich daran, irgendwo gelesen zu haben,...




