E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Marinelli Warum so kühl, Schwester Bonia?
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7337-2956-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-2956-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nicht genug, dass Schwester Bonita sich verletzt hat, nein, ausgerechnet Hugh hat Notdienst - der Mann, der ihr einst das Herz gebrochen hat. Klar, dass sie dem sexy Oberarzt die kalte Schulter zeigt. Doch leider entschlüpfen ihr unter Narkose drei verräterische Worte ...
Carol Marinelli wurde in England geboren. Gemeinsam mit ihren schottischen Eltern und den beiden Schwestern verbrachte sie viele glückliche Sommermonate in den Highlands. Nach der Schule besuchte Carol einen Sekretärinnenkurs und lernte dabei vor allem eines: Dass sie nie im Leben Sekretärin werden wollte! Also machte sie eine Ausbildung zur Krankenschwester und arbeitete fünf Jahre lang in der Notaufnahme. Doch obwohl Carol ihren Job liebte, zog es sie irgendwann unwiderstehlich in die Ferne. Gemeinsam mit ihrer Schwester reiste sie ein Jahr lang quer durch Australien - und traf dort sechs Wochen vor dem Heimflug auf den Mann ihres Lebens ... Eine sehr kostspielige Verlobungszeit folgte: Lange Briefe, lange Telefonanrufe und noch längere Flüge von England nach Australien. Bis Carol endlich den heiß ersehnten Heiratsantrag bekam und gemeinsam mit ihrem Mann nach Melbourne in Australien zog. Beflügelt von ihrer eigenen Liebesgeschichte, beschloss Carol, mit dem Schreiben romantischer Romane zu beginnen. Doch das erwies sich als gar nicht so einfach. Nacht für Nacht saß sie an ihrer Schreibmaschine und tippte eine Version nach der nächsten, wenn sie sich nicht gerade um ihr neugeborenes Baby kümmern musste. Tagsüber arbeitete sie weiterhin als Krankenschwester, kümmerte sich um den Haushalt und verschickte ihr Manuskript an verschiedene Verlage. Doch niemand schien sich für Carols romantische Geschichten zu interessieren. Bis sich eines Tages eine Lektorin von Harlequin bei ihr meldete: Ihr Roman war akzeptiert worden! Inzwischen ist Carol glückliche Mutter von drei wundervollen Kindern. Ihre Tätigkeit als Krankenschwester hat sie aufgegeben, um sich ganz dem Schreiben widmen zu können. Dafür arbeiten ihre weltweit sehr beliebten ihre Heldinnen häufig im Krankenhaus. Und immer wieder findet sich unter Carols Helden ein höchst anziehender Australier, der eine junge Engländerin mitnimmt - in das Land der Liebe ...
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1. KAPITEL
„Tut mir leid, wenn dir das unangenehm ist.“ Hugh Armstrong lächelte seiner widerspenstigen Patientin verständnisvoll zu.
„Es ist mir nicht unangenehm“, entgegnete Bonita unwirsch. Sie biss die blassen Lippen zusammen und schüttelte ablehnend den Kopf, als Stationsschwester Deb ihr noch etwas Lachgas zum Inhalieren geben wollte. Bonita hatte panische Angst davor, ihren Arm zu bewegen, und wollte auf gar keinen Fall, dass irgendjemand sie anfasste.
Schon die kurze Fahrt zum Krankenhaus war die Hölle gewesen. Ihre Freundin hatte ihr zwar eine behelfsmäßige Schlinge angelegt, doch die hatte gegen die Schmerzen kaum geholfen. Jeder Stoß, jede noch so kleine Berührung war zur Qual geworden, auch als Deb ihr endlich aus dem Auto heraus und auf die Rollliege geholfen hatte. „Ich habe nur schreckliche Schmerzen.“
„Dann ist es ja gut“, bemerkte Hugh trocken, während Bonita wie ein Häufchen Elend auf der Liege saß. „Ich meine natürlich nicht gut, dass du Schmerzen hast!“ Sein selbstgefälliges Lächeln machte alles nur noch schlimmer. „Ich meine gut, dass es dir nicht unangenehm ist. Unfälle passieren nun mal, immerhin wären wir sonst arbeitslos.“
Er hielt sich wohl für sehr komisch.
Bonita war verzweifelt. Da saß sie nun in ihrem Netzballtrikot, die langen dunkelbraunen Locken vom Sport noch ganz verschwitzt und kraus, mit ausgekugelter Schulter hilflos auf einer Untersuchungsliege in der Notfallambulanz, in der sie sonst arbeitete, und der einzige zur Verfügung stehende Oberarzt war ausgerechnet ihr Erzfeind Hugh Armstrong!
Das war wieder einmal typisch! Schon den ganzen Tag war irgendwie alles schief gelaufen. Warum hatte sie heute überhaupt Netzball gespielt? Nach ihrer Knieverletzung im letzten Jahr hatte sie die Mannschaft verlassen. Eigentlich endgültig, aber der Anruf am frühen Morgen hatte sie völlig überrumpelt. Eine Spielerin war ausgefallen und ihre ehemalige Teamkollegin überredete sie, ausnahmsweise einzuspringen. Sie hätte nein sagen sollen. Mittelangreifer war ohnehin nicht ihre Position!
Und was Hugh Armstrong betraf – der sollte doch gar nicht hier sein, dachte Bonita missmutig. Sie hielt ihren schmerzenden Arm mit der anderen Hand so krampfhaft umklammert, dass ihr vor lauter Anspannung schon der Nacken wehtat. Chefarzt Andrew Browne hatte heute Dienst, doch der steckte anscheinend in einer Notfallbehandlung fest. Und Hugh, der heute auf einer Hochzeit eingeladen war, war nur kurz auf halbem Weg zwischen Trauung und Empfang in der Notaufnahme hereingeschneit, um seinen Piepser abzugeben.
Der Duft seines dezenten Aftershaves lag in der Luft und natürlich wusste er, wie umwerfend er in seinem grauen Cut aussah. Mit seiner bildhübschen Freundin Amber im Schlepptau war er ausgerechnet in dem Moment in der Notaufnahme aufgekreuzt, als man Bonita auf ihrer Rollliege hereingeschoben hatte. Hugh sah, dass kein anderer Arzt verfügbar war und hatte sich selbstverständlich bereit erklärt, sie zu untersuchen.
Schließlich gehörte sie zur Belegschaft, und eine Kollegin ließ man nicht warten.
Heute war sie außerdem seine Patientin. Daher war er ausnahmsweise einmal nett zu ihr. Bonita beschloss, im Gegenzug seine gönnerhaften Versuche, lustig zu sein, zu ertragen, wenn das bedeutete, dass ihre Schulter schnell wieder in Ordnung gebracht wurde.
Dass sie einander verabscheuten, tat absolut nichts zur Sache.
„Nimm ein paar Atemzüge vom Lachgas, und dann gib mir endlich deinen Arm.“
Bonita war klar, dass sie sich kindisch anstellte. Doch Tapferkeit war nun einmal nicht ihre Stärke.
Nach ihrer Ankunft wäre es Hugh fast gelungen, ihr einen Infusionszugang in den gesunden Arm zu legen, doch dann war Bonita nach einer kurzen Bewegung vor Schmerz so zusammengezuckt, dass die Kanüle verrutschte und Hugh resigniert aufgab.
„Na, komm schon, Schätzchen“, versuchte Deb sie zu ermutigen. „Du bist doch eine Azetti. Da solltest du an so etwas gewöhnt sein!“
Aber Bonita war anders als die anderen Azettis.
Als ihre Mutter nach drei strammen Söhnen eine Tochter bekommen hatte, hätte man meinen sollten, dass sie Bonita in Watte gewickelt, in rosa Kleidchen gesteckt und zum Ballettunterricht geschleift hätte. Stattdessen hatte sie sie wie einen der Jungs behandelt. Bonita hatte die abgelegten Klamotten ihrer Brüder tragen und mit deren Spielsachen spielen müssen, bis sie als Teenager lautstark erkämpfte, endlich ein Mädchen sein zu dürfen.
Ständig war sie mit Ihrer Mutter in Streit geraten, weil sie eben nicht so wild und furchtlos war wie der Rest der Familie. Und weil sie sich zu deren großen Enttäuschung nicht sonderlich für Pferde begeistern konnte. Klar, hätten ihre Mutter oder ihre Brüder sich bei einem Sturz vom Pferd die Schulter ausgekugelt oder ein Knie verrenkt, dann hätten sie ihre Schmerzen sicher klaglos ertragen. Aber Bonita war anders.
Sie hatte eher das dramatische Temperament ihres sizilianischen Vaters Luigi geerbt. Hugh wusste das. Er schmunzelte verstohlen, als Bonita über Debs Bemerkung die Augen verdrehte, doch er sparte sich jeden Kommentar.
„Kannst du nicht irgendetwas gegen die Schmerzen unternehmen?“
Bonita wusste natürlich, dass Hugh genau das gerade versuchte. Schließlich wollte er sie so schnell wie möglich zum Röntgen schaffen. Geduldig hielt er ihr die Atemmaske entgegen.
„Nun komm schon.“ Er bemühte sich, freundlich zu bleiben. „Ich weiß, dass du Schmerzen hast, aber wenn du einfach nur ein paar Mal tief einatmen und mir deinen Arm überlassen würdest, dann könnten wir den Zugang legen und dir etwas Stärkeres gegen die Schmerzen geben.“ Schmerzmittel – oh ja, das klang wirklich verlockend. In dem Jahr, seit Bonita hier arbeitete, hatte sie schon oft mit ausgerenkten Schultern zu tun gehabt. Natürlich hatte sie gewusst, dass es wehtat. Doch sie hatte keine Ahnung gehabt, wie sehr.
„Die Schulter ist bestimmt nicht einfach nur ausgekugelt“, klagte sie. „Das ist viel schlimmer als eine normale Dislokation. Ich glaube, da muss etwas gebrochen sein. Oder die Nerven sind eingeklemmt.“
„Wie wär’s, wenn wir dir schnell etwas gegen die Schmerzen verabreichen, ein paar Röntgenbilder machen und ich dann meine Diagnose stelle?“
„Oh, entschuldige. Ich hatte ganz vergessen, dass ich ja nur eine einfache Krankenschwester bin“, erwiderte Bonita bissig. „Wie ungehörig von mir, eine eigene Meinung zu haben.“
„Ist schon in Ordnung, Schwester.“ Er zwinkerte ihr besänftigend zu. Hugh hatte immer schon so eine Art gehabt, sie zurechtzuweisen. Bereits als sie noch ein Kind war, hatte er klar gemacht, dass er sie für eine entsetzliche Plage hielt. Ihre Wutanfälle als Teenager hatte er gelangweilt über sich ergehen lassen, und als sie verkündet hatte, dass sie Krankenschwester werden wollte, hatte er sie bloß ausgelacht.
Warum war er nicht einfach in England geblieben, wo er hingehörte?
Mit achtzehn war Hugh für ein Jahr nach Australien gekommen, um vor Beginn seines Medizinstudiums zu reisen und etwas von der Welt kennenzulernen. Eigentlich hatte er vorgehabt, in England zu studieren, doch dann hatte er sich in die australische Landschaft verliebt und kurzerhand sein Studium hierher verlegt. An der Universität hatte er sich dann mit Bonitas Bruder Paul angefreundet und war während ihrer gemeinsamen Studienzeit so etwas wie eine feste Einrichtung im Haushalt der Azettis geworden.
Bonitas Eltern besaßen ein großes Anwesen auf der Mornington Halbinsel, wo sie ein Weingut betrieben, ihre eigenen Trauben züchteten und einen hervorragenden Wein produzierten. Ebenso wie die Reitschule ihrer Mutter war der Winzereibetrieb über die Jahre erfolgreich expandiert. Und abgesehen von seinem Blondschopf hatte Hugh sich bestens in die Familie eingefügt. Er war regelmäßig zum Essen gekommen und hatte oft auf dem Gut übernachtet.
Während der Semesterferien hatte er bei der Weinlese geholfen, im hauseigenen Hofladen der Kellerei gearbeitet oder die Pferde trainiert. Dabei hätte er, wie sich später herausstellte, keinesfalls nötig gehabt zu arbeiten. Bei seinem familiären Hintergrund hätte er es sich leisten können, sich während der sechs Jahre seines Studiums voll und ganz aufs Lernen und aufs Feiern zu konzentrieren. Hugh war es jedoch gelungen, alle drei Dinge unter einen Hut zu bringen – Arbeit, Studium und Partys. Tatsächlich hatte er es in all diesen Disziplinen zu wahrer Meisterschaft gebracht!
Im Haushalt der Azettis war er beinahe so etwas wie ein vierter Sohn. Und es war einer der seltenen Anlässe, bei denen Bonita ihre Mutter hatte weinen sehen, als Hughs Vater erkrankte und Hugh nach England zurückgeeilt war. Nicht bloß für die Ferien, sondern dauerhaft.
Natürlich waren sie in Kontakt geblieben. Regelmäßig trafen Postkarten oder Briefe von ihm ein, Briefe voll trockenem englischen Humor, die Bonitas Mutter Carmel den anderen lachend vorlas. Ab und an leitete Paul auch die E-Mails weiter, in denen Hugh die Familie über seine neuesten Erfolgsgeschichten, über Beförderungen, Freundinnen, Todesfälle in der Familie, Verlobungen und Trennungen auf dem Laufenden hielt.
Doch zwischen Bonita und Hugh hatte es nach seinem Weggang nie mehr direkten Kontakt gegeben.
Bis vor sechs Monaten.
Bis sie eines Abends nach Hause kam und ihn am Esstisch ihrer Familie antraf – ein Überraschungsgast mit überraschenden Neuigkeiten.
Er war wieder da.
Und nicht nur das. Er hatte eine Stelle als Arzt in der...




