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Manz | Die Tote am Denkmal: Österreich Krimi | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 200 Seiten

Reihe: Sopic ermittelt

Manz Die Tote am Denkmal: Österreich Krimi


1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-99074-076-7
Verlag: Federfrei Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 2, 200 Seiten

Reihe: Sopic ermittelt

ISBN: 978-3-99074-076-7
Verlag: Federfrei Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Im Mödlinger Kurpark wird beim Denkmal für Elsa Brandström die Leiche einer alten Dame gefunden, die sich bei näherer Betrachtung als junge Frau entpuppt: Eine Schauspielerin, die im nahen Kursalon für ein Theaterstück probt. Der Mann, der die Tote entdeckt, beauftragt den Privatdetektiv Sopic, den Mörder zu ?nden. Ein schwieriges Unterfangen, auch die Polizei tappt im Dunkeln. Viele Verdächtige werden von Manfred Sopic befragt, aber es gibt nirgends Anhaltspunkte, geschweige denn Augenzeugen. Oberdrein gerät Sopic bei der Polizei selbst unter Verdacht und sein Auftraggeber will ihm wegen Erfolglosigkeit den Fall entziehen. Aber dann trifft er während eines Spaziergangs mit seinem Hund doch noch unverhofft einen Zeugen der Tat.



Eric Manz wurde 1943 in Mödling geboren. Nach seinem Studium an der TU Wien übernahm er bis zu seiner Pensionierung den väterlichen Gewerbebetrieb. Als leidenschaftlicher Leser schloss er sich vor vielen Jahren einer Schreibgruppe an. Bisher im Verlag federfrei erschienene Krimireihen von Eric Manz: Chefinspektor Felber (4 Fälle) Privatdetektiv Sopic (4 Fälle)
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Kapitel 1


Ich brütete über einem Sudoku-Rätsel. Für diese gilt an sich das Gleiche wie für Kreuzworträtsel, man braucht Wissen, Kombinationsgabe und etwas Wagemut. Also genau das Richtige für einen unterbeschäftigten Detektiv, um seine Gehirnwindungen zu trainieren, zu ölen und so weit zu beschäftigen, dass die Synapsen nicht einschliefen. Mit Stolz kann ich behaupten, dass ich es zu einer gewissen Fertigkeit brachte. Entgegen der Warnung verschiedenster Menschen, die behaupteten, meine Freunde zu sein, benutzte ich einen Kugelschreiber statt eines Bleistifts. So sahen die Ergebnisse auch manchmal aus, verwirrend, die Zahlen kaum mehr zu erkennen. Ich hatte schon überlegt, einen roten Filzstift zu kaufen, um die richtigen Zahlen endgültig festlegen zu können, aber das sah aus wie die Verbesserung einer Schulaufgabe – nicht sehr erhebend. Wenn alles nichts half, gab es ja noch die Auflösungen am Ende des Heftes, aber die versuchte ich nicht über Gebühr zu strapazieren.

Die Standuhr schlug zehn dunkle Töne. Zehn Uhr. Ich seufzte. Bald konnte ich das Büro hinter mir lassen und mittagessen gehen, respektive einen oder mehrere Kaffee trinken. Ein Detektiv sollte zwar vierundzwanzig Stunden präsent sein, das Verbrechen hielt sich ja auch nicht an die normalen Arbeitszeiten, aber es war bedeutend entspannter, in der FUZO in einem Café oder im »Stehseidel« auf keine Kunden zu warten.

Vom vorderen Teil des großen Raumes – dem Sekretariat ? hörte ich kratzende Geräusche. Auf der Suche nach einer eigenen Intimsphäre trennte ich den riesigen Raum mit einer hölzernen Wand ab und saß nun da, umringt von einem Haufen juristischer Bücher, jeder Menge Kriminalromane, einer komfortablen Sitzgruppe und einem offenen Kamin. Fräulein Barbara Stein behandelte also wieder ihre Fingernägel. Die Nagelfeile war das Werkzeug, das sie öfter in der Hand hatte als einen Kugelschreiber, was sehr viel über das Arbeitspensum aussagte, das sie täglich bewältigte.

Dann hörte das Kratzen auf, wich einem dunklen Gemurmel. War Wastl schon aus Wien zurück?

Sebastian »Wastl« Kerbl, mein Freund und Bezirksinspektor auf der Mödlinger Polizeiinspektion, hatte angeblich heute einen Schulungskurs zu absolvieren. Er und Barbara Stein waren miteinander verbandelt. Genaueres weiß ich nicht, es war mir auch vollkommen egal. Wastl war alt genug, dass er wusste, worauf er sich einließ.

An sich wollte ja Vera die Sekretärin in meiner Detektei werden. Sie hatte in der Redaktion in Wien gekündigt, überlegte es sich aber wieder anders und meinte, jemand müsse ja Geld verdienen, da anfangs die Detektei kaum etwas abwerfe. Ich sprach zwar dagegen, von meinem Vorgänger Wonder wurde mir doch sein Kundenstamm hinterlassen, aber wie das immer so ist, sie hatte recht.

Wie das Leben so spielt, stand sie dann eines Tages mit hochrotem Kopf bei mir im Büro und erklärte, nie wieder nach Wien fahren zu wollen. Meine Frage »Weshalb?« beantwortete sie nur sehr unzulänglich. Ich setzte ihr nicht sehr zu, freute mich, sie in meiner Nähe zu haben. Leider ging das Geschäft weiterhin miserabel, das heißt, es ging überhaupt nicht. Die Muße, die man dabei empfindet, weicht sehr schnell frustrierender Langeweile. Ich kam ja damit einigermaßen zurecht, aber Vera hielt das Warten nicht aus. Zu ihrem Glück suchte die gerade eine Redakteurin. So schnell konnte ich gar nicht schauen, wie sie dort war, sich bewarb und den Posten bekam.

Nun saß ich wieder alleine im Büro, ging zwischendurch mit Hanna, meiner Hündin, spazieren und begann, meine eingerosteten Gehirnwindungen mit Sudoku zu beleben.

Eines Tages läutete es, die Dame, die ich auf dem Monitor erblickte, sah nach einer Kundin aus. Die Blondine, die hereinschwebte, war nicht schlank, aber wohlgeformt und hatte einen sensationellen Hüftschwung.

Sie brauche meine Hilfe, meinte sie, ihr ehemaliger Freund, ein abscheulicher Trunkenbold, ließe sie nicht in Ruhe.

»Geld habe ich keines«, sagte sie, »aber ich kann es abarbeiten.« Um mich zu überzeugen, gewährte sie mir einen tiefen Einblick in ihr Dekolleté.

»Meine liebe Frau«, stotterte ich. »Wie stellen Sie sich das vor? Ich bin verlobt, beinahe schon verheiratet.«

Sie kicherte verschämt, während sie erklärte, dass sie dabei an einen Bürojob dachte. Ein Detektiv bräuche eine Sekretärin, das würde sie aus Hunderten Kriminalromanen kennen und sie wäre die richtige Frau dafür. Sie verlor kein Wort über Bezahlung und Arbeitszeit. Da ich mich dann mehr um Hanna kümmern konnte, die in den letzten Wochen ohnehin zu kurz gekommen war, stellte ich sie probehalber an. Seitdem ist Barbara Stein ein nicht mehr wegzudenkender Faktor der Detektei Sopic, vormals Wonder.

Ein kurzes Klopfen, dann steckte Babsi den Kopf herein. Sie grinste so verzückt, als ob Brad Pitt oder George Clooney händeringend um einen Termin gebeten hätten.

»Jemand will Sie sprechen, Chef.«

Mein Herz erhöhte die Schlagzahl. Ein Kunde? Das Einzige, das mir dazu einfiel, war zugleich das Dümmste, was ich seit Langem gedacht hatte. Jetzt, wo ich auf einen Kaffee gehen wollte?

Ich nahm schnell einen alten Akt, schlug ihn auf und legte ihn auf das Sudoku. Der Kunde sollte den richtigen Eindruck von einem überaus beschäftigten Detektiv bekommen.

Ein älterer Herr wurde von Barbara hereingeführt. Sie rückte den Sessel vor meinem Schreibtisch zurecht und versuchte, ihren Busen ins rechte Licht zu setzen. Eine Unart, die sie nicht lassen konnte. Nicht jeder liebt solche Riesenbrüste vor seiner Nase. Dem Herrn schienen sie zu gefallen, versonnen stierte er in Babsis Ausschnitt.

Er war sehr korrekt gekleidet, einige Zentimeter größer als ich, schlank, mit leicht eingefallenen Wangen, die mit ihrer bläulichen Färbung auf starken Bartwuchs hindeuteten. Das silbrige Haar war auf der linken Seite penibel gescheitelt. Auf mich machte er den Eindruck eines Oberlehrers, streng, keinen Fehler verzeihend. Deshalb überraschte mich die Frage, die er an mich stellte.

»Ihre Freundin?«, murmelte er und wies mit seinem Kinn auf Barbara, die gerade mit gekonntem Hüftschwung das Zimmer verließ. Ich wartete, bis sie die Türe hinter sich geschlossen hatte.

»Gott bewahre, nein«, sagte ich und stieß die aufgestaute Luft aus.

»Entschuldigen Sie die respektlose Frage«, meinte er. »Sie erinnert mich irgendwie an meine Mutter.«

»Ja!«, nickte ich. »Fräulein Stein kann sehr mütterlich sein.«

Er pflichtete mir bei, und seine Augen bekamen einen schwärmerischen Glanz.

»Warum kommen Sie zu mir? Was kann ich für Sie tun?«, holte ich ihn auf den Boden der Realität zurück.

Ich hob die Hand.

»Warten Sie. Sie haben etwas verloren. Oder vermuten sie, dass Ihre Gattin fremdgeht?«

»Ich bin nicht verheiratet.« Er zögerte kurz. »Es hat sich nie ergeben«, setzte er entschuldigend hinzu. »Verloren habe ich auch nichts. Das geschieht nur Menschen, die ihr Leben nicht im Griff haben. Und das ist bei mir nicht der Fall!«

Das klang sehr nachdrücklich. Also ein Pedant, der nach Minuten lebt, zu Hause einen Stundenplan hängen hat und eine Frau als Störfaktor ansieht. Zugegeben, das waren sie manchmal auch, trotzdem wollte ich Vera nicht missen.

»Was ist es dann?«

»Ich habe eine Leiche gefunden.«

Ich verschluckte mich und bekam einen Hustenanfall.

»Und weshalb kommen Sie damit zu mir? Das ist doch eher ein Fall für die Polizei. Warum haben Sie nicht am Posten angerufen?«, keuchte ich.

»Wie denn.« Er legte die Fingerspitzen seiner Hände aneinander. »Weit und breit keine Telefonzelle zu finden. Ich habe den Eindruck, die werden langsam so selten wie Briefkästen.«

Er wollte sich weiter darüber verbreiten, doch ich unterbrach ihn: »Es gibt doch seit einiger Zeit die nützliche Einrichtung der mobilen Telefonie. Ich meine das Handy«, setzte ich nach, als er mich verständnislos anstarrte.

»Ha, ich lasse mich doch nicht abzocken. In der Werbung versprechen sie, billig zu sein, noch billiger, am billigsten und treiben damit die armen Leute in den Konkurs. Nein, das ist nichts für mich, das brauche ich nicht.« Seine Wangen wiesen mit einem Mal rote Flecken auf.

»Jetzt wäre es aber gut gewesen, eins zu haben.«

Er räusperte sich und studierte den Teppichboden.

»Ehrlich gesagt, muss ich Ihnen widersprechen. Ich will da nicht hineingezogen werden.«

»Sie sind schon mittendrin«, sagte ich. »Weshalb wären Sie sonst zu mir gekommen?«

»Das Auge!«, meinte er etwas unzusammenhängend. »Ich konnte nicht vorbeigehen. Es starrte mir ein Loch in den Rücken.«

»Angewandte Psychologie«, sagte ich, ein wenig Stolz mitschwingen lassend, und wollte meinerseits mit einem längeren Vortrag beginnen, schließlich lag...



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