Marchmont | Bunburry - Tödliche Ernte | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 156 Seiten

Reihe: beTHRILLED

Marchmont Bunburry - Tödliche Ernte

Ein Idyll zum Sterben
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7517-3762-3
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Idyll zum Sterben

E-Book, Deutsch, 156 Seiten

Reihe: beTHRILLED

ISBN: 978-3-7517-3762-3
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Bewohner des idyllischen Städtchens Bunburry sind empört! Der reiche Bauunternehmer Herbert Sinclair plant in Bunburry einen Luxus-Golfplatz und versucht, allen Bauern der Umgebung ihr Ackerland abzukaufen. In einer hitzigen Debatte auf der Dorfversammlung spricht sich der beliebte Farmer Tom Bradshaw lautstark gegen Sinclairs Pläne aus. Als Tom am nächsten Tag tot auf seiner Farm aufgefunden wird, fällt der Verdacht sofort auf den arroganten Bauunternehmer. Alfie, Liz und Marge stellen Nachforschungen an und entdecken, dass der Farmer eine Menge Geheimnisse hatte ...

Über die Serie:Frische Luft, herrliche Natur und weit weg von London! Das denkt sich Alfie McAlister, als er das Cottage seiner Tante in den Cotswolds erbt. Und packt kurzerhand die Gelegenheit beim Schopfe, um der Hauptstadt für einige Zeit den Rücken zu kehren. Kaum im malerischen Bunburry angekommen, trifft er auf Liz und Marge, zwei alte Ladys, die es faustdick hinter den Ohren haben und ihn direkt in ihr großes Herz schließen. Doch schon bald stellt Alfie fest: Auch wenn es hier verführerisch nach dem besten Fudge der Cotswolds duftet - Verbrechen gibt selbst in der schönsten Idylle. Gemeinsam mit Liz und Marge entdeckt Alfie seinen Spaß am Ermitteln und als Team lösen die drei jeden Fall!

eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung!

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1. Im Pfarrhaus


»Setz dich, Alfie. Ich hole uns Kaffee.«

Bunburrys Vikar, Reverend Philip Brown, verschwand in der Küchennische, ehe sein Besucher dankend ablehnen konnte. Brav setzte sich Alfie McAlister auf die zerschlissene kleine Couch, auf der ein bunter afrikanischer Baumwollstoff drapiert war. Das Letzte, was Alfie wollte, war Pfarrhauskaffee. Er hatte keine Ahnung, welche Marke Instantpulver Philip benutzte, aber es schmeckte stets wie durch eine alte Sportsocke gefiltert.

»Kannst du den kleinen Tisch aufstellen?«, rief der Vikar. »Der Kaffee dauert einen Moment.«

Wieder gehorchte Alfie, auch wenn er nicht verstand, warum die Kaffeezubereitung nicht blitzschnell ging: Philip goss doch bloß heißes Wasser auf ekliges Granulat. Aber vielleicht musste er das Glas von ganz hinten aus dem Schrank kramen, wo es seit 1990 vor sich hin schimmelte.

Alfie konnte den Wasserkocher und den Vikar hören, der leise murmelte. »Wo hatte ich noch gleich … ah, ja, da ist es. Und der größere Teller. Nur dies hier aus dem Weg räumen. Zu freundlich von ihnen. Oh, ich darf nicht vergessen, allen vom geänderten Datum für das Treffen der Sozialgerechtigkeitsgruppe zu erzählen …«

Nach einiger Zeit tauchte der Vikar mit einem Kuchen, zwei kleinen Tellern und Küchenrollenblättern als Servietten wieder auf.

»Kirsch-Madeira«, verkündete er und stellte alles auf den kleinen Tisch. »Manchmal denke ich, ich sollte den Damen der Gemeinde sagen, sie dürfen mir nicht so viel köstliches Selbstgebackenes bringen, aber dann denke ich, nein, das wäre lieblos.«

»Sehr lieblos«, stimmte Alfie ihm zu. Das Gebäck war das Einzige, was den Kaffee erträglich machte.

»Wahrscheinlich ist er jetzt fertig«, sagte Philip und ging zurück in die Kochnische.

Anscheinend würde der Kaffee heute noch schlimmer als sonst – lauwarm serviert.

Philip kam mit einem Tablett zurück, auf dem zwei Becher, ein Milchkännchen und eine Cafetiere standen, von der das Aroma richtigen Kaffees herbeiwehte.

»Meinst du, ich sollte jetzt drücken?«, fragte er. »Ich versuche noch, mich daran zu gewöhnen.«

»Für mich sieht er richtig aus«, antwortete Alfie erleichtert. »Hast du die schon länger?«

»Seit gestern«, sagte Philip. »Mrs Morgan hatte immer mal fallen lassen, dass sie gern so eine hätte, und zum Geburtstag haben ihr sowohl ihre Tochter als auch ihr Sohn eine geschenkt. Da war sie so überaus freundlich, mir die überzählige zu geben.«

Alfie fragte sich, ob es stimmte oder vielmehr Mrs Morgan den furchtbaren Pfarrhauskaffee genauso leid war wie er. Vielleicht hatten die Frauen in der Gemeinde zusammengelegt.

Der Vikar griff nervös nach dem Stempel, wobei der Deckel verrutschte und Kaffee auf den Tisch schwappte. Alfie fasste nach dem Küchenpapier und wischte es auf.

»Ach du meine Güte«, seufzte der Vikar. »Das ist sehr kompliziert. Ich denke, es ist besser, wenn ich wieder zu Instant wechsle.«

»Nein!«, erwiderte Alfie lauter als beabsichtigt. »Ich meine, es ist wirklich gar nicht kompliziert, und hier ist ja noch jede Menge Kaffee.«

Er drückte den Stempel langsam und stetig nach unten, bevor er ihnen Kaffee einschenkte.

»So«, sagte er und reichte dem Vikar einen Becher. »Du wirst bestimmt gleich feststellen, dass er vollmundiger schmeckt als Instant.«

»Vollmundiger«, wiederholte Philip, nachdem er einen Schluck genommen hatte. »Heißt das so? Er ist ohne Frage recht schmackhaft. Das wird der Kuchen sicher auch sein.«

Er schnitt zwei sehr großzügige Stücke ab, ehe er sich mit einer entschuldigenden Grimasse zurücklehnte.

»Es tut mir leid, Alfie, ich dachte, wir wären rechtzeitig zur großen Eröffnung des neuen Antiquitätengeschäfts zurück.«

»Ehrlich gesagt bin ich ganz froh, die verpasst zu haben«, gestand Alfie, der Milch in seinen Kaffee goss. »Es muss rappelvoll gewesen sein. Da ist es viel besser, ihn sich mal anzuschauen, wenn der Anfangstrubel vorbei ist.«

»Sehr nett von dir, das zu sagen. Und vielen Dank, dass du mich zum Krankenhaus gefahren hast«, sagte Philip. »Es ist schon das zweite Mal, dass mein Wagen nicht anspringen wollte. Wahrscheinlich sind es wieder die Zündkerzen. Aber ich habe das Gefühl, dass Krankenhausbesuche zu meinen wichtigeren Pflichten zählen. Menschen können verängstigt sein und Schmerzen haben, und die Tage dort fühlen sich sehr lang an, wenn niemand zu Besuch kommt. Dennoch entschuldige ich mich, dass es so viel deiner Zeit geraubt hat.«

Alfie nahm einen Schluck von seinem Kaffee. Er war weich und stark.

»Köstlich«, stellte er fest und schwor sich, Philip mit Kaffee zu versorgen, damit er nicht wieder zu dem Granulat zurückwechselte. »Eine mehr als angemessene Belohnung für eine Mitfahrgelegenheit zum Krankenhaus. Und es war ja wirklich keine Mühe. Ich konnte ein wenig lesen, und ich habe mich sogar mit einer der Schwestern unterhalten.«

Mit einem bedauernden Lächeln ergänzte er: »Sie war es, die dieses lächerliche Gerücht in die Welt gesetzt hatte, Emma und ich würden heiraten.«

»Ach, sie war das?«, fragte Philip milde neugierig.

»Ja, na schön, vielleicht hatte ich auch ein wenig damit zu tun«, sagte Alfie und widmete sich wieder dem Kirsch-Madeira-Kuchen.

Nie würde er jene beängstigende Nacht vor drei Jahren vergessen, als er zum Krankenhaus gerast war. Es war die Nacht, in der ihm endgültig klar geworden war, dass er Emma liebte. Sie war niedergestochen worden, und er hatte zu dem Zeitpunkt keine Ahnung gehabt, wie schlimm sie verletzt war oder ob sie womöglich sterben könnte. Er hatte sie dringend sehen wollen, wusste jedoch, dass die Schwestern nur Verwandte zu ihr lassen würden. Also hatte er gelogen, er sei ihr Verlobter.

Danach musste er zurückrudern und behaupten, sie hätten sich gegen eine Heirat entschieden, weil die Beziehung wichtiger war als ein Stück Papier.

Doch als er viele Monate später entdeckte, dass Emma auch in ihn verliebt war, wurde die erfundene Verlobung im Dorf als Fakt behandelt.

»Die Schwester weiß, dass Emma zu mir gezogen ist«, erzählte er Philip. »Ich glaube, sie denkt, dass ich bloß zu geizig bin, um eine Hochzeit zu bezahlen.«

Und er konnte sich die Gerüchte lebhaft vorstellen, die nun die Runde machen würden. Ihm selbst fiel es bisweilen schwer zu glauben, dass er seit dem Verkauf seines Start-ups ein Multimillionär war. Er würde als Bunburrys J. Paul Getty, der reichste Mann der Welt, an den Pranger gestellt werden, der dafür bekannt war, dass er in seiner Villa ein Münztelefon installiert hatte, um nicht für die Telefonate seiner Gäste bezahlen zu müssen.

Philip stellte seinen Kaffeebecher ab. »Vielleicht gestattest du mir eine Frage.«

»Natürlich, jede«, antwortete Alfie und hoffte, er würde nicht gefragt, wie er seine Lüge damals rechtfertigte.

Der Vikar nahm sich einen Moment Zeit, wog anscheinend seine Worte ab. »Aus unseren früheren Unterhaltungen weiß ich, wie sehr du dir gewünscht hattest, Vivian zu heiraten. Mich erstaunt, dass Emma und du euch gegen eine Heirat entschieden habt.«

Philip ahnte, dass seine Frage nicht willkommen war. Und er hatte recht. Alfie gefiel es überhaupt nicht, nach seiner Beziehung zu Emma gefragt zu werden. Dass Philip es tat, erinnerte ihn allerdings auch daran, wie sehr der Vikar ihm schon beigestanden hatte. Alfie war nach Vivians Tod halb wahnsinnig vor Trauer aus London nach Bunburry geflohen. Heutzutage war der Tod ein Tabuthema, und der eine Mensch, mit dem Alfie hatte reden können, war der Vikar gewesen. Philip ließ ihn erzählen und wusste daher, dass Alfie Vivian sofort geheiratet hätte. Aber Vivian hatte sich geweigert und erklärt, die Ehe sei ein gesellschaftliches Konstrukt zur Unterdrückung von Frauen.

Jetzt befand er sich mit Emma in exakt derselben Situation. Er wusste, dass Philips Frage ernst gemeint war. Es hatte Zeiten gegeben, in denen Alfie sich von ihm falsch verstanden gefühlt hatte. Doch ihm war längst aufgegangen, dass der Vikar nie urteilte, weil er dafür viel zu gütig war. Hier ging es nicht um einen verschleierten Vorwurf, weil sie keine kirchliche Trauung planten.

»Es ist nicht unbedingt eine gemeinsame Entscheidung gewesen«, gestand Alfie. »Ich habe sie nicht gefragt. Sie ist eine starke, unabhängige Frau, genau wie Vivian. Und ich kann gut ohne die Scham leben, von ihr abgewiesen zu werden.«

»Aha«, sagte Philip. Dann schwieg er eine Weile, ehe er hinzufügte: »Das ist eine recht kühne Annahme, wenn du mir die Bemerkung erlaubst.«

»Findest du?«, fragte Alfie.

»Ich halte wenig davon, ungebetene Ratschläge zu erteilen, aber vielleicht solltest du erwägen, Emma nach ihren Ansichten zu fragen.«

Ausnahmsweise war der Vorschlag des Vikars wenig hilfreich. Alfie hatte nicht vor, irgendetwas zu tun, das sich als Druck-Ausüben auf Emma umdeuten ließe. Philip entstammte einer anderen Generation, in der es das Ziel einer jeden Frau gewesen war zu heiraten. Er verstand nicht, dass einer jungen Frau wie Emma ihre Karriere als Police Officer wichtig war. Sie hatte davon gesprochen, die Sergeant-Prüfung abzulegen, und Alfie würde sie bei allem unterstützen, was sie wollte, selbst wenn es eine Heirat ausschloss.

Vielleicht war seine Sehnsucht nach Ehe das Gleiche wie seine Liebe zu gutem Essen und teurer Kleidung – eine Reaktion auf seine Kindheit. Sein Vater Calum McAlister hatte seine Mutter schon vor Alfies Geburt verlassen, sodass Alfie...



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