E-Book, Deutsch, Band 532, 256 Seiten
Reihe: Historical MyLady
Mallory Der Baron und die widerspenstige Schöne
1. Auflage 2010
ISBN: 978-3-86349-462-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 532, 256 Seiten
Reihe: Historical MyLady
ISBN: 978-3-86349-462-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Raunen geht durch London: Luke Ainslowe, Baron Darvell, ist wieder zurück! Die Ladies der Gesellschaft liegen dem begehrten Junggesellen zu Füßen, wollen in seinen starken Armen dahinschmelzen ... Nur eine junge Dame scheint ihm die kalte Schulter zu zeigen: die zauberhafte Carlotta. Hat sie ihm die Küsse, die er ihr im vergangenen Sommer raubte, nicht verziehen? Und dass er sie damals verlassen musste? Doch einzig sie ist es, nach der es ihn verlangt. Als sie sich auf einem Ball wiederbegegnen, setzt Luke alles daran, das Herz der widerspenstigen Schönheit zu erobern ...
Schon immer hat die in Bristol geborene Sarah Mallory gern Geschichten erzählt. Es begann damit, dass sie ihre Schulkameradinnen in den Pausen mit abenteuerlichen Storys unterhielt. Mit 16 ging sie von der Schule ab und arbeitete bei den unterschiedlichsten Firmen. Sara heiratete mit 19, und nach der Geburt ihrer Tochter entschloss sie sich, das zu tun, was sie schon immer hatte tun wollen: schreiben. Voller Stolz konnte sie schon bald ihre ersten historischen Liebesromane in der Hand halten. Als sie Zwillingssöhne bekam, musste das Schreiben in die 2. Reihe rücken. Wegen eines Knöchelbruchs musste sie einige Jahre später 12 Wochen auf dem Sofa verbringen. Nun fand sie endlich Zeit, ihren nächsten Roman zu beenden. Und seitdem hat das Schreiben sie nicht mehr losgelassen. Ihre Spezialität sind historische Liebesromane mit einem abenteuerlichen Touch.
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2. KAPITEL
Das neue, aufregende Leben in London bot Carlotta Ablenkung von ihrem Kummer. Lady Broxted wollte ihrer Nichte eine schöne erste Ballsaison bereiten und sorgte für reichlich Unterhaltung. Ausritte im Park, Einkäufe, Spaziergänge, Bälle, Besuche und Gesellschaften füllten Carlottas Tage. Dennoch hatte sie viel Zeit zum Nachdenken. Selbst zwei Wochen nach dem Ball in Prestbury House ließ sie das Geplauder ihrer Bekannten bei einem gemeinsamen Ausritt einfach über sich hinwegplätschern und verlor sich in ihren Erinnerungen. In Malberry Court hatte sich Luke stets höchst aufmerksam ihr gegenüber gezeigt. Er hatte Speisen mitgebracht, die sie gemeinsam genossen, sie abends nach Hause begleitet – es war eine idyllische, glückliche Zeit gewesen. Sie hatte sich in seiner Begleitung stets sicher gefühlt. Nie wieder hatte er versucht, sie zu küssen. Sie hingegen war eines Tages stark versucht gewesen, in seine Arme zu sinken. An dem Tag, da er zu ihr auf das Gerüst gekommen war …
„Guten Morgen, Major, oder ist es etwa bereits Mittag?“, hatte sie gefragt, als sie bemerkte, dass er lachend zu ihr hinaufsah.
Mit viel Aufhebens hatte er seine Uhr hervorgeholt und nach einem Blick darauf mit ernster Miene verkündet: „Es ist bereits nach drei Uhr, Madam. Sind Sie derart in Ihre Arbeit vertieft, dass Sie die Zeit vergessen?“
Ein Lachen lag auf ihren Lippen, doch sie zog die Stirne kraus. „Ich bin sehr beschäftigt, Sir. Bitte halten Sie mich nicht auf.“
„Können Sie nicht wenigstens für einen kurzen Augenblick herunterkommen?“
„Nein, Sir, das kann ich nicht. Was tun Sie denn da?“ Sie lachte. „Sie können nicht nach oben kommen.“
„Das kann ich und das werde ich“, antwortete er, eine weitere Stufe der Leiter erklimmend. „Ich möchte mir Ihren Adlerhorst gerne einmal anschauen.“
Sie spürte, wie das Gerüst leicht schwankte, während er die Leiter emporstieg, und räumte rasch ihre Palette und die Pinsel aus dem Weg.
„Liebe Güte, wie können Sie hier überhaupt arbeiten“, rief er aus, nachdem er auf die Plattform geklettert war.
„Zugegeben, es ist ein wenig beengt, und man kann nicht aufrecht stehen. Die Arbeit führt man gebückt oder im Liegen aus. Für mich ist es leichter, weil ich kleiner bin als Sie.“
Er deutete auf ein großes Rondell in der Mitte der Decke. „Hat das Ihr Vater gemalt?“
„Ja.“ Sie lachte, als sie sah, wie er versuchte, sich in eine einigermaßen komfortable Position zu zwängen, um einen besseren Blick auf das Fresko zu haben. „Im Liegen könnten Sie es besser sehen, aber da würden Sie sich Ihren Gehrock beschmutzen.“
Ihrer Warnung keine Beachtung schenkend legte er sich auf das Gerüst. „Ah ja, tatsächlich. Nun kann ich es erkennen. Ein antiker Gott und sein Gefolge.“ Er verlagerte seine Position. „Und das andere Rondell, das kleinere weiter hinten, wer hat das angefertigt?“
Sie hockte sich neben ihn und schaute zur Decke. „Das ist mein Werk. Sie sind zu nahe, um es in seiner vollen Größe und Schönheit wahrnehmen zu können. Vom Boden sieht man es besser.“
„Für mich sieht es auch von hier wundervoll aus“, entgegnete er. „Ich bin beeindruckt.“ Er rollte auf die Seite und stützte den Kopf auf seinem Arm ab. „Wann werden Sie nun nach unten kommen?“, fragte er lächelnd.
Die Fresken waren vergessen. Nur wenige Zentimeter war sein Gesicht von dem ihren entfernt. Sie überlegte, was wohl geschehen würde, wenn sie die Arme um ihn legen und ihn küssen würde. Der Wunsch, genau dies zu tun, war so überwältigend groß, dass sie erbebte. Welch verruchter Gedanke!
„Carlotta!“
Sie schreckte aus ihrem Traum, lag nicht länger neben Luke Ainslowe auf dem hohen Gerüst in Malberry Court, sondern saß wieder auf ihrem sanftmütigen Pony und ritt durch den Hyde Park. Die anderen Teilnehmer ihrer Reitgesellschaft waren schon weit voraus, und zu ihrem Entsetzen erkannte sie, dass Luke auf einem schlanken, langbeinigen Braunen neben ihr ritt. Heiße Röte überzog ihre Wangen. Hatte sie ihn durch ihre Erinnerungen etwa herbeibeschworen?
Nach ihrem Auftritt in Prestbury House hatte sie nicht damit gerechnet, dass er noch einmal versuchen würde, allein mit ihr zu sprechen. Sie war sich sicher gewesen, dass sie ihn gründlich vergrault hatte. Allein, hier war er nun an ihrer Seite, lächelte sie an und ließ ihr Herz erneut schneller schlagen.
„Wir hatten neulich keine Gelegenheit, uns ausführlich zu unterhalten.“
„Ich habe Ihnen nichts zu sagen, Mylord.“
Sie trieb ihr Pony an, um zu den anderen aufzuschließen, doch Luke schnellte vor und fasste ihr Pferd am Zügel.
„Nicht so eilig, Carlotta. Lass mich nur einen Augenblick deine Gesellschaft genießen.“
Sie erstarrte. „Ich habe Ihnen nicht erlaubt, mich mit meinem Vornamen anzureden.“
„Doch hast du, in Malberry, weißt du nicht mehr?“
Sie zuckte mit den Schultern. „Ich hege nicht den Wunsch, mich an die Zeit in Malberry zu erinnern.“
„Warum nicht?“, fragte er, während sein einfühlsames Lächeln die Schutzmauer durchdrang, die sie um ihr Herz errichtet hatte. „Hast du unsere gemeinsamen Nachmittage dort nicht genossen? Hast du vergessen, dass du versprochen hast, mich zu malen?“
Sie schaute unverwandt nach vorne. Natürlich erinnerte sie sich daran. Sie erinnerte sich an jedes Wort, das er zu ihr gesagt hatte. Und sie erkannte, dass sie ihn immer noch gerne malen würde. Es sollte aber kein gewöhnliches Porträt sein, so wie es üblich war, kein Bild, bei dem bedeutende Männer in ihrem Arbeitszimmer posierten. Nein, sie wollte ihn so malen, wie sie ihn in Malberry Court erlebt hatte, entspannt im Gras liegend. Für sein braunes Haar würde sie Umbra als Basis verwenden und mit einigen zarten Pinselstrichen die von der Sonne gebleichten Strähnen einfangen. Und seine Augen – nun, den Farbton würde sie leicht treffen können, denn sie glänzten wie polierte Haselnüsse. Doch würde es ihr auch gelingen, dieses gewisse Funkeln in seinem Blick einzufangen, das man immer sah, wenn er lachte?
Carlotta schaute abrupt zur Seite. Allein der Gedanke an die Zeit in Malberry wühlte sie auf, und sie stand kurz davor, in Tränen auszubrechen. Rasch zwang sie sich zu einer blasierten Miene und hob die Augenbrauen. „Sie wollen mich beauftragen, Mylord? Obwohl überall bekannt ist, dass Sie keinerlei Vermögen besitzen?“
„Das wird nicht immer so sein.“
Verächtlich verzog sie den Mund. „Nun, das interessiert mich nicht, da ich Sie ohnehin nicht malen werde. Ich muss mir meinen Lebensunterhalt nun nicht mehr verdienen.“
„Das mag sein, aber ich dachte, die Malerei sei deine Leidenschaft.“
Ihr gelang ein gekünsteltes, zwitscherndes Lachen. „Oh liebe Güte, nein. Das wäre höchst undamenhaft“, entgegnete sie bemüht affektiert.
Mit Genugtuung sah sie, wie sich seine Hand um die Zügel krampfte. Der Braune machte einen tänzelnden Schritt zur Seite.
„Was ist nur mit dir geschehen, Carlotta? In Malberry Court warst du … anders.“
Er musterte sie aufmerksam. Carlotta wusste, sie würde ihn ansehen müssen, doch sie wäre lieber gestorben, als ihm ihre wahren Gefühle zu offenbaren. Er war ein Frauenheld, das sagte ihr jeder. Er war ihre erste Liebe gewesen – ihre einzige Liebe – und er hatte ihr das Herz gebrochen. Aber das taten Frauenhelden nun mal, er würde sich nicht ändern. Es hatte Monate gedauert, bis sie neuen Lebensmut geschöpft hatte. Nur das Wissen, wie lieb sie ihren Eltern, ihrer Tante und ihrem Onkel war, hatte ihr die Kraft gegeben, weiterzuleben. Sie konnte nicht zulassen, dass er sie erneut verletzte. Herausfordernd reckte sie das Kinn und fixierte ihn mit kalten, gleichgültigen Blicken.
„In Malberry, Mylord, war ich ein Kind. Ich wusste nichts vom Lauf der Welt. Daher nahm ich auch an, Geld spiele keine Rolle. Nun aber weiß ich es besser.“ Sie zwang sich, den Blick nicht abzuwenden, inständig hoffend, dass er nicht hinter die Maske der eisigen Blasiertheit blicken konnte, die sie aufgesetzt hatte, um die tiefe Pein in ihrem Herzen zu verbergen. Einen langen Augenblick erwiderte er ihren Blick, doch sie zuckte nicht mit der Wimper, um nicht zu offenbaren, dass der Kummer sie schier zu zerreißen drohte. Dann sah sie, wie sich seine Verwunderung allmählich in Verachtung umschlug. Hatte sie geglaubt, sich nicht elender fühlen zu können, wurde sie nun eines Besseren belehrt. Die Abscheu in seinen Augen war nahezu unerträglich. Nahezu.
Die Zügel ihres Ponys loslassend meinte er knapp: „Dann werde ich Sie nun Ihrer Glücksjägerei überlassen, Miss Rivington. Guten Tag.“
Luke trieb sein Pferd an und galoppierte davon. Den missbilligenden Blicken der anderen Parkbesucher, die es als ungebührlich betrachteten, sich schneller als im Schneckentempo fortzubewegen, schenkte er keine Beachtung. Dieses verflixte Mädchen. Bei ihrer ersten Begegnung in Malberry hatte er sich lediglich die Zeit mit einer kleinen Tändelei vertreiben wollen. Himmel, sie hatte es ihm heimgezahlt. Er blickte finster. Dass sie ihm seine finanzielle Lage unter die Nase reiben konnte, war seine eigene Schuld. Schließlich hatte er ihr selbst von seinen finanziellen Schwierigkeiten erzählt. Er hatte sie an einem jener heißen,...




