E-Book, Deutsch, 464 Seiten
Reihe: HarperCollins
Mallery Wo sich die Sterne spiegeln
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-95967-848-3
Verlag: HarperCollins
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 464 Seiten
Reihe: HarperCollins
ISBN: 978-3-95967-848-3
Verlag: HarperCollins
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Zu Hause ist, wo wir zusammen sind
Die drei Halbgeschwister Malcolm, Callie und Keira wussten nichts voneinander. Aber als ihr Großvater sie in der Familienvilla am See zusammenführt, beginnt für sie alle ein neues Leben. Malcolm, der schon längst den Familienkonzern »Alberto's Alfresco« leitet, muss damit zurechtkommen, dass zu Hause plötzlich zwei Schwestern mitreden. Callie erfährt, wie es ist, von einem großen Bruder beschützt zu werden - ob sie will oder nicht. Und die 12-jährige Keira hofft nur, dass das alles kein Sternentraum ist, sondern sie ein echtes Zuhause gefunden hat.
»Ein unwiderstehliches modernes Märchen mit einem wunderschönen Happy End. Die Leser werden gern zu diesem Wohlfühlroman zum Träumen greifen.« Booklist
»Herzerwärmend! [...] perfekt für Leser, die familiäre Unwägbarkeiten mögen.« Publishers Weekly
Die SPIEGEL-Bestsellerautorin Susan Mallery unterhält ein Millionenpublikum mit ihren herzerwärmenden Frauenromanen, die in 28 Sprachen übersetzt sind. Sie ist dafür bekannt, dass sie ihre Figuren in emotional herausfordernde, lebensnahe Situationen geraten lässt und ihre Leserinnen und Leser mit überraschenden Wendungen zum Lachen bringt. Mit ihrem Ehemann, zwei Katzen und einem kleinen Pudel lebt sie in Washington.
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2. KAPITEL
Um halb sieben an diesem unerwartet sonnigen Samstagmorgen glich der beeindruckende Fitnessraum des Mehrfamilienhauses, in dem Santiago Trejo eine Eigentumswohnung besaß, praktisch einer Geisterstadt. Santiago teilte seine Aufmerksamkeit zwischen dem Display des Laufbands und dem kleinen, in der Wand eingebauten Fernsehbildschirm auf, der auf den Sportsender ESPN eingestellt war. An diesem ersten Samstag der diesjährigen Baseball-Saison fanden einige Spiele statt.
Wie die meisten Männer mochte Santiago Sport, doch was so spannend an Baseball sein sollte, war ihm ein Rätsel. Mal im Ernst, gab es irgendein Spiel, das noch langsamer war? Er brauchte eine Sportart, in der sich was tat. Beim Hockey oder Fußball war zwar die Anzahl der Tore nicht hoch, aber die Spieler waren ständig in Aktion. Beim Baseball jedoch konnte eine ganze Spielrunde vergehen, ohne dass groß etwas passierte.
Genau in dem Moment, in dem sein Laufbandprogramm endete, setzte der Werbeblock ein. Gutes Timing, dachte er grinsend. Er desinfizierte das Gerät kurz, dann schnappte er sich sein Handtuch und seine Wasserflasche und ging zum Aufzug.
Seine Wohnung befand sich im obersten Stock mit Blick auf den Puget Sound und die Halbinsel dahinter. Von hier aus konnte er die Fähren und Frachtschiffe auf ihrem Weg zum Hafen beobachten, in vorderster Reihe die Paraden zum Nationalfeiertag verfolgen und die durchziehenden Stürme an sich vorüberwirbeln lassen. Bei klarer Sicht – in Seattle eher eine Seltenheit – sah man sogar die Olympic Mountains. Die atemberaubende Aussicht mit ihren fantastischen Sonnenuntergängen kam ihm sehr gelegen, was die Eroberung der Damenwelt betraf – nicht dass er irgendwelche Requisiten nötig gehabt hätte, doch ein Mann sollte auf mehr als eine Waffe zurückgreifen können.
Nachdem er geduscht und sich eine Jeans und einen Yale-Law-School-Pulli übergezogen hatte, fuhr er hinunter in die Tiefgarage zu seinen zwei Parkplätzen. Auf dem einen stand ein schnittiges nachtblaues Mercedes SL Cabrio, auf dem anderen ein riesiger schwarzer Cadillac Escalade.
»Nicht heute«, sagte er und tätschelte den Mercedes leicht. »Ich muss die Kleinen abholen.« Und abgesehen davon, dass deren Mutter es nicht gutheißen würde, wenn sie in einem Cabrio mitführen, hatte es schlicht keinen Rücksitz.
Santiago fuhr zu seiner Lieblingsbäckerei. Anders als im Fitnessraum war es hier brechend voll am Samstagmorgen. Er zog eine Nummer aus der Maschine am Eingang und wartete, bis er an der Reihe war. Als die Achtundsiebzig aufgerufen wurde, rückte er vor zum Tresen und grinste die kleine, mollige Frau mit dem Haarnetz an, die dahinter stand.
»Guten Morgen, Brandi. Ist deine Mutter da? Du weißt ja, wie gern ich mit ihr plaudere.«
Die über fünfzigjährige Frau rollte mit den Augen. »Du weißt genau, dass sie direkt vor dir steht, Santiago. Auf dein kleines Spielchen fällt doch niemand rein.«
Er fasste sich an die Brust und tat überrascht. »Valia? Bist du’s wirklich? Du bist so schön heute Morgen – noch schöner als sonst, was ich niemals für möglich gehalten hätte.« Er hielt die Arme auf. »Komm her! Du brauchst sicher genauso dringend eine Umarmung wie ich.«
Sie stöhnte, als wäre dies eine große Zumutung, doch dann kam sie hinter dem Tresen hervor. Santiago nahm sie hoch und wirbelte sie herum, bis sie aufschrie.
»Lass mich runter, du Spinner! Du brichst dir noch das Kreuz.«
Er stellte sie ab und küsste sie auf die Wange. »Das ist es mir wert«, flüsterte er.
Sie lachte und gab ihm einen Klaps auf den Arm. »Du bist unverbesserlich.«
»Genau deshalb bin ich doch dein Liebling.«
»Du bist überhaupt nicht mein Liebling.«
»Lügnerin.«
Sie kicherte. »Wie geht’s deiner Mama?«
»Gut. Ich fahre sie jetzt besuchen und dann gehe ich mit den Hosenscheißern in den Zoo.« Er hatte den beiden für den ersten sonnigen Frühlingssamstag einen Ausflug versprochen, woraufhin sie ihm gestern Nachrichten mit Links zum Wetterbericht geschickt hatten.
»So liebe Kinder.« Valia beäugte ihn. »Du solltest auch endlich heiraten.«
»Mag sein.«
»Du brauchst eine Frau.«
»Niemand braucht eine Frau.«
»Doch, du. Sonst bist du bald zu alt.«
»Hey, ich bin gerade mal vierunddreißig.«
»Also praktisch ein alter Mann. Heirate endlich, sonst will dich keine mehr.«
Er deutete mit dem Daumen auf sich selbst und zwinkerte. »Bist du sicher?«
Ihre Mundwinkel zuckten amüsiert. »So toll bist du nun auch wieder nicht.«
»Lügnerin, Lügnerin!«
Sie reichte ihm eine Pappschachtel, auf deren Deckel sein Name gekritzelt war. Er hatte das süße Gebäck online bestellt, gleich nachdem er von seinem Neffen und seiner Nichte gehört hatte.
»Meine Cousine hat eine sehr nette Tochter.«
Er reichte ihr zwanzig Dollar. »Ja, das sagtest du bereits. Ich hab dich echt lieb, Valia, aber nein danke. Ich such mir lieber selbst eine Frau.«
»Das höre ich ständig, aber dann passiert doch nichts. Was ist bloß dein Problem?«
»Nichts«, rief er von der Tür aus. »Ich werd’s schon merken, wenn es die Richtige ist. Da bin ich mir sicher.«
Er überquerte die Straße und kaufte zwei Latte macchiato bei Starbucks, dann fuhr er weiter in Richtung Norden, bis er zu einem Viertel mit alten Häusern gelangte. Die meisten waren umgebaut worden oder befanden sich gerade mitten im Sanierungsprozess, doch ein paar hatten noch die alten Fenster und winzigen Garagen, in die nur ein Auto passte.
Er schlängelte sich durch die engen Straßen, bis er sein Ziel erreichte und in die lange Auffahrt einbog.
Das Grundstück war so riesig, dass zwei Häuser darauf Platz hatten. Das vordere war größer – es maß inklusive Untergeschoss etwa zweihundertachtzig Quadratmeter –, verfügte über einen schönen Garten und viel Licht. Dahinter stand ein kleineres Haus mit nur einem Schlafzimmer, das jedoch jeglichen Komfort sowie Privatsphäre und Ruhe bot.
Santiago hätte es niemals offen zugegeben, doch jedes Mal, wenn er hierherkam, erfüllte ihn Stolz. Er hatte es geschafft, seiner Familie all dies zu bieten. Er – der Sohn eines Landarbeiters aus dem Yakima Valley. Häuser und Grundstück waren abbezahlt und wurden in einem Familienfonds verwaltet. Sein Bruder Paulo wohnte mit seiner Familie im vorderen Haus und seine Mutter lebte in dem kleineren.
Vor Letzterem parkte er und ging die paar Stufen zum Eingang hoch. Noch ehe er klopfen konnte, öffnete seine Mutter ihm die Tür.
»Deine Autos sind alle so laut«, begrüßte sie ihn lachend. »Das Subtile ist einfach nicht so deine Art, stimmt’s?«
»Stimmt.«
Er umarmte und küsste sie, dann folgte er ihr in die helle Küche, deren Wände in verschiedenen Gelbtönen gehalten waren. Wie immer war sie beinahe erschreckend sauber und aufgeräumt. Auch seine Wohnung war sauber, aber das lag nur daran, dass er kaum zu Hause war und einen Reinigungsdienst beschäftigte. Er reichte seiner Mutter einen Latte macchiato und öffnete die Schachtel mit dem Gebäck. Er hatte gerade mal einen Bissen herunterbekommen, als die Befragung losging.
»Wie läuft’s bei der Arbeit?«
»Gut. Viel zu tun.«
»Ernährst du dich auch richtig? Und trinkst du genug Wasser? Das hast du ja noch nie gerne gemacht, aber es ist gut für die Nieren und hält dich gesund.«
»Mom«, setzte er an, auch wenn er nicht wusste, weshalb er sich überhaupt die Mühe machte. Was war nur los mit diesen Frauen über fünfzig, dass sie einem ständig irgendwas einreden wollten? Er versuchte, ein wenig Entrüstung aufzubringen, schaffte es jedoch nicht. Nicht seiner Mutter gegenüber. Ihre festen Grundsätze hatte sie sich durch Jahre der Aufopferung und der harten Arbeit verdient.
Sie nippte an ihrem Kaffee und lehnte sich an die Küchentheke. »Hast du abgenommen?«
»Ich wiege genauso viel wie letztes Mal, als wir uns gesehen haben. Genauso viel wie letztes Jahr und das Jahr davor.«
»Aber bekommst du auch genügend Schlaf? Du gehst immer viel zu lange aus mit all diesen Frauen. Und wieso kriege ich eigentlich nie mal eine zu Gesicht? Nie bringst du eine mit nach Hause.«
»Du hast mir gesagt, das soll ich erst, wenn es mir ernst ist mit einer.«
»Ja, aber das liegt nur daran, dass es immer schon vorbei ist, ehe es richtig angefangen hat. So als würdest du in eine Drehtür gehen, die dich gleich wieder rausbefördert. Sieh dir Paulo an. Er ist dein jüngerer Bruder und schon seit zwölf Jahren verheiratet.«
Santiago nahm einen Bissen von seiner Zimtschnecke, damit er nicht antworten musste. Er liebte seinen Bruder, und es gab auf der ganzen Welt kaum einen Menschen, den er mehr mochte als seine Schwägerin, doch niemals würde er sich seinen Bruder zum Vorbild nehmen. Paulo hatte seine Freundin geschwängert, als die beiden noch auf der Highschool waren. Daraufhin hatten sie eilig geheiratet, ihr Kind bekommen und zwei Jahre später noch eins.
Paulo hatte damals einen Fließbandjob bei Alberto’s Alfresco angenommen und arbeitete noch heute dort. Santiago hatte versucht, ihn dazu zu bewegen, aufs College zu gehen oder ein Handwerk zu erlernen, aber Paulo sagte, er ziehe das Fließband vor. Schließlich war er zum Aufseher befördert worden, und das genügte ihm.
Hanna, Paulos Frau, war zu Hause bei den Kindern geblieben, bis das jüngste fünf war, und hatte dann ihren Abschluss...




