Mancour Star Trek - The Next Generation: Spartacus
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11546-3
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 0 Seiten
ISBN: 978-3-641-11546-3
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Enterprise kann nur mit knapper Not einem elektromagnetischen Sturm entkommen. Die Freiheit, ein Schiff von dem entlegenen Planeten Vemla, wurde durch den Sturm schwer beschädigt. Captain Picard bietet Hilfe an. Die Reparaturen sind noch nicht abgeschlossen, als ein vemlanischer Flottenverband auftaucht mit dem Befehl, die Freiheit zurück zu ihrem Heimatplaneten zu bringen. Bei der Crew handelt es sich um Androiden, die von Menschen äußerlich kaum zu unterscheiden sind. Doch die Androiden wollen nicht in die Sklaverei zurückkehren - und machen einen genialen Schachzug, um ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen.
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Kapitel 1
Rings um ihn drohte die Enterprise auseinanderzubrechen.
»Nur die Ruhe bewahren«, rief Captain Jean-Luc Picard, biss die Zähne zusammen, während er sich an die Armlehnen seines Sessels klammerte, um sich auf seinem Platz zu halten. In Augenhöhe pulste der Leuchtstreifen der Alarmstufe Rot auf den Schotten, tauchte die Brücke in albtraumhaftes, blutrotes Licht. Hinter sich hörte er die Geräusche der Crew, die sich bemühte, trotz der schrecklichen Stöße, die das Schiff erdulden musste, auf ihrem Posten zu bleiben.
Picard fragte sich, wie viel das Schiff noch verkraften konnte – und als er daran dachte, fiel ihm zwangsläufig ein, dass im vergangenen Jahrhundert sieben Raumschiffe durch derartige Stürme vernichtet worden waren.
Noch eine Schockwelle traf sie, und aus dem Augenwinkel sah Picard, wie Will Riker, sein Erster Offizier, ins Torkeln geriet, um Halt rang und sich dann krümmte, als er halb gegen das leicht geschwungene Geländer fiel, das den unteren vom oberen Bereich der Brücke trennte. Gleichzeitig verriet ein unterdrücktes Stöhnen von der taktischen Station hinter seinem Rücken, dass auch Worf umhergeschleudert worden war, sein klingonischer Sicherheitsoffizier.
Picard bedauerte beide. Er wusste, dass sie durch das Beben und Zittern, das im Laufe der letzten drei Tage die Enterprise in unregelmäßigen Abständen heimgesucht hatte, genauso erschöpft waren wie er. Nicht nur ermüdet, sondern auch verstimmt – wenn es nicht mehr möglich war, einen Raum zu durchqueren, ohne unerwartet aufs Deck geworfen zu werden, musste man einfach halb um den Verstand kommen.
Die Situation konnte alle wirklich in den Wahnsinn treiben. Die Enterprise, das Flaggschiff der Föderation, verkörperte den Höhepunkt von über vierhundert Jahren Raumfahrttechnik. Zu dem Zweck gebaut, die entferntesten Zonen der Galaxis zu erforschen, war sie imstande, den interstellaren Stürmen zu trotzen, die frühere Raumfahrzeuge beschädigt oder zerstört hatten. Dank der Tritanium-Duranium-Legierungen ihres Rumpfs und der starken Deflektoren war sie in der Lage, das Tosen selbst der heftigsten Magnet- und Strahlungsstürme zu überstehen, während die Crew, die zum Glück von dem Wüten, das um sie herum toste, gar nichts merkte, ihren Pflichten nachging.
Aber ein Gabriel-Effekt war auf gefährliche Weise anders.
»Captain«, rief Worf, der anscheinend die Fassung zurückerlangt hatte. »Die Schadenskontrolle meldet, dass die Backbord-Warpgondel völlig zerstört und der sekundäre Rumpf schwer beschädigt worden sind.«
»Schon wieder?«, stöhnte Picard. »Nummer Eins, bitte nachprüfen.« Riker rappelte sich hoch und strich seine Uniform glatt. Zügig eilte er, indem er sich diesmal am Geländer festhielt, die leichte Steigung zur taktischen Station hinauf, wo Worf konzentriert die Schadensmeldung durchsah.
Aus irgendeinem Grund bevorzugte der Computer die Backbord-Warpgondel. Im Verlauf der vergangenen drei Tage war ihre Zerstörung durch den Sturm fünfmal, der Ausfall der Steuerbord-Warpgondel dagegen nur dreimal gemeldet worden. Eine Meldung der Vernichtung des primären Rumpfs – in dem sich der Computer-Kernspeicher und ebenso die Brücke befanden – war lediglich zweimal erfolgt.
»Die interne Sensorsondierung zeigt an, dass keine ernste Beschädigung der Backbord-Warpgondel vorliegt«, sagte Riker. »Und auch sonst nirgends eine. Also nehmen wir nochmals einen Neustart der Schadenskontrollprogramme vor.«
»Natürlich ist's wieder nichts.« Picard nickte. Ein erneutes Brummen Worfs teilte ihm mit, dass der Sicherheitsoffizier seiner Meinung war.
Auf dem Bug-Wandschirm zuckten in Laserrosa die für den Gabriel-Effekt charakteristischen, gezackten Blitze aus der trüben Gaswolke, die den Großteil der Bildfläche ausfüllte, erfassten einen vorbeistürzenden Asteroiden. Der resultierende Treffer erzeugte eine spektakuläre Explosion mit Leuchterscheinungen, die die sorgenvolle Aufmerksamkeit aller auf der Brücke Anwesenden erregten. Obwohl es sich um einen Anblick von gespenstischer Schönheit handelte, wäre es Picard lieber gewesen, er hätte keine so ernste Gefahr für sein Raumschiff bedeutet. Von der Explosion breiteten sich sekundäre Schockwellen aus, rüttelten das Schiff für einen Moment durch. Während das Beben des Decks unter seinen Füßen verebbte, schüttelte er den Kopf und wartete darauf, dass die automatischen Systeme und die Atmung der Crew sich normalisierten. Bis jetzt hatten die ›Blitze‹ sie jedes Mal verschont. Er konnte bloß hoffen, dass es so blieb.
Dem zufolge, was Picard zuletzt gehört hatte, erachteten die meisten Astrophysiker den Gabriel-Effekt als eine Reaktion gewisser elektromagnetischer Energien mit einer sehr spezifischen Art von Gravitationsfeld, wie sie vielleicht ein kosmischer String – ein residentes, extrem massereiches Überbleibsel des Urknalls – oder ein im Weltall natürlich auftretendes Warpphänomen verursachte. Die Realitätsmechanik müsste etwas damit zu tun haben, lautete ihre Hypothese, doch beide Forschungszweige waren noch so neu und so theoretischer Natur, dass es bisher kaum ausreichende Begriffe gab, um die zugrundeliegenden Theorien zu beschreiben, ganz zu schweigen von Regeln oder Gesetzmäßigkeiten.
Der Gabriel-Effekt war nicht nach dem alten hebräischen Erzengel benannt worden, sondern nach dem Captain des ersten Sternenschiffs, das ihn erlebte und überstand. Man wusste sehr wenig über diese Energiestürme, weil der Gabriel-Effekt eine unglaubliche Stör- und Lähmungswirkung auf sämtliche elektronischen Systeme ausübte. Von Instrumenten und Sensoren durfte man keine korrekten Messungen mehr erwarten, die Festkörperschaltkreise der Computer spielten verrückt, und sogar einfache elektronische Geräte konnten ohne ersichtlichen Anlass falsch funktionieren oder die Arbeit völlig einstellen. Es hatte sogar Beispiele von hochenergetisch geladenen Realitätsveränderungswellen gegeben, die wie Blitze aus den Rändern des Sturms hervorschossen und jede Feldgeneratoranlage lahmlegten, wie man sie verwendete, um Raumschiffe mit Überlichtgeschwindigkeit zu fliegen. Die Stürme hatten unbestimmbare Dauer und konnten sich über weite Gebiete des Alls erstrecken – und alle möglichen Folgen haben, die sich nur denken ließen.
Auf der Liste der als zerstört verzeichneten Raumschiffe war die U.S.S. Francis Drake die berühmteste Havarie. In einem besonders schlimmen Gabriel-Sturm waren durch irgendeinen unbekannten, sonderbaren elektromagnetischen Vorgang ihr Rumpf, das Innere sowie die gesamte Besatzung in pures Quarzglas verwandelt worden. Sechsundsiebzig Männer und Frauen hatten das Leben verloren, ehe sie wussten, wie ihnen geschah. Der gegenwärtige Gabriel-Effekt hätte in jeder Millisekunde seit seinem Ausbruch mit der Enterprise das gleiche anstellen können. Oder etwas noch Übleres. Aus dem Blickwinkel des Captains war das Beunruhigendste an einem Gabriel-Sturm – neben der Gefahr der sofortigen Vernichtung – die störende Beeinflussung der elektronischen Gerätschaften, besonders der Computer, die an Bord des Schiffs so gut wie alles regelten.
Picard hatte einmal an Bord der Stargazer einen Gabriel-Sturm durchgestanden und gehofft, so etwas nie wieder durchmachen zu müssen. Als sie auf dem Flug über die Föderationsgrenze nach Starbase 112 die ersten Anzeichen des Elektromagnetiksturms orteten, hatte Picard sofortigen Stopp befohlen, alle unentbehrlichen Systeme auf manuelle Bedienung umschalten lassen, um zu verhindern, dass die Computer sie zufällig allesamt umbrachten; das Personal, das die Kontrollen betätigte, wurde möglichst oft abgelöst. Dieses Vorgehen verdross ihn, aber die einzige erwiesen sinnvolle Methode, einen Gabriel-Sturm zu überleben, bestand darin, stillzuhalten und zu hoffen, dass er sich verzog.
Picard saß jetzt seit Stunden ununterbrochen auf der Brücke. In den letzten paar Tagen hatte er sich nur einige wenige kurze Stunden Schlaf gegönnt. Natürlich gab es nichts, was er als Captain jetzt wirklich hätte unternehmen können; dem Gabriel-Effekt war es egal, ob er sich hier oder in seiner Kabine aufhielt, er konnte das Raumschiff so oder so auslöschen. Aber er trug gegenüber seiner Crew eine Verantwortung, die ihm abverlangte, dass wenigstens er einen sichtbaren, stabilen Faktor inmitten des Chaos abgab, das sie umwirbelte.
»Statusbericht, Nummer eins«, sagte Picard, drehte sich in seinem Sessel dem Ersten Offizier zu.
»Sämtliche Decks reichen schon Meldungen ein«, rief Will zurück, der neben Worf an der taktischen Station stand. »Einen Moment, Captain.«
Picard stützte den Kopf in die Hand und stöhnte noch einmal auf. Geduld, ermahnte er sich. Der Sturm konnte nicht ewig dauern, außer er veränderte auch die zeitliche Dimension.
»Hier Crusher«, ertönte eine Stimme. »Ist es ein Notfall?«
»Ob was ein Notfall ist, Doktor?«, fragte Picard mit mürrischer Miene.
»Haben Sie mich nicht angerufen?«, erscholl gereizt die Gegenfrage. »Ich hab's mit eigenen Ohren gehört.« Beverly Crusher war Erster Medo-Offizier des Raumschiffs und war im Laufe der vergangenen Tage übermäßig stark von der Versorgung durch den Sturm bedingter, leichter Verletzungen beansprucht worden. Normalerweise wäre das kein Problem gewesen. Doch man hatte die medizinischen Apparaturen und Diagnosecomputer deaktiviert, die sie gewöhnlich unterstützten, damit sie keine Fehldiagnosen trafen, falsche Behandlungsmaßnahmen ergriffen oder selbst irgendwelches Unheil anrichteten. In dem EM-Sturm durfte man nicht einmal den schlichten Medo-Scannern trauen. Beverly hatte alle Patienten...




