Manning | Adorkable - Zwei, die sich hassen … und lieben | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 464 Seiten

Manning Adorkable - Zwei, die sich hassen … und lieben


1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-7607-9840-0
Verlag: arsEdition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 464 Seiten

ISBN: 978-3-7607-9840-0
Verlag: arsEdition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein sonderbares Mädchen, das nirgends reinpasst, ein gut aussehender Junge, auf den alle stehen - die Rollen wurden klar verteilt: Sie ist eine Außenseiterin, ein Dork in seltsamen Second-Hand-Klamotten und ständig wechselnder Haarfarbe, dem keiner zuhört. Er ist der beliebte Star der Schule - und unendlich glücklich! Oder?

Sarra Manning ist Autorin und Journalistin und lebt in London. Sie arbeitete für verschiedene britische Jugendzeitschriften und war Chefredakteurin von Just Seventeen und Elle Girl UK. Ihre Beiträge erschienen in der Elle, Grazia, InStyle und im Guardian. Die Autorin hat bereits zahlreiche Bücher für Jugendilche und Erwachsene veröffentlicht.
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2


Ich hasse Jeane Smith.

Ich hasse ihr blödes graues Haar und ihre ekelhaften Polyester-Klamotten. Ich hasse es, wie sie sich anstrengt, so unattraktiv wie möglich auszusehen, trotzdem aber will, dass jeder sie bemerkt. Sie sollte einfach ein T-Shirt mit der Aufschrift »Hey! Ich brauche sofort Aufmerksamkeit!« tragen.

Ich hasse es, dass alles, was sie sagt, irgendwie sarkastisch und gemein ist und wegen ihrer flachen, tonlosen Art zu sprechen noch sarkastischer und gemeiner klingt. Als ob es einfach viel zu uncool wäre, Gefühle oder Begeisterung zu zeigen.

Ich hasse die Art, wie sie ihr potthässliches Gesicht an meins randrängelt und mir mit einem Finger in die Brust sticht, wenn sie mir ihre Meinung aufdrängen will. Obwohl, je länger ich drüber nachdenke, umso unsicherer bin ich mir, ob sie das wirklich je getan hat – aber egal, das sind genau die Sachen, die sie vermutlich tun würde.

Aber am meisten hasse ich sie dafür, dass sie so abscheulich ist und eine so völlig durchgeknallte Zicke, dass sogar ihr Freund es mit ihr nicht mehr aushält und nach einem Notausgang sucht. Besonders, wenn der Notausgang meine Freundin ist.

Ich wusste, dass Barney auf Scarlett stand. Das war nur natürlich. Sie war eben ziemlich heiß. Wirklich superheiß. Wann immer wir in die Stadt gingen und auch nur auf 50 Meter Reichweite von TopShop gelangten, wurde sie von allen Seiten von Modelscouts und Agenten belagert.

Aber Scarlett ging nie in die Agenturen, weil sie selbst der Meinung war, dass sie zweieinhalb Zentimeter zu klein war, um Model zu werden, und außerdem war sie zu schüchtern. Bevor wir anfingen, uns zu treffen, fand ich Scarletts Schüchternheit irgendwie süß. Doch nach einer gewissen Zeit ist Schüchternheit nicht mehr süß und löst auch keine Beschützerinstinkte mehr aus; irgendwann ist sie nur noch frustrierend, und du fängst insgeheim an, mit den Zähnen zu knirschen.

Die Sache mit der Schüchternheit ist nämlich so, dass es manchmal irgendwie wie eine Entschuldigung aussieht, gewisse Dinge noch nicht einmal zu versuchen, so wie Scarlett noch nicht einmal versuchte, dass unsere Beziehung funktionierte. Ich hingegen strengte mich ungeheuer an; ich rief sie jeden Abend an und dachte mir coole Sachen für unsere Dates aus. Ich kaufte ihr Geschenke, half ihr, ihr Blackberry einzurichten, und war überhaupt insgesamt ein spitzenmäßiger Freund. Ob Fußball, Physikarbeiten oder eine Beziehung – was soll das Ganze, wenn du es total halbherzig machst? Ich will jetzt nicht großkotzig klingen, aber ich könnte so ziemlich mit jedem Mädchen der Schule ausgehen, genau genommen mit jedem Mädchen von jeder Schule in unserem Stadtteil. Die Tatsache, dass ich mir Scarlett ausgesucht habe, hätte ihr doch einen Riesenschuss Selbstvertrauen geben müssen und sie hätte mir gegenüber ruhig etwas mehr Dankbarkeit zeigen können.

Als ich dann also Scarlett und Barney zusammen sah, machte mich das echt wütend. Alles, was ich je von Scarlett bekommen hatte, war, dass sie ihre Haare dauernd zurückwarf und mich schwach anlächelte, während sie Barney mit sehnsüchtigen Blicken ansah und kicherte. Ich konnte ihr Kichern zwar nicht hören, aber ich stellte es mir wie kleine, silberne Dolche vor, die direkt auf mein Herz zielten, und als ich mich abwandte, fiel mein Blick auf ein zu kurz geratenes, plumpes, grauhaariges Mädchen, das sich im Spiegel betrachtete.

Jeane Smith ist ungelogen die einzige Person an unserer Schule, mit der ich mich noch nie unterhalten habe. Ich hasse Vorurteile und Cliquen und den ganzen Scheiß von wegen »Die Leute passen nicht zu mir, weil sie nicht die gleiche Musik hören oder in Sport totale Nieten« sind. Ich mag es, mich mit allen gut zu verstehen und immer ein gemeinsames Thema zu finden, über das man reden kann, auch wenn die Leute vielleicht mal nicht ganz so cool sind.

Jeane Smith spricht mit niemandem, wenn man mal von diesem Barney absieht. Jeder spricht über sie oder über ihre ekelerregenden Klamotten und die Wortgefechte, die sie mit ihren Lehrern in wirklich jedem ihrer Kurse anzettelt, doch niemand spricht mit ihr, denn wenn man das versucht, bekommt man nur eine sarkastische Bemerkung zu hören und einen vernichtenden Blick.

Das war auch genau das, was ich bekam, als ich versuchte, ihr meinen Verdacht bezüglich Barney und Scarlett zu erklären. Schon nach der Hälfte meines ersten Satzes realisierte ich meinen Fehler, aber da war es schon zu spät. Ich konnte schließlich schlecht mitten im Satz abbrechen und gehen. Ich konnte mir nicht erklären, wie es jemand schaffte, einen so voller Verachtung in Grund und Boden zu starren, dass man meinte, dabei körperliche Schmerzen zu fühlen, aber irgendwie hatte Jeane diese Kunst von Grund auf erlernt. Es war, als seien ihre Netzhäute durch Laserpointer ersetzt worden.

Dann schob sie ihr Kinn vor und wurde zickig, und plötzlich war überhaupt nicht mehr wichtig, was für eine abgefahrene Sache sich da zwischen Barney und Scarlett abspielte, sondern nur noch, in dieser Diskussion das letzte Wort zu haben.

»Schönes Kleid übrigens«, sagte ich und wies mit dem Kopf auf das grauenhafte bunte Scheißding von Kleid, das sie anhatte. Das war ein echter Tiefschlag und eigentlich völlig unter meinem Niveau, aber immerhin brachte es Jeane Smith zum Schweigen. Aber dann grinste sie, und dieses Grinsen sagte mehr als tausend Worte – und keins davon war freundlich.

Als ich diese unschöne kleine Unterhaltung beendet hatte, waren auch Scarlett und Barney mit ihrem lautlosen Flirt fertig. Scarlett eilte zu mir und sah lebhafter aus als jemals zuvor.

»Können wir jetzt gehen?«, fragte sie, als ob es meine Idee gewesen wäre, auf diesen Flohmarkt voller angestaubter alter Sachen und stinkiger Klamotten zu gehen, die nicht mal mehr als Spenden im runtergekommensten Charity-Shop der Welt angenommen worden wären. Es war eigentlich Scarlett gewesen, die hierher hatte kommen wollen, und da sie ja niemals irgendetwas Interessantes oder Witziges vorschlug, das wir an unseren Treffen machen konnten, hatte ich dies als ein Zeichen echten Fortschritts in unserer Beziehung betrachtet.

Jetzt allerdings hatte ich den Verdacht, dass Scarlett diesen Vorschlag nur gemacht hatte, weil Barney hier sein würde. Normalerweise wäre ich direkt auf den Punkt gekommen und hätte Scarlett gefragt, was da eigentlich los war, aber irgendetwas ließ mich zögern. Wenn ich es mit Scarlett nicht hinkriegte, was würde das dann über mich selbst sagen? Es würde bedeuten, dass sie lieber mit einem brabbelnden Rothaarigen zusammen wäre als mit mir, und das wäre … nein! Das war einfach unmöglich.

Also sagte ich nur: »Cool. Es riecht, als ob hier drin jemand gestorben ist.«

Scarlett murmelte zustimmend, doch als wir die Tür erreichten, wandte sie sich noch einmal um und warf einen Blick in die Ecke, in der Barney saß. Er schmachtete jetzt nicht mehr Scarlett an, sondern Jeane, die die Hände in die Hüften gestemmt hatte und ihn angriffslustig anfunkelte.

»Gott, wie ich dieses Mädchen hasse!«, sagte Scarlett mit mörderisch tiefer Stimme. Ich starrte sie völlig fassungslos an. Dies war das allererste Mal, dass ich Scarlett ihre Meinung äußern hörte. »Sie ist so gemein. Sie hat mich in Englisch schon mal richtig zum Weinen gebracht. Als ich aus Ein Mittsommernachtstraum vorgelesen habe, hat sie sich mittendrin gemeldet und über meine Leistung beschwert. Wenigstens klinge ich nicht wie ein Roboter auf Drogen.«

»Stimmt, sie ist irgendwie nervig …«

»Sie ist nicht irgendwie irgendwas. Sie ist total nervig!«, informierte Scarlett mich eisig. Sie steckte an diesem Nachmittag voller Überraschungen. Sie starrte mich sogar zornig an, als ich ihr die Tür aufhielt, so als sei ich ein Jeane-Smith-Vertreter.

»Warum regst du dich so über sie auf?«, fragte ich, als wir die Stufen zur Straße hinaufstiegen. Ich kannte die Antwort schon – Scarlett hasste Jeane, weil sie mit Barney zusammen war. Ich war mir sicher.

»›Ich bin Jeane Smith‹«, sagte Scarlett mit Roboterstimme, was mich zum Grinsen brachte, denn die wütende, wild gewordene Scarlett war ungefähr tausendmal witziger als die Scarlett, mit der ich mich sonst immer traf. »›Ich habe eine Million Follower auf Twitter und ich bin ein Blogger-Genie und meine abstoßenden Klamotten und meine Alte-Oma-Frisur sind ultimativ cool, und wenn du das nicht so siehst, liegt das daran, das du eben nicht cool bist. Tatsächlich bist du so uncool, dass ich mich kaum dazu bringen kann, dich auch nur anzugucken; du könntest mich ja mit deinen hässlichen, uncoolen Vorstadtbazillen anstecken.‹ Uhh! Sie ist so was von eingebildet!«

»Sie hat einen Blog? Das ist doch wirklich nichts Besonderes! Jeder hat einen Blog.«

»Du kennst ihren Blog nicht«, murmelte Scarlett düster. »Sie schreibt über Sachen – das ist unglaublich.«

»Wie kommt es überhaupt, dass du sie im Internet stalkst?«, fragte ich, und meine Stimme wurde so piepsig, dass ich an der letzten Silbe fast erstickte.

»Mach ich gar nicht.« Scarletts Stimme hingegen verfiel wieder in ihren üblichen Flüstermodus. »Ich muss ihren Blog lesen, sonst kann ich nicht mitreden, wenn die anderen in der Schule über sie sprechen.«

»Habt ihr Zwölftklässler nichts anderes, worüber ihr reden könnt, als Jeane Smith?«

Scarlett antwortete nicht, sondern sah die Straße hinauf und hinunter, bis sie erleichtert seufzte. »Da ist das Auto von meiner Mum. Ich muss gehen.«

»Ich dachte,...


Manning, Sarra
Sarra Manning ist Autorin und Journalistin und lebt in London. Sie arbeitete für verschiedene britische Jugendzeitschriften und war Chefredakteurin von Just Seventeen und Elle Girl UK. Ihre Beiträge erschienen in der Elle, Grazia, InStyle und im Guardian.
Die Autorin hat bereits zahlreiche Bücher für Jugendilche und Erwachsene veröffentlicht.

Sarra Manning ist Autorin und Journalistin und lebt in London. Sie arbeitete für verschiedene britische Jugendzeitschriften und war Chefredakteurin von Just Seventeen und Elle Girl UK. Ihre Beiträge erschienen in der Elle, Grazia, InStyle und im Guardian.
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