Markham | Apartment in Manhattan | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

Markham Apartment in Manhattan


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-95576-223-0
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

ISBN: 978-3-95576-223-0
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Die muntere Endzwanzigerin Tracey kennt keinen Liebeskummer. Sie ist glücklich mit Will - der Mann, mit dem sie aus der Provinz ins brodelnde Manhattan gezogen ist. Bald ist Hochzeit, denkt sie, doch Will denkt das nicht. Er lässt sie sitzen, und die mollige Werbeassistentin steht plötzlich als Single allein in New York. Trotzkopf Tracey baut auf die Radikalkur: raus aus dem öden Job, rein in hippe Klamotten und ab zum Body Work Out! Die Wandlung ist verblüffend. Das merkt auch der gute Freund Buckley

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1. KAPITEL


Und so wird mein Leben später aussehen: Ich heirate Will. Er wird ein großer Star am Theater, und ich werde meine Karriere als Werbekauffrau aufgeben, um bei unseren Kindern zu Hause zu bleiben. Wir werden in New York wohnen bleiben und nicht in den Süden ziehen (denn ich brauche unbedingt alle vier Jahreszeiten), und im Laufe der Jahre werden wir uns unmerklich in Senioren verwandeln, die Seite an Seite in einer kleinen verschwiegenen Nische bei Friendly’s sitzen. Ich war zwar noch nie in einem der Friendly’s in Manhattan, und ich habe auch noch nie neben Will in irgendeinem Restaurant gesessen.

Es ist nämlich so, dass Will viel Freiraum braucht.

In Restaurants.

Generell.

Ich dagegen brauche für mich selbst praktisch keinen Freiraum. Was ich auch meiner Freundin Kate bei einem großen Karamell Macchiato im Starbucks erkläre, nachdem sie mit geradezu unheimlicher Ruhe gesagt hat, dass jeder Mensch seinen Freiraum braucht.

„Ich brauche keinen Freiraum“, sage ich zu Kate, die dabei ihre aquamarinfarbenen Augen (Kontaktlinsen, was sonst) in Richtung ihres blond gefärbten Haaransatzes verdreht. Kate ist im tiefen Süden aufgewachsen, wo man offensichtlich am besten ankommt, wenn man eine dünne Blondine mit blauen Augen ist. Aber wahrscheinlich kommt man als dünne Blondine mit blauen Augen überall gut an, was mir als wohlgerundete brünette New Yorkerin schmerzlich bewusst ist.

„Ja, auch du brauchst deinen Freiraum, Trace“, beharrt Kate, wobei nur ein Hauch von dem Südstaatenakzent zu hören ist, den sie sich so mühevoll abgewöhnt. „Glaub mir, es würde dir überhaupt nicht gefallen, Will jede Sekunde des Tages auf der Pelle zu haben.“

Okay, die Sache ist aber so …

Es würde mir gefallen.

Wirke ich Mitleid erregend? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Vorsichtshalber gebe ich es Kate gegenüber nicht zu, die bereits erklärt hat, dass sie sich Sorgen um mich macht. Sie glaubt, dass meine Beziehung mit Will zu einseitig ist.

„Nein“, lüge ich, „jede Sekunde des Tages würde mir auch nicht gefallen. Aber das heißt noch lange nicht, dass ich will, dass er demnächst drei Monate lang bei Sommeraufführungen in den Adirondacks mitwirkt.“

„Tja, ich glaube allerdings nicht, dass du die Wahl hast. Es ist schließlich nicht so, als ob du mitkommen könntest.“

Ich konzentriere mich auf das Getränk vor mir und versuche, den süßen Schaum in die dunklere Flüssigkeit einzurühren. Er widersetzt sich aber und klebt als Flauschbällchen an dem hölzernen Löffel wie das baumwollartige Gespinst der seltsamen Käfer an meinem kränkelnden Philodendron, der bei mir zu Hause steht.

„Tracey“, sagt Kate warnend, offensichtlich etwas entnervt.

„Ja?“ frage ich unschuldig und spiele mit meinem gelben Bic-Feuerzeug, mache es an und wieder aus und sehne mich nach den guten alten Tagen, als man sich noch überall eine Zigarette anstecken durfte.

„Spielst du etwa mit dem Gedanken, Will zu begleiten?“

„Warum nicht?“

„In erster Linie deshalb, weil du keine Schauspielerin bist. Du hast dich für eine andere Karriere entschieden.“

Oh ja richtig. Meine Karriere. Mein Einstiegsjob bei der Blaire-Barnett-Werbeagentur, wo ich dank meines wohlklingenden Titels und der Tendenz, mich ohne sorgfältige Nachforschungen in neue Abenteuer zu stürzen, erst kapiert habe, dass ich eine kleine Sachbearbeiterin bin, als mein Chef mir zum Tag der Sekretärin eine Topfpflanze schenkte.

Dabei handelte es sich um den besagten Philodendron. Genau wie meine Arbeitsstelle erschien er mir am ersten Tag äußerst viel versprechend, mit glänzenden grünen Blättern und in verheißungsvoll knisterndes Cellophan gehüllt, mit bunten Schleifen geschmückt und einer Karte versehen, auf der stand: „Liebe Traci“ (auch noch falsch geschrieben!), „Danke für alles, was du für uns tust. Herzlichst, Jake“. Ich nahm ihn mit nach Hause, stellte ihn auf meine Fensterbank, und eine Woche später war er bedeckt mit den Käfern, die ihn vernichten wollen.

„Ich könnte es sein lassen“, sage ich zu Kate und spiele schon wieder mit meinem Feuerzeug.

„Was? Das Rauchen?“

„Nein, bloß nicht. Das Arbeiten! Ich könnte kündigen.“ Ich werfe das Feuerzeug auf den Tisch.

„Das habe ich befürchtet.“ Kate, eine militante Nichtraucherin, verzieht das Gesicht. Sie trinkt einen Schluck, dann sagt sie: „Du würdest also deinen Job kündigen, den du seit nicht mal zwei Monaten hast …“

„… über zwei Monate!“

„Gut, über zwei Monate“, fährt sie fort, „und dann – was? Hast du vor, Will überall dorthin zu folgen, wo er hingeht? Was würdest du tun?“

„Vielleicht Theaterkulissen bauen oder als Kellnerin jobben. Keine Ahnung. Ich habe noch nicht darüber nachgedacht. Ich weiß nur, dass ich den Gedanken nicht ertragen kann, den Sommer in dieser Hölle ohne Will zu verbringen.“

„Weiß Will das schon?“

Ihre Frage ist völlig eindeutig, aber trotzdem zögere ich. „Was soll Will schon wissen?“

„Dass du dir überlegst, ihn zu begleiten.“

„Nein“, gebe ich zu.

„Wann fährt er denn?“

„In ein paar Wochen.“

„Vielleicht ändert er ja noch bis dahin seine Meinung und bleibt hier.“

„Nein. Er sagt, dass er unbedingt mal aus der Stadt raus muss.“

Kate zieht die Augenbrauen hoch und deutet damit an, was sie insgeheim vermutet – dass Will nicht nur vor der Stadt flieht. Wenn sie diesen Verdacht tatsächlich ausspricht, werde ich ihr sagen, dass sie sich täuscht.

Aber so sicher bin ich mir da nicht.

Und das ist der Hauptgrund, warum ich Will in diesem Sommer nicht allein lassen möchte. Denn seit wir vor drei Jahren gemeinsam nach New York gekommen sind, ist unsere Beziehung ungefähr so stabil wie ein japanisches Billigmodel bei hundertdreißig Stundenkilometern – in der Haarnadelkurve. Bei Wind. Und Regen.

Wir haben uns auf dem College kennen gelernt, als wir beide gerade dort angefangen hatten. Will kam von einer bekannten Universität aus dem Mittleren Westen auf die liberale SUNY. Er verachtete das konservative, von traditionellen amerikanischen Werten geprägte Gehabe sowohl seiner alten Uni als auch seiner Familie.

Ich wusste genau, was er meinte. Vielleicht fühlte ich mich deshalb sofort zu ihm hingezogen. Die kleine Stadt im Westen des Staates New York, in der ich aufwuchs, hatte große Ähnlichkeit mit dem Mittleren Westen, den Will verabscheute.

Da war zum einen der Akzent, der die Menschen verriet, egal ob im Bundesstaat New York oder in Chicago. Dazu kam in meinem Fall auch noch, dass ich, wie alle in meiner Familie und meinem Bekanntenkreis, katholisch war. Außer meiner Freundin Tamar Goldstein, das einzige jüdische Mädchen auf der Brookside High School, mussten wir alle bei den religiösen Festivitäten des High Holy Days im Oktober mitmachen. Ausnahmen gab es nicht.

Dann war da meine weit verzweigte italienische Familie, in der Tradition groß geschrieben wurde: Sonntags ging man um 9:30 in die Kirche, anschließend gab es Kaffee und Cannoli im Haus meiner Großmutter mütterlicherseits, gefolgt von Spaghetti im Haus meiner Großmutter väterlicherseits. So begann jeder einzelne Sonntag meines gesamten Lebens, und für immer und ewig werde ich die Narben davontragen – in Form von einer gewaltigen Cellulite.

Will dagegen ist evangelisch, und seine Vorfahren stammen aus England und Schottland. Er spricht akzentfrei, er hat keine Cellulite, und im Haus seiner Eltern kommt die Spaghettisauce direkt aus dem Glas.

Aber trotzdem war uns gemeinsam, dass auch er einer beklemmenden Routine entfliehen und nach New York City gehen wollte, solange er zurückdenken konnte. Doch während er die State University of New York in Brookside als einen großen Schritt in die richtige Richtung empfand, brachte ich es nicht übers Herz ihm zu sagen, dass Brookside kein bisschen besser als Iowa im Mittleren Westen war. Schließlich fand er es selbst heraus, mit dem Ergebnis, dass er nicht mal die Abschlussfeier mitmachte, weil er so schnell wie möglich der spießigen Kleinstadtatmosphäre entrinnen wollte.

Als wir uns im ersten Semester kennen lernten, hatte Will zu Hause in Des Moines eine Freundin, und ich wohnte drei Meilen vom Campus entfernt bei meinen Eltern. Unsere Beziehung entwickelte sich allmählich, und das lag ausschließlich an Will. Im Nachhinein habe ich erkannt, dass er hin- und hergerissen war: Er betrog seine Freundin und wollte mit ihr Schluss machen, während er mich im Grunde genauso behandelte, weil er am liebsten ständig mit anderen Mädchen ins Bett gegangen wäre.

Er sprach ganz frei über sie, in einer so lässigen Art und Weise, dass es mich verrückt machte, denn das musste ja bedeuten, dass er uns beide in erster Linie als gute Kumpel sah und nicht mehr. Wann immer ich unangemeldet in sein Apartment platzte und er gerade mit ihr telefonierte, machte er keinen Versuch, das Telefonat zu beenden. Wenn er schließlich aufgelegt hatte, dann sagte er ganz locker: „Oh, das war Helene.“ Wenn er mehr in mir gesehen hätte als eine Bekanntschaft (wie er es nannte), mit der er rumschmuste, wenn er sie zufällig abends in einer Disco traf, dann wäre er wohl nicht so offenherzig über seine Beziehung mit Helene gewesen.

Sie hieß also Helene, und bei diesem Namen stellte ich mir etwas Exotisches, Rassiges vor.

Dann fuhr Will über Weihnachten...



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