Mansour | Ägerisee | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 4, 288 Seiten

Reihe: Zuger-Reihe

Mansour Ägerisee

Kriminalroman
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98707-258-1
Verlag: Emons Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, Band 4, 288 Seiten

Reihe: Zuger-Reihe

ISBN: 978-3-98707-258-1
Verlag: Emons Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Ein nervenaufreibendes Versteckspiel, bei dem nichts so ist, wie es scheint. Als die junge Schauspielerin Noemi spurlos verschwindet, bittet ihr Freund die Detektei Trust Investigation um Hilfe. Die Nachforschungen von Natalie, Sara und Tom lösen eine Reihe verstörender Ereignisse aus, bis sie bei der Ruine Wildenburg blutige Hinweise, aber keinen Leichnam finden. Das Kleintheater am Zuger Kolinplatz scheint der Schlüssel zu Noemis Verschwinden zu sein, denn das geplante Stück weist Parallelen zu dem Fall auf und endet mit einem schrecklichen Mord. Mehr und mehr verschwimmt die Grenze zwischen Schauspiel und Realität, und eine grausame Wahrheit kommt ans Licht.

Monika Mansour, geboren 1973 in der Schweiz, liebte schon als Kind spannende Geschichten. Nach einer Lehre ging sie auf Reisen und verbrachte mehrere Monate in Australien, Neuseeland und den USA. Danach arbeitete sie am Flughafen, führte eine Whiskybar und war Tätowiererin. 2014 erfüllte sich ihr Traum vom Leben als Schriftstellerin. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn im Luzerner Hinterland. www.monika-mansour.com
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EINS

»Mein Schwiegervater hielt mir gestern Abend eine Standpauke.« ET schlug mit der Faust auf den Bistrotisch.

Natalie nippte an ihrem Cappuccino und schmunzelte. Sie saß mit dem Jungen in der Cafeteria Mont Blanc am Kolinplatz in der Altstadt von Zug.

»Er motzte mich an, weil ich Lucy zehn Minuten zu spät nach Hause brachte. So ein Theater wegen zehn Minuten! Um zehn hätten wir zurück sein müssen. Und das am Ostersamstag.«

»Hattet ihr in Zürich wenigstens Spaß?«

»Hey, ich bin voll der Romantiker, habe das ganze Programm aufgefahren: Blumen, Schokolade, Ed Sheeran aus geteilten Kopfhörern am See, danach Kino – Frühvorstellung.«

Saras Pflegesohn würde im Sommer volljährig werden. Wie die Zeit verging, dachte Natalie. Bald ein Jahr wohnte er bereits bei Sara. »Tom sorgt sich eben um seine Tochter. Lucy ist erst fünfzehn.«

»Daran erinnert mich Mum jedes Mal, wenn ich mit Lucy ausgehe. Mann, ihr drei von der Detektei Trust Investigation seid ätzend. Für wen haltet ihr mich? Ich bin voll der Gentleman. Ich stehe nicht auf einen hohen Bodycount.«

»Auf was?«

»Musst du nicht wissen.«

Natalie war erst sechsundzwanzig, aber neben ET fühlte sie sich wie eine Großmutter. ET alias Elias Tanner hatte sich in Saras Obhut zu einem feinen Kerl gemausert. Seine Haare wechselten nach wie vor wöchentlich die Farbe, aber waren zumindest nicht mehr so knallbunt wie früher. Das Augenbrauenpiercing trug er noch, jenes in der Lippe nur sporadisch. Sara gab ihm nach dem Tod seiner Mutter Struktur im Alltag und nahm ihm die Last von den Schultern, allein auf sich gestellt zu sein.

»Du nippst nur an deinem Cappuccino«, stellte ET fest. »Tut dein Hals weh?«

»Wann tut er das nicht? Wir Schmetterlingskinder haben einen schönen, zarten Namen bekommen, für eine grausame Krankheit.«

ET lehnte sich vor. »Statt eine Lehre als Veranstaltungsfachmann zu machen, hätte ich Arzt studieren sollen, dann könnte ich dich heilen.«

»Das versucht mein Vater seit meiner Geburt. Vergeblich. Niemand kann mich heilen. Auch wenn meine Haut verletzlich ist wie die Flügel von Schmetterlingen, so ist mein Gehirn stark wie das einer Superheldin, vergiss das nicht.«

»Niemals. Du bist eine Kriegerin, Natalie Krieger, das wusste ich gleich. Und ich mag dein Styling heute. Du solltest im Büro auch öfter diesen afrikanischen Look tragen.«

»Die Khangatücher sind leicht und bequem, perfekt für meine empfindliche Haut. Und ich finde sie auch cool, vor allem die Farben.«

ET stocherte in seinem Eisbecher herum. Nur ein Teenager konnte am Sonntagmorgen einen Banana-Split verdrücken. »Wann darf ich endlich deiner Organisation Kipekapeka beitreten? Ich will helfen, die Welt vor dem Bösen zu retten.«

»Wenn du volljährig bist – und Sara es erlaubt.«

»Das wird sie nie. Sie ist ein Ex-Bulle. Sie mag das Darknet und alles, was damit zusammenhängt, nicht. Sie würde meinen zukünftigen Schwiegervater auf mich hetzen, und mit einem Ex-Kickboxchampion legt man sich besser nicht an.«

»Tom mag dich. Aber wenn es um seine Töchter geht, kann er den Beschützerinstinkt nicht ablegen. Einmal Bodyguard, immer Bodyguard.« Sie schaute auf die Uhr. »Ich muss los. Wir drei von der Trust wollen uns zu einem Brunch treffen. Was habt du und Lucy heute vor?«

ET knurrte leise. »Wir müssen babysitten. Tom besteht darauf, dass wir Alicia mitnehmen. Wir chillen am Skatepark. Mein Kumpel Jimmy kommt auch.«

Natalie genoss es, ab und zu mit ET abzuhängen, wie er es ausdrückte. Sie war in Schulzeiten zu oft krank gewesen, um einen Freundeskreis in ihrem Alter aufzubauen. Als hässlicher Freak, mit ihren einbandagierten Gliedmaßen und geröteter Haut, fand sie damals schwer Anschluss in der Schule. Sie blickte über den Kolinplatz, als sie einen Mann entdeckte, der in ihre Richtung kam. Konnte das ein Zufall sein, jetzt, da sie ausgerechnet an ihre Schulzeit zurückdachte? Sie winkte ihm zu. »Fabian?«

Er blieb stehen, hob überrascht die Augenbrauen hinter seiner schwarzen Nickelbrille und kam auf sie zu. »Natalie! Endlich laufen wir uns mal über den Weg. Leider haben wir uns letzten Herbst an den WorldSkills in Lyon nur von Weitem gegrüßt. Sorry, es war hektisch dort.«

»Kein Problem. Bist du weiterhin aktiv bei den Organizers dabei? Ihr steht nach wie vor im Rennen für einen weiteren Weltmeistertitel im CTF-E-Sport.«

»Ich bin zu alt dafür. Ich konzentriere mich darauf, die Kids zu trainieren. Was ist mit dir? Willst du nicht auch bei uns einsteigen?«

»Nein danke«, sie hob ihre Hände, »die sind nicht schnell genug.«

Fabian nickte mitfühlend.

»Ich habe gehört, dass du in den USA gearbeitet hast, im Silicon Valley.«

»Ja. A dream came true. War amazing

Sie musterte Fabian. Er sah gut aus. Er war nach wie vor der scheue Typ, trug die Schultern angezogen und das Kinn gesenkt. Die dunkelblonden Haare waren schulterlang mit einem altmodischen Seitenscheitel. Er trug unauffällige Kleidung, Jeans und Poloshirt. Jedoch war sein Blick offener und selbstsicherer als zu Schulzeiten. Auch seine Statur hatte sich verändert. Er war ein echtes Muskelpaket geworden. Sie kannte Fabian aus dem Gymnasium. Sie beide waren die Computergenies gewesen und standen in einem gesunden Konkurrenzkampf. Fabian interessierte sich für Game-Entwicklung, Natalie für Computernetzwerke. Die Leidenschaft fürs Hacking von Programmen teilten sie sich.

»Seit wann bist du zurück in der Schweiz?«, fragte sie.

»Seit einem Jahr. Ich programmiere für eine amerikanische Firma Onlinegames, im Homeoffice, der Vorteil in unserem Beruf, wir können überall auf der Welt arbeiten. Und was machst du so?«

»Ich bin Teilhaberin einer Privatdetektei.« Sie griff nach ihrer Handtasche und kramte eine Visitenkarte hervor.

»›Trust Investigation‹«, las er vor. »›Natalie Krieger, Sara Jung und Tom Engels – Aufklärung mit Herz und Verstand‹. Das ist cool.«

»Wenn du jemals Hilfe brauchst, melde dich.«

Fabian steckte die Karte in seine Jeanstasche. »Ich melde mich auf jeden Fall. Wir sollten einmal zusammen ein Bier trinken gehen. Vielleicht zu viert?« Er warf ET einen Seitenblick zu. »Ich bringe meine Freundin mit.«

»Oh, ET ist nicht –«

»Klar, Bro, machen wir.« ET grinste breit.

»Perfect. Ich melde mich. Aber jetzt muss ich los, Noemi wartet.«

Weg war er.

»Sag mal, was sollte das?«, fragte Natalie und schaute ET mit erhobener Augenbraue an.

»Zumindest glaubt er nun, dass du einen echt geilen, verdammt gut aussehenden Freund hast.«

»Einen siebzehnjährigen.«

»Ich sehe aus wie vierundzwanzig.«

»Fünfzehn, höchstens.«

ET gab nach. »Was ist CTF-E-Sport?«

Natalie lachte. »Kennst du das Spiel ›Capture the Flag‹, CTF? Nicht das Kinderspiel, sondern das, welches im E-Sport gespielt wird.«

»Nie davon gehört.«

»Es ist ein Übungsspiel zur Computersicherheit. Zwei Teams treten gegeneinander an und versuchen flags, also Fahnen, zu finden, die das andere Team in den Zeilen des Programmiercodes einer Software versteckt hat. Wer zuerst alle Flags eingesammelt hat, hat gewonnen. Die besten Hacker treten so gegeneinander an.«

»Das will ich lernen.«

Natalie legte ihm die Hand auf die Schulter. »Dann hättest du vor zehn Jahren damit anfangen sollen. Für diesen Sport bist du zu alt.«

***

»Ich beneide die Kinder«, sagte Sara, als sie am Dienstagmorgen hinter Tom die Metallstufen hoch zu den Containern nahm, die unter dem Metalldach der ausgedienten Werfthalle in Cham als Büro der Trust Investigation dienten. »Wir hätten eine Woche Ferien an die Osterfeiertage anhängen sollen. Schließlich sind wir drei die Chefs, nicht?«

Tom blickte über die Schulter zurück. »Ferien kann ich mir nicht leisten. Endlich läuft unsere Detektei.«

Sara wusste, dass er recht hatte. Sie schob ihre kinnlangen schwarzen Haare hinter die Ohren und massierte sich den Nacken. Sie hatte gestern mit Tom unten im Dojo zwei Stunden trainiert. Für vierundvierzig war sie fit wie ein Turnschuh, aber die Erholungsphasen dauerten länger. Tom schien das Problem nicht zu kennen. Er hüpfte die Stufen hoch wie ein junges Reh, obwohl er nur knapp drei Jahre jünger war. Angeber.

Oben blieb er stehen. »Heute Nachmittag ist der Gerichtsfall von dem Kerl, der letzten Sommer seine Freundin spitalreif geschlagen hat. Gehst du hin?«

»Wenn du mich fragst, sollte er zwanzig Jahre aufgebrummt erhalten.« Sara blieb neben Tom stehen und blickte hinunter in ihre Trainingshalle, in welcher sie Weiterbildungskurse in Selbstverteidigung gaben. Zudem hatten sie ein Ausbildungsprogramm für Personenschützer ins Leben gerufen. Hinter dem Dojo erstreckte sich der Trainingsparcours, mit Hindernissen und Mauern, um den Ernstfall zu trainieren. Aber diese Woche hatten die Kursteilnehmer noch Ferien. Sara seufzte. »Häusliche Gewalt sollte stärker bestraft werden. Wir lassen den Mistkerlen – ob Mann oder Frau – zu viel durchgehen. Sie sind der Abschaum unserer Gesellschaft. Die eigene Familie quälen … geht gar nicht.« Sie musste unweigerlich an ihren Pflegesohn ET denken.

Natalie trat mit einem Tablett mit zwei Tassen Kaffee aus dem Bürocontainer, der als...


Mansour, Monika
Monika Mansour, geboren 1973 in der Schweiz, liebte schon als Kind spannende Geschichten. Nach einer Lehre ging sie auf Reisen und verbrachte mehrere Monate in Australien, Neuseeland und den USA. Danach arbeitete sie am Flughafen, führte eine Whiskybar und war Tätowiererin. 2014 erfüllte sich ihr Traum vom Leben als Schriftstellerin. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn im Luzerner Hinterland.
www.monika-mansour.com

Monika Mansour, geboren 1973 in der Schweiz, liebte schon als Kind spannende Geschichten. Nach einer Lehre ging sie auf Reisen und verbrachte mehrere Monate in Australien, Neuseeland und den USA. Danach arbeitete sie am Flughafen, führte eine Whiskybar und war Tätowiererin. 2014 erfüllte sich ihr Traum vom Leben als Schriftstellerin. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn im Luzerner Hinterland.
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