E-Book, Deutsch, 400 Seiten
Markham Gelassene Eltern – glückliche Geschwister
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-86781-325-9
Verlag: Arbor
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Wie man das Streiten beendet und Geschwister Freunde fürs Leben werden
E-Book, Deutsch, 400 Seiten
ISBN: 978-3-86781-325-9
Verlag: Arbor
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Laura Markham hat durch ihre Klassiker „Gelassene Eltern – Zufriedene Kinder“ weltweit Anerkennung und Zuspruch dankbarer und begeisterter Eltern bekommen. Hier wendet sie sich dem Verhältnis zwischen Geschwistern zu. Alle Eltern mehrerer Kinder wissen, welche Herausforderung es ist, zwischen Geschwistern Ausgleich, Gemeinschaftlichkeit und Harmonie zu wahren und zu fördern: Jede hinzukommende kleine Persönlichkeit kann den Alltag von Geschwistern erneut in ein Getümmel aus Konkurrenz, Konflikt, Missverständnissen und Befindlichkeiten verwandeln. Doch Frieden stiften, erhalten und Konflikten vorbeugen ist möglich. Laura Markham gelingt es mit ihrem direkten, einfühlsamen und fundierten Ansatz überzeugend, Familien Wege hin zu tiefer menschlicher Verbindung zwischen Eltern, ihren Kindern und den Geschwistern untereinander aufzuzeigen.
Stimmen zum Buch:
„Öffnen Sie dieses Buch und Sie finden klare Aussagen, klugen Rat, nützliche Hinweise und eine riesige Extraportion Respekt gegenüber Eltern und Kindern.“
Patty Wipfler, Gründerin von Hand in Hand Parenting
Weitere Infos & Material
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Wie man zu entspannten Eltern wird
Wenn ich präsent sein kann und atme, zeigt sich oftmals die Liebe. Wenn ich in der Vergangenheit und in der Angst bin, dann verursache ich eine Eskalation, die sich vielleicht noch nicht einmal in der Realität zusammengebraut hätte.
Staci
Gelassen bedeutet nicht, dass es bei Ihnen zu Hause nicht auch mal wild oder lebhaft oder lustig zugeht. Es bedeutet einfach, dass darauf hinarbeiten, innerlich gelassener und weniger reaktionsfreudig zu werden. Dadurch sind Sie Ihren Kindern ein besseres Vorbild und helfen ihnen dabei, ein Gehirn inklusive Nervensystem zu kreieren, das sich selbst regulieren kann.
Kein Vater und keine Mutter ist immer gelassen. Doch Eltern, die sich mehr Frieden in ihren Familien und in ihren eigenen Herzen wünschen, betrachten diese drei Prinzipien als unverzichtbar:
- Ein gelassener Vater reguliert seine eigenen Emotionen, auch angesichts starker Gefühle und Fehlverhalten seitens des Kindes. Dadurch sind wir in der Lage, eine positive Beziehung zu unserem Kind herzustellen, auch in Situationen, in denen die Gefühle überkochen. Wir können davon ausgehen, dass sich Kinder von Zeit zu Zeit kindisch verhalten. Deshalb liegt es in unserer Verantwortung, dass wir uns wie Erwachsene verhalten, was bedeutet, dass wir der Versuchung nicht nachgeben, selber einen Wutanfall zu bekommen. Als Eltern haben wir immer die Möglichkeit, die kindliche Aufruhr mit unserer eigenen Reaktion zu besänftigen – oder sie zu verschlimmern.
Wie wirkt sich die Verpflichtung der Eltern, ihre Emotionen zu regulieren, auf die Beziehung der Geschwister aus? Da Eltern als Vorbild fungieren, werden Sie hören, wie Ihr Kind mit seinem Bruder oder seiner Schwester in der Art und Weise und in dem Tonfall spricht, wie Sie es tun. Kinder, deren Eltern ihre Emotionen regulieren, lernen ihre eigenen Emotionen zu steuern und somit auch ihr Verhalten – sowie das gegenüber ihren Geschwistern.
Sie können sich leichter selbst beruhigen, sprich, sie streiten weniger. Sie werden zwar noch eifersüchtig, aber sie verfügen über eigene Ressourcen, um ihre gemischten Gefühle auf gesunde Art und Weise zu bewältigen. Und dann kann die Zuneigung die Rivalität besiegen.
- Für gelassene Eltern hat die herzliche Verbindung zu ihrem Kind oberste Priorität. Jedes Kind braucht das Gefühl, gehört, verstanden und wertgeschätzt zu werden, einfach für sein So-sein. Ansonsten fühlt es sich nicht sicher und bringt seinen Unmut zum Ausdruck.
Es gibt einen weiteren enormen Nutzen: Kinder sind motiviert, unserer Führung zu folgen, wenn sie sich mit uns verbunden fühlen. Ohne Anwendung von Gewalt können wir niemanden wirklich , etwas zu tun. Zudem hält dies nur solange an, wie wir einen erheblichen körperlichen Vorteil haben. Unsere Kinder müssen sich frei dafür , das zu tun, was wir sagen. Aus diesem Grund erleben viele Eltern den Alltag mit ihren Kindern als eine endlose Abfolge von Bestechungen, Drohungen und Machtkämpfen, damit sie irgendwie den Tag überstehen. Doch wenn die Eltern sich innig mit ihrem Kind verbinden, das Kind diese Beziehung beschützen und wird eher der Führung der Eltern folgen. Somit sind Kinder, die sich verbunden fühlen, kooperativer. Das macht es natürlich für die Eltern leichter, aber auch für Geschwister, die zur Familie gehören, denn das Kind ist fröhlicher und emotional großzügiger.
Letztendlich wird ein Kind, das sich mit einem Elternteil verbunden fühlt, eher das wertschätzen, was dieser Elternteil wertschätzt, und dessen Vorbild folgen. Dies bedeutet, dass es sich dem Geschwisterkind eher so gegenüber verhält wie es sein Elternteil tut, sprich, es wird sich eher fürsorglich, freundlich und geduldig verhalten.
- Ein gelassener Vater coacht, anstatt zu kontrollieren. Was bedeutet es, zu coachen anstatt zu kontrollieren? Ein Coach schult und unterstützt ein Kind dahingehend, dass es sein bestes Ich entfalten kann. Ein Coach bestraft nicht. Er schafft geduldig Gelegenheiten, in denen das Kind wachsen kann, und feiert jeden Schritt in die richtige Richtung. Kinder reagieren auf Coaching in der Weise, dass sie unbedingt ihr Bestes geben wollen und der Coach sein möchten. Kontrollierendes Agieren hingegen zwingt ein Kind dazu, sich unter Androhung von Strafe so zu verhalten, wie Sie es gerne hätten.
Dies bedeutet, dass gelassene Eltern ihre Kinder nicht bestrafen. Natürlich setzen sie Grenzen, aber dies beinhaltet keine Bestrafung. Ich bin mir bewusst, dass viele Menschen der Meinung sind, dass Kinder, die streng erzogen werden, sich besser benehmen. Das ist einfach nicht der Fall. Wissenschaftliche Studien zum Thema Disziplin zeigen übereinstimmend, dass eine strenge oder autoritäre Kindererziehung tatsächlich Kinder hervorbringt, die ein geringeres Selbstwertgefühl haben und sich schlechter als andere Kinder benehmen – und aus diesem Grund noch öfter bestraft werden! 2
Das Problem mit Bestrafung besteht darin, dass wenn das Kind sich nicht tatsächlich für das Verhalten entscheidet, dann »besitzt« es dieses nicht. Es ist nicht aus sich heraus motiviert, »das Richtige zu tun«. Als meine Tochter sechzehn Jahre alt war, habe ich sie für einen Blog-Post danach gefragt, wie sie gelernt hat, sich zu benehmen, ohne jemals bestraft worden zu sein. Sie antwortete, »
Sprich: Ja, es wäre bequemer, wenn unsere Kinder uns einfach gehorchen würden! Aber ihr Bedürfnis, selber zu was sie tun wollen, ist in Wahrheit eine gute Sache. Denn dann beginnen sie, Verantwortung für sich selber zu übernehmen. Wenn Sie Ihr Kind coachen, helfen Sie ihm dabei, die Fähigkeiten zu entwickeln sowie den Willen, sein bestes Ich öfter zu zeigen. Sie werden in diesem Buch erfahren, wie Sie Ihrem Kind dahingehend ein Vorbild sein und es coachen können, dass es kooperieren und Sie es nie wieder bestrafen müssen.
Und wie wirkt es sich auf die Geschwisterbeziehung aus, wenn Eltern coachen statt zu kontrollieren? Studien zeigen, dass Eltern, die strafen und kontrollieren am Ende Kinder großziehen, die einen negativeren Umgang miteinander haben, da sie festgestellt haben, dass durch den Einsatz von Drohungen und Macht andere dazu bewegt werden, das zu tun, was man von ihnen will.3 Letztendlich haben sie ihren Eltern aufmerksam zugehört. Im Gegensatz dazu coachen gelassene Eltern ihre Kinder so, dass sie über die zwischenmenschlichen Fähigkeiten zur Konfliktbewältigung verfügen. Diese umfassen z.B., wie sie ihre Bedürfnisse erfüllt bekommen und sich gleichzeitig respektvoll der anderen Person gegenüber verhalten. Auf diese Weise gelingt es ihnen besser, Schwierigkeiten im Zusammenleben mit anderen Menschen gekonnt zu meistern.
Sind Eltern immer gelassen? Natürlich nicht! Sie sind Menschen. Wie wir alle ist kein Vater und keine Mutter perfekt. Uns selbst zu regulieren ist die schwierigste emotionale Aufgabe, mit der wir konfrontiert sind. Somit kann es ungeachtet unserer guten Vorsätze ein schwerer Kampf sein. Da die Eltern-Kind-Beziehung nur eine Reihe von gemeinsamen Augenblicken ist, vermehren sich diese positiven Entscheidungen. Durch zwei Schritte nach vorne und einen Schritt zurück gelangt Ihre Familie dennoch auf einen positiveren Weg, und ehe Sie sich versehen, befinden Sie sich in einer ganz neuen Umgebung.
Diese Fähigkeiten werden Ihnen helfen, entspannte Eltern zu werden
Wenn Sie anstreben, sich zu einer gelasseneren Mutter oder einem gelasseneren Vater weiterzuentwickeln, wo fangen Sie am besten an? Mit zwei für die Erziehung wesentlichen Kompetenzen: sich selbst beruhigen und Emotionscoaching.
Sich selber beruhigen
Ich bin nie laut geworden, bis ich zwei Kinder bekam.
Elaine
Die meisten Eltern wünschen sich, sie könnten »ruhiger bleiben«. Aber niemand bleibt immer ruhig, zumindest dann nicht, wenn man mehr als ein Kind hat. Die Herausforderungen, die ein Leben mit Kindern mit sich bringt, werden uns immer aufrütteln und aus unserer Mitte reißen. Anstatt zu versuchen, »ruhig zu bleiben«, könnten Sie sich das Ziel setzen, aufmerksam zu beobachten, wann Sie beginnen, sich aufzuregen – und eine Reihe von Strategien entwickeln, wie Sie wieder innerlich ruhig werden.
Es ist ein bisschen wie wenn man ein Musikinstrument spielen lernt. Zuerst scheint es unmöglich, eine einfache Melodie zu spielen. Wenn Sie aber regelmäßig üben, können Sie nach einem Jahr eine Sonate spielen. Wie bei jeder Praxis werden Sie niemals perfekt sein, aber jedes Mal, wenn Sie sich beruhigen, wird es einfacher. Sie schaffen die Nervenverbindungen für eine bessere Selbstregulierung und vernetzen so tatsächlich Ihr Gehirn neu.
Wenn Sie genug Schlaf bekommen und Ihre Grundbedürfnisse erfüllt sind – was oftmals für viele Eltern ein Riesenproblem...




