Mangels / Martin Star Trek - Titan 2
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-942649-94-0
Verlag: Cross Cult Entertainment
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der rote König
E-Book, Deutsch, Band 2, 377 Seiten
Reihe: Star Trek - Titan
ISBN: 978-3-942649-94-0
Verlag: Cross Cult Entertainment
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Andy Mangels Andy Mangels ist der Co-Autor mehrerer 'Star Trek'-Romane, eBooks, Kurzgeschichten und Comic-Bücher sowie dreier 'Roswell'-Romane, die er alle zusammen mit Michael A. Martin geschrieben hat. Im Alleingang ist er der Autor vieler erfolgreicher Bücher über die Unterhaltungsindustrie, wie 'Animation on DVD: The Ultimate Guide' und 'Star Wars: The Essential Guide to Characters' sowie einer beträchtlichen Anzahl von Einträgen in dem Sachbuch 'The Superhero Book' von Visible Ink Press. Er hat Hunderte von Artikeln für Unterhaltungs- und Lifestylemagazine und Zeitungen in den Vereinigten Staaten, England und Italien geschrieben. Darüber hinaus hat er Begleitbücher zu den Werken verschiedenster Filmstudios verfasst. Seine Comic-Arbeiten wurde von DC Comics, Marvel Comics und vielen anderen veröffentlicht. Für acht Jahre war er Redakteur der preisgekrönten 'Gay Comics'-Anthologie. Andy ist ein landesweit bekannter Aktivist der schwulen Szene und hat über die Jahre Tausende von Dollar für Wohltätigkeitsveranstaltungen gesammelt. Er lebt in Portland, Oregon, zusammen mit seinem langjährigen Lebensgefährten Don Hood, ihrem Hund Bela und ihrem angenommenen Sohn Paul Smalley. Seine Website ist zu erreichen unter www.andymangels.com.
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KAPITEL 1
DIE KLEINE MAGELLANSCHE WOLKE, 7. JANUAR 2380
[GREGORIANISCHER KALENDER DER ALTEN AERDE]
»Seht!«, sagte Frane mit einem ehrfürchtigen Zittern in seiner Stimme. , fragte er sich in einem verborgenen Winkel seiner Seele.
Aber der Ausblick, der sich den Suchenden der Buße bot, brachte Frane an einen Ort jenseits der Angst. Es war der schönste und schrecklichste Anblick, den er je gesehen hatte. Strahlende Energieranken erstreckten sich über Millionen von Klomtern wegloser Leere auf das ramponierte Transportschiff zu, wie die prüfenden Finger einer großen, zupackenden Hand.
Frane hörte, wie Nozomi nach Luft schnappte, während sie sich hinter ihm duckte, als ob sie befürchtete, dass das Bild direkt durch den Sichtschirm des beengten Schiffes nach ihr greifen würde.
»Habt Vertrauen!«, sagte Frane. Als ein Neyel, der den eroberungsfreudigen Traditionen seines Volkes abgeschworen hatte, um unter den Sklaven und Ausgestoßenen der Gesellschaft zu leben, wusste er nur allzu gut, dass Glaube oftmals das einzige war, was ihn aufrecht erhielt. Um Nozomi zu beruhigen, ergriff er ihre Hand, selbst als sich ihr gespaltener Schwanz um seinen wand. Er löste sich sanft von der weiblichen Neyel, nachdem er bemerkt hatte, dass einer ihrer Füße sein Bein so fest umklammerte, dass das graue Fleisch unter seinem weiten Pilgergewand weiß wurde.
»Ich bleibe hier an der Station«, sagte Lofi, die weibliche Sturr, die sowohl das Steuer als auch die Sensorstation bediente. Weil sie einer Rasse vielteiliger Koloniewesen angehörte – und zwar einer der ersten einheimischen Völker, die von den Ur-Neyel erobert worden waren, nachdem diese vor Jahrhunderten in M’jellanschem Raum angekommen waren – konnte Lofi mehrere Segmente ihres gerundeten Oberkörpers kurz abtrennen, um verschiedene Aufgaben gleichzeitig zu erledigen. Während Frane Lofi beobachtete, überlegte er, wie sich die frühesten, eroberungsfreudigen Generationen der Neyel-Vorfahren, die ältesten Oh-Neyel, diese Fähigkeit der Sturr zu Nutze gemacht hatten, um sich in der gesamten M’jellan-Region auszubreiten und auf dem Rücken der zahlreichen geknechteten Sklavenrassen die Neyel-Hegemonie zu errichten.
, fragte sich Frane. Doch er befürchtete, dass er die Wahrheit bereits kannte.
Darum bemüht, diese düsteren Gedanken zu verjagen, wandte Frane seinen Blick wieder zurück auf die große, funkelnde Energieexplosion, die den Sichtschirm vor ihm ausfüllte. Er sah, dass der Anblick alle anderen in dem engen, schwach beleuchteten Kontrollraum ebenfalls in ihren Bann zog.
»Können wir nicht noch ein wenig näher heran?«, fragte g’Ishea und drückte sich an Fasaryl, ihren Gefährten. Als Angehörige einer einheimischen Spezies, die umgesiedelt – und dann größtenteils abgeschlachtet – worden war, um der strahlenden Neyel-Metropole Mechulak City und weiteren Ausbreitungen der Neyel-Kernwelt Platz zu machen, konnten sich g’Ishea und Fasaryl an keine Zeit erinnern, in der sich ihr Volk frei bewegen durfte. Frane konnte nur mutmaßen, wie es sich anfühlen mochte, als Zwangsarbeiter in einer Welt leben zu müssen, die einst ein idyllisches Paradies gewesen war und nun endlos unter der Neyel-Peitsche und dem lidlosen Auge des Heiligen Vangar, der Steinernen Himmelswelt, die ihren Planeten seit der Zeit der Ersten Eroberung umkreist hatte, schuften zu müssen. Wie wäre das wohl, fragte er sich, über mehrere Generationen hinweg auf diese Art zu leben, ohne jede Hoffnung auf Freiheit?
Frane warf Lofi einen fragenden Blick zu – oder, genauer gesagt, auf den kugelförmigen, ledernen Teil von Lofi, an dem ihr primärer Sensorcluster befestigt war.
»Ich würde empfehlen, dass wir uns nicht weiter nähern«, antworte Lofi. Durch den Vocoder, der ihre ursprünglichen gutturalen Äußerungen in für Neyel verständliche Sprache umwandelte, drang ein ängstlicher Unterton. »Dieses Phänomen erzeugt Raumanomalien wie ich sie noch nie zuvor gesehen habe. Ich kann nicht garantieren, dass dieses Schiff in einem Stück bleibt, wenn ich uns näher heranfliege.«
»Wie enttäuschend!«, sagte Frane, obwohl er sich nicht ganz sicher war, ob er es ernst meinte.
»Ich bin mehr als zufrieden, wenn wir Abstand halten«, sagte Nozomi mit zittriger Stimme. Ihr Schwanz wand sich wieder nervös um Franes Taille. Er schob ihren Greifschwanz mit seinem eigenen beiseite.
Frane drehte sich ihr zu, bereit, einen bissigen Kommentar über ihre lästige, fast schon theatralische Zurschaustellung von Mutlosigkeit abzugeben. Warum konnte sie ihre Ängste nicht für sich behalten, so wie er das tat?
»Warum ist es aufgetaucht?«, fragte Fasaryl und zeigte mit der beweglichen Partie einer seiner Vorderhufe auf die Energieranken, die auf dem Schirm zu sehen waren.
»Du weißt warum, mein Geliebter«, sagte g’Ishea und säuberte dabei ihre Wamme mit ihrer breiten, rauen Zunge. »Weil der Schläfer nun endlich erwacht.« Obwohl g’Isheas leise Stimme ruhig klang, bewies Frane das gurgelnde Geräusch, das aus ihren Verdauungsorganen drang, das Gegenteil.
»Das behaupten zumindest alle ständig«, sagte Fasaryl, der mit der naheliegenden Antwort offensichtlich unzufrieden war.
Seit das rätselhafte energetische Phänomen vor einigen Wochen plötzlich nur wenige Pars’x von der Kernwelt entfernt aufgetaucht war, hatte die Neyel-Intelligenzia, genau wie der Klerus, sowohl dem kulturellen Rand wie der politischen Mitte, zahllose Theorien angeboten, um es zu erklären. Für einige war es ein seltener Fall von räumlichem Gleiten zwischen angrenzenden Subraumregionen. Für andere war es nicht mehr als ein weiterer Schritt im Kreislauf des kosmischen Todes und der Wiedergeburt, einer Phase, die Milliarden von Jahren dauern würde, bevor das Universum sie hinter sich gebracht hätte. Und für manche war es nicht mehr als eine örtlich begrenzte Naturkatastrophe, von seltener Schönheit und glücklicherweise noch seltenerer Gewaltigkeit.
Frane wusste, dass einige die riesige Energieexplosion als Anlass zu vorsichtiger Freude sahen, da es keine einzige von Neyel besiedelte Welt zerstört hatte.
, dachte er.
Oder war – wie die mit einer etwas weltlicheren Einstellung behaupteten – die ausgedehnte, farbenprächtige Energieblüte nicht mehr als eine temporäre Öffnung einer der lange unbeachtet gebliebenen Raumspalten, durch die vor über zehn Generationen die teuflischen Tholianer gekommen waren, um ihre grausamen Angriffe durchzuführen?
Frane war sich sicher, dass er die wahre Antwort auf das Mysterium kannte. Die wahre Natur der Erscheinung auf dem Schirm. Und er wusste, dass die anderen Suchenden der Buße, die Einheimischen, die mit ihm zum Rand dieser großartigen, wilden Offenbarung gereist waren, seine Überzeugung im Grunde teilten, trotz all ihrer momentanen Ängste und Zweifel. Schließlich hatten ihre eigenen Völker die Geschichten zusammengetragen, die seit ungezählten planetarischen Zyklen wieder und wieder erzählt werden.
Bei diesem Ausbruch unvorstellbarer Kräfte handelte es sich um nichts geringeres als den Schläfer der M’jellan-Legenden, der endlich aus Seinem äonenlangen Schlummer erwachte. Und Frane durfte es miterleben.
, dachte er sich, schier überwältigt von der Reinheit und Kühnheit seines Vorhabens, jetzt wo er endlich geradewegs in den Schlund der Unendlichkeit blicken durfte. .
Damit die Neyel – Franes eigenes Volk – endlich für all die Freveltaten büßen würden, die sie an nahezu jeder anderen Spezies verübt hatten, auf die sie in M’jellanschem Raum gestoßen waren – zumindest bis Aidan Burgess den langen Weg von der Alten Aerde gekommen war, um den Neyel dabei zu helfen, ihre grausamen Fehler einzusehen.
Die Suchenden der Buße verehrten Föderationsbotschafterin Burgess und es war ihre Pflicht, das zu vollenden, was sie begonnen hatte: dem gesamten Geschlecht der Neyel die Lektionen des Friedens zu lehren, die die längst verstorbene, zur Märtyrerin gewordene Diplomatin, bekannt gemacht hatte. Selbst wenn das Ziel dieser Lektionen – Sühne – das Leben all derer forderte, die an den Neyel-Eroberungen teilgenommen hatten. Selbst wenn ihre Erben, die dieses Unrecht immer noch – wissentlich oder unwissentlich – aufrechterhielten, zusammen mit den Einheimischen, die zu willensschwach gewesen waren, um wenigstens zu versuchen, gegen ihre Eroberer Widerstand zu leisten, leiden mussten.
»Ist es wahr, Frane?«, fragte...




