Mann | Star Wars:  Dunkle Legenden | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Reihe: Star Wars: Dunkle Legenden

Mann Star Wars: Dunkle Legenden


Neuauflage 2021
ISBN: 978-3-7367-9888-5
Verlag: Panini
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Reihe: Star Wars: Dunkle Legenden

ISBN: 978-3-7367-9888-5
Verlag: Panini
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Es wird du?ster, furchteinflößend und gruselig in der Galaxis! Das kreative Erfolgsduo, Autor George Mann und der fu?r seinen grandiosu?ppigen Illustrationsstil bekannten Grant Griffin, erschuf bereits den Bestseller Myths & Fables. Waren dies noch Geschichten, die dem jungen Geschwisterpaar Luke und Leia zum Einschlafen erzählt wurden, sind die Dunklen Legenden nun jene Geschichten, die sie nachts nicht hätten schlafen lassen! Lest diese einzigartige Sammlung aus der Welt der Star Wars-Spuk- und Geistergeschichten ... wenn ihr euch traut!

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Auf dem Planeten Gaaten, gebettet inmitten der dämmrigen Türme einer einstmals prächtigen Stadt, finden sich die Ruinen eines Waisenhauses, in das man vor langer, langer Zeit Kinder schickte, die in den Nachwehen der Klonkriege ihre Eltern verloren hatten. Dort nahm man sich ihrer an, während sie darauf warteten, in Pflegefamilien anderswo im Sektor ein neues Zuhause zu finden.

Doch in diesem Waisenhaus lag etwas im Argen. Unter den Kindern machten Geschichten über einen finsteren Schrecken die Runde, der des Nachts durch die Flure schlich: ein großer, dürrer Mann mit spitzen Zähnen und glühenden Augen, der dem Waisenhaus bisweilen einen Besuch abstattete, um Kinder zu stehlen, sie aus ihren Betten zu schleifen und aus dem Fenster zu zerren, ihre Schreie unterdrückt und ungehört. Kein Kind, das sich diese grässliche Kreatur holte, ward jemals wieder gesehen.

Die Kinder tauschten diese Gerüchte im Flüsterton, furchtsam geraunt unter Bettdecken oder hinter vorgehaltener Hand, wenn die Lichter längst aus waren. Natürlich taten die Bediensteten des Waisenhauses diese Geschichten als bloßes Geschwätz ab. Denn obgleich es stimmte, dass im Laufe der Jahre tatsächlich einige Kinder aus dem Heim verschwunden waren – vermutlich allesamt Ausreißer, unzufrieden mit ihrem Schicksal und geplagt vom schmerzlichen Verlust ihrer Eltern –, hielten die Oberen das Ganze für eine Ausgeburt der überbordenden Fantasie ihrer jungen, gepeinigten Schutzbefohlenen, für einen Ausdruck ihrer Furcht und ihrer Seelenpein. Gleichwohl änderte dies nichts daran, dass die Geschichten weiter Gehör fanden, ohne dass die Waisenhausmitarbeiter auch nur das Geringste dagegen tun konnten.

So trug es sich zu, dass alle Kinder, die in das Waisenhaus kamen, von diesem Monstrum erfuhren und fortan in der Angst lebten, selbst sein nächstes bedauernswertes Opfer zu werden. Alle Kinder – bis auf eins.

Elish galt seit jeher als bemerkenswertes Mädchen, schon seit ihrer Schulzeit auf Malloran, wo sie ihre Lehrer mit starkem Selbstvertrauen und einem natürlichen Hang zur Wissenschaft in Erstaunen versetzt hatte. Sie war von sanftem Gemüt, stets darauf bedacht, andere vor sich selbst zu stellen, was ihr bei Gleichaltrigen und Jüngeren gleichermaßen einige Beliebtheit eingebracht hatte. Genau wie ihre Mutter, die als Palastwache auf Malloran gedient hatte, empfand auch Elish eine tiefe Verbundenheit zu dem Universum, das sie umgab, und zu allen lebenden Dingen, die sich darin tummelten. Diese Verbundenheit schenkte ihr ein wundervolles Gefühl inneren Friedens, und obwohl sie – wie die anderen Kinder – in ihrem Leben schreckliche Gräuel gesehen hatte, weigerte sie sich, an dieses finstere Phantom zu glauben, vor dem sich die anderen im Waisenhaus so fürchteten. Soweit es Elish betraf, verkörperten nicht Monster das Böse, sondern allzu reale Personen. Sie wusste, dass all das Grauen, das die Galaxis in jüngster Zeit heimgesucht hatte, auf Geheiß intelligenter, empfindungsfähiger Individuen verübt worden war, nicht von irgendwelchen Kreaturen der Nacht.

So begab es sich, dass Elish, nachdem sie von einem der großen Transportschiffe des Imperiums zum Waisenhaus gebracht worden war, für die anderen Kinder rasch zu etwas wie ihrem Fels in der Brandung wurde. Sie half ihnen, ihre Ängste beiseitezuschieben und in den Schlafsälen und Klassenzimmern des maroden alten Gebäudes ungeachtet all dessen, was sie verloren hatten, Ruhe und Frieden zu suchen.

So ging es viele Monate und zur großen Freude des Waisenhauspersonals begann das Gerede über das Phantom schließlich zu verebben. Ja, die Kinder wirkten insgesamt viel fröhlicher, und als in dieser Saison die Versorgungsschiffe kamen, fanden einige der Waisen ein neues Zuhause bei Adoptiveltern, die es kaum erwarten konnten, sie mit Liebe und Zuneigung zu überhäufen.

Es war nicht ungewöhnlich, dass Elish nachts von Schreien geweckt wurde, denn stets wurden einige Kinder im Schlafsaal von Albträumen aus ihrem Schlummer gerissen, sodass sie sich ruckartig in ihren Betten aufsetzten, die Gesichter glänzend von kaltem Schweiß. Und da sich die Betreuer der Nachtschicht kein einziges Mal blicken ließen, um die armen Kinder zu trösten, schlüpfte Elish aus dem Bett und ergriff ihre Hände. Meist genügten beruhigende Worte und bloße Anteilnahme, um alle nächtlichen Schrecken zu vertreiben und dafür zu sorgen, dass sie sich schließlich wieder ohne Furcht zur Ruhe legten.

Doch eines Nachts, nicht lange nach ihrer Ankunft, gab es großen Tumult, und überall rings um Elish war das reinste Tohuwabohu. Als sie aus dem Bett sprang, herrschte im Schlafsaal großes Durcheinander, und die Kinder raunten einander zu, dass das Monster ihnen in den frühen Morgenstunden einen Besuch abgestattet hatte, um einen kleinen Jungen namens Samil zu verschleppen.

Tatsächlich fand sich nirgends eine Spur von Samil, und so angestrengt sie auch nach ihm suchten, gelang es weder dem Personal noch den Kindern, ihn irgendwo zu entdecken. Auch gab es nicht den leisteten Hinweis darauf, dass sich ein Fremder Zutritt zum Waisenhaus verschafft hatte – keinen, vielleicht mit Ausnahme dieses einen Fensters, das in der Brise gleichmütig gegen den Rahmen schlug, weil der Riegel nicht vorgelegt war.

Nachdem die Betreuer das Fenster geschlossen hatten, begannen sie, die Kinder wieder ins Bett zu bringen. Zumindest in diesem Moment fanden sie mitfühlende Worte für ihre Schützlinge und taten ihr Bestes, um deren bitterliches Weinen zu beenden. Morgen früh werde Samil schon wieder auftauchen, sagten sie – jedenfalls, sofern er nicht beschlossen hatte, mitten in der Nacht fortzulaufen, um sich fortan allein in der Welt zu behaupten.

Elish indes stellte fest, dass Samils wenige Habseligkeiten noch da waren, unter seinem Bett verstreut – und sie wusste genau, dass er seine Spielzeughelden niemals einfach zurückgelassen hätte. Er liebte diese kleinen handgeschnitzten Figuren viel zu sehr, um sich freiwillig von ihnen zu trennen.

Und so lag Elish weiter wach, während die anderen Kinder nach und nach wieder in den Armen des Schlafs versanken, und schickte ihre Sinne auf Wanderschaft, denn Samils Verbindung zum Universum war ihrer eigenen nicht unähnlich. Nicht zuletzt das unterschied die beiden von all den anderen Kindern – von allen, mit Ausnahme eines jungen Kessurianermädchens namens Gee’far, das Elishs ungewöhnliche Sicht der Dinge ebenfalls zu teilen schien.

Doch so oder so, ungeachtet aller Bemühungen konnte Elish weder im Waisenhaus selbst noch auf dem Gelände des Heims die geringste Spur von Samil ausmachen. Voller Unbehagen lag sie den Rest der Nacht über wach, überzeugt davon, dass man den Jungen auch am nächsten Tag nicht finden würde.

Am Morgen brach eine kleine Gruppe von Betreuern auf ins Dorf, in der Hoffnung, Samil in der Siedlung anzutreffen, die sich ganz in der Nähe befand. Noch immer waren sie zuversichtlich, dass sie ihn früher oder später in irgendeiner Scheune finden würden, unterkühlt, verlegen und erpicht darauf, für ein warmes Bad und ein bequemes Bett wieder mit ins Waisenhaus zu kommen.

Aber so, wie Elish es nicht anders erwartet hatte, kehrte die Gruppe einige Stunden später erschöpft und hungrig zurück und verkündete niedergeschlagen, dass es auch im Ort und auf den umliegenden Straßen und Wegen nicht die geringste Spur des Jungen gab. Niemand hatte ihn gesehen. Er war einfach verschwunden und sie konnten nicht das Mindeste daran ändern.

Am nächsten Tag kamen die Gerüchte über den dunklen Schrecken wieder auf. Im Flüsterton tuschelten die Kinder von dem Kratzen, das sie in jener Nacht am Fenster gehört hatten, vom zischenden Atem der Kreatur, als sie zwischen ihren Betten entlanghuschte, und von der Eiseskälte, die jeden Schritt des Monsters begleitete. Obwohl das Personal sein Möglichstes tat, um die Kinder zu beruhigen, raunten sie einander furchtsam neue Gruselgeschichten zu, voller Panik, was geschehen würde, wenn der dunkle Schrecken wiederkäme, um sich die nächsten Waisen zu holen.

In den folgenden paar Wochen freundete Elish sich mit Gee’far an. Die Kessurianerin war zwar fast zwei Jahre jünger als sie, doch genau wie Elish legte sie eine Selbstsicherheit und Zuversicht an den Tag, die ihr Alter Lügen strafte. Sie unternahmen gemeinsam lange Spaziergänge auf dem Gelände, erkundeten die Ruinen ringsum, lasen dieselben Bücher, um sich anschließend darüber auszutauschen, erzählten einander Geschichten aus den Klonkriegen und von all den schrecklichen Dingen, die sie gesehen hatten, und sie lernten zusammen unter der Aufsicht der gestrengen alten Dame, die die Schule des Waisenhauses leitete. Sie tauschten mit anderen ihre Betten, um einander näher zu sein, und jede Nacht, wenn Gee’far einschlief, blieb Elish so lange wach, wie sie konnte, um über ihre Freundin zu wachen und das Fenster des Schlafsaals im Auge zu behalten, für den Fall, dass sich das Monster zeigte. Denn nach Samils überraschendem Verschwinden hatte Elish trotz allem angefangen, sich zu fragen, ob womöglich doch etwas an den schauerlichen Berichten über das Phantom mit den gelben Augen dran war.

Einige Zeit verging und schließlich kehrte im Waisenhaus wieder halbwegs so etwas wie Normalität ein. Nicht mehr lange, und die Transportschiffe würden eintreffen, mit den Vorräten für die nächste Saison und einem Schwung neuer Waisen, während eine Handvoll aus ihrer Mitte fortging, um weit entfernt, auf anderen Welten, ein neues Zuhause zu finden. Alle möglichen Vorbereitungen mussten getroffen werden und im Waisenhaus herrschte rege Geschäftigkeit.

Doch obwohl Elish noch hin und wieder an den...



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