Marinelli | Leidenschaftlich ist die Nacht | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1836, 160 Seiten

Reihe: Julia

Marinelli Leidenschaftlich ist die Nacht


1. Auflage 2008
ISBN: 978-3-86349-294-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1836, 160 Seiten

Reihe: Julia

ISBN: 978-3-86349-294-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dieser Mann ist der perfekte Liebhaber! Glühend vor Leidenschaft ist die Nacht, die Millie mit Levander Kolovsky in seiner exklusiven Hotelsuite verbringt. Doch auch wenn sie sich dabei Hals über Kopf in den charismatischen Unternehmer verliebt, gibt sie sich keinen Illusionen hin: Ihn und sie trennen Welten. Früher oder später wird der berüchtigte Frauenschwarm ihrer überdrüssig werden und sie verlassen. Schweren Herzens reist sie allein zurück nach London - wie geplant! Doch schneller als gedacht, sieht sie Levander wieder. Und diesmal lässt er sie nicht so einfach gehen ...



Carol Marinelli wurde in England geboren. Gemeinsam mit ihren schottischen Eltern und den beiden Schwestern verbrachte sie viele glückliche Sommermonate in den Highlands. Nach der Schule besuchte Carol einen Sekretärinnenkurs und lernte dabei vor allem eines: Dass sie nie im Leben Sekretärin werden wollte! Also machte sie eine Ausbildung zur Krankenschwester und arbeitete fünf Jahre lang in der Notaufnahme. Doch obwohl Carol ihren Job liebte, zog es sie irgendwann unwiderstehlich in die Ferne. Gemeinsam mit ihrer Schwester reiste sie ein Jahr lang quer durch Australien - und traf dort sechs Wochen vor dem Heimflug auf den Mann ihres Lebens ... Eine sehr kostspielige Verlobungszeit folgte: Lange Briefe, lange Telefonanrufe und noch längere Flüge von England nach Australien. Bis Carol endlich den heiß ersehnten Heiratsantrag bekam und gemeinsam mit ihrem Mann nach Melbourne in Australien zog. Beflügelt von ihrer eigenen Liebesgeschichte, beschloss Carol, mit dem Schreiben romantischer Romane zu beginnen. Doch das erwies sich als gar nicht so einfach. Nacht für Nacht saß sie an ihrer Schreibmaschine und tippte eine Version nach der nächsten, wenn sie sich nicht gerade um ihr neugeborenes Baby kümmern musste. Tagsüber arbeitete sie weiterhin als Krankenschwester, kümmerte sich um den Haushalt und verschickte ihr Manuskript an verschiedene Verlage. Doch niemand schien sich für Carols romantische Geschichten zu interessieren. Bis sich eines Tages eine Lektorin von Harlequin bei ihr meldete: Ihr Roman war akzeptiert worden! Inzwischen ist Carol glückliche Mutter von drei wundervollen Kindern. Ihre Tätigkeit als Krankenschwester hat sie aufgegeben, um sich ganz dem Schreiben widmen zu können. Dafür arbeiten ihre weltweit sehr beliebten ihre Heldinnen häufig im Krankenhaus. Und immer wieder findet sich unter Carols Helden ein höchst anziehender Australier, der eine junge Engländerin mitnimmt - in das Land der Liebe ...

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1. KAPITEL

Das Paar faszinierte sie. Seit sie das Restaurant betreten hatten, fühlte Millie sich wie gebannt.

Von ihm.

Als er im eleganten dunkelgrauen Anzug eintrat, ging ein leises Raunen durch den Raum, alle Köpfe drehten sich zu ihm. Er lockerte seine Krawatte, während er gleichzeitig den Blick über die Tische schweifen ließ. Ross, der Restaurantmanager, war diensteifrig zu ihm und seiner Begleiterin geeilt, um sie zum besten Tisch in der hinteren Nische zu geleiten. Dann hatte er Millie mit einer leisen Ermahnung dorthin geschickt, um die Bestellung aufzunehmen.

„Du wirst ihnen jeden Wunsch von den Augen ablesen, verstanden? Diese Gäste sind es wert.“

Die Blondine war eine Schönheit. Doch neben dem Mann versank sie in der Bedeutungslosigkeit, denn er war – Millie suchte nach dem treffenden Ausdruck – exquisit. Sie musste sich zwingen, nicht unentwegt in seine Richtung zu starren.

Das Paar trennte sich gerade, vermutete sie.

Oder besser gesagt, er trennte sich von ihr.

Während sie die Gäste in diesem sündhaft teuren Restaurant in Melbourne bediente, dachte Millie sich ständig Geschichten aus über die Menschen, die dort speisten.

Jetzt, kurz nach Mitternacht, waren nur noch drei Tische besetzt. So hatte sie Muße, die wenigen Gäste genauer zu betrachten.

An einem der Tische hatte sich das seriöse Geschäftsessen in eine feuchtfröhliche Party verwandelt, die aber nun, da die Bar geschlossen hatte, sicher bald ausklingen würde. Am zweiten Tisch saß ein Paar, das sehr angespannt wirkte. Die Dame hatte schweigend ihr Fischgericht und ihren Salat – ohne Dressing! – gegessen und fühlte sich ganz offensichtlich unwohl in ihrem engen schwarzen Samtkleid. Sie hatte gerade das erste Kind bekommen und litt jetzt unter ihrer Figur, ließ Millie ihrer Fantasie freien Lauf. Zudem vermutete sie, dass die Dame zum ersten Mal nach der Geburt wieder mit ihrem Ehemann ausging, der sie ständig bevormundete mit scharfen Bemerkungen wie: „Du willst doch bestimmt kein Dessert, oder, Darling?“

Und dann war da dieses schöne Paar.

Die fantastisch aussehende Blondine mit verführerischen Kurven war unendlich nervös. Sie beschwor ihren Begleiter wiederholt mit rauchiger Stimme: „Bitte, so hör mir doch zu“, griff über den Tisch nach der Hand ihres – tja, Millie war sich nicht sicher, in welchem Verhältnis dieser Mann zu seiner Begleiterin stand. Ehemann? Verlobter? Nein, das passte nicht. Fester Freund? Oder vielleicht nur flüchtiger Liebhaber? Was auch immer, der Mann zeigte sich völlig ungerührt angesichts ihrer flehenden Bitten.

„Wenn du mich nur anhören, mir wirklich zuhören würdest …“

Die beiden waren augenscheinlich Personal gewohnt, denn sie ließen sich nicht im Geringsten von der Kellnerin stören, die den nahezu unberührten Hauptgang abräumte. Millie spitzte die Ohren, um kein Detail zu verpassen, als die Blondine mit tränenfeuchten Augen wieder nach der Hand ihres Begleiters griff und ihn erneut anflehte.

„Bevor du sagst, dass es nicht sein kann, hör dir erst an, was ich sagen möchte. Bitte.“

„Vielleicht solltest besser du zuhören“, entgegnete er gereizt. Er hatte eine tiefe, volle Stimme – geradezu göttlich, fand Millie – und sprach mit ausländischem Akzent. Doch da er zu ihr nur gesagt hatte: „Steak, blutig, mit Tomatensalat“, konnte Millie bisher nicht ausmachen, woher dieser Akzent stammte. „Die ganze Zeit über sage ich schon Nein, aber du beharrst weiterhin darauf.“

„Und warum, glaubst du, reagiere ich so, Levander?“

Er war Russe, erkannte Millie endlich. Sie ließ sich viel Zeit, um die Teller abzuräumen. Den Salat hatte er kaum angerührt, die Hälfte des Steaks war ebenfalls übrig geblieben. Eigentlich müsste sie jetzt fragen, ob es den Gästen geschmeckt oder ob vielleicht etwas mit dem Essen nicht gestimmt hatte. Doch die angespannte Stimmung am Tisch machte eine solche Unterbrechung praktisch unmöglich. Außerdem war es ihr letzter Abend in Melbourne, und somit verzichtete Millie auf die gastronomische Höflichkeit.

„Du hoffst, ich werde meine Meinung ändern. Wie oft muss ich dir noch sagen, dass das nicht passieren wird?“, sagte der Mann namens Levander gerade.

Zwar war die Küche längst geschlossen, dennoch überlegte Millie, ob sie den beiden die Dessertkarte anbieten sollte. Sie war sogar bereit, das Dessert selbst zusammenzustellen, wenn sie nur noch mehr von dem Gespräch mithören konnte.

Als Künstlerin wurde Millie oft gefragt, woher sie die Inspiration für ihre Bilder erhalte. Nun, hier am Tisch saß ein Teil der Antwort.

Die Inspiration ereilte sie an völlig unerwarteten Orten und zu den unpassendsten Zeiten. In zwölf Stunden würde sie Australien verlassen, um wieder nach London zurückzukehren, wo ihre Familie lebte. Eigentlich sollte es in ihrem Kopf nur so schwirren von Dingen, die sie noch zu erledigen hatte. Außerdem müsste sie ihre Trinkgelder addieren und ausrechnen, ob sie sich den gebuchten Zwischenstopp in Singapur überhaupt leisten konnte. Stattdessen drehten sich ihre Gedanken um diesen faszinierenden Mann, dessen Schönheit sie als Malerin elektrisierte.

Seine Züge waren makellos. Millie brannte darauf, ihren Skizzenblock zu holen und die perfekte Symmetrie seines Gesichts auf Papier zu bannen, die hohen Wangenknochen, das markante Kinn mit dem Hauch eines dunklen Bartschattens. Sein Haar war dicht, etwas zu lang, und unwillkürlich musste Millie an die Farbe von Holzkohle denken: nicht wirklich schwarz, aber zu dunkel, um noch braun genannt zu werden. Welche Palette sein Schöpfer auch benutzt haben mochte, er hatte den Pinsel zweimal in die gleiche perfekte Farbe getaucht, um die Augen ebenso dunkel glänzen zu lassen wie das Haar.

Neben ihm verblasste alles andere: seine Begleiterin, die Kellner, die anderen Gäste, das ganze Restaurant. Millie wollte diesen Eindruck festhalten, wollte Levander zum alleinigen Mittelpunkt des Bildes machen. Alles um ihn herum verschwand, wie bei den russischen Matuschkas, den verschieden großen Holzpüppchen, die ineinandergestellt werden, bis nur noch die größte zu sehen ist. Sie sah das Bild vor sich: er, groß und eindrucksvoll, der Rest – seine Begleiterin, die anderen Gäste, das Personal, die Menschen auf der Straße vor dem Restaurant – immer kleiner, bis sie nicht mehr existierten.

„Du bist ein eiskalter Mistkerl“, spie die blonde Schönheit ihm in diesem Moment über den Tisch entgegen. Er zuckte nicht einmal mit der Wimper und versuchte keineswegs, es zu bestreiten, bemerkte Millie.

„Muss wohl genetisch bedingt sein.“

„Das war’s also? Nach allem, was ich dir gesagt habe, bleibst du einfach so ruhig da sitzen?“ Als Tränen in ihre schönen Augen stiegen, gähnte er nur gelangweilt. „Du willst nicht einmal darüber nachdenken?“

Wieder antwortete er nicht, und während Millie noch überlegte, welche Rolle sie der Frau zuschreiben sollte, stürzte diese auch schon schluchzend und dennoch würdevoll zum Restaurant hinaus. Nun, was immer ihre Rolle vor wenigen Minuten noch gewesen sein mochte, jetzt war sie „die Ex“.

„Sie wartet darauf, dass ich ihr nachrenne.“ Die anthrazitfarbenen Augen richteten sich auf Millie. Seine Wimpern waren so dicht, sein Blick so intensiv, dass Millies Welt für eine Sekunde aufhörte, sich zu drehen.

Ich würde auch darauf warten, dachte sie, völlig perplex, dass er das Wort an sie richtete. Er schien überhaupt nicht verlegen zu sein wegen der Szene, die sich hier gerade abgespielt hatte.

„Ich bleibe noch eine Weile sitzen. Hoffentlich versteht sie diesen eindeutigen Wink und geht nach Hause.“

„Vielleicht ruft sie Sie ja auch auf Ihrem Handy an.“ Millie lief rot an, sehr zu ihrem Unmut. Sie setzte sich ganz eindeutig über die Regeln für das Personal hinweg. Es gab klare Anweisungen für eine solche Situation: höflich lächeln und den Rückzug antreten, sich keineswegs in private Gespräche verwickeln lassen.

Doch sie tat das Gegenteil, dehnte die Grenzen des guten Benehmens und blieb – gefangen von seinem Blick und überwältigt von seiner Ausstrahlung. Ob er wusste, wie unendlich attraktiv er war und welche Wirkung er ausübte? Ja, er wusste es, denn anstatt den Blick von ihr zu wenden und sie gehen zu lassen, stellte er ihr eine Frage.

„Würden Sie warten, wenn Sie an der Stelle meiner Begleiterin wären?“

„Schon möglich …“ Ihre Stimme war nur noch ein atemloser Hauch, ihre Haut brannte wie Feuer, die Lungen wollten ihr den Dienst versagen. Und nicht etwa, weil Ross mit grimmiger Miene das Gespräch von der anderen Seite des Raumes mitverfolgte. „Wenn ich mich erst beruhigt hätte, würde ich …“ Weiter kam sie nicht, denn sein Handy begann zu klingeln. Und genau in diesem Augenblick überschritt sie die Grenze. Statt sich diskret zurückzuziehen, blieb sie stehen, sah zu, wie er mit langen schlanken Fingern den kleinen Apparat hervorzog. Künstlerhände, schoss es ihr durch den Kopf. War das der Grund, weshalb sie sich so von ihm angezogen fühlte?

„Danke für die Warnung. Sie versucht tatsächlich gerade, mich anzurufen“, sagte er und schaltete das Handy aus.

„Keine Ursache“, erwiderte sie heiser. Jetzt erfuhr sie zum ersten Mal die volle Wirkung seines Lächelns.

„Noch einen.“ Er deutete auf sein leeres Glas. Millie wollte schon bedauernd ablehnen, schließlich war die Bar geschlossen. Doch als sie zu ihrem Chef sah, nickte dieser...



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