E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: CORA Verlag
Mallory Ein Offizier - und zärtlicher Verführer
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7337-1683-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: CORA Verlag
ISBN: 978-3-7337-1683-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Kein Mann hat Eloise je so fasziniert wie der mutige Major Jack Clifton: stark, attraktiv, weltmännisch - und unglaublich galant. Auf dem Sommerball schwebt sie in seinen Armen im Walzertakt über das Parkett und wähnt sich im siebten Himmel! Doch die ernüchternde Erkenntnis folgt schon nach dem ersten Tanz: Sie darf Jack nicht lieben. Die Schatten ihrer Vergangenheit würden sie beide ins Verderben reißen ...
Schon immer hat die in Bristol geborene Sarah Mallory gern Geschichten erzählt. Es begann damit, dass sie ihre Schulkameradinnen in den Pausen mit abenteuerlichen Storys unterhielt. Mit 16 ging sie von der Schule ab und arbeitete bei den unterschiedlichsten Firmen. Sara heiratete mit 19, und nach der Geburt ihrer Tochter entschloss sie sich, das zu tun, was sie schon immer hatte tun wollen: schreiben. Voller Stolz konnte sie schon bald ihre ersten historischen Liebesromane in der Hand halten. Als sie Zwillingssöhne bekam, musste das Schreiben in die 2. Reihe rücken. Wegen eines Knöchelbruchs musste sie einige Jahre später 12 Wochen auf dem Sofa verbringen. Nun fand sie endlich Zeit, ihren nächsten Roman zu beenden. Und seitdem hat das Schreiben sie nicht mehr losgelassen. Ihre Spezialität sind historische Liebesromane mit einem abenteuerlichen Touch.
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1. KAPITEL
Über ein Jahr war seit der entscheidenden Schlacht bei Waterloo vergangen, und Jack Clifton kehrte endlich nach England zurück. Noch während er seine Kriegskameraden und die Armee hinter sich ließ, die ganze zehn Jahre sein Leben gewesen war, dachte er schon über die beiden Aufträge nach, die er sich auferlegt hatte. Erst danach würde er sich seinen eigenen Angelegenheiten widmen. Einer seiner Aufträge lautete, Allynghams Ring und Medaillon dessen Witwe zu übergeben, doch zuvor würde er einen kleinen Friedhof in Berkshire aufsuchen.
Das Dorf in der Nähe von Thatcham lag verlassen da. Niemand sah den staubbedeckten Reisenden zum Kirchhof reiten. Jack band sein Pferd am Torpfosten zum Friedhof fest und warf seinen Mantel über den Sattel. Der Regen, der ihn den ganzen Weg von der Küste bis hierher begleitet hatte, hatte nachgelassen, und nun schien die Julisonne heiß auf ihn herab. Zielbewusst schritt Jack zwischen den Gräbern weiter, bis er ein bestimmtes Grab erreichte, das im Schatten mehrerer Buchen lag und nur einen schlichten Stein aufwies. Erstaunt stellte Jack fest, dass keine Blumen auf dem Gras lagen.
„Keiner außer mir scheint deinen Tod zu beklagen“, flüsterte er und lächelte traurig.
Er kniete sich neben das Grab und legte einen Strauß weißer Rosen vor den Stein. „Ich bete darum, dass du jetzt deinen Frieden gefunden hast, Clara.“
Jack erhob sich, nahm den Hut ab und stand eine kleine Weile stumm in der warmen Sonne. Dann straffte er die Schultern, wandte sich ab und machte sich auf den Weg nach London.
Eloise packte den Arm ihres Begleiters unwillkürlich etwas fester, als sie den Empfangssalon von Lady Parham betraten.
„Ich bin sehr froh, dass du bei mir bist, um mir Mut zu geben, Alex.“
„Dir hat es nie an Mut gefehlt, Elle.“
Bevor Eloise etwas erwidern konnte, kam ihre Gastgeberin bereits strahlend auf sie zu. „Meine liebe Lady Allyngham! Ich bin entzückt, Sie begrüßen zu dürfen. Manche hätten schon früher mit Ihrem Besuch in der Stadt gerechnet. Aber ich wusste, Sie wollten erst abwarten, bis die ganzen zwölf Monate der Trauerzeit vorüber sind. Von der Witwe eines Helden von Waterloo konnten wir auch kaum weniger erwarten. Und Mr Mortimer. Willkommen, Sir.“
Lady Parhams kleine Augen fixierten Alex kurz. Eloise ahnte, welche Gedanken ihrer Gastgeberin durch den Kopf gingen, und musste einen Anflug von Ärger unterdrücken. Fast jeder in der Stadt dachte, Alex sei ihr Liebhaber, und nichts, was sie sagen könnte, würde die Leute vom Gegenteil überzeugen. Also machte sie sich gar nicht erst die Mühe. Ganz abgesehen davon, störte sie es nicht, wenn die ganze Welt glaubte, sie sei Alex’ Geliebte. Solange allgemein angenommen wurde, dass sie unter seinem Schutz stand, würden ihr die verhassten Annäherungsversuche anderer Männer erspart bleiben. Mehr als einen Flirt nahm man sich bei ihr nicht heraus.
Zwölf Monate waren vergangen seit Tonys Tod, und die Gefühle der Trauer und Verzweiflung von damals hatten sich allmählich gelegt. Während jener ersten einsamen Wochen war Alex immer da gewesen, um sie zu stützen und wie ein wahrer Freund den Schmerz mit ihr zu teilen. Sie waren gemeinsam aufgewachsen, und sie liebte ihn wie einen Bruder. Eigentlich gefiel es ihr nicht, die Welt glauben zu lassen, er sei ein respektloser Herzensbrecher, doch er versicherte ihr stets aufs Neue, dass es ihm schmeichelte, als ihr Galan zu gelten.
„Wenn es ihre Neugier befriedigt, sollten wir es zulassen“, hatte er gesagt und hinzugefügt: „Es ist so viel harmloser als die Wahrheit, Elle.“
Eloise begrüßte Lady Parham, entschlossen, den Eindruck einer glücklich verliebten Frau zu vermitteln. „Mr Mortimer war so freundlich, mich zu begleiten.“
„Aber meine Liebe, Sie brauchen doch keine Begleitung zu meinen Gesellschaften. Sie werden nur Freunde antreffen.“
„Die Art von Freunden, die einem ins Gesicht lächeln und über einen herfallen, sobald man ihnen den Rücken zukehrt“, sagte Eloise leise, nachdem sich die Gastgeberin dem nächsten Neuankömmling zugewandt hatte.
„Sie sind neidisch, weil du sie alle in den Schatten stellst“, bemerkte Alex.
„Ich hatte nicht geglaubt, dass es mir so schwerfallen würde, mich wieder unter Menschen zu mischen“, meinte Eloise seufzend.
„Wir können immer noch nach Allyngham Park zurückkehren.“
„Nichts lieber als das, Alex. Aber ich muss Tonys Wunsch erfüllen und dafür sorgen, dass ein Waisenhaus gebaut wird.“ Sie drückte Alex’ Arm und lächelte. „Aber ich übertreibe. Natürlich möchte ich nicht mein ganzes Leben lang von der Gesellschaft ausgeschlossen auf dem Land verbringen müssen. Ich bin keine Einsiedlerin, Alex. Ich möchte nach London reisen und auch wieder tanzen, das Theater besuchen oder einen Debattierklub. Nichts davon könnte ich jedoch unternehmen, wenn du nicht bei mir wärst, mein Freund.“
„Natürlich könntest du das, wenn du eine respektable Gesellschafterin einstellen wolltest.“
Sie schüttelte den Kopf. „Das würde mir zwar Achtbarkeit verleihen, aber ich wäre dennoch schutzlos. Schlimmer noch, man würde vielleicht sogar glauben, ich sei auf der Suche nach einem neuen Gatten.“
„Und was wäre daran so falsch?“
„Alles“, entgegnete sie heftig. „Ich bin zu lange meine eigene Herrin gewesen, um das ändern zu wollen.“
„Aber du könntest dich verlieben, weißt du.“
Sie sah ihn an und erwiderte sein Lächeln. „Ja, aber sehr wahrscheinlich ist es nicht.“ Wieder drückte sie seinen Arm. „Ich habe erfahren, was aufrichtige Ergebenheit und Zuneigung bedeuten, Alex. Nur wenn ich einem Mann begegnen würde, dem ich zutiefst zugetan wäre, könnte ich mich zu einer zweiten Ehe durchringen. Doch eine solche Partnerschaft ist sehr selten, glaube ich.“
„Das ist wahr“, stimmte Alex ihr wehmütig zu. „Jemanden so zu lieben und zu wissen, dass man auf die gleiche Weise geliebt wird, ist das größte Glück auf Erden.“
Eloise schwieg einen Moment und dachte über seine Worte nach. „Ich könnte mich nicht mit weniger zufriedengeben“, fuhr sie dann leise fort und lächelte ihm zu. „Doch das sind ernste Gedanken und passen nicht zu einem Abend, an dem wir uns unterhalten wollen. Ich möchte dir nur sagen, mein Freund, wie froh ich bin, dich als Beschützer zu haben.“
Er tätschelte ihr den Arm. „Ich werde immer für dich da sein.“ Und nachdem er sich im Raum umgesehen hatte, fügte er hinzu: „Ich kann Berrow nirgendwo erblicken.“
„Nein, ich auch nicht. Dabei war ich so sicher, wir würden ihm hier begegnen. Immerhin ist Lord Parham ein alter Freund von ihm. Ach, zum Kuckuck mit dem Mann! Warum ist er so schwer zu fassen?“
„Du könntest ihm schreiben.“
„Mein Anwalt hat ihm in den vergangenen sechs Monaten ständig geschrieben, ohne Erfolg“, antwortete sie bedrückt. „Also muss ich unbedingt selbst mit ihm sprechen.“
„Bis dahin kannst du versuchen, dich gut zu unterhalten“, schlug Alex vor. „Möchte Mylady heute Abend tanzen?“
„Das weißt du doch, Alex. Ich sehne mich schon seit Monaten danach, wieder zu tanzen.“
Er verbeugte sich schwungvoll vor ihr. „Darf ich bitten, Mylady?“
Alex Mortimer war ein hervorragender Tänzer. Eloise genoss jeden Moment mit ihm. Zwar würde sie selbstverständlich keinen Walzer mit ihm tanzen, um sich nicht die Missbilligung der ganzen Gesellschaft zuzuziehen. Gleichzeitig fragte sie sich verärgert, warum es ihr etwas ausmachte. Mit einem Mann Walzer zu tanzen, stand schließlich in keinem Verhältnis zu dem, was man ihr sonst gemeinhin nachsagte. Schon wenige Wochen nach ihrem Erscheinen in London nannte man sie die „Flatterhafte Witwe“ – ein Spitzname, den sie hasste.
Als Lord Anthony Allyngham seine schöne junge Braut der Londoner Gesellschaft vorgestellt hatte, waren sich alle einig gewesen – er war ein Mann, der sich glücklich schätzen konnte, da er einen wahren Schatz gefunden hatte. Und er wusste ihn auch wohl zu behüten. Dass man sie jetzt für fähig hielt, das Andenken ihres Gatten zu beschmutzen, schmerzte Eloise ebenso wie die allgemeine Annahme, sie hätte ihn bereits in den Jahren betrogen, als er noch auf der Iberischen Halbinsel gekämpft hatte. Doch da die Wahrheit sogar noch unerhörter war, sahen Alex und sie sich gezwungen, den Schein aufrechtzuerhalten.
Die Ankunft der wunderschönen Lady Allyngham war mit großer Ungeduld erwartet worden. Schon bald war Eloise von einer Schar bewundernder Gentlemen umgeben. Sie verteilte ihre Gunst gleichmäßig, schenkte dem einen über den Rand ihres Fächers einen Blick, während ein zweiter ihr geschmacklose Komplimente ins Ohr flüsterte und ein dritter, das Monokel am Auge, angab, das Anstecksträußchen an ihrem Ausschnitt zu bewundern.
Eloise lächelte und wusste geschickt, allzu vertrauliche Annäherungen zu verhindern. Obwohl sie bereits fünfundzwanzig Jahre zählte, schienen die Herren begeistert von ihr zu sein. Sie hatte nichts gegen einen harmlosen Flirt einzuwenden. Alex würde schon dafür sorgen, dass niemand ihr zu nahe trat.
Insgeheim gestand Eloise sich ein, dass die Aufmerksamkeit, die ihr zuteil wurde, berauschend war. Sie lachte und tanzte den ganzen Abend lang. Als Alex vorschlug, das Souper einzunehmen, lief sie aufgeregt vor ihm aus dem Ballsaal und fächelte sich unermüdlich Luft zu, um ihr erhitztes Gesicht zu kühlen.
„Du liebe Güte, ich hatte ganz vergessen, wie sehr ich solche Abende genieße. Aber ich bin ganz aus...




