Manz | Der Tod spielt mit: Österreich Krimi | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 300 Seiten

Reihe: Felber ermittelt

Manz Der Tod spielt mit: Österreich Krimi


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-903092-06-8
Verlag: Federfrei Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 2, 300 Seiten

Reihe: Felber ermittelt

ISBN: 978-3-903092-06-8
Verlag: Federfrei Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der zweite Fall für Gruppeninspektor Felber. In Mödling wird das zwölf Jahre alte Mädchen Maria von ihrem Bruder und drei Freunden vergewaltigt. Jahre später kann lässt sie die Erinnerung an dieses Verbrechen nicht los. Sie sinnt auf Rache. Als Schauspielerin einer Theatergruppe tourt sie durch Österreich. Und im Zuge ihres Engagements verübt sie die Morde an ihre einstigen Peiniger, die es in alle Himmelsrichtungen verschlagen hat. Gruppeninspektor Felber, seine Lebensgefährtin Hochstatter und Kollege Weiner ermitteln. Die Verdachtsmomente gegen Maria werden immer dichter, doch wer von den Schauspielerinnen ist Maria?

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Kapitel 1


Gruppeninspektor Günter Felber erwachte und blinzelte im Sonnenlicht. Es schien heute wieder ein wunderschöner Tag zu werden. Durch das geöffnete Fenster vernahm er das Gezwitscher der Vögel. Schlaftrunken schielte er zum Nachtkästchen, um auf den Wecker blicken zu können – sieben Uhr, es war Sonntag, und er hatte dienstfrei. Er schloss wieder die Augen und ließ sich auf das Kopfkissen zurücksinken. Herrlich!

Neben sich hörte er leises Schnarchen. Vorsichtig drehte er sich auf die Seite, stützte den Ellbogen auf und betrachtete liebevoll seine Gefährtin. Konstanze Hochstatter lag am Rücken, den Mund leicht geöffnet, und bei jedem Atemzug vibrierten ihre Lippen.

Zum wiederholten Male beglückwünschte er sich im Stillen, diese wunderbare Frau kennengelernt zu haben. Obwohl – eigentlich war ja sie die treibende Kraft gewesen, die das Heft in die Hand genommen hatte, die sich energisch für ihn einsetzte, damals, in seinen schlimmsten Stunden und Tagen. Schon vor dieser Zeit fühlte er sich auf eine unbestimmte Art zu ihr hingezogen, konnte aber nicht von seiner Exfrau Monika lassen, wollte diese zurückerobern, dachte, nicht ohne sie leben zu können.

Bis dann das Unglück geschah, an dem er sich selbst einen Großteil der Schuld zurechnete. Niemand hatte ihm etwas angelastet, nicht auf der Inspektion, nicht in der Presse, nicht im Landeskriminalamt. Und doch dauerte es lange, um darüber hinwegzukommen, dass ein Serienmörder Monika mit in den Abgrund gerissen hatte.

Damals war Konstanze für ihn da gewesen, hatte ihn umhegt, ihm Mut zugesprochen, in langen Nächten mit ihm diskutiert und manchmal, wenn es ihr nötig schien, ihre schärfste Waffe ausgepackt und gnadenlos benutzt, ihren Sarkasmus. Anfangs war er zutiefst beleidigt gewesen, hatte sich in sein Schneckenhaus zurückgezogen, aber mittlerweile schätzte er diesen.

Er überlegte, was sie an ihrem freien Tag für aufregende Sachen machen konnten, aber seine Fantasie war beschränkt. Ihm fiel nichts anderes ein als Frühstück im Bett, dann aneinandergekuschelt dazuliegen und daran zu denken, wie schön doch die Welt sei, wenn man gerade keinen Dienst hatte.

Solche Tage gab es leider viel zu wenige, und da konnte es dann schon geschehen, dass Konstanze in ihrer jugendlich frischen Art über ihn herfiel und ihn unverblümt zum Sex aufforderte. In diesem Moment kam er sich alt und einer anderen Generation angehörend vor, der dieses direkte Ansprechen unangenehm war. Manchmal hatte er sogar das Gefühl, dabei zu erröten.

Er war eben ein altmodischer Mensch, mit eigenen Ansichten über Moral, Anstand und Werte. Wobei er den Sex durchaus und gerne genoss – ein Paradoxon, aber wahr.

Felber beugte sich über sie, um ihr einen zarten Kuss zu geben, er wollte sie nicht wecken – noch nicht. Doch genau in diesem Moment drehte sie sich auf die Seite, und er erwischte nur ihre Schulter. Auch gut, dachte er, dann gehe ich eben Frühstück machen.

Er hatte keine Ahnung, ob Konstanze für diesen Sonntag schon etwas geplant hatte, gestern Abend wurde jedenfalls nicht darüber gesprochen, aber Frühstück im Bett – das wollte er sich nicht nehmen lassen. Vorsichtig erhob er sich, schlüpfte in die bereitliegende Trainingshose und schlich in die Küche. Er bemühte sich, leise zu hantieren, presste die Orangen nicht mit dem elektrischen Entsafter, schrie auch nicht fluchend auf, als er sich die Finger an der heißen Herdplatte verbrannte. Auf einen Teller legte er etwas mageren Schinken und fettarmen Käse, getoastetes Brot kam in einen kleinen Korb, zwei weich gekochte Eier in ihre Becher, Müsli in seine Schalen, und natürlich musste eine große Kanne mit Kaffee dabei sein.

Seit Konstanze bei ihm eingezogen war, hatten sich seine Essgewohnheiten radikal geändert – ändern müssen. Mit Wehmut erinnerte er sich an die heißen fettigen Leberkäsesemmeln, die er einst am Morgen bevorzugt hatte. Mit Verweis auf ungesunde Ernährung strich Konstanze die als Erstes. Der Erfolg blieb nicht aus, er hatte schon einige Kilo abgenommen und fühlte sich fitter denn je.

Natürlich sündigte er manchmal, aber darüber sah Konstanze großzügig hinweg.

Felber lud alles auf ein großes Tablett und versuchte, ohne allzu großes Geklapper ins Schlafzimmer zu gelangen. Zu seiner Enttäuschung war Konstanze bereits munter, sie stand am geöffneten Fenster und machte nackt, wie sie war, ihre gymnastischen Übungen.

»Peepshow für die Nachbarn?«, fragte er und betrachtete voller Bewunderung ihren schlanken Körper und die kleinen hochsitzenden Brüste.

»Zeig mir einen, der an einem Sonntag so früh aufsteht«, lachte sie, »der hätte einen Extrabonus verdient.«

»Komm ins Bett«, forderte er sie auf, »ich assistiere dir gerne bei deiner Gymnastik.«

Doch Konstanze hatte bereits das Tablett fixiert. »Frühstück!«, seufzte sie. »Das ist genau das, was ich jetzt brauche.«

»Na, dann mir nach, junge Frau«, sagte Felber und balancierte seine Last vorsichtig zur Bettkante. Angezogen vom Geruch des Kaffees und dem Duft des warmen Brotes, folgte sie ihm gehorsam.

Sie schlemmten – ausschließlich gesundes Essen, wie Konstanze nicht umhinkam zu betonen. Anschließend ging Felbers Wunsch in Erfüllung – sie kuschelten. Aber nicht lange. Sie zwickte ihn, sprang aus dem Bett und rief: »Auf, mein Lieber! Heute haben wir etwas zu feiern.«

Sofort stiegen in Felber Schuldgefühle hoch. Was hatte er vergessen? Ihren Geburtstag? Nein! Den Namenstag? Kaum. Soweit er sich erinnerte, war dieser im Februar. Sonst ein Jubiläum? Ihm fiel keines ein.

»Es ist genau dreihundertfünfzig Tage her, dass wir uns das erste Mal am Anninger getroffen haben.« Konstanze hatte sein Schweigen und die gerunzelte Stirn richtig gedeutet.

Hatten Frauen einen Computer eingebaut? So etwas konnte man sich doch unmöglich merken. Felber hütete sich, diesen Gedanken laut auszusprechen. Er schlug sich stattdessen mit der Handfläche auf die Stirn und log: »Alle Achtung, du bist toll, mein Schatz. Ich hätte mir das nicht besser merken können.«

Er erinnerte sich mit gemischten Gefühlen an diesen Tag. Dieses Treffen war reiner Zufall gewesen. Sie hatte aus sportlichen Gründen eine Art Berglauf gemacht, er einen Spaziergang, da ihm zu Hause die Decke auf den Kopf zu fallen drohte. Damals hatte ihn sein Chef Paukerl auf Zwangsurlaub geschickt. Konstanze und er begegneten sich in der Raststation nahe der »Breiten Föhre«, spazierten zusammen weiter, und ihr Kennenlernen endete schließlich mit einem satten Misston.

Den gewünschten Kuschelkurs konnte er vergessen. Stattdessen stand ein Ausflug in die Natur, in die Wildnis am Programm. Bewegung an der frischen Luft ist angeblich sehr gesund, dachte er, denn auch er konnte sarkastisch sein. Unverständliches brummend suchte er seine Wanderkleidung im Kasten. Doch auch daran hatte Konstanze etwas auszusetzen.

»Wir machen doch keine Bergtour, mein Lieber, es genügen eine einfache Hose und ein Hemd. Ich verspreche dir, ich werde nicht laufen und nicht im Gebüsch herumkraxeln. Wir machen einfach einen Spaziergang. Ganz langsam.« Sie stellte sich vor ihn hin und sah ihn bittend an. Dagegen kam er nicht an.

»Na gut!«, meinte er. »Aber in der Jausenstation ess ich einen Schweinsbraten und dann eine köstliche Mohntorte. Nur, damit du es weißt.«

»Alles klar«, erwiderte Konstanze und schlüpfte in ihre blauen Hosen. Auch er holte eine Jeans aus dem Kasten und dazu ein kariertes Hemd. Als sie sich die Schuhe zubanden, läutete das Telefon.

»Wer will denn jetzt was von mir?«, seufzte Felber und verdrehte die Augen. Er vermutete, dass es Alfred Weiner war, sein Kollege und Freund auf der Mödlinger Polizeiinspektion. Wahrscheinlich hatte er ein Grillfest geplant und in seiner ihm eigenen Hektik vergessen, zeitgerecht Bescheid zu geben. Weiner liebte Grillen, sein zweites Hobby. Das Erste war Schreiben. In einer Literaturgruppe war er der einzige männliche Teilnehmer, hatte es aber zu Felbers Bedauern noch immer nicht geschafft, eine der zahlreichen Damen für eine dauerhafte Beziehung zu begeistern.

Eigentlich wollte Felber das schrille Klingeln ignorieren, es war sein freier Tag, und wenn es wirklich ums Grillen ging, das konnte ihm gestohlen bleiben.

Aus einem Pflichtgefühl heraus, das jahrelang im Dienst hart antrainiert worden war, hob er schließlich doch ab. Es war tatsächlich Weiner.

»Sag einmal, wo bist du denn? Kugelst du noch immer im Bett herum? Raus aus den Federn, du wirst benötigt.«

»Hör mal, Alfred«, sagte Felber, es war ihm sichtlich unangenehm, seinem Freund eine Absage zu erteilen, »ich kann nicht zum Grillen kommen, so leid es mir tut. Wir haben einen …«

»Wovon redest du? Kannst du immer nur ans Essen denken? Ich brauche dich hier. Ein Todesfall, fast sicher ein Mord. Also hopp, hopp, beweg deinen Arsch.«

Ein Mord? Felber stand starr da und ließ...



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