E-Book, Deutsch, Band 0384, 113 Seiten
Reihe: Julia Extra
Marinelli Julia Extra Band 384 - Titel 2: Flitterwochen auf Spanisch
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-7337-0642-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 0384, 113 Seiten
Reihe: Julia Extra
ISBN: 978-3-7337-0642-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Vertrag ist unterzeichnet: Ab sofort ist Estelle mit dem mächtigen Spanier Raúl Sanchez verheiratet. Nur zum Schein, denn Raúl braucht für einige Zeit eine Frau an seiner Seite … von Flitterwochen in Marbella und den Folgen davon stand nichts im Vertrag!
Carol Marinelli wurde in England geboren. Gemeinsam mit ihren schottischen Eltern und den beiden Schwestern verbrachte sie viele glückliche Sommermonate in den Highlands. Nach der Schule besuchte Carol einen Sekretärinnenkurs und lernte dabei vor allem eines: Dass sie nie im Leben Sekretärin werden wollte! Also machte sie eine Ausbildung zur Krankenschwester und arbeitete fünf Jahre lang in der Notaufnahme. Doch obwohl Carol ihren Job liebte, zog es sie irgendwann unwiderstehlich in die Ferne. Gemeinsam mit ihrer Schwester reiste sie ein Jahr lang quer durch Australien - und traf dort sechs Wochen vor dem Heimflug auf den Mann ihres Lebens ... Eine sehr kostspielige Verlobungszeit folgte: Lange Briefe, lange Telefonanrufe und noch längere Flüge von England nach Australien. Bis Carol endlich den heiß ersehnten Heiratsantrag bekam und gemeinsam mit ihrem Mann nach Melbourne in Australien zog. Beflügelt von ihrer eigenen Liebesgeschichte, beschloss Carol, mit dem Schreiben romantischer Romane zu beginnen. Doch das erwies sich als gar nicht so einfach. Nacht für Nacht saß sie an ihrer Schreibmaschine und tippte eine Version nach der nächsten, wenn sie sich nicht gerade um ihr neugeborenes Baby kümmern musste. Tagsüber arbeitete sie weiterhin als Krankenschwester, kümmerte sich um den Haushalt und verschickte ihr Manuskript an verschiedene Verlage. Doch niemand schien sich für Carols romantische Geschichten zu interessieren. Bis sich eines Tages eine Lektorin von Harlequin bei ihr meldete: Ihr Roman war akzeptiert worden! Inzwischen ist Carol glückliche Mutter von drei wundervollen Kindern. Ihre Tätigkeit als Krankenschwester hat sie aufgegeben, um sich ganz dem Schreiben widmen zu können. Dafür arbeiten ihre weltweit sehr beliebten ihre Heldinnen häufig im Krankenhaus. Und immer wieder findet sich unter Carols Helden ein höchst anziehender Australier, der eine junge Engländerin mitnimmt - in das Land der Liebe ...
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1. KAPITEL
„Estelle, ich verspreche dir, du musst nichts weiter tun, als Gordons Hand zu halten, mit ihm zu tanzen und …“
„Und was noch?“, stieß Estelle hervor und legte einen Finger zwischen die aufgeschlagenen Seiten ihres Buches. Sie konnte kaum glauben, dass sie diese Unterhaltung wirklich führte, ganz zu schweigen von Ginnys verrücktem Plan.
„Vielleicht noch ein kleiner Kuss auf seine Wange …“ Estelle schüttelte ihren Kopf, doch Ginny sprach weiter. „Du musst nur so tun, als wärst du ganz furchtbar verliebt in ihn.“
„In einen Vierundsechzigjährigen?“
„Ja.“ Ginny seufzte. „Natürlich wird jeder denken, dass du nur auf sein Geld aus bist. Welches du …“ Ein heftiger Hustenfall ließ sie ihren Satz nicht zu Ende bringen.
Estelle und Ginny waren Studentinnen, die gemeinsam ein kleines Haus bewohnten. Mit fünfundzwanzig war Estelle ein paar Jahre älter als Ginny, und sie hatte sich lange gefragt, wie sich die Jüngere das Auto und die vielen teuren Klamotten leisten konnte. Jetzt wusste sie es: Ihre Mitbewohnerin arbeitete für eine Begleitagentur. Und sie hatte einen Stammkunden – den Politiker Gordon Edwards. Ginny hatte versichert, dass es überhaupt kein Problem sein würde, wenn Estelle an ihrer Stelle mit ihm auf diese große Hochzeit gehen würde. Sie musste dem Politiker, über dessen homosexuelle Neigungen in der Öffentlickeit nichts bekannt werden durfte, nur dabei helfen, den Schein zu wahren.
„Aber ich muss mir mit ihm ein Zimmer teilen“, stelle Estelle fest, die noch nie mit einem Mann über Nacht zusammen gewesen war. Dabei war sie nicht besonders schüchtern oder zurückhaltend, aber sie war auch nicht so selbstbewusst und kontaktfreudig wie Ginny, die am liebsten jedes Wochenende ausging. Estelle hingegen besichtigte an den Wochenenden lieber alte Kirchen oder machte es sich mit einem guten Buch bequem.
„Gordon schläft immer auf dem Sofa, wenn wir uns ein Zimmer teilen.“
„Nein.“ Estelle schob ihre Brille auf der Nase hoch und widmete sich wieder ihrem Buch über die Qin-Dynastie. Doch es fiel ihr schwer, sich auf den Text zu konzentrieren, denn immer wieder musste sie an ihren Bruder denken. Er hatte noch immer nicht angerufen hatte, um ihr zu sagen, ob er den Job bekommen hatte.
Ja, das Geld käme gerade recht.
Doch es war bereits spät am Morgen. Und die Hochzeit würde schon heute Nachmittag stattfinden, weit weg in einem Schloss in Schottland. Sollte Estelle sich für den Job entschließen, dann müsste sie auf der Stelle los, um den Flieger nach Edinburgh noch rechtzeitig zu bekommen. Die Zeit lief ihr davon.
„Bitte!“, flehte Ginny sie an. „Die Agentur flippt aus, weil sie so kurzfristig keinen Ersatz finden können. Und Gordon kommt schon in einer Stunde, um mich abzuholen.“
„Aber was werden denn die Leute denken?“, fragte Estelle. „Ich meine, alle sind es doch gewohnt, ihn zusammen mit dir zu sehen …“
„Gordon wird einfach sagen, dass wir einen Streit hatten. Du musst dir keine Sorgen machen, Estelle, er ist wirklich ein netter Mann. Und es liegt ein so großer Druck auf ihm, zu gesellschaftlichen Anlässen nie ohne weibliche Begleitung aufzutauchen. Er kann auf dieser Hochzeit einfach nicht alleine erscheinen. Komm, denk einfach an das Geld!“
Estelle konnte gar nicht aufhören, daran zu denken! Mit dem Geld würde sie die Hypothek ihres Bruders für einen ganzen Monat bezahlen können – und obendrein noch einige seiner Rechnungen.
Okay, das würde nicht das ganze Problem lösen, aber es würde Andrew und seiner kleinen Familie zumindest ein wenig Zeit verschaffen.
Und ihr Bruder hatte schon so viel für sie getan – er hatte damals, als ihre Eltern gestorben waren, sein eigenes Leben hintangestellt, um ganz für Estelle da zu sein.
Dies war ihre große Chance, sich bei ihm zu revanchieren.
Estelle nahm einen tiefen Atemzug. Ihre Entscheidung war gefallen. „Okay, ruf die Agentur an und sag, dass ich komme.“
„Das … habe ich bereits getan“, gab Ginny ein wenig kleinlaut zu. „Estelle, jetzt sieh mich bitte nicht so an. Ich weiß doch, wie gut du das Geld gerade gebrauchen kannst. Und außerdem habe ich es nicht übers Herz gebracht, Gordon zu sagen, dass ich niemanden für ihn finde.“
Kritisch begutachtete Ginny nun ihre Mitbewohnerin, die für sie einspringen würde. Ihr langes schwarzes Haar war im Nacken zu einem schlichten Zopf zusammengebunden, ihre helle makellose Haut schimmerte wie Elfenbein, und ihre großen grünen Augen leuchteten – und all das ganz ohne Wimperntusche und Make-up, denn Estelle schminkte sich nie. Ginny versuchte es sich nicht anmerken zu lassen, aber sie war sich plötzlich nicht sicher, wie eine herausgeputzte Estelle aussehen würde. Konnte sie ihrer Rolle gerecht werden?
„Du musst dich fertig machen. Ich werde dir mit den Haaren und so weiter helfen.“
„Komm mir bloß nicht zu nahe mit deiner Grippe“, sagte Estelle. „Ich schaff das schon.“ Sie sah Ginnys zweifelnden Gesichtsausdruck. „Aber könntest du mir vielleicht etwas Passendes zum Anziehen leihen?“
Ginny nickte eifrig. „Ich habe mir extra ein neues Kleid für die Hochzeit gekauft.“ Sie eilte zu dem Kleiderschrank in ihrem Zimmer und zog ein goldfarbenes Kleid daraus hervor, bei dessen Anblick Estelle fast der Mund offen stehen blieb.
„Ist das nicht viel zu eng und durchsichtig?“
„Es sieht angezogen umwerfend aus.“
„Ja, an dir vielleicht …“, sagte Estelle, die deutlich kurviger als ihre sehr schlanke Mitbewohnerin war. „Herrje, ich werde darin aussehen wie eine …“
„Genau das ist der Sinn der Sache“, sagte Ginny und lächelte verschmitzt. „Versuch einfach, ganz entspannt zu sein, dann wirst du auch Spaß haben.“
„Das bezweifle ich“, sagte Estelle, während sie eilig Strähne für Strähne ihrer langen dunklen Haare auf große Lockenwickler drehte. Dann begann sie sich unter Ginnys wachsamem Blick zu schminken.
„Du brauchst mehr Puder.“
„Noch mehr?“ Estelle fühlte sich schon total zugekleistert.
„Und mehr Wimperntusche.“
Ginny betrachtete Estelle, deren dunkles Haar nach dem Entfernen der Lockenwickler nun in sanften Wellen über ihre Schulter fiel. „Und jede Menge Haarspray …“, sagte Ginny. „Oh, und noch etwas. Gordon nennt mich Virginia. Nur für den Fall, dass mich jemand erwähnen sollte.“
Als sich Estelle schließlich umdrehte, blickte Ginny sie ehrlich bewundernd an.
„Wow, du siehst atemberaubend aus! Lass dich jetzt mal in dem Kleid sehen.“
„Kann ich mich denn nicht vor Ort umziehen?“
„Das lässt Gordons knapper Terminplan leider nicht zu.“
Das goldene Kleid war sexy und elegant zugleich, und es brachte Estelles Figur perfekt zur Geltung. Ginny pfiff anerkennend durch die Zähne, als Estelle in High Heels schlüpfte und probeweise vor ihr durch den Raum lief.
„Ich glaube, das war’s dann wohl mit Gordon und mir“, sagte Ginny mit einem ironischen Seufzer.
„Ganz bestimmt nicht“, erwiderte Estelle mit fester Stimme. „Das bleibt eine einmalige Sache.“
„Ja, genau das habe ich damals auch gesagt, als ich in der Agentur angefangen habe“, erwiderte Ginny. „Aber wenn es gut läuft …“
„Denk nicht einmal daran!“, unterbrach Estelle sie. In diesem Moment hupte draußen vor dem Haus ein Wagen und ließ sie zusammenzucken.
„Alles wird gut“, sagte Ginny beruhigend. „Du siehst großartig aus. Ich weiß, dass du das kannst.“
Innerlich wiederholte Estelle die Worte ihrer Mitbewohnerin immer wieder, während sie aus dem kleinen Haus heraustrat. Auf den ungewohnt hohen Schuhen stöckelte sie aufgeregt auf den silbernen Wagen zu, der an der Straße parkte.
„Oh, wie ich sehe, habe ich einen ausgezeichneten Geschmack!“, begrüßte Gordon sie mit einem gewinnenden Lächeln, während der Fahrer ihr die Wagentür aufhielt und Estelle einsteigen ließ. Gordon war rundlich, trug eine schottische Tracht und war Estelle auf Anhieb sympathisch. Erleichtert setzte sie sich neben ihn.
„Und Sie haben definitiv die schöneren Beine von uns beiden“, sprach er weiter. „Ich fühle mich lächerlich in einem Kilt.“
Auf dem Weg zum Flughafen wies er Estelle kurz ein. „Wir sind uns vor zwei Wochen das erste Mal begegnet …“
„Wo?“, fragte Estelle, die schon gar nicht mehr so aufgeregt war.
„Bei Dario’s …“
„Dario wer?“
Gordon lachte. „Du kennst dich wirklich gar nicht aus, oder? Das ist eine angesagte Bar in Soho – und für alte Knacker wie mich ein Paradies.“
„Ach du meine Güte …“, erwiderte Estelle und schluckte.
„Arbeitest du?“, fragte Gordon.
„Teilzeit in der Bibliothek.“
„Vielleicht solltest du das nicht unbedingt erwähnen. Sag einfach, falls man dich fragt, dass du ein wenig modelst“, schlug Gordon vor. „Lass alles ein wenig vage. Oder sag, dass es für dich ein Vollzeitjob ist, mich glücklich zu machen.“ Gordon bemerkte die Röte, die Estelle bei seinen Worten in die Wangen stieg. „Ich weiß. Schrecklich, oder? Und schuld daran bin ich, schließlich habe ich diese fürchterliche Fassade selbst erschaffen.“
„Ich befürchte, dass ich diese Rolle nur schlecht hinbekomme.“
„Du wirst das toll machen“, versicherte Gordon ihr, und dann ging er alles noch mal mit Estelle durch, bis sie ihre...




