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E-Book, Deutsch, Band 3, 0 Seiten

Reihe: Ein Land für Helden

Mann Der Drache erwacht

Ein Land für Helden 3 - Roman
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11676-7
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Land für Helden 3 - Roman

E-Book, Deutsch, Band 3, 0 Seiten

Reihe: Ein Land für Helden

ISBN: 978-3-641-11676-7
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Helden werden nicht geboren

Coll, Miranda und Angus haben ihren ersten Winter in der heidnischen Siedlung Stand Alone Stan gut überstanden. Doch es ist nur die Ruhe vor dem Sturm: Eine Seuche hat die Schaffarmen des Imperiums 1994 befallen. Nachdem lediglich die Anlagen auf dem Festland betroffen sind, beschließt der Römische Kaiser, dass Britanniens Wälder gerodet werden sollen, um dort Tiere zu züchten. Noch während die Fässer mit Chemikalien über das Meer nach Britannien transportiert werden, regt sich eine Rebellion gegen die Brandrodung – und die drei Gefährten sehen sich plötzlich ihrem Schicksal gegenüber …

Phillip Mann wurde 1942 in Northallerton, Yorkshire geboren und lebt seit 1969 in Neuseeland. Von 1970 bis 1998 unterrichtete er Theaterwissenschaften an der Victoria University of Wellington, diesen Posten gab er auf, um sich anderen Projekten zu widmen. 1982 erschien sein erster Roman „Das Auge der Königin“, der den Auftakt zu einer Reihe weiterer SF-Romanen bildete (z. B. „Der Herr von Paxwax“, „Der Fall der Familien“, „Pioniere“, „Wolfsgarn“ und die „Ein Land für Helden“-Tetralogie). Ab Mitte der 1990er Jahre schrieb Mann keine Science Fiction mehr, um sich vor allem dem Theater zu widmen; erst 2013 kehrte er zu diesem Genre zurück.
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1

Zwölf Sekunden entfernt

Willkommen auf der Erde. Es ist jedoch nicht ganz die Erde, die Sie und ich kennen, obwohl man vom Mond aus den Unterschied gar nicht bemerken würde. Diese Welt gehört zu einem jener Paralleluniversen, deren Zahl unendlich ist. Aber jedes dieser Universen existiert in seiner ganz eigenen Zeitkapsel, und die Zeitrechnung weicht ein ganz klein wenig von der unserer Welt und der aller anderen Welten ab.

Die Welt, der wir uns jetzt nähern, ist gegenüber unserer nur um zwölf Sekunden verschoben. Aber schon diese kurze Spanne sorgt dafür, dass diese Welt sich von unserer ganz und gar unterscheidet, auch wenn sie in bestimmter Hinsicht recht vertraut wirkt. Die Hügel, Flüsse und Ebenen zum Beispiel sehen im großen und ganzen so wie bei uns aus, aber die Männer und Frauen, die dort leben, sind anders. Auch ihre Geschichte und ihre Sitten und Gebräuche sind anders, anders auf kaum merkliche, aber seltsame Weise.

In dieser Welt sind die römischen Legionen nie aus Britannien abgezogen. Ganz im Gegenteil: Die römischen Legionen sind weiter marschiert. Zuerst haben sie Britannien ihr Brandzeichen aufgedrückt, dann haben sie den Rest der Welt erobert. Und wo immer sie hintraten, haben sie ihre Gesellschaftsordnung, ihre Gesetze und ihre militärische Organisation eingeführt.

Angesichts der nordischen Stämme hat Rom eine Zeitlang zwar bedenklich gewackelt, aber es hat überlebt und ist zur Hauptstadt einer riesigen, bunt zusammengewürfelten Zivilisation geworden. Rom ist jetzt berühmt als Wiege der Wissenschaft, als kultureller Schmelztiegel, als Platz an der Sonne, der alle Rassen aufnimmt, als Heimstätte guten Essens, seltener Gewürze und erlesenen Rotweins, als der Ort für den neuesten Klatsch und Tratsch, für die Philosophie, für Liebe und Lust, als Zentrum sagenhaften, verschwenderischen Reichtums, als Sitz einer angsteinflößenden, säbelrasselnden Weltmacht.

Was ja alles schön und gut ist, aber dieses Buch schert sich nicht sonderlich um Rom, übrigens auch nicht um den Rest der Welt. Vielmehr handelt es von einer ganz kleinen Ecke im fernen Nordosten der feuchten, bewaldeten Provinz Britannien.

Als der militärische Widerstand in Britannien mit der Niederlage der keltischen Stämme zusammenbrach, blühte die Provinz auf. Kreuz und quer durchs Land bauten die Römer ihre Straßen und regierten in ihren ordentlichen Groß- und Kleinstädten und von ihren Heereslagern aus. Nach und nach schufen sie eine wohlstrukturierte Gesellschaft, die sich auf einen städtischen Lebensstil gründete.

Kurz nach der Eroberung ernannte Rom den politischen Statthalter dieser Gesellschaft, den sogenannten Praefectus Comitum. Aber bald schon nahmen andere diese Position ein: Angehörige der großen aristokratischen Militärfamilien, die sich in Britannien niedergelassen hatten und sich in dieser Provinz mit der Zeit zu Hause fühlten. Diese Familien verwalteten ausgedehnte Ländereien und genossen fast uneingeschränkte Macht. Ihre Vorzugsstellung stützte sich auf zwei Klassen der Bevölkerung: auf die Bürger und auf die Soldaten. Diese beiden Klassen rekrutierten sich vor allem aus einheimischen Familien, die in früheren Zeiten das Stammesleben aufgegeben und die Pax Romana mit Wonne hingenommen hatten. Sie wurden ›zivilisiert‹. Aus Jahrzehnten wurden Jahrhunderte, aus Jahrhunderten wurde eine kleine Ewigkeit, und die römische Herrschaft kam allen nach und nach wie ein Naturgesetz vor. Da man den Bürgern materiellen Komfort, Sicherheit und einen festen Platz in der Gesellschaft bot, waren sie sich der strengen Gesetze, Vorschriften und Verbote, denen sie unterworfen waren, kaum bewusst. Deshalb kam es auch kaum vor, dass die Buchhalter, Kanalarbeiter, Köche, Putzfrauen, Ammen, Gärtner oder Kerzenmacher, die der römischen Militäraristokratie das zivilisierte Leben überhaupt erst ermöglichten, ihre eigene Situation in Frage stellten. Und was die Soldaten betraf, so gab es nichts, was sie ermutigt hätte, über irgend etwas anderes zu sinnieren als den Stolz auf ihren Dienst und die Freude an der eigenen Tüchtigkeit. Sie überwachten die Straßen und die Tore der Stadt.

Dort jedoch, wo die Stadtmauern aufhörten, begann die Wildnis. In den Wäldern, Mooren und Sümpfen rings um die römischen Städte spielte sich das Leben immer noch ähnlich wie vor Jahrhunderten ab, nicht anders als zu der Zeit, ehe die Kelten und, noch früher, Menschengenerationen gekommen waren, die Stonehenge errichtet hatten. So wie man hier lebte, hatte man sogar schon zur Zeit der Riesen gelebt. In den unterschiedlichen Regionen des Landes, das die Römer Britannien nannten, hatten die alten, grünen, ewig jungen Geister der Bäume, Lichtungen und Flüsse ihre Würde bewahrt und großen Einfluss auf die erdverbundenen Menschen. Jene Menschen in den riesigen Wäldern konnten ihre Vorfahren, die beinahe so alt wie die Hügel waren, in den Bäumen und zwischen den sprudelnden Wasserläufen flüstern hören. In der Dämmerung murmelten sie miteinander in den Schatten der langen Hügelgräber. Trotzdem liebten sich die goldenen Burschen und Mädchen in den Wiesen, oben auf den Hügeln und an den stillen Plätzen hinter den Hügelgräbern und dachten nicht an den Grabesstaub.

Aber für die alten römischen Familien und die ihnen dienenden Bürger und Soldaten waren diese Waldbewohner nichts als primitive Wilde, die man dulden konnte, weil von ihnen keine Gefahr drohte.

In manchen Teilen des Landes machte das Christentum von sich reden, aber nirgendwo wurde es zu einer so großen politischen Kraft wie in unserer Welt. Wo das Christentum tatsächlich überlebte, nahm es den Platz einer Sekte unter vielen anderen ein. Jede dieser Sekten feierte auf ihre ganz eigene Weise das Sühneopfer eines Mannes oder einer Frau, die freiwillig den Tod gewählt hatten, um die Menschheit zu erlösen. Diese unterschiedlichen Glaubensrichtungen verschmolzen mit älteren Religionen, in deren Mittelpunkt Erde, Himmel oder die Große Mutter standen.

Und alle Rassen und Religionen wandelten auf den römischen Straßen.

Wir kommen zur Gegenwart.

Eine Seuche, die anfangs Verheerung unter den Schafherden in den Provinzen des Festlandes anrichtete, hat sich inzwischen so bösartig entwickelt, dass sie auch andere Tiere und selbst Menschen befällt. Abgesehen davon, dass Fleisch, Wolle, Leder und Düngemittel knapp geworden sind, hat die Krankheit auch Panik ausgelöst und wirtschaftliche Einbrüche verursacht. Seltsamerweise ist die Seuche nicht in Britannien aufgetreten, sondern nur in den Provinzen Gallien, Hispanien, Germanien und Italien. Und das hat zu der Mutmaßung geführt, dass sich in der Seuche ein bestimmter Unwille der Götter offenbare.

Als Reaktion darauf hat der neue Kaiser der Welt, Lucius Prometheus Petronius, beschlossen, staatliche Schaffarmen in Britannien einzurichten. Das setzt voraus, dass das Land abgefackelt und gerodet wird – zumindest ist das Lucius' offenkundige Absicht. Allerdings bewegen ihn in dieser wie in jeder anderen Angelegenheit auch noch dunklere Motive.

Um diesen Plan durchzuführen, hat der Kaiser Marcus Augustus Ulysses, das Oberhaupt einer der wohlhabendsten und mächtigsten militärischen Familien Britanniens, zu seinem Statthalter ernannt. Kaum ist der Plan gefasst, wird er auch schon in die Tat umgesetzt. Nichts kann ihn aufhalten – jedenfalls glauben das die römischen Führer. Aber noch während die Fässer mit Chemikalien, die für die Feuer benutzt werden sollen, nach Britannien verschifft werden, sind dort schon Bewegungen im Gange, der Brandstiftung Widerstand entgegenzusetzen. Die Natur selbst beginnt zu rebellieren. Die Menschen, die die Schlacht gegen die große Zerstörung anführen werden, sind sich im großen und ganzen der Rolle, die sie spielen werden, noch gar nicht bewusst. Aber sie lernen dazu. Es sind Coll, Miranda und Angus. Alle drei sind gemeinsam aus dem Kampfdom entkommen. Inzwischen haben sie den Winter nahe bei der kleinen Siedlung Stand Alone Stan überstanden. Alle drei warten die nächsten Entwicklungen ab, jeder auf seine eigene Art.

Coll ist der letzte noch lebende Sohn desselben Marcus Ulysses, der jetzt als Statthalter des Kaisers in Amt und Würden ist. Früher hieß Coll Viti, aber er hat anstelle dieses Namens den Namen eines Baumes angenommen, denn ›Coll‹ heißt der Baum, den wir als ›Haselnuss‹ kennen. Coll ist ein trauriger junger Mann, der gegen seine Familie rebelliert hat, und wird von Schuldgefühlen zerfressen. Als junger Offizier an der Militärakademie Eburacum hat er Miranda vergewaltigt. Jetzt hat er den Winter überstanden, den er ganz allein in seinem Baumhaus nahe Stand Alone Stan verbracht hat. Von Verzweiflung überwältigt, hat er jedoch seine Taschen mit Steinen gefüllt und sich in einen Wildwasserfluss gestürzt. Er weiß nicht, ob er ein Ende oder einen neuen Anfang machen will.

Auch Miranda war gezwungen, gemeinsam mit Coll und Angus nach Stand Alone Stan zu flüchten. Dort ist sie Leiterin eines Hospitals geworden. Seltsame Kräfte offenbaren sich ihr mit der Zeit – die Fähigkeit, die Geister der Toten zu sehen und in andere Dimensionen der Natur einzudringen.

Miranda kann ihre Entwicklung nicht lenken, sie ist wie ein Blatt auf einem Strom, das mitgerissen wird. Aber sie ist dabei, ihre tieferen Kräfte zu entdecken, und bald wird die Zeit kommen, in der sie handeln muss.

Angus, der Mechaniker, der Mann, der nach Wissen hungert und seine eigenen Ideen verfolgt, hat an Roscius' Akademie in der Nähe von Stand Alone Stan studiert. Dort hat er die Geschichte entdeckt. Sein neuerworbenes Wissen hat ihm allerdings keinen inneren Frieden verschafft, in ihm...


Mann, Phillip
Phillip Mann wurde 1942 in Northallerton, Yorkshire geboren und lebt seit 1969 in Neuseeland. Von 1970 bis 1998 unterrichtete er Theaterwissenschaften an der Victoria University of Wellington, diesen Posten gab er auf, um sich anderen Projekten zu widmen. 1982 erschien sein erster Roman „Das Auge der Königin“, der den Auftakt zu einer Reihe weiterer SF-Romanen bildete (z. B. „Der Herr von Paxwax“, „Der Fall der Familien“, „Pioniere“, „Wolfsgarn“ und die „Ein Land für Helden“-Tetralogie). Ab Mitte der 1990er Jahre schrieb Mann keine Science Fiction mehr, um sich vor allem dem Theater zu widmen; erst 2013 kehrte er zu diesem Genre zurück.



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